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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Bei allen Göttern«, ächzte Garth. Er schlug seine Kapuze zurück, um besser sehen zu können. Es war das erste Mal, seit sie den Berg erreicht hatten, daß Torian eine Gefühlsreaktion bei ihm entdeckte, die über bloßen Sarkasmus hinausging. Es war absurd – aber es erfüllte ihn mit einem Gefühl irrwitziger, so starker Erleichterung, daß er für einen kurzen Moment sogar seine Umgebung vergaß. Die unheimliche Verwandlung, die der Dieb durchgemacht hatte, hatte ihn mehr erschreckt, als ihm selbst bisher klargeworden war. Die ganze Zeit über hatte er das Gefühl gehabt, einem Fremden zu folgen, jemandem, der aussah wie Garth und der sich auch so bewegte, aber dem die Fähigkeit zu fühlen fehlte. Nichts schien ihn überraschen zu können. Fast, als wäre er schon einmal hiergewesen, und dies alles ihm vertraut, ohne daß er sich bemühte, es allzu offen zu zeigen.

Sein plötzliches Entsetzen aber war echt, und in seinen Augen spiegelte sich mit einem Mal eine so abgrundtiefe Furcht, daß Torians Erleichterung jäh in das Gegenteil umschlug.

Mit zwei raschen Schritten trat der Dieb an eine Wand und ließ seine Finger über das Gestein gleiten. Er trat in einen der Gänge, berührte auch dort die Wand, fuhr sofort wieder herum und hastete in einen anderen Gang.

»Das... das ist Zauberei!« keuchte er. »Torian, das ist unmöglich! Wir sind an keiner einzigen Abzweigung vorbeigekommen, das weiß ich genau!«

»Ich... ich habe ebenfalls keine gesehen«, erwiderte Torian mühsam. Ein Gefühl immer stärker werdender Hysterie begann sich in ihm breitzumachen. »Wie kann denn plötzlich...« Er brach verwirrt ab und blickte sich noch einmal um. Auch vor und neben ihnen mündeten nun wie aus dem Nichts zahlreiche Gänge, so daß sie im Mittelpunkt von mehr als drei Dutzend Korridoren standen. Unsicher trat er ebenfalls auf einen der Gänge zu, die vorher mit Sicherheit nicht dagewesen waren.

Mit aller Macht klammerte er sich an die Hoffnung, nur einer optischen Täuschung aufgesessen zu sein und im nächsten Moment gegen eine unsichtbare, massive Wand zu prallen.

Aber nichts dergleichen geschah. Nichts hinderte ihn am Weitergehen. Die Gänge waren ebenso real wie die Mauern zuvor.

Und trotzdem war es unmöglich!

»Was geschieht mit uns, Garth? Was hat das alles zu bedeuten?« murmelte er.

Hilflos hob der Dieb die Schultern. »Ich weiß es nicht. Aber wir werden es herausfinden. Komm, wir können hier nicht bleiben.«

Er wandte sich zum Gehen, aber Torian hielt ihn noch einmal zurück.

»Warte«, sagte er hastig, als Garth sich mit einem Ruck freimachen wollte. »Ich weiß nicht, was mit dir los ist, aber du verschweigst mir etwas. Sag mir endlich, was mit dir geschehen ist.«

»Ich weiß nicht, was du...«

»Verkauf mich nicht für dumm!«, unterbrach Torian ihn scharf. »Das ist kaum der Moment für irgendwelche Spielchen. Du weißt genau, was ich meine. Warum hast du dich mit einem Mal entschieden, mir zu helfen? Woher diese plötzliche Energie? Und was weißt du über diesen Tempel? Es war doch kein Zufall, daß wir den unterirdischen Stollen gefunden haben. Solche Zufälle gibt es nicht. Du wußtest, daß er da ist, und daß wir auf diesem Weg in den Tempel kommen. Woher, Garth? Was ist los mit dir?«

Garth starrte ihn hilflos an. Für einen ganz kurzen Moment machte sich auf seinem Gesicht ein Ausdruck von Bestürzung breit, fast so etwas wie jähes Begreifen, dann verzerrte es sich zu einer Grimasse des Schreckens. Er hob die Hand und massierte verwirrt seine Stirn.

»Ich... ich weiß es nicht«, stieß er gequält hervor. »Ich meinte den Weg gesehen zu haben und...«

Er brach ab. Ein Ruck ging durch seine Gestalt. Er straffte sich. »Es war einfach ein Versuch. Wir konnten nicht weiter durch die Schlucht reiten, das hätte jeder Idiot erkannt. Und Angst habe ich noch genauso wie vorher, das kannst du mir glauben. Und schließlich warst du es doch, der mir erklärt hat, wie wichtig unser Auftrag ist. Also sehen wir zu, daß wir Shyleen finden – oder?«

Torian musterte ihn einige Sekunden lang durchdringend. Er schwieg, obwohl es viel gegeben hätte, was er hätte sagen können. Er hatte Garth’ Selbstsicherheit für einen Moment erschüttern können, aber der Augenblick war vorbei. Und doch hatte Garth ihm etwas verraten, vielleicht mehr, als ihm selbst bewußt wurde. Er hatte bestätigt, daß etwas mit ihm nicht mehr stimmte; weniger durch seine Worte als durch sein Verhalten. Der Schrecken auf Garth’ Gesicht, als er selbst für einen Augenblick die Wahrheit erkannt hatte, war echt gewesen, aber viel wichtiger war das Erschlaffen seiner Züge gewesen, das seinem Gesicht für einen Augenblick einen so maskenhaften, leblosen Ausdruck verliehen hatte. Torian hatte es schon einmal gesehen, vor nicht einmal einem Tag. Und endlich begriff er.

Visionsartig erlebte er noch einmal Salamirs Tod, sah, wie der Magier sich in seinen Armen aufbäumte und im Augenblick seines Todes Garth fast beschwörend anstarrte. Etwas mußte in diesem Moment schon geschehen sein, das erst bei Erreichen des Berges seine Macht entfaltet hatte. Noch im Augenblick seines Todes hatte Salamir den Dieb mit einem Bann belegt, um zu verhindern, daß Garth noch einmal von seiner Angst überwältigt wurde und floh. Torian wußte nicht, wie Garth’ Auftrag lautete und welche Wirkung Salamirs Bann wirklich hatte. Bislang hatte er ihnen geholfen, ihnen den richtigen Weg gewiesen; aber zumindest von diesem Labyrinth hatte Salamir offensichtlich nichts gewußt.

Wütend ballte Torian die Fäuste. Salamir hatte Garth seelisch vergewaltigt, ihn zu einer Marionette gemacht, auch wenn es in bester Absicht geschehen war. Torian versuchte Haß auf den Magier zu empfinden, aber wie zuvor gelang es ihm auch jetzt nicht. Trotz seiner ungeheuren Kräfte war Salamir ein alter, verbitterter Mann gewesen, der sein Leben geopfert hatte, weil er eine Gefahr erkannt hatte, aber zu schwach gewesen war, sie erfolgreich zu bekämpfen. Die Entscheidung, eine solche Verantwortung in die Hände zweier Menschen zu legen, die nicht annähernd seine Kraft besaßen, mußte aus reiner Verzweiflung geboren sein. Von Salamirs Standpunkt aus war es vielleicht sogar verständlich, daß er sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln abzusichern versuchte.

Aber das gab ihm noch lange nicht das Recht, einen Menschen in eine Puppe zu verwandeln, dachte Torian wütend.

Und jetzt fielen ihm noch andere Veränderungen auf: Garth bewegte sich langsamer als gewohnt, eine kaum wahrnehmbare Winzigkeit nur, doch mochten auch diese Bruchteile von Sekunden in einem Kampf über Leben und Tod entscheiden.

Was noch? dachte er. Was würde er noch an Garth bemerken vielleicht zu spät?

Einen Moment lang überlegte er, Garth einfach die Wahrheit zu sagen und abzuwarten, was geschah, verwarf den Gedanken aber fast so schnell, wie er ihm gekommen war. Er wußte nicht, was geschehen würde, selbst wenn es ihm gelänge – was nicht sehr wahrscheinlich war –, den Bann zu brechen.

Aber er nahm sich vor, in Zukunft noch besser auf den Dieb zu achten, um eventuelle weitere Folgen von Salamirs Tun frühzeitig zu erkennen.

»Wir müssen weg hier«, drängte der Dieb noch einmal. »Wer auch immer diese Falle aufgestellt hat, weiß, daß wir hier sind.«

»Und wohin?« fragte Torian. »Du weißt nicht zufällig, welches der richtige Weg ist?«

»Nein.« Garth schüttelte den Kopf. Wenn er den lauernden Unterton in seinen Worten überhaupt gehört hatte, verstand er ihn nicht. »Vielleicht gibt es so etwas wie einen richtigen Weg gar nicht«, knurrte er. »Jedenfalls kommen wir hier nicht weiter. Aber da wir hereingekommen sind, müssen wir auf gleichem Weg auch wieder hinauskommen. Versuchen wir zurückzugehen und einen anderen Eingang zu finden. Ich glaube, wir sind von dort gekommen.«

Er deutete scheinbar wahllos auf einen Gang. Torian hatte längst die Orientierung verloren und zuckte deshalb nur mit den Schultern. Zur Sicherheit schlug er dicht über dem Boden mit dem Schwert eine kleine Kerbe in die Wand, dann drangen sie in den Gang ein.

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