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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Es fiel Jehuda schwer, sein Gesicht ausdruckslos zu halten. Er wußte, er selber galt als hochfahrend, und keinem seiner Gäste konnte entgangen sein, wie bedeutsam sein und Doña Raquels Geschick dem des Mardochai und der Esther ähnelte. Sicher maßen sie ihn an Mardochai. Und während Don Benjamín auf Mardochais Stolz schalt, überkam Jehuda ein bitterer Verdacht. Es war ihm vergönnt gewesen, den Juden Toledos Segen zu bringen. Aber schauten sie nicht vielleicht trotzdem noch immer mit den Augen des Rabbi Tobia auf ihn, voll Abscheu? Dem Mardochai verdachte es keiner, daß er die Pflegetochter dem heidnischen König in seine Burg und ins Bett schickte. Aber Mardochai hatte vor vielen hundert Jahren gelebt in der Stadt Susa, die fern war. Er, Jehuda, lebte heute, und die Galiana war keine zwei Meilen entfernt. Argwöhnisch prüfte er die Gesichter seiner Gäste, argwöhnisch vor allem den jungen Don Benjamín. Er konnte ihn nicht leiden; seine Blicke waren kühl und wagend und ohne die Ehrerbietung, auf die ein Jehuda Ibn Esra Anspruch hatte.

Aber nein, sie hatten keine bösen Nebengedanken, seine Gäste. Mit welcher Hitze führten sie den jungen Benjamín ab. Sie verteidigten ihn, Jehuda, wenn sie Mardochai verteidigten. Mit Genugtuung nahm er wahr: sie verübelten es ihm nicht, daß er ihnen Segen brachte.

Es waren in der Tat feurige Argumente, mit denen sie ihren Mardochai in Schutz nahmen. Wenn Mardochai stolz gewesen wäre, hätte er dann verheimlicht, daß er der Pflegevater und Oheim der Königin war? Und hätte ein stolzer Mann demütig wie ein Bettler vor dem Königsschloß herumgehockt? Und er hatte auch Esther zu jeglicher Demut erzogen. Nicht voll falscher Zuversicht trat sie den schweren Gang vor den König an, der ihr Todesgang werden konnte, sondern in tiefster Demut. Im Wortlaut überliefert war ihr Gebet: »Du weißt es, o Herr, ich habe den Glanz dieses Königsschlosses nicht begehrt. Nein und nochmals nein. So wie sich die Frau vor dem Kleide ekelt, welches sie in den Tagen ihrer Unreinheit trägt, so ekelt es mich vor meinen Prunkgewändern und vor der Krone, die ich tragen muß. Keine Freude habe ich, seitdem ich hier bin, als allein die Freude an dir, mein Gott. Und nun, o Herr, Tröster der Beladenen, steh mir bei in meinem Elend und lasse mich Gnade finden vor diesem heidnischen König, vor dem ich mich fürchte wie das Lamm vor dem Wolfe.«

Jehudas Mißtrauen war verweht. Die Juden von Toledo wollten ihm nicht übel. Sie sahen in ihm einen Mann wie Mardochai, einen Mann, der groß war unter den Juden und angenehm unter der Menge seiner Brüder, der bedacht war auf das Beste seines Volkes und der das Heil suchte für sein ganzes Geschlecht.

Musa sagte zu ihm: »Schwillt dir das Herz, lieber Jehuda? Kommst du dir so recht als ein Mardochai vor?« Jehuda antwortete halb im Scherz, halb im Ernst: »Du sagst es.«

Er war glücklich und müde, als er zu Bett ging.

Sein Geist aber arbeitete weiter, als er schlief, und als er des andern Morgens erwachte, war dem merkwürdigen, vielfältigen Mann aus den Eindrücken und Spürungen des vergangenen Tages eine Idee für seine Geschäfte aufgestiegen.

Haman hatte das Los geworfen, um den rechten Tag für die Vernichtung der Juden zu erlosen, aber er hatte den Tag ihrer Rettung und Erhöhung erlost, und Los-Fest, Purim, nannten die Juden das Esther-Fest. Lose werfen, das Glück herausfordern, herausfinden, wem Gott gnädig war und wem nicht, das machte den Menschen Spaß. Wie wäre es, wenn er, Jehuda, diese Neigung ausnützte? Er wird im Namen des Königs ein großes Spiel ausschreiben, er wird einen ungeheuren Glückstopf aufstellen, aus dem ein jeder für billiges Geld ein Los ziehen kann. Wenn auch das einzelne Los dem Schatz des Königs nur kleinen Gewinn bringt, so wird doch der breite Umsatz riesigen Nutzen abwerfen.

Noch am gleichen Tag machte sich Jehuda an die Berechnungen für den großen kastilischen Glückstopf. Nachdem sich in jenem Kronrat herausgestellt hatte, die Verhandlungen mit Aragon würden noch lange Monate erfordern, drängte es Alfonso, nach Toledo zurückzukehren. Aber er wußte, Doña Leonor hatte sein unehrliches Spiel durchschaut. Wohl war sie von gelassener Freundlichkeit wie immer, aber er konnte nicht und wird niemals vergessen können, wie sie ihm ins Gesicht gesagt hatte: Die ganze Christenheit wird dir ihr Hui und Pfui nachrufen. Er las auf ihrem klaren Antlitz ihre Verachtung, er wollte nicht davonlaufen. Er verbrachte peinvolle Wochen in Burgos, er sehnte sich heiß nach Raquel und der Galiana. Aber er blieb.

Zu Beginn des dritten Monats sagte er sich, nun habe er seiner Pflicht genügt, und rüstete zur Abreise.

Er wurde auf bittere Art zurückgehalten.

Es war richtig gewesen, was ihm Leonor damals mitgeteilt hatte: der kleine Infant Enrique kränkelte. Nun, sehr plötzlich, verschlimmerte sich die Krankheit. Die Ärzte waren hilflos.

Der verzweifelte Alfonso sah in diesem Unglück die Strafe Gottes. Er erinnerte sich, wie er einmal den Rodrigue böse gehänselt hatte, Gott scheine mit ihm, Alfonso, zufrieden; er lasse ihn alles, was er anfasse, glücklich hinausführen. Rodrigue aber hatte erwidert, in solchen Fällen sei die Strafe des Sünders im Jenseits um so schrecklicher; Gnade sei es, wenn Gott schon in diesem Leben strafe. Wenn es Gnade war, dann war es furchtbare Gnade. Aber Alfonso hatte die Strafe verdient. Er hatte geheuchelt im Kronrat, er hatte die falschen, listigen Argumente des Juden gelten lassen und sich feige vor seiner heiligsten Pflicht gedrückt, vor dem Kriege. Daß ihm Gott den Erben niederwarf, zeigte, wie furchtbar er gesündigt hatte.

Auch Doña Leonor machte sich abergläubische Vorwürfe. Sie hatte die Schwächlichkeit des Infanten zu einer Krankheit umgelogen, um Alfonso von der Jüdin fort nach Burgos zu locken. Jetzt machte ein rächender Himmel ihre selbstische Lüge zur Wahrheit. Hilflos und verzweifelt saß sie an der Seite des fieberheißen, um Atem ringenden Kindes.

Da traf aus Toledo der alte Musa Ibn Da’ud ein, den Ärzten in Burgos seine Hilfe anzubieten.

Don Jehuda war, als er von der Erkrankung des Kindes erfuhr, tief erschrocken. Wenn dem Infanten etwas zustieß, dann wird Doña Leonor das Verlöbnis der Prinzessin Berengaria mit Don Pedro durchsetzen, dann konnte kein noch so fein ausgeklügelter Plan die Allianz und den Krieg länger aufhalten. Don Jehuda hatte sogleich die Aljama aufgefordert, Gottesdienste für die Gesundung des Infanten zu veranstalten; die toledanischen Juden beteten mit Inbrunst, sie wußten, worum es ging. Und sogleich auch hatte Jehuda Musa gebeten, nach Burgos zu reisen. Der alte Arzt hatte sich gesträubt. Er hatte erklärt, er wolle erst den Ruf des Königs abwarten. Jehuda indes hatte auf seinem sofortigen Aufbruch bestanden.

Da war er nun. Der König, trotz seines Widerwillens gegen den alten Uhu, atmete auf und teilte Leonor erfreut mit, nun sei der beste Arzt der Halbinsel zur Stelle, dieser Musa Ibn Da’ud, und er werde das Kind bestimmt retten können.

Da aber verzerrte sich Doña Leonors klares, stilles Gesicht, all ihr Wesen veränderte sich erschreckend, und ausbrach ihr ganzer Haß. »Habt ihr noch nicht genug Unheil angerichtet, du und deine Jüdin?« fuhr sie auf ihn los, ihre sonst so hübsche Stimme klang häßlich und schrill. »Wollt ihr auch noch meinen Sohn aus der Welt schaffen?« Sie fiel zurück in das Französisch ihrer Kindheit. »Bei den Augen Gottes!« schwur sie den Lieblingsfluch ihres Vaters. »Eher bring ich diesen Menschen mit meinen eigenen Händen um, eh daß ich ihn an mein Kind heranlasse!«

Alfonso wich zurück. Das war eine andere Leonor als die, welche er die fünfzehn Jahre hindurch gekannt hatte. Sogar in jenem Kronrat, als sie ihn demütigte, hatte sie sich in Ton und Geste gezähmt; jetzt zum erstenmal schlug aus ihr heraus jene Leidenschaft, die ihren Vater und ihre Mutter in so maßlose Taten getrieben hatte. Und er, Alfonso, war schuld, er hatte aus der Dame und Königin diese Rasende gemacht.

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