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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Keiner wußte was Rechtes zu erwidern. Don Martín grollte: »Sollen wir wegen des Weinhandels von Logroño Christus verraten?« – »Don Pedro ist nicht geldgierig«, sagte Doña Leonor. »Da wir ihm die Forderungen zugestanden haben, die ihm am Herzen liegen, wird er nicht um kleinen Gewinn feilschen.« – »Verzeih, Frau Königin«, antwortete ehrerbietig Don Jehuda, »es geht nicht um kleinen Gewinn, es geht um die Vormacht auf dieser Halbinsel. Die beiden Länder haben sich nicht aus purer Zanksucht Jahrzehnte hindurch um diese Rechte gestritten. Ich fürchte, man wird sich nicht von heute auf morgen mit Aragon verständigen können.«

Hilflos saßen die Herren. Die Streitfragen, um die es ging, waren undurchsichtig, vielleicht wollte man in der Tat Kastilien um bedeutsame Privilegien bringen; mehr wahrscheinlich war, daß die beiden jüdischen Minister zettelten, um den guten Krieg zu hintertreiben.

Alfonso war ebenso überrascht und verwirrt wie die andern. Es war ihm lieb, daß er einen Grund hatte, den Demütigungen auszuweichen, die Doña Leonor und der Fant Pedro ihm aufzwingen wollten. Und beglückend war die Aussicht, noch eine lange Zeit mit Raquel zusammenzubleiben. Vermutlich auch hatte der Jude recht, und er gäbe, wenn er dem Fant Pedro diese Zölle und das andere läppische Zeug zugestand, wirklich die Vormacht in Hispanien preis, das Erbe seines Sohnes. Aber in seinem Heimlichsten argwöhnte er wie die andern, Jehuda wolle ihn um seinen Krieg betrügen.

Da sich ihm Freude und Schuldgefühl so wunderlich mischten, fuhr er Jehuda barsch an: »Sollen wir weitere Monate, vielleicht Jahre verhandeln, weil ihr euch nicht einigen könnt, du und dein Vetter?« Und: »Was schlägst du vor?« fragte er grob.

Jehuda, der die Antwort auf eine solche Frage durchgedacht hatte, erwiderte. »Der Handel ist schwierig und eine billige Lösung hart zu finden. Wie wäre es, wenn man einen unparteiischen Schiedsrichter von unbestreitbarem Ansehen anriefe?« Niemand wußte, wohinaus der Jude wollte. Der Erzbischof indes rief plötzlich begeistert: »Ja! Wenden wir uns an den Heiligen Vater! Der Kardinallegat ist ohnehin auf dem Wege.« – »In diesen sehr weltlichen Fragen«, wandte bescheiden der Jude ein, »sollte vielleicht eine weltliche Autorität entscheiden. Die Fürsten könnten den erlauchten Vater der Frau Königin um einen Schiedsspruch angehen. Es ist eine heikle Aufgabe, aber der Herr König von Engelland wird in Ansehung des Heiligen Krieges und des Gottesfriedens schwerlich ablehnen.«

Der Vorschlag Jehudas schien Hand und Fuß zu haben. König Heinrich war verwandt mit dem Hause Aragon und mit dem Hause Kastilien, er kannte genau die Verhältnisse, er war berühmt um seiner Staatsklugheit willen, von ihm war ein billiges Urteil zu erwarten. Trotzdem waren, da der Vorschlag von Jehuda kam, alle mißtrauisch.

Doña Leonor war sicher: was der Jude da vorbrachte, hatte mit seinen wahren, verzwickten und tückischen Überlegungen so wenig zu tun wie die gekräuselte Oberfläche des Meeres mit seinem ewig stillen Grund. Schnell und argwöhnisch versuchte sie, seine wirkliche Absicht zu entdecken. Ihr Vater Heinrich, der seine eigene Teilnahme am Kreuzzug immer weiter hinausschob, begriff bestimmt die Vorteile, die Hispanien aus der Neutralität zog. Auch erwog er bestimmt, daß die spanischen Könige, wenn sie den frommen Krieg gegen ihre Moslems begännen, ihn um militärische Hilfe angehen würden, und er war kein Mann, der gerne gab. König Heinrich hatte also keine Ursache, eine Versöhnung Kastiliens mit Aragon zu beschleunigen, er wird sich vielmehr lang und länger bedenken und seinen Schiedsspruch schließlich so halten, daß er niemand befriedigt. Es war eine böse List, die sich der Jude ausgedacht hatte. In rasender Schnelligkeit überlegte sie, wie sie seinen Plan vereiteln könnte. Sie wird nach Saragossa reisen und Don Pedro bereden, sich von seinem Juden nicht beschwatzen zu lassen. Sie wird ihrem Vater in einem vertraulichen Schreiben ihre ganze Not dartun und ihn anflehen, seinen Spruch zu beschleunigen. Aber ach, die Majestät von Engelland hatte ja selber so manche unheilige Leidenschaft gespürt und genossen; wenn irgend jemand, dann hatte ihr Vater Heinrich Verständnis für die wüsten Freuden und Sorgen Alfonsos. Voll von Bitterkeit sah Leonor ein, daß sie gegen die Schlauheit des Ibn Esra nicht aufkam.

Auch Alfonso mit seiner raschen Vernunft durchschaute seinen Don Jehuda. Es war so, wie er’s von Anfang an geargwöhnt hatte: der Jude wollte den Heiligen Krieg hintertreiben, schon um der Flüchtlinge willen, die er ins Land zog. Aber er soll sich verrechnet haben, dachte Alfonso. Ich werde nicht mit Pedro um den Kleinkram herumfeilschen. Ich werde nicht Vater Heinrich anrufen, daß er mir zuzwinkert: Gönnen wir dem Jungen sein Bettspiel und Vergnügen. Ich werde mich von dem Juden nicht hereinlegen lassen. Ich werde nicht die Liebe Raquels bezahlen mit faulem Verhandeln und Verhindern.

So fühlte und dachte Alfonso in der kurzen Stummheit, die der Rede des Juden folgte.

Dann, vor sich selber erschauernd, hörte er sich sagen: »Was meinst du, Doña Leonor, und ihr, Herren? Mir scheint, da hat unser Escrivano einen guten Ausweg gefunden. Schwerlich gibt es in aller Christenheit für einen so verflochtenen Handel einen besseren Richter als den weisen und erlauchten Vater Unserer Königin. Ich denke, Don Jehuda, wir werden es machen, wie du es vorschlägst.«

Fünftes Kapitel

Um sicherzugehen, setzte Jehuda seinem Geschäftsfreund Aaron von Lincoln, dem Finanzberater König Heinrichs von Engelland, in einem vertraulichen Schreiben auseinander, worum es sich bei den Zwistigkeiten der beiden hispanischen Könige handelte, und bat ihn um seine Hilfe.

Dann, vor seiner Rückkehr nach Toledo, schickte er, wie es guter Anstand erforderte, der Königin Geschenke. Unverschämt kostbare Geschenke, edle Parfums, einen großen, elfenbeinernen Toilettekasten mit Kämmen, Haarfibeln und Schminken, dazu eine wunderbar gearbeitete Truhe mit Broschen, Ringen, Agraffen, Edelsteinen; auch Schuhe, auf denen kleine Spiegel angebracht waren, so daß die Trägerin jederzeit ihr Aussehen nachprüfen konnte. Doña Leonor war empört über die Dreistigkeit des Menschen, der ihr zum Trost für die Niederlage, die er ihr bereitet hatte, so kostbaren Tand übersandte; sie hatte Lust, die Geschenke zurückzuschicken. Aber sie hatte sich bis jetzt damenhaft bewährt, sie wird auch weiter Dame bleiben. Überdies gefielen ihr die Geschenke. Sie behielt sie und schrieb einen Dankbrief.

Mittlerweile waren in Kastilien die ersten jüdischen Flüchtlinge aus Francien angekommen, und wie es Don Ephraim vorausgesagt hatte, bot ihre Ankunft dem Erzbischof und den feindlichen Granden willkommenen Anlaß zu neuen Hetzreden. Der Jude, erklärten sie, rüste mit den Erträgnissen des Saladins-Zehnten nicht den Heiligen Krieg, er verwende die Gelder, neue Scharen von Ungläubigen und Betrügern im Lande anzusiedeln.

Die Schmähreden verfingen nicht. Konnte man doch die Erfolge der neuen Verwaltung mit Händen greifen. Der Reichtum des Landes wuchs und kam einem jeden zugute. Man hatte mehr Geld als vorher, Waren strömten ein, die man bisher nicht gekannt hatte; neue Pflanzungen, Werkstätten, Kaufläden entstanden. Was Jehuda anrührte, gedieh.

Um diese Zeit kam zu ihm ein Gelehrter aus der navarresischen Stadt Tudela, ein gewisser Rabbi Benjamín, ein Mann von hohem Ansehen. Dieser Benjamín von Tudela hatte sein Leben der Wissenschaft gewidmet, der Länderkunde und Erdbeschreibung. Er hatte soeben erst eine zweite große Forschungsreise beendet, die ihn aus diesem westlichsten Teil der Welt bis an ihre östliche Grenze geführt hatte, bis nach China und Tibet. Er hatte vor allem die Verhältnisse der Juden in ihrer Zerstreuung studiert, doch hatte er darüber hinaus nützliche Kenntnisse aller Art gesammelt und war überall mit den führenden Männern zusammengekommen, auch mit Sultan Saladin und mit dem Papst. Nun hatte er sich darangemacht, die Ergebnisse seiner Reisen in einem Buch niederzulegen. Masseot Benjamín, die Reisen des Benjamín, sollte das Buch heißen, und mehrere junge Gelehrte aus der Akademie des Don Rodrigue hatten ihm zugesagt, es auch ins Lateinische und ins Arabische zu übersetzen.

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