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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Der König mittlerweile sprach weiter: »Jetzt wirst du nicht mehr verlangen, daß ich mich von ihr scheiden soll.« Er lächelte, sein ganzes Gesicht strahlte. Er bat und schmeichelte: »Lassen wir es, wie es ist, bis ich ins Feld ziehe. Oder willst du, daß ich die Mutter meines Kindes wegschicke? Gott hat mir manche Schuld verziehen. Nun ich für ihn streite, wird er mir’s nachsehen, wenn ich nicht grausam bin zu dieser liebsten Frau.«

Später tadelte sich Rodrigue, daß er sich gefügt hatte. Aber ach, er hatte Don Alfonso so gut verstanden. Alfonso liebte Raquel, und sang nicht Virgil, der Frömmste unter den Heiden, der dem Christentum Nächste, von der Magie der Liebe? Wie sie Sinne und Seele verzaubert, die Freiheit der Entschließung raubt und den Menschen mit übermenschlicher Kunst bindet? Und Doña Raquel war der Liebe wert, sie war schön, das Volk hatte recht, sie war La Fermosa, ihre Schönheit rührte sogar ihn, Rodrigue, und weckte ein frommes Gefühl in ihm. Er wollte den König nicht verteidigen, auch vor sich selber nicht. Aber wenn Gott diese Frau diesem Manne in den Weg schickte, dann vielleicht nur, um ihn härter zu prüfen als andere und strahlender zu erlösen.

Wenn Alfonso an die Unterredung mit seinem Beichtvater dachte, spürte er Scham und Reue. In der gleichen Stunde, da der väterliche Priester und Freund ihm seine Lügen vorhielt, hatte er ihn neu und stärker belogen. Er hatte getan, als stehe der Feldzug unmittelbar bevor, und daraus das Recht hergeleitet, noch die kurze Zeit zu sündigen. Und er wußte doch, der Feldzug stand nicht unmittelbar bevor. Er selbst half mit, ihn hinauszuschieben.

Die gleichen wirtschaftlichen Streitfragen nämlich, die der Allianz im Wege gestanden hatten, behinderten jetzt den Vertrag über das Heiratsgut der Infantin Berengaria und damit den Abschluß der Allianz. Don Joseph in Saragossa hatte immer neue Fragen und Rückfragen, ebenso König Heinrich von Engelland, und bald war dies nicht geklärt, bald jenes nicht. Alfonso wußte genau, es war Jehuda, der alle Schwierigkeiten heraufbeschwor, und er spielte den Zornigen und Ungeduldigen, aber er wollte, daß Jehuda Einwände erhob, er forderte sie heraus. Sie durchschauten einander, jeder der beiden wußte um des andern geheime Wünsche, aber sie gestanden sich’s nicht ein, sie spielten ein umständliches, augenzwinkerndes Spiel, eine stumme Verschwörung war zwischen ihnen, sie wurden Spießgesellen, der König und sein Escrivano.

Dabei war Don Alfonso eifersüchtig auf den Juden, weil Raquel an ihm hing, und Jehuda eifersüchtig auf Alfonso, weil Raquel ihn liebte. Und Jehuda spähte in den Zügen Raquels und freute sich, daß sie Ähnlichkeit hatten mit den seinen, und Alfonso spähte in den Zügen Raquels und entdeckte mit Grimm Züge ihres Vaters. Aber beide spielten ihr seltsames Spiel weiter, beflissen, nicht ohne einen kleinen, grimmigen Spaß. Beide, selbst unter vier Augen, taten, als betrieben sie eifrigst das Verlöbnis und die Allianz, und beide machten sie immer wieder zunichte, was sie geschäftig aufbauten.

Als Don Martín gewahr wurde, wie der König nach wie vor einen großen Teil seiner Zeit in der Galiana verbrachte und wie er mittels verächtlicher Mätzchen den Heiligen Krieg abermals hinausschob, brach seine Empörung offen aus. Er predigte gegen den König, der auf den Rat jüdischer Betrüger höre, der Christen dem Urteil und Gutdünken von Beschnittenen unterstelle und auf diese Art Gottes Kirche bedrücke und des Satans Synagoge fördere. Ein großer, tugendhafter Schriftsteller der Alten habe gesagt: »Sicut titulis primi fuere, sic et vitiis – Wie die Ersten an Rang, so waren sie es auch an Lastern.« So geschehe es jetzt in dem betrübten Kastilien. Und er predigte von dem König Salomo, der sich von seinen Huren zur Abgötterei hatte verführen lassen.

Überall im Land taten es die Geistlichen dem Erzbischof nach. Öffentlich erklärten sie, der Jude habe, ein rechter Botschafter der Hölle, aus dem Saladins-Zehnten das Zauberschloß La Galiana gebaut und seine Tochter hineingesetzt, damit die den König behexe. Einen Sturmvogel des Satans nannten sie Raquel.

Die Kastilier fühlten sich genarrt. Ihr König hatte sie um die Segnungen des Heiligen Krieges betrogen. Die Studenten sangen Spottlieder auf Don Alfonso, nannten ihn den equitem ad fornacem – den Ritter Ofenhocker, fragten, wann er sich wohl werde beschneiden lassen. Das Land war bestürzt, empört.

Trotz des heiligen Zornes aber waren manche froh, daß es mit dem Krieg nun doch seine Weile haben werde. »Ein gekochtes Ei im Frieden ist besser als ein gebratener Ochs im Krieg«, führten sie wohl das alte Sprichwort an. Allein Kastilien war ein gottesfürchtiges Land, und das Verharren im Frieden war nicht wohlgefällig in den Augen Gottes, und auch diejenigen, die damit im Grunde einverstanden waren, zeigten ihre Genugtuung nur in der Sicherheit ihrer Wände. Auf der Straße und in den Schenken ersehnten sie nach wie vor den Heiligen Krieg und wünschten, daß Gott den verblendeten Don Alfonso erleuchten möge. Das ganze Land nahm teil an dem Heuchelspiel des Königs und seines Juden.

Der Pfarrer eines kleinen Ortes kam zu Don Rodrigue und fragte ihn um Rat. Einer aus seiner Gemeinde, ein Seiler, ein tüchtiger, frommer Mann, hatte ihn gefragt: »In diesem letzten Jahr hat der Herr mein Geschäft fett gemacht und gesegnet, und ich habe beinahe zwei Goldmaravedí zurückgelegt; warum schickt er mich gerade jetzt gegen die Ungläubigen ins Feld und macht mir meine gute Werkstatt wieder hin?«

Der Domherr hatte die ganze Verlogenheit Don Alfonsos durchschaut, aber in all seiner Entrüstung war er froh, daß der Friede erhalten blieb; er war also genauso sündig wie der Seiler. Diese Einsicht brachte ihn um seinen Gleichmut, und er antwortete dem Pfarrer, wie es geistreich leichtfertiger sein Freund Musa nicht hätte tun können. Er erzählte ihm eine Geschichte von dem heiligen Augustin. Den fragte einmal einer: »Womit hat sich Gott wohl beschäftigt, bevor er Himmel und Erde schuf?« Augustin aber erwiderte: »Da hat er die Hölle erschaffen, um Leute hinzuschicken, die solche Fragen stellen.«

Die Kunde von Raquels Schwangerschaft steigerte die Empörung der feindseligen Granden und Prälaten. Das Volk aber nahm die Nachricht gutmütig auf. Die Leute hatten sich damit abgefunden, daß vorläufig Friede blieb, es war ihnen recht, daß der Friede jetzt nun sicher bis zur Entbindung der Barragana, des Kebsweibes, dauern würde und daß sie sich nicht von neuem umstellen mußten. Sie sprachen gerührt und zärtlich von der schwangeren Raquel und hatten jetzt auch schmunzelndes Verständnis für die menschlichen Schwächen Don Alfonsos. Sie gönnten dem ritterlichen König einen Sohn von der Schönen, sie sahen in Raquels Schwangerschaft ein freundliches Zeichen Gottes, der dem gesalbten Herrscher, bevor er in den Krieg zog, Ersatz schenken wollte für den toten Sohn.

Das hatte die Schöne gut gemacht. Die Amulette, welche sie an den Toren der Galiana hatte anbringen lassen, waren offenbar ein kräftiger Zauber. Und manch einer suchte sich ein solches Amulett, eine Mesusa, zu verschaffen.

Prälaten und Barone waren ergrimmt über so viel sündige Torheit. Gerüchte kamen auf von übeln Vorzeichen. Es hieß, Raquel habe, als sie mit dem König im Tajo angelte, einen Totenkopf gefischt; man wollte das vom Gärtner der Galiana gehört haben.

Aber auch dieses Gerede verfing nicht und beeinträchtigte nicht die zärtliche Anteilnahme der Kastilier an dem von Gott gesegneten Liebeshandel des edeln Alfonso und der Fermosa. Den Bemühungen des Erzbischofs zum Trotz wurde Doña Raquel nicht der »Sturmvogel des Satans«, sie blieb »Die Schöne«.

Sechstes Kapitel

Alfonsos schwieriges Geschäft, die Allianz zu fördern und gleichzeitig zu sabotieren, zwang ihn, viel Zeit in Toledo zu verbringen, und Doña Raquel war oft allein. Aber sie ahnte, daß es ihrethalb geschah, wenn Alfonso in seiner Burg mit ihrem Vater verwickelte Pläne spann, und ihre Einsamkeit war frei von jener brennenden Sehnsucht, die sie früher gequält hatte.

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