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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Es überraschte ihn nicht, als er jetzt von der bevorstehenden Abreise Alfonsos hörte. Er war von seinem Vetter Don Joseph unterrichtet über die Verhandlungen der Königin mit Aragon. Die Dame war klug, aber er fühlte sich ihr gewachsen und hatte Gegenzüge vorbereitet.

Er fürchte, antwortete er Alfonso, die Frau Königin könnte, verführt von ihren Wünschen, die Schwierigkeiten der Allianz mit Aragon unterschätzen. Es möge deshalb der Herr König den edeln Don Manrique und ihn selber mit nach Burgos nehmen, so daß sie mit ihren bescheidenen Kräften die Bestrebungen Doña Leonors unterstützen könnten.

Alfonso war verwirrt. Die Begleitung seiner Herren war ihm willkommen. Wenn er mit Räten und großem Gefolge in Burgos erschien, verlor die Zusammenkunft mit Doña Leonor vollends den Charakter einer ehelichen Auseinandersetzung; auch war es ihm lieb, ihre Ansichten an den Meinungen seiner Räte prüfen zu können. Aber wie wird Leonor es aufnehmen, wenn er den Vater seiner Liebsten mitbringt?

»Sollen wir Doña Raquel ganz allein hier lassen?« fragte er ungeschickt. Diese Rücksicht erfreute Jehuda und brachte ihm den König viel näher. Doña Raquel, erwiderte er mit ehrerbietiger Vertraulichkeit, könne die Zeit im Castillo Ibn Esra verbringen. Dort habe sie die Gesellschaft des weisen Musa Ibn Da’ud; auch dürfte wohl der ehrwürdige Don Rodrigue mehrmals vorsprechen. Doña Leonor empfing den König so freundlich unbefangen, als hätte er sich gestern von ihr verabschiedet. Er umarmte und küßte sie, wie die Courtoisie es verlangte. Er begrüßte seine Kinder. Streichelte den blassen, kleinen Infanten, an dessen Krankheit er nicht glaubte. Sprach munter zärtlich mit der zurückhaltenden Prinzessin Berengaria, die offenbar um sein Leben in der Galiana wußte und es mißbilligte. Sie gab sich stolz und zeremoniös. Der Besuch Don Pedros hatte neue Hoffnungen in ihr angefacht, wiewohl sie wußte, daß sie ohne Anwartschaft auf die Krone Kastiliens keine begehrenswerte Königin Aragons war.

Doña Leonor hatte auch Don Pedro nach Burgos eingeladen. Aber der junge König konnte seine Erbitterung gegen Alfonso nicht besiegen; statt selber zu kommen, hatte er seinen Minister Don Joseph Ibn Esra geschickt.

Die beiden Ibn Esras trafen sich noch vor dem Kronrat, der bei Doña Leonor stattfinden sollte. Don Josephs Abneigung gegen den überheblichen Verwandten war gewachsen. Er hatte Zorn und Trauer verspürt, als dieser Don Jehuda die Tochter preisgab, um sich den König enger zu verknüpfen. Er selber hatte gottesfürchtig und mildtätig einer kleinen Anzahl fränkischer Juden Zulaß in seinem Aragon verschafft; sie in Massen im Sepharad anzusiedeln, wie Don Jehuda es wollte, hielt er aus den gleichen Gründen wie Don Ephraim für bedenklich, und daß Jehuda die Neigung Alfonsos zu seiner Tochter benutzte, um die Geschicke des Landes und der Judenheit zu lenken, schien ihm ein vermessenes, gotteslästerliches Spiel. Nach wie vor aber einigte ihn mit Jehuda das Bestreben, der Halbinsel und ihren Juden den Krieg fernzuhalten. Darum hatte er den Vetter vor den Kabalen Doña Leonors gewarnt, und darum kam er jetzt mit ihm zusammen.

»Laß mich dir auch mündlich danken, Don Joseph«, begann Jehuda, »für deine Briefe. Ich habe daraus ersehen, daß ihr eine Formel gefunden habt, die Allianz und einen einheitlichen Oberbefehl zu ermöglichen.« – »Ja«, antwortete Don Joseph trocken, »der Krieg gegen die Moslems ist in furchtbar nahe Nähe gerückt. Deine Doña Leonor hat erstaunlich viel List und Energie aufgewandt, um meinem jungen Herrn ihre Versöhnungsvorschläge schmackhaft zu machen.« Er sah ihm streng ins Gesicht und fuhr mit Bedeutung fort: »Es ist wohl nicht die Lust am Krieg allein, Don Jehuda, welche deine Königin zu so großmütigen Angeboten treibt.« Und nun, nicht ohne Genugtuung, eröffnete er ihm, was er ihm brieflich nicht mitgeteilt hatte: »Doña Leonor will dem Castro zur Buße für die Tötung seines Bruders dein Castillo zurückgeben.«

Jehuda konnte nicht verhindern, daß er erblaßte. Die Vorstellung, daß er das Haus der Väter wieder sollte verlassen müssen, zerdrückte ihm das Herz. Aber sogleich tröstete er sich stolz; er hatte sich in Toledo ein schöneres, stärkeres, freilich unsichtbares Schloß errichtet, als irgendein noch so prächtiger Bau aus Stein es war. Ruhig erwiderte er: »Ich verzichte nicht gerne auf dieses Haus aus Gründen, die du kennst, Don Joseph. Aber wenn meine Königin es Aragon zugesagt hat, dann soll an meinem Widerspruch das Bündnis nicht scheitern.«

Don Joseph war überrascht; Jehuda war offenbar gewiß, daß er das Castillo nicht werde hergeben müssen, sonst spräche er nicht mit solcher Gelassenheit.

Jehuda hatte denn auch sein ganzes Selbstvertrauen wiedergefunden, jenes Gefühl frecher Sicherheit, welches ihn alle diese Tage her erfüllt hatte. Gerade jetzt, während er sprach, hatte er einen Einfall, der List Doña Leonors mit besserer List zu begegnen. Noch sah er seinen Plan nur in vagen Umrissen, aber er war überzeugt, daß er zur rechten Zeit feste Form haben werde.

Sogleich legte er das Fundament. Sachlich, mit der Bedenklichkeit des Geschäftsmannes, meinte er: »Ich hoffe nur, daß eure Einigungsformel auch einer scharfen Prüfung standhält, wie wir, du und ich, sie wohl vornehmen müssen. Ich sehe da, offen gestanden, noch manche Schwierigkeiten«, und er zählte die vielen wirtschaftlichen Fragen auf, über welche sich Aragon und Kastilien seit Jahrzehnten nicht hatten einigen können. Da waren strittige Steuerrechte an gewissen Städten, strittige Einfuhr- und Ausfuhrzölle, strittige Marktgerechtsame. »Wenn ich dir in allen diesen Fragen nachgeben soll, Don Joseph«, sagte er schlau und jovial, »dann würde ja dein Aragon mein Kastilien in kürzester Zeit überflügeln.«

Don Joseph begriff sofort, wohinaus Jehuda wollte. Die wirtschaftlichen Streitfragen waren unübersichtlich; an ihnen konnte man mit einigem Geschick die Allianz scheitern lassen. Nicht ohne innere Anerkennung der Schlauheit Jehudas ging er auf seine Absicht ein und erklärte mit der gleichen geschäftsmännisch zwinkernden Munterkeit: »Nachdem mein König die Kränkung vergessen will, die ihr ihm damals angetan habt, könntet ihr ihm eigentlich in Fragen der Wirtschaft entgegenkommen.« – »Du würdest also auf allen euern Forderungen bestehen?« stellte Jehuda fest. »Das müßte ich doch wohl«, entgegnete Don Joseph, und: »Gewiß werde ich das«, erklärte er mit gespielter Festigkeit. Don Jehuda, ernst und betrübt, gab zurück: »Mein König wünscht sicherlich nicht weniger herzlich als der deine, den Krieg gegen die Moslems zu beginnen, aber wenn ihr so unnachgiebig seid, dann, fürchte ich, wird aus der Allianz nichts werden.«

»Es täte mir leid, Don Jehuda«, sagte Joseph, »wenn wir uns wirklich nicht sollten einigen können.« Und die beiden Herren schauten einander an, ohne zu lächeln. Die Curia, in welcher über die Allianz mit Aragon beraten werden sollte, fand in dem großen Empfangssaal der Burg statt. Der Saal war geschmückt mit den Fahnen Kastiliens und Toledos, Wachen standen am Eingang, erhöhte Stühle waren bereit für Don Alfonso und Doña Leonor. Der Erzbischof hatte sich’s nicht nehmen lassen, aus Toledo herzukommen. Von den Mitgliedern der Curia fehlte nur Don Rodrigue.

Königlich in ihrem schweren, prunkenden Staatskleid und dennoch anmutig saß Doña Leonor auf dem erhöhten Stuhl. Freundlich, damenhaft gelassen schaute sie über den Kreis der Herren. Sie war voll inneren Triumphes. Alle, die hier saßen, waren fest entschlossen, Don Alfonso aus der verpesteten Galiana in die freie Luft des Heiligen Krieges zu retten. Alfonso selber wollte es. Der einzige Feind war der Jude. Es war eine Unverschämtheit gewesen, daß er Alfonso seine Begleitung aufgedrängt hatte; aber sie hatte sich vorgesehen, er wird nicht gegen sie aufkommen.

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