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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Das Licht leuchte dir, Avin«, sagte Moiraine.

Dann führte sie sie vom Tor weg. Rand sah sich einmal um, und da stand Avin immer noch vor dem Torflügel. Er schien mit einem Zipfel seines Umhangs eine Münze zu polieren und dabei vor sich hin zu lachen.

Der Weg führte sie durch ungepflasterte Straßen, die kaum zwei Wagenstärken breit waren, eingerahmt von Lagerhäusern und hohen Holzzäunen. Rand ging eine Weile neben dem Gaukler her. »Thom, was bedeutet das ganze Gerede über Tear und das Drachenvolk? Tear ist doch eine Stadt ganz unten am Meer der Stürme, nicht wahr?«

»Der Karaethon-Zyklus«, erwiderte Thom kurzangebunden.

Rands Augen weiteten sich. Die Prophezeiungen des Drachen. »Keiner erzählt die... solche Geschichten im Gebiet der Zwei Flüsse. Jedenfalls nicht in Emondsfeld. Die Seherin zöge ihnen die Haut bei lebendigem Leib ab, wenn sie es täten.«

»Ja, ich glaube, das täte sie«, sagte Thom trocken. Er sah nach Moiraine, die vorn neben Lan einherschritt, sah, daß sie nichts hören konnte, und fuhr fort. »Tear ist der größte Hafen am Meer der Stürme, und der Stein von Tear ist die Festung, die ihn bewacht. Man sagt, der Stein sei die erste Festung, die nach der Zerstörung der Welt gebaut wurde, und in dieser langen Zeit ist sie niemals gefallen, obwohl mehr als eine Armee sie angegriffen hat. Eine der Prophezeiungen behauptet, der Stein von Tear werde niemals fallen, bis das Drachenvolk kommt. In einer anderen Weissagung wird behauptet, der Stein werde nicht fallen, bis der Drache das Schwert, das-nicht-berührt-werden-kann, in seiner Hand führt.« Thom verzog das Gesicht. »Der Fall des Steins wird einer der wichtigsten Beweise dafür sein, daß der Drache wiedergeboren wurde. Möge der Stein stehen, bis ich zu Staub geworden bin.«

»Das Schwert, das-nicht-berührt-werden-kann?«

»So heißt es. Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Schwert ist. Was auch immer: Es liegt im Herzen des Steins, der inneren Zitadelle dieser Festung. Keiner außer den Großherren von Tear kann diesen Teil betreten, und sie verraten nicht, was dort drinnen liegt. Zumindest verraten sie es den Gauklern nicht.«

Rand runzelte die Stirn. »Der Stein kann nicht fallen, bis der Drache das Schwert führt, aber wie kann er das, ohne daß die Festung bereits gefallen ist? Erwartet man, daß der Drache ein Großherr von Tear ist?«

»Kaum zu erwarten«, sagte der Gaukler trocken. »In Tear haßt man alles, was mit der Macht zu tun hat, sogar noch mehr als in Amador, und Amador ist die Hochburg der Kinder des Lichts.«

»Wie kann dann die Prophezeiung erfüllt werden?« fragte Rand. »Mir wäre es ja auch recht, wenn der Drache niemals wiedergeboren würde, aber eine Prophezeiung, die nicht erfüllt werden kann, ergibt nicht viel Sinn. Es klingt nach einer Geschichte, die man den Leuten erzählt, damit sie glauben, daß der Drache niemals wiedergeboren wird. Stimmt das?«

»Junge, du stellst eine Unmenge von Fragen«, sagte Thom. »Eine Prophezeiung, die ganz leicht erfüllt werden kann, wäre doch nicht viel wert, oder?« Plötzlich wurde seine Stimme fröhlicher. »Jetzt sind wir da.«

Lan war an einem kopfhohen Holzzaun stehengeblieben. Er steckte die Klinge seines Dolchs zwischen zwei der Bretter. Plötzlich brummte er zufrieden, zog, und eine Tür im Zaun schwang wie ein Tor auf. Es war tatsächlich ein Tor, das so gebaut war, daß man es eigentlich nur von der anderen Seite öffnen konnte. Moiraine trat sogleich ein und zog Aldieb hinter sich her. Lan bedeutete den anderen, daß sie folgen sollten, und machte dann den Abschluß, wobei er das Tor hinter sich schloß.

Auf der anderen Seite des Zauns befand sich Rand im Stallhof einer Schenke. Aus der Küche erklang lautes Treiben und Klappern. Was ihn verblüffte, war die Größe der Schenke: Sie bedeckte eine Fläche, mehr als doppelt so groß wie die Weinquellenschenke, und war vier Stockwerke hoch. Weit mehr als die Hälfte der Fenster war in der zunehmenden Dämmerung bereits erleuchtet.

Er staunte über diese Stadt und daß sie so viele Fremde beherbergte.

Kaum befanden sie sich mitten in dem Stallhof, da erschienen auch schon drei Männer mit schmutzigen Segeltuchschürzen unter dem breiten Torbogen des riesigen Stalls. Einer, ein drahtiger Bursche und der einzige, der eine Mistgabel bei sich hatte, kam mit fuchtelnden Armen auf sie zu.

»Hier! Hier! Ihr könnt nicht von dort hereinkommen! Ihr müßt nach vorn gehen!«

Lans Hand bewegte sich wieder auf seinen Geldbeutel zu, aber in diesem Augenblick kam ein weiterer Mann, genauso dick wie Meister al'Vere, aus der Schenke geeilt. Haarbüschel standen hinter seinen Ohren hervor, und seine blendend weiße Schürze wies ihn als den Wirt dieser Schenke aus. »Ist schon gut, Mutch«, sagte der Neuankömmling. »Es ist in Ordnung. Diese Leute sind Gäste, die ich erwartet habe. Kümmere dich nur um ihre Pferde. Pfleg sie gut!«.

Mutch fuhr sich mürrisch über die Stirn und bedeutete seinen zwei Begleitern, ihm zu Hilfe zu kommen. Rand und die anderen holten hastig ihre Satteltaschen und Bettrollen herunter, während sich der Wirt Moiraine zuwandte. Er verbeugte sich tief vor ihr und sprach mit ehrlich erfreutem Lächeln: »Willkommen, Frau Alys, willkommen! Es ist gut, Euch und Meister Andra wiederzusehen. Sehr gut sogar. Ich habe die feinen Gespräche mit Euch vermißt. Ja, wirklich. Ich muß sagen, ich habe mir Sorgen gemacht, weil Ihr dort draußen auf dem Lande wart. Ich meine, in einer solchen Zeit, da das Wetter verrückt spielt und die Wölfe in der Nacht schon vor der Mauer heulen.« Plötzlich klatschte er sich mit beiden Händen auf den Bauch und schüttelte den Kopf.

»Hier stehe ich und quatsche, statt Euch hineinzubringen. Kommt! Kommt! Eine heiße Mahlzeit und ein warmes Bett, das braucht Ihr jetzt. Und Ihr findet in Baerlon nichts Besseres. Nichts Besseres!«

»Und auch ein heißes Bad, darf ich hoffen, Meister Fitch?« fragte Moiraine.

»Aber natürlich — nur das beste und heißeste in ganz Baerlon!« sagte der Wirt. »Kommt. Willkommen im ›Hirsch und Löwen‹. Willkommen in Baerlon!«

14

Zum ›Hirsch und Löwen‹

Im Innern war die Schenke mindestens so belebt, wie es die Geräusche von draußen schon angedeutet hatten. Die Gesellschaft aus Emondsfeld folgte Meister Fitch durch den Hintereingang und mußte sich bald neben und zwischen einem Strom von Männern und Frauen in langen Schürzen hindurchwinden, die ihre Tabletts mit Essen und Getränken hoch über die Köpfe hielten. Die Träger murmelten hastige Entschuldigungen, wenn sie jemandem im Weg waren, aber sie mäßigten ihre Schritte keineswegs. Einer der Männer erhielt eilige Anweisungen von Meister Fitch und verschwand im Trab.

»Ich fürchte, die Schenke ist beinahe voll«, sagte der Wirt zu Moiraine. »Fast bis zum Dach. Jede Schenke in der Stadt ist überfüllt. Bei dem Winter, den wir hinter uns haben... Na ja, sobald das Wetter so gut war, daß man aus den Bergen herunterkommen konnte, wurden wir regelrecht überschwemmt — ja, das ist das richtige Wort -, überschwemmt von Bergleuten und Schmelzern, die alle die schlimmsten Geschichten erzählten. Wölfe und noch Schlimmeres. Eben die Sachen, die Männer erzählen, wenn sie den ganzen Winter über miteinander eingesperrt waren. Ich kann nicht glauben, daß dort oben noch irgend jemand lebt, so viele haben wir hier. Aber keine Angst. Es mag ein wenig eng zugehen, aber ich werde mein Bestes für Euch und Meister Andra tun. Und natürlich auch für Eure Freunde.« Er sah Rand und die anderen ein- oder zweimal neugierig an; außer in Thoms Fall wies die Kleidung sie als Landvolk aus, und Thoms Gauklerumhang machte ihn für ›Frau Alys‹ und ›Meister Andra‹ zu einem höchst eigenartigen Reisebegleiter. »Ich werde mein Bestes tun, da könnt Ihr sicher sein.«

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