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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Warum zum Teufel hast du das getan?« Er sah sich die Stelle genau an, ohne mein Handgelenk loszulassen. »Hat das denn nicht w-weh … tschi!« Er ließ meine Hand los und wich hastig zurück.

»Hat es nicht weh getan?«, fragte er, das Taschentuch erneut vor der Nase.

»Ein bisschen schon«, gab ich zu. »Ist es aber wert gewesen, findest du nicht?«, fragte ich. Ich hob beide Arme wie eine Ballerina und drehte mich sacht hin und her. »Das erste Mal seit Monaten, dass ich mich richtig sauber fühle.«

»Wert?«, sagte er und klang ein wenig benommen. »Was hat es denn mit Sauberkeit zu tun, dass du dir alle Haare unter den Armen ausgerissen hast?«

Etwas spät wurde mir klar, dass sich keine der Schottinnen, mit denen ich es zu tun gehabt hatte, irgendwie enthaarte. Darüber hinaus war Jamie mit Sicherheit keiner Pariserin der Oberklasse je nah genug gekommen, um zu wissen, dass viele von ihnen es taten. »Nun ja«, sagte ich und erkannte plötzlich die Schwierigkeit, der sich ein Anthropologe gegenübersieht, wenn er versucht, die spezielleren Sitten eines primitiven Stammes zu interpretieren. »Es riecht nicht so stark«, meinte ich.

»Und was stimmt mit der Art nicht, wie du riechst?«, sagte er hitzig. »Wenigstens hast du wie eine Frau gerochen, nicht wie ein verdammter Blumengarten. Wofür hältst du mich denn, einen Mann oder eine Hummel? Würdest du dich waschen, Sassenach, damit ich mich dir auf mehr als drei Meter nähern kann?«

Ich ergriff ein Tuch und fing an, meinen Oberkörper abzuwaschen. Madame Laserre, Louises Körperpflegerin, hatte mir den ganzen Körper mit Duftöl eingerieben; ich hoffte sehr, dass es sich einfach entfernen lassen würde. Es machte mich nervös, wie er just außer Riechweite stand und mich anfunkelte wie ein Wolf, der sich um seine Beute herumbewegt.

Ich wandte ihm den Rücken zu, um das Tuch in die Schüssel zu tauchen, und sagte beiläufig über meine Schulter hinweg. »Äh, meine Beine habe ich sie auch machen lassen.«

Ich sah mich verstohlen um. Sein ursprünglicher Schock wich jetzt einer Miene völliger Verwirrung.

»Aber deine Beine haben doch nicht gerochen«, sagte er. »Es sei denn, du bist bis zu den Knien durch Kuhmist gelaufen.«

Ich drehte mich um, zog meinen Rock bis zu den Knien hoch und streckte die Zehenspitze aus, um ihm die eleganten Rundungen von Wade und Schienbein zu zeigen.

»Aber sie sehen so viel schöner aus«, sagte ich. »So glatt, nicht haarig wie ein Affe.«

Beleidigt senkte er den Blick auf seine pelzigen Knie.

»Ich bin also ein Affe, ja?«

»Du doch nicht, ich!«, sagte ich, denn allmählich verlor ich die Geduld.

»Meine Beine sind viel haariger, als es deine je gewesen sind!«

»Das sollen sie auch sein; du bist schließlich ein Mann!«

Er holte Luft, als wollte er antworten, dann atmete er aus, schüttelte den Kopf und murmelte etwas auf Gälisch vor sich hin. Er ließ sich wieder in den Sessel fallen, lehnte sich zurück und betrachtete mich verkniffen, während er hin und wieder erneut etwas murmelte. Ich beschloss, ihn nicht um eine Übersetzung zu bitten.

Nachdem ich mich weitgehend in einer Atmosphäre gewaschen hatte, die man am besten als geladen beschreiben konnte, beschloss ich, einen Versöhnungsversuch zu wagen.

»Es hätte schlimmer sein können, weißt du«, sagte ich, während ich mit dem Lappen über die Innenseite meines Oberschenkels fuhr. »Louise hat sich das ganze Körperhaar entfernen lassen.«

Das verblüffte ihn so, dass er sich zumindest vorübergehend wieder des Englischen besann.

»Was, sie hat sich die Haare von ihrem Honigtopf gerupft?«, sagte er so entsetzt, dass er sich uncharakteristisch vulgär ausdrückte.

»Mm-hm«, erwiderte ich, froh, dass ihn dieses geistige Bild zumindest von meinem eigenen, bestürzend haarlosen Zustand ablenkte. »Jedes einzelne Haar. Madame Laserre hat ihr die verirrten Härchen einzeln ausgezupft.«

»Maria, Michael und Bride!« Er schloss krampfhaft die Augen, entweder, weil er das, was ich beschrieben hatte, nicht wahrhaben wollte, oder um es sich besser vorstellen zu können.

Anscheinend Letzteres, denn er öffnete die Augen wieder, sah mich finster an und wollte wissen: »Sie läuft jetzt entblößt herum wie ein kleines Mädchen?«

»Sie sagt«, erwiderte ich vorsichtig, »die Männer finden es erotisch.«

Seine Augenbrauen stießen fast an seinen Haaransatz, nicht schlecht für jemanden mit einer solchen klassisch hohen Stirn.

»Ich wünschte, du würdest mit dem Gemurmel aufhören«, sagte ich und legte den Lappen zum Trocknen über eine Stuhllehne. »Ich kann kein Wort von dem verstehen, das du sagst.«

»Eigentlich, Sassenach«, erwiderte er, »ist das auch besser so.«

Kapitel 12

L’Hôpital des Anges

Also schön«, sagte Jamie beim Frühstück resigniert. Er zeigte warnend mit dem Löffel auf mich. »Dann mach es also. Aber zusätzlich zu dem Bediensteten wirst du Murtagh als Begleitschutz mitnehmen, es ist eine ärmliche Gegend rings um die Kathedrale.«

»Begleitschutz?« Ich setzte mich gerade hin und schob die Porridgeschale von mir, die ich alles andere als begeistert betrachtet hatte. »Jamie! Willst du damit sagen, es macht dir nichts aus, wenn ich das Hôpital des Anges besuche?«

»Ganz so würde ich es nicht ausdrücken«, sagte er und löffelte seinen Porridge mit der mir fehlenden Begeisterung. »Aber vermutlich wird es mir auf die Dauer sehr viel mehr ausmachen, wenn du es nicht tust. Und wenn du im Hôpital arbeitest, kannst du deine Zeit wenigstens nicht mit Louise de Rohan verbringen. Es gibt wohl Schlimmeres, als mit Bettlern und Kriminellen umzugehen«, sagte er finster. »Zumindest gehe ich nicht davon aus, dass du kahl gerupft aus einem Krankenhaus zurückkommst.«

»Ich werde mir Mühe geben«, versicherte ich ihm.

Ich hatte in meiner Zeit schon einige gute Oberschwestern erlebt und auch ein paar jener wirklich exzellenten, die ihren Beruf zur Berufung erhöht hatten. Bei Mutter Hildegarde war es umgekehrt, und das Ergebnis war beeindruckend.

Ich konnte mir keine geeignetere Leiterin eines Hauses wie des Hôpital des Anges vorstellen als Hildegarde de Gascogne. Gut einen Meter achtzig groß, den hageren, knochigen Körper in meterweise schwarze Wolle gehüllt, wachte sie über ihre Krankenschwestern wie eine Vogelscheuche über ein Kürbisfeld. Pförtner, Patienten, Schwestern, Laufburschen, Novizinnen, Besucher, Apotheker, jeder wurde von ihrer schieren Präsenz gepackt und in Reih und Glied dort plaziert, wo es Mutter Hildegarde anordnete.

Angesichts ihrer Körpergröße, gepaart mit einem Gesicht von solch transzendenter Hässlichkeit, dass es auf groteske Weise schön war, lag es auf der Hand, warum sie ihr Leben der Religion geweiht hatte – Christus war der einzige Mann, von dem auch sie ähnliche Hingabe erwarten konnte.

Ihre Stimme war tief und volltönend; mit ihrem nasalen Akzent gongte sie durch die Korridore des Krankenhauses wie das Echo der nahen Kirchenglocken. Ich hörte sie schon eine Weile, ehe ich sie sah, und die Lautstärke ihrer kräftigen Stimme nahm zu, je näher sie durch den Flur auf die Schreibstube zukam, in der sich sechs Hofdamen und ich hinter Herrn Gerstmann scharten wie Inselbewohner, die hinter einer notdürftigen Barrikade auf das Eintreffen eines Hurrikans warteten.

Sie segelte durch die schmale Tür wie mit Fledermausflügeln und stürzte sich mit einem hingerissenen Aufschrei auf Herrn Gerstmann, den sie fest auf beide Wangen küsste.

»Mon cher ami! Welch unerwartetes Vergnügen – und um wie viel angenehmer, weil es so unerwartet ist. Was führt Euch zu mir?«

Sie richtete sich auf und wendete sich mit einem breiten Lächeln an den Rest. Ihr Lächeln blieb breit, als ihr Herr Gerstmann unsere Mission erklärte, obwohl auch eine weniger erfahrene Wahrsagerin als ich hätte sehen können, wie sich ihre Wangenmuskeln anspannten und das Lächeln von einer Geste der gesellschaftlichen Freundlichkeit zur bloßen Notwendigkeit erstarrte.

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