Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Reumütig lächelnd zuckte er plötzlich mit den Schultern. »Aye, nun ja. So wurde mir also das Herz gebrochen. Bin nach Schottland heimgekehrt und war wochenlang niedergeschlagen, bis mein Vater die Geduld mit mir verloren hat.« Er lachte. »Ich habe sogar daran gedacht, deswegen Mönch zu werden. Eines Abends habe ich beim Essen zu meinem Vater gesagt, dass ich darüber nachdächte, vielleicht im Frühjahr nach Ste. Anne zu gehen und Novize zu werden.«
Ich lachte bei diesem Gedanken. »Nun ja, mit dem Armutsgelübde hättest du ja keine Schwierigkeiten; mit Keuschheit und Gehorsam könnte es problematischer werden. Was hat dein Vater gesagt?«
Er grinste, so dass seine Zähne weiß in seinem dunklen Gesicht aufschimmerten. »Er aß gerade seine Suppe. Er hat den Löffel hingelegt und mich einen Moment angesehen. Dann hat er seufzend den Kopf geschüttelt und gesagt: ›Es war ein langer Tag, Jamie.‹ Dann hat er den Löffel wieder genommen und weitergegessen, und ich habe nie wieder ein Wort darüber gesagt.«
Er hob den Blick zur Terrasse, wo die Gäste, die nicht tanzten, auf und ab schlenderten, um sich zwischendurch abzukühlen, Wein zu trinken und hinter ihren Fächern zu flirten. Er seufzte melancholisch.
»Aye, eine sehr hübsche Frau, Annalise de Marillac. Anmutig wie der Wind und so klein, dass man sie sich am liebsten ins Hemd gesteckt und wie ein Kätzchen herumgetragen hätte.«
Schweigend lauschte ich der leisen Musik, die über uns aus den offenen Türen kam, und betrachtete den glänzenden Vierziger-Satinschuh, der meinen Fuß umschloss.
Nach einigen Sekunden bemerkte Jamie mein Schweigen.
»Was ist, Sassenach?«, fragte er und legte mir seine Hand auf den Arm.
»Oh, nichts«, sagte ich mit einem Seufzer. »Dachte nur gerade, dass mich wohl nie jemand als ›anmutig wie der Wind‹ bezeichnen wird.«
»Ah.« Er hatte den Kopf halb abgewandt, so dass die lange, gerade Nase und das feste Kinn im Gegenlicht der nächsten Laterne erschienen. Ich konnte das kleine Lächeln auf seinen Lippen sehen, als er sich mir wieder zuwandte.
»Nun, ich sage dir, Sassenach, ›anmutig‹ ist wohl nicht das erste Wort, das mir zu dir einfällt.« Er ließ den Arm um mich gleiten, und seine Hand legte sich groß und warm um meine in Seide gehüllte Schulter.
»Aber ich spreche mit dir wie mit meiner eigenen Seele«, sagte er und drehte mich zu sich um. Er streckte die Hand aus und umfasste meine Wange, so dass seine Finger meine Schläfe berührten.
»Und, Sassenach«, flüsterte er, »dein Gesicht ist mein Herz.«
Es war der Wind, der sich einige Minuten später drehte, der uns schließlich mit einem Hauch von Gischt aus dem Brunnen trennte. Wir fuhren auseinander und erhoben uns hastig, während wir über die plötzliche Kühle des Wassers lachten. Jamie neigte den Kopf fragend in Richtung der Terrasse, und ich nahm seinen Arm und nickte.
»Wie ich sehe«, stellte ich fest, als wir langsam über die breite Treppe zum Ballsaal hinaufschritten, »hast du also inzwischen etwas mehr über Frauen gelernt.«
Er lachte leise und tief und fasste mich fester um die Taille.
»Das Wichtigste, was ich über Frauen gelernt habe, Sassenach, ist, mir die Richtige auszusuchen.« Er trat zurück, verbeugte sich vor mir und wies durch die offene Tür auf die hell erleuchtete Szene im Inneren. »Darf ich um diesen Tanz bitten, Milady?«
Ich verbrachte den folgenden Nachmittag bei den d’Arbanvilles, wo ich dem königlichen Gesangsmeister erneut begegnete. Diesmal hatten wir Zeit für ein Gespräch, von dem ich Jamie nach dem Abendessen erzählte.
»Du hast was?« Jamie blinzelte mich an, als hätte er den Verdacht, dass ich einen Scherz mit ihm trieb.
»Ich habe gesagt, Herr Gerstmann meinte, ich könnte möglicherweise daran interessiert sein, eine Freundin von ihm kennenzulernen. Mutter Hildegarde leitet das Hôpital des Anges – du weißt schon, das Almosenhospital an der Kathedrale.«
»Ich weiß, wo es ist.« Sein Ton zeichnete sich durch einen allgemeinen Mangel an Begeisterung aus.
»Er hatte Halsschmerzen, und das führte dazu, dass ich ihm gesagt habe, was er dagegen nehmen soll, und ich ihm ein bisschen über Medizin im Allgemeinen erzählt habe und dass ich mich für Krankheiten interessiere und, nun ja, du weißt ja, wie eins zum anderen führt.«
»Zumindest bei dir«, pflichtete er mir bei. Sein Ton war jetzt ausgesprochen zynisch. Ich achtete nicht darauf und fuhr fort.
»Also werde ich das Hospital morgen besuchen.« Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um meine Arzneitruhe von ihrem Regalplatz zu heben. »Vielleicht nehme ich sie ja beim ersten Mal lieber nicht mit«, sagte ich, während ich den Inhalt nachdenklich überflog. »Es könnte zu aufdringlich wirken. Was meinst du?«
»Aufdringlich?« Er klang verdattert. »Hast du vor, das Haus zu besuchen oder dort einzuziehen?«
»Äh, nun ja«, sagte ich und holte tief Luft. »Ich, äh, dachte, ich könnte regelmäßig dort arbeiten. Herr Gerstmann sagt, die Ärzte und Heiler, die dort arbeiten, stiften alle ihre Zeit. Die meisten von ihnen kommen nicht täglich, aber ich habe ja reichlich Zeit, und ich könnte …«
»Reichlich Zeit?«
»Hör auf, jedes meiner Worte zu wiederholen«, sagte ich. »Ja, reichlich Zeit. Ich weiß, dass es wichtig ist, zu Salons und Abendgesellschaften und alldem zu gehen, aber das nimmt doch nicht den ganzen Tag in Anspruch. Zumindest braucht es das nicht. Ich könnte …«
»Sassenach, du erwartest ein Kind! Du hast doch wohl nicht vor, aus dem Haus zu gehen, um Bettler und Kriminelle gesund zu pflegen?« Er klang jetzt ziemlich hilflos, als fragte er sich, wie er mit jemandem umgehen sollte, der plötzlich vor seinen Augen verrückt geworden war.
»Das hatte ich nicht vergessen«, versicherte ich ihm. Ich presste die Hände auf meinen Bauch und blickte an mir hinunter.
»Noch sieht man es doch eigentlich nicht, mit einem weiten Kleid komme ich noch eine Weile damit durch. Und mir fehlt nichts außer der morgendlichen Übelkeit; es gibt keinen Grund, warum ich nicht noch ein paar Monate arbeiten sollte.«
»Keinen Grund, außer dem, dass ich es nicht zulasse!« Da er heute Abend keine Gesellschaft erwartete, hatte er seine Halsbinde abgelegt und seinen Kragen geöffnet, als er nach Hause kam. Ich konnte die dunkelrote Flut sehen, die an seinem Hals hinaufkroch.
»Jamie«, sagte ich, um Vernunft bemüht. »Du weißt, was ich bin.«
»Du bist meine Frau!«
»Das natürlich auch.« Ich tat diesen Gedanken mit einem Fingerschnippen ab. »Ich pflege Kranke, Jamie. Ich bin Heilerin. Das solltest du doch am besten wissen.«
Er wurde feuerrot. »Aye, das stimmt. Und weil du mich geheilt hast, als ich krank war, soll ich es richtig finden, dass du dich um Bettler und Prostituierte kümmerst? Sassenach, weißt du denn nicht, was für Menschen das Hôpital des Anges aufnimmt?« Er sah mich flehend an, als erwartete er, dass ich jeden Moment wieder zur Vernunft kam.
»Was bedeutet das schon?«
Er blickte wild im Zimmer umher und rief das Porträt über dem Kaminsims als Zeugen für meine Unvernunft an.
»Du könntest dich mit einer verdammten Seuche anstecken, zum Kuckuck! Wenn ich dich schon nicht interessiere, kannst du nicht wenigstens an dein Kind denken?«
Vernunft schien mir mit jedem Moment weniger erstrebenswert.
»Natürlich tue ich das. Für was für eine unvorsichtige, verantwortungslose Person hältst du mich?«
»Für eine Person, die ihren Mann im Stich lässt, um in der Gosse mit Abschaum zu spielen!«, fuhr er mich an. »Wenn du schon fragst.« Er fuhr sich mit der großen Hand durch das Haar, so dass es auf dem Scheitel zu Berge stand.
»Dich im Stich lassen? Was hat es denn damit zu tun, dich im Stich zu lassen, wenn ich vorschlage, tatsächlich etwas zu tun, statt im Salon der d’Arbanvilles vor mich hin zu gammeln und zuzusehen, wie sich Louise de Rohan mit Gebäck vollstopft, während ich mir schlechte Lyrik und noch schlechtere Musik anhöre? Ich möchte mich nützlich machen!«