Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und es ist nicht nützlich, wenn du dich um deinen Haushalt kümmerst? Wenn du mit mir verheiratet bist?« Sein Haarband löste sich, und die dicken Locken sprangen hervor wie ein flammender Heiligenschein. Er funkelte auf mich hinunter wie ein Racheengel.
»Das musst du sagen«, gab ich kalt zurück. »Reicht es dir etwa, mit mir verheiratet zu sein? Ich sehe dich nicht den ganzen Tag im Haus herumfaulenzen und mich anhimmeln. Und was den Haushalt angeht, Quatsch.«
»Quatsch?«
»Mach dich doch nicht lächerlich. Madame Vionnet erledigt alles, und sie macht es um ein Vielfaches besser, als ich es könnte.«
Das war so unleugbar wahr, dass es ihm kurz die Sprache verschlug. Er sah mich zähneknirschend an.
»Oh, aye? Und wenn ich es dir verbiete zu gehen?«
Das verschlug mir die Sprache. Ich richtete mich auf und sah ihn von oben bis unten an. Seine Augen hatten die Farben verregneten Schiefers, sein breiter, großzügiger Mund war zu einer geraden Linie zusammengepresst. Breitschultrig, kerzengerade, die Arme vor der Brust verschränkt wie ein ehernes Standbild – es verbot sich in der Tat, ihm zu widersprechen.
»Verbietest du es mir?« Die Spannung ließ die Luft zwischen uns knistern. Ich hätte gern geblinzelt, gönnte ihm aber die Genugtuung nicht, meinen eigenen, ehernen Blick zu unterbrechen. Was würde ich tun, wenn er mir verbot zu gehen? Die Alternativen rasten mir durch den Kopf, angefangen damit, ihm den elfenbeinernen Brieföffner zwischen die Rippen zu rammen, bis dahin, das Haus mit ihm darin niederzubrennen. Das Einzige, was absolut nicht in Frage kam, war nachzugeben.
Er hielt inne und holte tief Luft, ehe er antwortete. Er hatte die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt, die er jetzt sichtlich mühsam öffnete.
»Nein«, sagte er. »Nein, ich verbiete es dir nicht.« Seine Stimme bebte sacht, so sehr strengte es ihn an, sie zu kontrollieren. »Aber wenn ich dich bäte?«
Da senkte ich den Blick und betrachtete sein Spiegelbild auf der polierten Tischplatte. Anfangs war es einfach nur eine interessante Idee für mich gewesen, das Hôpital des Anges zu besuchen, eine verlockende Alternative zu dem endlosen Gerede und den oberflächlichen Intrigen der Pariser Gesellschaft. Doch jetzt … Ich konnte spüren, wie sich meine Armmuskeln anspannten, als ich meinerseits die Hände zu Fäusten ballte. Ich wollte nicht nur wieder arbeiten; ich musste es tun.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich schließlich.
Er holte tief Luft und atmete langsam wieder aus.
»Wirst du es dir überlegen, Claire?« Ich konnte seine Augen auf mir spüren. Nach einer Weile, die mir endlos erschien, nickte ich.
»Ich werde es mir überlegen.«
»Gut.« Seine Spannung zerriss, und er wandte sich ruhelos ab. Ziellos wanderte er im Zimmer umher und nahm Dinge in die Hand und stellte sie wieder hin, bis er schließlich vor dem Bücherregal zum Stillstand kam und den Blick auf die in Leder gebundenen Bücher heftete, ohne sie zu sehen. Zögernd trat ich neben ihn und legte ihm die Hand auf den Arm.
»Jamie, ich wollte dich nicht verärgern.«
Er lächelte mich von der Seite an.
»Aye, nun ja. Ich wollte mich auch nicht mit dir streiten, Sassenach. Ich bin wohl einfach gereizt und überempfindlich.« Er tätschelte mir entschuldigend die Hand, dann trat er an seinen Schreibtisch und blickte darauf hinunter.
»Du hast viel gearbeitet«, sagte ich beschwichtigend und folgte ihm.
»Das ist es nicht.« Er schüttelte den Kopf und streckte die Hand aus, um das gewaltige Geschäftsbuch aufzuschlagen, das mitten auf dem Schreibtisch lag.
»Das Weingeschäft; das macht mir nichts aus. Es ist viel Arbeit, aye, aber das stört mich nicht. Es ist das andere.« Er zeigte auf einen kleinen Briefstapel, der mit einem Alabastergewicht beschwert war. Es gehörte Jared und hatte die Form einer weißen Rose – das Emblem der Stuarts. Die Briefe, die es festhielt, stammten von Abt Alexander, vom Grafen von Mar, von anderen prominenten Jakobiten. Alle randvoll mit verschleierten Fragen, nebulösen Versprechen, widersprüchlichen Erwartungen.
»Ich fühle mich, als würde ich gegen Federn kämpfen!«, sagte Jamie leidenschaftlich. »Ein echter Kampf, etwas, das ich fassen kann, das könnte ich. Aber das hier …« Er nahm die Handvoll Briefe vom Schreibtisch und warf sie in die Luft. Das Zimmer war zugig, und die Briefe flogen wild im Zickzack umher, rutschten unter die Möbel oder flatterten auf den Teppich.
»Da ist nichts, was man fassen könnte«, sagte er hilflos. »Ich kann mich mit tausend Leuten unterhalten, hundert Briefe schreiben, mich bis zur Erblindung mit Charlie betrinken, und trotzdem weiß ich nie, ob ich Fortschritte mache oder nicht.«
Ich ließ die verstreuten Briefe liegen, eins der Dienstmädchen konnte sie später aufsammeln.
»Jamie«, sagte ich leise. »Wir können es nur versuchen.«
Er lächelte schwach, die Hände auf den Schreibtisch gestützt. »Aye. Ich bin froh, dass du ›wir‹ gesagt hast, Sassenach. Manchmal fühle ich mich mit alldem furchtbar allein.«
Ich legte ihm die Arme um die Taille und schmiegte mein Gesicht an seinen Rücken.
»Du weißt genau, dass ich dich nicht damit alleinlassen würde«, sagte ich. »Ich habe dich schließlich in diese Lage gebracht.«
Ich konnte die leise Vibration seines Lachens unter meiner Wange spüren.
»Aye, das hast du. Aber ich verübele es dir nicht, Sassenach.« Er drehte sich um, beugte sich vor und küsste mich sacht auf die Stirn. »Du siehst müde aus, a nighean donn. Geh nach oben ins Bett. Ich habe noch ein wenig zu tun, aber ich komme gleich zu dir.«
»Also schön.« Ich war heute Abend müde, obwohl die chronische Schläfrigkeit der Frühschwangerschaft neuer Energie zu weichen begann; ich war tagsüber zunehmend hellwach, und es drängte mich, etwas zu tun.
Auf dem Weg nach draußen blieb ich in der Tür stehen. Er stand immer noch vor dem Schreibtisch und blickte auf die Seiten des aufgeschlagenen Geschäftsbuches hinunter.
»Jamie?«, sagte ich.
»Aye?«
»Das Hospital – ich habe gesagt, ich überlege es mir. Bitte überleg’s dir auch, hm?«
Er wandte den Kopf, eine Augenbraue scharf hochgezogen. Dann lächelte er und nickte kurz.
»Ich komme gleich zu dir, Sassenach«, sagte er.
Es hagelte und hagelte, und gefrorene Regenpartikel flogen klappernd gegen die Fenster oder landeten zischend im Feuer, wenn sich der Nachtwind drehte und sie in den Schornstein wehte. Der Wind war heftig, und er stöhnte und rumpelte in den Kaminschloten, so dass uns das Schlafzimmer noch kuscheliger erschien. Das Bett war eine Oase der Wärme und Gemütlichkeit mit seinen Gänsefederbetten, den dicken Kopfkissen und Jamie, der zuverlässig für Temperatur sorgte wie ein elektrischer Nachtspeicherofen.
Seine große Hand strich leicht über meinen Bauch, warm durch die dünne Seide meines Nachthemds.
»Nein, da. Du musst ein bisschen fester drücken.« Ich nahm seine Hand und drückte die Finger nach unten, just über meinem Schambein, wo sich allmählich die Gebärmutter bemerkbar machte, eine runde, feste Schwellung etwa so groß wie eine Pampelmuse.
»Aye, ich spüre es«, murmelte er. »Es ist tatsächlich da.« Ein kleines Lächeln ehrfürchtigen Entzückens zupfte an seinem Mundwinkel, und er blickte mit glitzernden Augen zu mir auf. »Kannst du schon spüren, wie es sich bewegt?«
Ich schüttelte den Kopf. »Noch nicht. Noch einen Monat oder so, nach dem, was deine Schwester Jenny gesagt hat.«
»Mm«, sagte er und küsste die kleine Wölbung. »Was hältst du von ›Dalhousie‹, Sassenach?«
»Was halte ich von ›Dalhousie‹ in welchem Zusammenhang?«, erkundigte ich mich.
»Nun, als Name«, sagte er. Er tätschelte meinen Bauch. »Es braucht doch einen Namen.«
»Das stimmt«, sagte ich. »Aber wie kommst du denn darauf, dass es ein Junge ist? Es könnte doch genauso gut ein Mädchen sein.«