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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Oh? Oh, aye, das stimmt«, gab er zu, als sei ihm diese Möglichkeit gerade erst in den Sinn gekommen. »Trotzdem, warum sollen wir nicht mit Jungennamen anfangen? Wir könnten ihn doch nach deinem Onkel nennen, der dich großgezogen hat.«

»Hmm.« Ich blickte stirnrunzelnd auf meine Taille hinunter. Sosehr ich meinen Onkel Lamb geliebt hatte, ich war mir nicht sicher, ob ich einem hilflosen Kind »Lambert« oder auch »Quentin« antun wollte. »Nein, ich glaube nicht. Andererseits bin ich mir auch nicht sicher, ob ich ihn nach einem deiner Onkel nennen würde.«

Jamie streichelte mir geistesabwesend den Bauch und dachte nach.

»Wie war der Name deines Vaters, Sassenach?«, fragte er.

Ich musste einen Moment überlegen, ehe es mir einfiel.

»Henry«, sagte ich. »Henry Montmorency Beauchamp. Jamie, ich werde mein Kind unter keinen Umständen ›Montmorency Fraser‹ nennen. Ich bin auch nicht besonders begeistert von ›Henry‹, obwohl es besser ist als Lambert. Was ist denn mit William?«, schlug ich vor. »Nach deinem Bruder?« Sein älterer Bruder William war als Kind gestorben, doch er hatte so lange gelebt, dass sich Jamie mit großer Zuneigung an ihn erinnerte.

Er runzelte nachdenklich die Stirn. »Hmm«, sagte er. »Aye, möglich. Oder vielleicht nennen wir ihn ja …«

»James«, sagte eine Grabesstimme aus dem Schornstein.

»Was?«, sagte ich und fuhr zum Sitzen hoch.

»James«, sagte der Kamin ungeduldig. »James, James!«

»Ach, du lieber Himmel«, sagte Jamie, den Blick starr auf die züngelnden Flammen des Feuers geheftet. Ich konnte die Härchen auf seinen Unterarmen spüren, die ihm wie kleine Drähte zu Berge standen. Einen Moment blieb er erstarrt sitzen, dann kam ihm ein Gedanke. Er sprang auf und trat an das Gaubenfenster, ohne sich die Mühe zu machen, sich etwas über das Hemd zu ziehen.

Er schob das Fenster hoch, so dass ein frostiger Windstoß hereinwehte, und steckte den Kopf in die Nacht hinaus. Ich hörte einen erstickten Ausruf, dann krabbelten Geräusche über die Dachschindeln. Jamie beugte sich weit aus dem Fenster, stellte sich auf die Zehenspitzen, dann kam er langsam rückwärts ins Zimmer, regenfeucht und ächzend vor Anstrengung. An seinem Hals hing die Gestalt eines gutaussehenden jungen Mannes mit triefend nasser, dunkler Kleidung, der sich ein blutbeflecktes Tuch um die Hand gewickelt hatte.

Der Besucher blieb mit dem Fuß am Fensterrahmen hängen und landete ungeschickt auf allen vieren am Boden. Doch er rappelte sich auf der Stelle hoch, zog seinen Hut und verneigte sich vor mir.

»Madame«, sagte er auf Französisch, jedoch mit schwerem Akzent. »Ich muss Euch für mein unorthodoxes Eintreffen um Verzeihung bitten. Ich störe zur Unzeit, doch es ist unabdingbar, dass ich meinen Freund James spreche.«

Er war ein kräftiger, hübscher Junge mit dichtem, hellbraunem Haar, das sich lose auf seinen Schultern ringelte, und einem attraktiven Gesicht, dessen Wangen jetzt vor Kälte und Anstrengung rot angelaufen waren.

Jamie, der beide Augenbrauen hochgezogen hatte, verbeugte sich höflich vor dem Besucher.

»Mein Haus steht Euch zu Diensten, Eure Hoheit«, sagte er mit einem Blick, der die allgemeine Unordnung der Kleider des Besuchers erfasste. Seine Halsbinde hatte sich gelöst und hing ihm um den Hals, die Hälfte seiner Knöpfe war schief verschlossen, und sein Hosenlatz hing halb offen. Ich sah Jamies kleines Stirnrunzeln angesichts dieser Tatsache, und er stellte sich unauffällig vor den Jungen hin, um mich vor dem unappetitlichen Anblick abzuschirmen.

»Wenn ich Euch meine Frau vorstellen darf, Eure Hoheit?«, sagte er. »Claire, Mylady Broch Tuarach. Claire, dies ist Seine Hoheit Prinz Charles, der Sohn des Königs James von Schottland.«

»Äh, ja«, sagte ich. »Das habe ich wohl mitbekommen. Äh, guten Abend, Eure Hoheit.« Ich nickte anmutig und zog die Bettwäsche bis zum Hals um mich. Ich ging davon aus, dass ich unter den Umständen auf den üblichen Hofknicks verzichten konnte.

Der Prinz hatte Jamies ausführliche Vorstellung genutzt, um seine Hose ordentlicher zurechtzufummeln, und jetzt nickte er mir voll königlicher Würde zu.

»Es ist mir ein Vergnügen, Madame«, sagte er und verneigte sich erneut, diesmal deutlich eleganter. Er richtete sich auf und drehte im Stehen den Hut in den Händen hin und her, während er offenbar überlegte, was er als Nächstes sagen sollte. Jamie, der mit bloßen Beinen im Hemd danebenstand, blickte von mir zu Charles, und auch ihm schien es die Sprache verschlagen zu haben.

»Äh«, sagte ich, um das Schweigen zu brechen. »Hattet Ihr einen Unfall, Eure Hoheit?« Ich wies kopfnickend auf das Taschentuch, das er um seine Hand geschlungen hatte, und er senkte den Blick darauf, als bemerkte er es erst jetzt.

»Ja«, sagte er, »äh … nein. Ich meine … es ist nichts, Mylady.« Er errötete noch tiefer und starrte auf seine Hand. Sein Benehmen war seltsam, irgendwo zwischen Verlegenheit und Wut. Doch ich konnte sehen, wie sich der Fleck auf dem Taschentuch ausbreitete, und ich hob die Füße aus dem Bett und tastete nach meinem Morgenrock.

»Lasst mich lieber einen Blick darauf werfen«, sagte ich.

Die Verletzung, die der Prinz mit einigem Widerstreben preisgab, war nicht ernst, doch sie war ungewöhnlich.

»Das sieht ja aus, als hätte Euch ein Tier gebissen«, sagte ich ungläubig, während ich den kleinen Halbkreis aus Bisswunden im Gewebe zwischen Daumen und Zeigefinger betastete. Prinz Charles zuckte zusammen, als ich auf die umliegende Haut drückte, um die Wunde durch weiteres Bluten zu säubern, ehe ich sie verband.

»Ja«, sagte er. »Ein Affenbiss. Widerliches, verlaustes Biest!«, entfuhr es ihm. »Ich habe ihr ja gesagt, sie soll ihn loswerden. Das Tier ist zweifellos verseucht!«

Ich hatte meine Arzneitruhe gefunden und trug jetzt eine dünne Schicht Enziansalbe auf. »Ich glaube nicht, dass Ihr Grund zur Sorge habt«, sagte ich, auf mein Tun konzentriert. »Solange er natürlich nicht tollwütig ist.«

»Tollwütig?« Der Prinz wurde leichenblass. »Meint Ihr, das könnte sein?« Er hatte zwar offensichtlich keine Ahnung, was »tollwütig« bedeuten könnte, aber er wollte auf jeden Fall nichts damit zu tun haben.

»Möglich ist alles«, sagte ich fröhlich. Sein plötzliches Auftauchen hatte mich so überrascht, dass es mir erst jetzt dämmerte, dass der Allgemeinheit langfristig eine Menge Schwierigkeiten erspart bleiben würden, wenn dieser junge Mann friedlich einer schnellen, tödlichen Krankheit erlag. Doch ich brachte es nicht über mich, ihm Wundbrand oder Tollwut zu wünschen, und so verband ich ihm die Hand ordentlich mit einer frischen Leinenbandage.

Er lächelte, verbeugte sich erneut und dankte mir sehr anmutig in einer Mischung aus Französisch und Italienisch. Er entschuldigte sich immer noch für sein Auftauchen zur Unzeit, als ihn Jamie, jetzt respektabel im Kilt, mit nach unten nahm, um etwas zu trinken.

Da mir die Kühle des Zimmers durch Morgenrock und Nachthemd drang, kroch ich wieder ins Bett und zog mir die Bettdecke bis zum Kinn hoch. Das war also Prinz Charles. Ein hübscher Kerl war er ja. Er wirkte sehr jung – viel jünger als Jamie, obwohl ich wusste, dass Jamie nur ein oder zwei Jahre älter war. Doch Seine Hoheit verfügte über beträchtlichen Charme und reichlich selbstbewusste Würde, trotz seiner unordentlichen Kleidung. War das wirklich genug, um ihn nach Schottland zu bringen, am Kopf einer Restaurationsarmee? Während ich davondriftete, fragte ich mich, was genau der schottische Thronerbe mitten in der Nacht auf den Dächern von Paris gemacht hatte, noch dazu mit einem Affenbiss an der Hand.

Diese Frage hatte ich immer noch im Kopf, als mich Jamie einige Zeit später weckte, indem er ins Bett glitt und mir seine großen, eiskalten Füße in die Kniekehlen legte.

»Schrei doch nicht so«, sagte er, »du weckst ja noch die Dienstboten.«

»Warum zum Teufel ist Charles Stuart mit einem Affenbiss über die Dächer gerannt?«, fragte ich und versuchte, ihm auszuweichen. »Nimm diese verfluchten Eiswürfel fort.«

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