Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Er war bei seiner Mätresse«, sagte Jamie knapp. »Also schön, hör auf, mich zu treten.« Er zog die Füße fort, und als ich mich zitternd zu ihm umdrehte, nahm er mich in die Arme.
»Er hat eine Mätresse? Wer ist es denn?« Durch den Reiz der Kälte und des Skandals stimuliert, wurde ich jetzt rapide wach.
»Es ist Louise de La Tour«, erklärte Jamie zögernd auf mein Bohren hin. Seine Nase sah länger und schärfer aus als sonst, so fest hatte er die Augenbrauen zusammengezogen. Eine Mätresse zu haben, war in seinen schottisch-katholischen Augen schlimm genug, doch es war ja kein Geheimnis, dass für Königshäuser in dieser Hinsicht gewisse Privilegien galten. Allerdings war Prinzessin Louise de La Tour verheiratet. Und ob Charles nun königlichen Geblüts war oder nicht, sich eine verheiratete Frau als Mätresse zu nehmen, war der Gipfel der Unmoral, auch wenn sein Vetter Jared da mit gutem Beispiel voranging.
»Ha«, sagte ich voller Genugtuung. »Ich wusste es!«
»Er sagt, er liebt sie«, berichtete er wortkarg und riss sich die Bettdecke bis über die Schultern hoch. »Er besteht darauf, dass sie ihn ebenfalls liebt; sagt, seit drei Monaten ist sie nur ihm treu. Pah!«
»Nun, es wäre nicht das erste Mal«, sagte ich belustigt. »Er ist also bei ihr gewesen. Aber was hat ihn denn aufs Dach verschlagen? Hat er dir das erzählt?«
»Oh, aye. Das hat er.«
Zum Schutz gegen die Nacht mit mehreren Gläsern von Jareds bestem altem Portwein gestärkt, war Charles ziemlich gesprächig geworden. Die Stärke der wahren Liebe war ihm zufolge an diesem Abend auf eine ernste Probe gestellt worden, und zwar durch die Hingabe, die seine Geliebte ihrem Haustier entgegenbrachte, einem launischen Äffchen, das die Abneigung Seiner Hoheit erwiderte, diese aber mit konkreteren Methoden demonstrieren konnte. Nach einem geringschätzigen Fingerschnippen unter der Nase des Affen hatte Seine Hoheit erst einen scharfen Biss in die Hand und dann das noch schärfere Beißen der tadelnden Zunge seiner Mätresse über sich ergehen lassen müssen. Das Paar hatte sich heftig gestritten, bis dahin, dass Prinzessin Louise de Rohan Charles befohlen hatte, ihr aus den Augen zu gehen. Er hatte sich nur zu willig gezeigt zu gehen – um nie mehr zurückzukehren, wie er dramatisch betonte.
Der Aufbruch des Prinzen war jedoch durch die Entdeckung behindert worden, dass der Gemahl der Prinzessin verfrüht von seinem Spielabend zurückgekehrt war und es sich im Vorraum mit einer Flasche Brandy gemütlich gemacht hatte.
Jamie lächelte unwillkürlich. »Er wollte also nicht bei ihr bleiben, er konnte aber auch nicht zur Tür hinaus – also hat er das Fenster aufgeschoben und ist auf das Dach gesprungen. Mit Hilfe der Regenrohre hatte er es fast bis zur Straße geschafft, sagt er, aber dann ist der Nachtwächter des Weges gekommen, und er musste wieder hochklettern, um nicht gesehen zu werden. Er hatte es schwer, sagte er, sich von Schornstein zu Schornstein zu hangeln, während er auf den nassen Dachschindeln ausrutschte, bis ihm der Gedanke gekommen ist, dass wir ja nur drei Häuser weiter wohnen und die Hausdächer so dicht aneinanderstoßen, dass man von einem Haus zum anderen springen kann.«
»Mm«, sagte ich, und allmählich wurde mir wieder warm um die Zehen. »Hast du ihn mit der Kutsche heimgeschickt?«
»Nein, er hat eins der Pferde aus dem Stall genommen.«
»Wenn er Jareds Portwein getrunken hat, hoffe ich, sie schaffen es beide zum Montmartre«, stellte ich fest. »Es ist ziemlich weit.«
»Nun, auf jeden Fall ist es kalt und nass«, sagte Jamie mit der Selbstzufriedenheit eines Mannes, der tugendhaft neben seiner ihm rechtmäßig angetrauten Frau in einem warmen Bett liegt. Er blies die Kerze aus und zog mich dicht an seine Brust.
»Geschieht ihm recht«, murmelte er. »Ein Mann sollte verheiratet sein.«
Die Dienstboten waren schon vor Tagesanbruch auf und brachten das Haus auf Hochglanz, weil wir am Abend Monsieur Duverney zu einem kleinen, privaten Abendessen erwarteten.
»Ich weiß gar nicht, warum sie sich die Mühe machen«, sagte ich zu Jamie, während ich im Bett mit geschlossenen Augen dem Hin und Her in der unteren Etage lauschte. »Eigentlich brauchen sie doch nur das Schachspiel abzustauben und eine Flasche Brandy dazuzustellen; von allem anderen wird er ohnehin keine Notiz nehmen.«
Er lachte und beugte sich über mich, um mir einen Abschiedskuss zu geben. »Sie machen es richtig; ich brauche nämlich ein ordentliches Abendessen, wenn ich ihn weiterhin schlagen soll.« Er tätschelte mir die Schulter. »Ich gehe zum Lagerhaus, Sassenach; ich bin aber rechtzeitig zu Hause, um mich umzuziehen.«
Ich überlegte, was ich tun konnte, um den Dienstboten nicht im Weg zu sein, und beschloss schließlich, dass mich ein Bediensteter zu den Rohans bringen konnte. Vielleicht konnte Louise ja nach dem Streit der vergangenen Nacht ein wenig Trost gebrauchen, dachte ich. Vulgäre Neugier, sagte ich mir streng, hatte absolut nichts damit zu tun.
Als ich am späten Nachmittag zurückkehrte, traf ich Jamie in einem Sessel am Schlafzimmerfenster an, die Füße auf dem Tisch, den Kragen geöffnet und das Haar zerzaust, während er über einem Häuflein vollgekritzelter Papiere brütete. Das Geräusch der sich schließenden Tür ließ ihn aufblicken, und seine konzentrierte Miene schmolz zu einem breiten Grinsen dahin.
»Sassenach! Da bist du ja!« Er schwang die langen Beine zu Boden und durchquerte das Zimmer, um mich zu umarmen. Er vergrub das Gesicht in meinem Haar, dann wich er zurück und nieste. Er nieste noch einmal und ließ mich los, um in seinem Ärmel nach dem Taschentuch zu suchen, das er nach Art der Soldaten dort trug.
»Wonach riechst du, Sassenach?«, wollte er wissen und presste sich das Leinentüchlein gerade rechtzeitig an die Nase, um das Ergebnis des nächsten explosiven Niesens zu ersticken.
Ich griff in mein Dekolleté und zog das kleine Säckchen zwischen meinen Brüsten hervor.
»Jasmin, Rosen, Hyazinthen und Maiglöckchen … und anscheinend auch Ambrosia«, fügte ich hinzu, während er in die geräumigen Tiefen des Taschentuchs keuchte. »Geht es dir gut?« Ich sah mich nach einer Möglichkeit um, das Säckchen loszuwerden, und legte es schließlich in die Briefpapierschachtel auf meinem Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers.
»Aye, es geht schon. Es sind die Hya … hya … hyaTSCHI!«
»Himmel!« Hastig schob ich das Fenster auf und winkte ihm zu. Gehorsam steckte er Kopf und Schultern in den Nieselregen hinaus und atmete die frische, hyazinthenfreie Luft.
»Och, das ist besser«, sagte er erleichtert, als er ein paar Minuten später den Kopf einzog. Er bekam große Augen. »Was machst du denn, Sassenach?«
»Mich waschen«, erklärte ich, während ich im Rücken mit den Schnüren meines Kleides kämpfte. »Zumindest gleich. Ich habe überall Hyazinthenöl«, erklärte ich, als er mich anblinzelte. »Wenn ich es nicht abwasche, explodierst du mir noch.«
Er betupfte nachdenklich seine Nase und nickte.
»Da könntest du recht haben, Sassenach. Soll ich dir heißes Wasser bringen lassen?«
»Nein, das brauchst du nicht. Einmal mit dem Lappen sollte das meiste entfernen«, versicherte ich ihm, während ich so schnell wie möglich meine Verschlüsse löste. Ich hob die Arme und griff hinter mich, um mein Haar zu einem Knoten zu drehen. Plötzlich beugte sich Jamie vor, ergriff mein Handgelenk und zog meinen Arm hoch.
»Was machst du da?«, fragte ich verblüfft.
»Was hast du da gemacht, Sassenach?«, wollte er wissen. Er starrte mir unter den Arm.
»Mich rasiert«, sagte ich stolz. »Oder besser gewachst. Louise hatte heute ihre servante aux petits soins da – ihre persönliche Körperpflegerin –, und sie hat mich auch behandelt.«
»Gewachst?« Jamie warf einen wilden Blick auf den Kerzenhalter neben dem Waschkrug, dann auf mich. »Du hattest Wachs in deinen Achselhöhlen?«
»Nicht solches Wachs«, versicherte ich ihm. »Parfümiertes Bienenwachs. Die Dame hat es erhitzt und das warme Wachs aufgetragen. Wenn es abgekühlt ist, reißt man es einfach ab«, ich zuckte kurz zusammen, als ich daran dachte, »und fertig.«