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Mephisto

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Mephisto
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C�sar von Muck, der im besonderen Auftrag des F�hrers eine Vertrags- und Propaganda-Tournee durch Europa unternahm, h�tte Anla� gehabt, sich �ber die Triumphe seines Nachfolgers zu �rgern. Er �rgerte sich in der Tat, zeigte es aber nicht, sondern schrieb Ansichtskarten an seinen �Freund Hendrik� aus Palermo oder aus Kopenhagen. Auf ihnen ward er nicht m�de zu betonen, wie sch�n und herrlich es sei, so in Freiheit durch die Lande zu streifen. �Wir Dichter sind doch alle Vagabunden�, schrieb er aus dem Grand Hotel in Stockholm. Er hatte reichlich Devisen mitbekommen. In seinen teils lyrisch, teils militant gestimmten Feuilletons, die alle Zeitungen in gro�er Aufmachung publizieren mu�ten, war viel von Luxusrestaurants, reservierten Theaterlogen und Empf�ngen auf Botschaften die Rede. Der Sch�pfer der �Tannenberg�-Trag�die entdeckte seine Neigung f�r die gro�e Welt. Andererseits fa�te er seine Lustpartie als erhabene sittliche Sendung auf. Der mond�n-poetische Agent der deutschen Diktatur im Ausland liebte es, seine suspekte T�tigkeit als �Seelsorgerberuf� zu bezeichnen und zu betonen, da� er nicht mit Bestechungsgeklern f�r das Dritte Reich werben wolle, wie etwa sein Chef- der Hinkende - dies tat; vielmehr mit kleinen zarten Liebesliedern. �berall hatte er Abenteuer, die so reizend wie bedeutsam waren. In Oslo zum Beispiel erreichte ihn ein Anruf aus der n�rdlichsten Telefonzelle Europas. Eine besorgte Stimme fragte ihn aus der Polargegend: �Wie ist es in Deutschland?� Da versuchte der seelsorgerische Globetrotter mit aller Andacht ein paar S�tze zu formen, die wie eine Handvoll. M�rzenbecher, Schneegl�ckchen und erste Veilchen in der Dunkelheit dr�ben erbl�hen sollten. - �berall war es nett, nur in Paris f�hlte der S�nger der Schlacht von den Masurischen S�mpfen sich unbehaglich. Denn dort irritierte ihn ein militaristisch-kriegerischer Geist, der ihm fremd war und den er nicht mochte. �Paris ist gef�hrlich�, berichtete der Dichter nach Hause, und er dachte mit ernster R�hrung an den feierlichen Frieden, der in Potsdam herrscht. - Nur ganz nebenbei, zwischen all den starken Erlebnissen, die seine Reise f�r ihn mit sich brachte, intrigierte Herr von Muck, brieflich und telefonisch, ein wenig gegen seinen Freund Hendrik H�fgen. Der deutsche Dichter hatte in Paris durch irgendwelche Spione - Agenten der Geheimen Staatspolizei oder Mitglieder der Deutschen Botschaft - herausbekommen, da� es dort eine Negerin gab, die in unstatthaften und h��lichen Beziehungen zu H�fgen gestanden hatte und auch heute noch von ihm erhalten wurde. C�sar �berwand die ihm angeborene Aversion gegen welsche Unmoral und begab sich in das zweifelhafte Etablissement am Montmartre, wo Prinzessin Tebab als V�gelchen wirkte. Er bestellte Champagner f�r sich und die schwarze Dame; als diese aber erfuhr, da� er aus Berlin komme und etwas �ber Hendrik H�fgens erotische Vergangenheit zu wissen w�nsche, sprach sie einige ver�chtliche und derbe Worte, stand auf, streckte ihm das sch�ne Hinterteil hin, von dem gr�ner Federnschmuck wallte, und begleitete diese Geb�rde auch noch mit einem Ger�usch, welches ihre gespitzten Lippen produzierten und das die fatalsten Assoziationen hervorrufen mu�te. Das ganze Lokal am�sierte sich. Der deutsche Barde war auf l�cherliche und blamable Art abgefahren. Er machte drohende Stahlaugen, schlug mit der Faust auf den Tisch, �u�erte mehrere s�chsisch akzentuierte S�tze der Entr�stung und verlie� das Lokal. Noch in derselben Nacht unterrichtete er telefonisch den Propagandaminister davon, da� mit dem I-iebesleben des neuen Intendanten irgendwie nicht alles in Ordnung sein k�nne. Ohne Frage: hier waltete ein tr�bes Geheimnis, und der Liebling des Ministerpr�sidenten bot Angriffsfl�chen. Der Propagandaminister dankte seinem Freunde, dem Dichter, aufs lebhafteste f�r die interessanten Mitteilungen.

Aber wie schwer war es nun schon geworden, dem ersten Theatermann des Reiches, dem gro�en Liebling der M�chtigen und des Publikums, etwas anzuhaben! Hendrik wurde allgemein gesch�tzt, er sa� fest im Sattel. Auch sein Privatleben machte den g�nstigsten Eindruck. Auf eine gewisse nerv�se und eigenwillig originelle Art hatte der junge Herr Intendant, im Rahmen seiner H�uslichkeit, geradezu etwas Patriarchalisches bekommen.

Hendrik hatte sich seine Eltern und Schwester Josy aus K�ln nach Berlin kommen lassen. Mit ihnen bewohnte er eine gro�e, schlo�artige Villa im Grunewald. In der Etage am Reichskanzlerplatz, �ber die der Mietvertrag noch f�r einige Monate lief, logierte vorl�ufig Nicoletta. Die Villa mit Park, Tennisplatz, sch�nen Terrassen und ger�umigen Garagen gab dem jungen Intendanten das Relief, den hochherrschaftlichen Hintergrund, den er nun brauchte und wollte. Wie lange war es her, da� er auf leichten Spangenschuhen, mit flatterndem Ledermantel, das Monokel vorm Auge - eine auffallende und beinah komische Erscheinung - durch die Stra�en geeilt war? Noch am Reichskanzlerplatz war er Bohemien gewesen, wenn auch Bohemien mit luxuri�sem Lebensstil. Im Grunewald aber wurde er Grandseigneu'. Geld spielte keine Rolle: wenn es sich um ihre Favoriten handelte, war die H�lle nicht geizig, die Untenveit zahlte, der Schauspieler H�fgen, der vom Leben nichts beansprucht hatte als ein reines Hemd und eine Flasche Eau de Cologne auf dem Nachttisch, konnte sich Rennpferde, gro�e Dienerschaft und einen ganzen Park von Automobilen leisten. Niemand, oder fast niemand, nahm Ansto� an dem Pomp, den er entfaltete. In allen Illustrierten, war das sch�ne Milieu zu sehen, in dem der junge Herr Intendant sich von anstrengender Arbeit erholte - �Hendrik H�fgen, im Garten seiner Besitzung den ber�hmten Rassehund Hoppi f�tternd�, �Hendrik H�fgen, im Renaissance-Speisezimmer seiner Villa mit seiner Mutter beim Fr�hst�ck� -, und die meisten Leute fanden es recht und billig, da� ein Mann, der sich um das Vaterland derartige Verdienste erwarb, auch seinerseits stark verdiente. �brigens war ja all die Pracht, mit welcher der Intendant sich umgab, klein und bescheiden, verglichen mit dem m�rchenhaften Aufwand, den sein gewaltiger Herr und Freund, der Fliegergeneral, sich vor den Augen der Volksgemeinschaft provokant und prahlerisch g�nnte� Die Grunewaldvilla war das Eigentum des jungen Intendanten; er nannte sie �Hendrik-Hall� und hatte sie einem j�dischen Bankdirektor, der nach London �bersiedelt war, f�r eine relativ niedrige Summe abgekauft. In �Hendrik-Hall� war alles h�chst fein und gewi� ebenso gro�artig, wie es im Palais des �Professors� gewesen war. Die Diener trugen schwarze Livreen mit silbernen Borten, nur der kleine Bock durfte ein wenig schlampig umhergehen. Meistens zeigte er sich in einer schmutzigen, blau und wei� gestreiften Jacke; zuweilen in der braunen SA-Uniform. Der t�richte Bursche mit den w��rigen Augen und dem harten Haar, das ihm immer noch wie eine B�rste vom Sch�del stand, geno� eine besondere und bevorzugte Stellung in Hendrik-Hall. Ihn bewahrte der Schlo�herr wie ein drolliges kleines Andenken an vergangene Zeiten. Der kleine Bock war im Grunde eigens daf�r engagiert, um sich best�ndig �ber die wundersame Verwandlung seines Meisters zu erstaunen und entz�cken. Das tat er denn auch und sagte t�glich mindestens einmaclass="underline" �Nein, wie sch�n und reich wir geworden sind! Es ist doch nicht zu schildern! Wenn ich daran denke, da� wir uns einmal sieben Mark f�nfzig haben pumpen m�ssen, um abendessen zu k�nnen!� Der kleine Bock kicherte ehrfurchtsvoll und ger�hrt bei der Erinnerung. - �Ein braves Tier�, sagte H�fgen von ihm.

�Er ist mir auch in schlechten Zeiten treu gewesen.� Die betonte Freundlichkeit, mit der er vom kleinen Bock sprach, schien einen geheimen Trotz, zu enthalten. Wem galt er, gegen wen richtete er sich? War es nicht Barbara gewesen, die ihm seinen Bock, den ergebenen Knecht, nicht hatte g�nnen wollen? In der Hamburger Wohnung war nur ein Fr�ulein geduldet worden, das ihren zehnj�hrigen Dienst auf dem Gute der Generalin hinter sich hatte - damit sich nur ja nichts �nderte im Leben der gn�digen Frau, der Geheimratstochter. Hendrik, in all seinem Glanz, konnte die kleinsten Niederlagen der Vergangenheit nie vergessen. �Jetzt bin ich Herr im Hause!� sagte er.

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