Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Der Intendant versuchte, sein Haus im englischen Stil zu halten. Den Whisky und die Marmeladen bezog Frau Bella direkt aus London. Man a� sehr viel Toast', sa� mit Vorliebe am offenen Kaminfeuer, spielte Tennis oder Krockett im Garten, und am Sonntag, falls der Hausherr spielfrei war, trafen die G�ste schon zum Lunch2 ein, um bis in die Nacht hinein zu bleiben. Nach dem Dinner wurde auf der Diele getanzt. Hendrik zog sich den Smoking an und behauptete, sich abends in diesem Kleidungsst�ck am wohlsten zu f�hlen. Auch Josy und Nico-letta machten sich niedlich. Bisweilen hatte die kleine Gesellschaft pl�tzlich tolle Launen: man fuhr, noch am sp�ten Nachmittag, in drei Automobilen nach Hamburg, um in St. Pauli bummeln zu gehen. �Autos gibt es ja hier genug�, sagte Graf Donnersberg mit einer kleinen Nuance von Bitterkeit: manchmal �rgerte er sich dar�ber, da� der Kom�diant im Gelde schwamm, w�hrend er, der Aristokrat, keines hatte. - Der Intendant besa� drei gro�e Wagen und mehrere kleine. Die sch�nste Maschine - ein riesiger Mercedes mit glitzernd silberner Karosserie - war ein Geschenk des Herrn Ministerpr�sidenten; der dicke G�nner war aufmerksam genug gewesen, das prachtvolle Fahrzeug in den Grunewald bringen zu lassen, als Hendrik sein neues Heim bezog.
Der Intendant gab nicht gerne und nur selten gro�e Gesellschaften; aber er liebte es, zwanglos G�ste, in Hendrik-Hall zu versammeln. - Nicoletta geh�rte ganz zur Familie. Sie erschien unangemeldet zu den Mahlzeiten, beriet Hendrik in beruflichen Angelegenheiten, und �ber Weekend kam sie mit einem Handkoffer an. Es war ein ziemlich umfangreiches Gep�ckst�ck - zu umfangreich eigentlich, um nur ein Abendkleid, ein Pyjama und eine Puderquaste zu enthalten. Josy, von Neugier geplagt, schaute heimlich nach, was sonst noch in ihm verborgen sein mochte. Zu ihrem Erstaunen entdeckte sie ein Paar hohe Stiefel, angefertigt aus grellrotem, geschmeidigem Lackleder.
Nicoletta war im Begriff, sich von Theophil Marder scheiden zu lassen. �Ich bin wieder Schauspielerin�, schrieb sie ihm. �Dich liebe ich immer, dich werde ich mein Leben lang verehren. Aber es macht mich selig, wieder arbeiten zu d�rfen. In unserem neuen Deutschland herrscht ein allgemeiner Auftrieb, ein enthusiastischer Wille zur Arbeit, von dem dir, in deiner Einsamkeit, jede Vorstellung fehlt.� - Eine der ersten Amtshandlungen des Intendanten H�fgen war es gewesen, Nicoletta ans Staatstheater zu engagieren. Sie hatte noch nicht wieder einen Erfolg gehabt, der sich mit ihrem Hamburger Triumph vergleichen lie�. Jedoch wich allm�hlich die Erstarrung von ihr; Stimme und Bewegungen begannen sich xu lockern und zu beleben. �Pa� auf, du lernst das Theaterspielen wieder!� verhie� ihr Hendrik. �Eigentlich h�tte, man dich ja auf keine B�hne mehr lassen sollen, du N�rrin! Was du damals in Hamburg angestellt hast, war gar zu frevelhaft - ich meine jetzt: nicht in bezug auf den armen Kroge, sondern dir selbst gegen�ber.� �brigens h�tte Nicoletta sich als Akktrice noch so ungeschickt anstellen k�nnen, sie w�re in jedem Eall von den Kollegen und von der Presse mit dem gew�hltesten Respekt behandelt worden; denn sie galt als die Freundin des Intendanten. Man wu�te, da� sie auf den gro�en Mann Einflu� hatte. Bei repr�sentativen Gelegenheiten zeigte sie sich an seiner Seite. Klirrend im Panzer ihrer metallenen Abendtoilette begleitete sie ihn zum Presseball. Was f�r ein Paar: Hendrik und Nicoletta - beide von einem etwas gr��lichen Liebreiz, zwei gef�hrliche und schauerlich charmante Gottheiten der Unterwelt. Der Dichter Benjamin Pelz war es, der den Einfall hatte, sie als �Oberon und Titania�* zu bezeichnen. �Ihr f�hrt den Tanz, ihr unterirdischen Majest�ten!� schw�rmte der Lyriker, f�r den die Diktatur des rassistischen Faschismus eine Alt von blutig-phantastischem Sommernachtstraum bedeutete. �Ihr verzaubert uns mit eurem L�cheln und mit euren wundersamen Blicken. Ach, wie gerne vertrauen wir uns euch an! Ihr geleitet uns unter die Erde, in die tiefste Schicht, in die magische H�hle, wo das Blut von den W�nden rauscht, wo die K�mpfenden sich begatten, die Liebenden sich t�ten, wo Liebe, Tod und Blut in orgiastischer Kommunion sich vermischen�� Dieses war das neudeutsche Ballgefl�ster in seiner feinsten, anspruchsvollsten Form.
Der Dichter Benjamin Pelz beherrschte den Stil. Einst war er ein wenig weltfremd gewesen, nun aber wurde er immer gesellschaftsf�higer und gewandter. Er gew�hnte sich rasch an die gro�e Welt, in deren exklusive Zirkel seine hochmoderne Vorliebe f�r die tiefsten Schichten, die magische H�hle und das s��e Parf�m der Verwesung ihm Eintritt verschaffte. Er leitete als Vizepr�sident die Gesch�fte der Dichterakademie, deren Erster Pr�sident, C�sar von Muck, seinem Seelsorgerberuf augenblicklich im Ausland nachging. In Hendrik-Hall war Benjamin ein gern gesehener Gast. Zusammen mit den Herren M�ller-Andrea, Doktor Radig und Pierre Larue geh�rte er zu den regelm��igen Besuchern der Grunewaldvilla.
Manchmal erschien Angelika Siebert, die jetzt einen anderen Namen f�hrte; denn sie hatte ihren Filmregisseur geheiratet. Der junge Gatte war ein sch�ner Mensch; zu �ppigem, kastanienbraunem Haar hatte er tiefblaue, ernste und gro�e Augen. Ei; als der einzige in dieser etwas degenerierten Gesellschaft, sah so aus, wie ein einfaches Herz sich den deutschen Helden, den J�nglings-Ritter ohne Furcht und Tadel vorstellen mag. Gerade er aber zeigte, �berraschenderweise, oppositionelle Neigungen. Sein kindlich-gr�blerischer Sinn war l�ngst nicht mit allem einverstanden, was in Deutschland geschah. Urspr�nglich war er begeistert f�r die Nazis gewesen; um so gr��er war mm seine Entt�uschung. Mit ernsten, dringlichen Fragen wandte er sich an H�fgen, f�r dessen Talent und k�nstlerisches K�nnen er eine echte Bewunderung empfand. �Sie haben doch einen gewissen Einflu� auf die h�chsten Stellen�, sagte der junge Mann. �Ist es Ihnen denn nicht m�glich, manche gar zu krassen Furchtbarkeiten zu verhindern? Es ist Ihre Pflicht, den Herrn Ministerpr�sidenten auf die Zust�nde in den Konzentrationslagern hinzuweisen�� Das helle und brave Gesicht des jungen Ritters ohne Furcht und Tadel r�tete sich vor Eifer, w�hrend er sprach.
Hendrik aber bewegte enerviert den Kopf. �Was wollen Sie, junger Freund?� machte er ungeduldig. �Was verlangen Sie denn von mir? Soll ich den Niagarafall mit einem Regenschirm aufhalten? Halten Sie das f�r ein aussichtsreiches Unternehmen? - Na also!� schlo� er keck und in einem Ion, als h�tte er nun den anderen definitiv widerlegt und f�r sich gewonnen. �Na also!� Dabei l�chelte er aasig.
Zuweilen beliebte es dem Intendanten, seine Taktik v�llig zu �ndern. Mit einem zynischen �bermut verzichtete er pl�tzlich auf alle Besch�nigungen und Entschuldigungen, eilte, das Antlitz von einer hellen, nerv�sen R�te �berg�ssen - die jedoch keine Schamr�te war - und gesch�ttelt von Lachen, durchs Zimmer, um immer wieder, halb klagend und halb triumphierend, auszurufen: �Bin ich nicht ein Schurke? Bin ich nicht ein ganz unwahrscheinlicher Schurke?!� Der Freundeskreis am�sierte sich, Josy klatschte sogar in die H�nde vor Vergn�gen. Nur der junge Ritter ohne Furcht und Tadel bekam ein strenges, abweisendes Gesicht, w�hrend Johannes Leh-mann, dessen Augen das fette Schimmern von �l hatten, wehm�tig l�chelte und Angelika traurig und best�rzt auf ihren Freund schaute, um clessentwillen sie soviel Tr�nen vergossen hatte.
Nat�rlich sprach Hendrik weder von der Wucht der Niagaraf�lle noch von der eigenen unwahrscheinlichen Schurkenhaftigkeit, wenn G�ste da waren, die in gar zu intimen Beziehungen zur Macht standen oder gar selber einen Teil-von ihr bedeuteten. Schon in der Gegenwart des Grafen Donnersberg h�tete der Intendant sich vor unvorsichtigen Reden. Die �u�erste Vorsicht aber wu�te er mit der strahlendsten Heiterkeit zu verbinden, wenn Lotte Lindenthal ihm die Ehre ihres Besuches gab.