Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Deshalb konspirierte er nicht nur mit seinen engeren Partei- und Gesinnungsfreunden. Noch mehr war ihm daran gelegen, die Verbindung mit oppositionellen Katholiken, frheren Sozialdemokraten oder parteilosen Republikanern herzustellen.
In den ersten Wochen seines illegalen Dienstes hatte Ulrichs einmal den Versuch gemacht, Hendrik Hfgen ins Vertrauen zu ziehen. Aber der Intendant wurde ngstlich, nervs und gereizt. Ich will von diesen Dingen nichts wissen, sagte er hastig. Ich darf von ihnen nichts wissen - verstehst du mich? Ich mache beide Augen zu, ich sehe nicht, was du treibst. Keinesfalls aber darf ich eingeweiht sein.
Nachdem er sich davon berzeugt hatte, da er unbe-lauscht war, versicherte er dem Freund noch mit gepreter Stimme, wie schwierig und peinvoll es fr ihn sei, sich so andauernd und konsequent verstellen zu mssen. Aber ich habe mich nun einmal zu dieser Taktik entschlossen, weil ich sie fr die richtigste und wirkungsvollste halte, raunte Hendrik und versuchte es noch einmal mit den Verschwrerblicken, die jedoch von Ulrichs nicht mehr erwidert wurden. Es ist keine bequeme Taktik, aber ich mu sie durchhalten. Ich befinde mich mitten im Lager des Feindes. Von innen heraus unterhhle ich seine Macht
Otto Ulrichs hrte kaum noch hin. Vielleicht geschah es in diesem Augenblick, da die Illusion von ihm wich und da er Hendrik Hfgen erkannte.
Wie meisterhaft der Intendant sich verstellte! Diese Leistung war in der Tat eines groen Schauspielers wrdig. Man htte ja wahrhaftig glauben knnen, es wre Hendrik Hfgen nur um Geld, Macht und Ruhm zu tun, anstatt um die Unterhhlung des nationalsozialistischen Regimes.
Im breiten Schatten des Ministerprsidenten fhlte er sich so sicher und geborgen, da er es sich leisten zu drfen glaubte, mit der Gefahr zu kokettieren, die Schrecken der Katastrophe schalkhaft zu beschwren. Da er mit einem Theaterdirektor in Wien telefonierte, von dem er sich einen Schauspieler ausleihen wollte, sagte er mit der klagenden, singenden Stimme, die wehleidig die Vokale zerdehnte: Ija, mein Lieber - in ein paar Wochen werde ich vielleicht schon bei Ihnen in Wien auftauchen Ich, wei nicht, ob ich mich hier noch vierzehn lge halte. Meine Gesundheit - Sie verstehen mich recht? -, meine Gesundheit ist so schrecklich angegriffen
In Wahrheit gab es nur zwei Mglichkeiten, die ihn htten zu Fall bringen knnen: wenn der Fliegergeneral ihm die Gnade entzog, oder wenn der Fliegergeneral selber Einbue erlitt an seiner Macht. Jedoch schien der Dicke, seinem Mephistopheles gegenber, von einer Treue, die in nationalsozialistischen Kreisen kaum blich war und deshalb Erstaunen erregte. Auch war der Stern des fetten Riesen noch im Aufstieg begriffen: der Freund der Hinrichtungen und der blonden Sentimentalen gewann immer mehr Titel, immer mehr Schtze, immer mehr Einflu auf die Fhrung des Staates.
Solange die 'Sonne des Dicken ber ihm leuchtete, brauchte Hfgen die heimtckischen Attacken des Hinkenden nicht ernst zu nehmen. Der Propagandaminister wagte es nicht, offen vorzugehen gegen den Intendanten. Im Gegenteil legte er Wert darauf, sich bei passenden Anlssen ffentlich mit ihm zu zeigen. brigens war er nicht ohne einen gewissen intellektuellen Kontakt mit dem Schauspieler Hfgen. Wenn dieser es verstanden hatte, den Fliegergeneral durch seine diabolische Mon-clnitt, seinen zynisch amsanten Witz zu faszinieren und fr sicli zu gewinnen, so konnte er sich doch auch mit dem Propagandachef, dem alten Doktor, recht gut unterhalten, da sie beide nicht nur dieselbe rheinische Mundart sprachen - wodurch ihre Konversationen den herzlich-intimen Charakter bekamen -, sondern auch die gleiche radikale Terminologie benutzten - und mibrauchten. Von revolutionrer Dynamik, dem heroischen Lebensgefhl und einem blutvollen Irrationalismus konnte auch der Schauspieler Hfgen schwatzen, wenn es sein mute. So hatte er manch angeregtes Plauderstndchen mit seinem Todfeind - was natrlich nicht hinderte, da dieser weiter unerbittlich gegen ihn intrigierte.
Csar von Muck, der von seiner genuvollen Auslandtournee heimgekehrt war, tat alles Erdenkbare fr die Verbreitung jener Gerchte ber eine gewisse Negerin, an die Hendrik - angeblich - auf eine durchaus krankhafte Alt sexuell gebunden war und die in Paris, auf seine Kosten, ein anstoerregend glanzvolles Leben fhre. Mit dieser Dame - so wurde verbreitet - pflegte Hfgen sich heimliche Rendezvous zu geben: nicht nur, um weiter Rassen schnde mit ihr zu treiben, sondern auch weil er sie als Verbindungsperson zu den finstersten und gefhrlichsten Zirkeln der Emigration benutzte - zu eben jenen Zirkeln, hie es weiter, in denen die Frau, von der Hendrik sich nur pro forma hatte scheiden lassen - Barbara Bruckner -, eine fhrende Rolle spielte.
Im Staatstheater sprach man von nichts anderem als von der schwarzen Buhle des Intendanten; auch auf den wichtigsten Redaktionen und in jenen Kreisen, die den fn angaben, wute man sehr wohl Bescheid ber die dunkle Dame, die in Paris allen Glanz der groen Babel entfaltete. - Sie hlt sich drei Affen, einen jungen Lwen, zwei ausgewachsene Panther und ein Dutzend chinesischer Kulis, wollte man wissen - und die mit dem franzsischen Generalstab, dem Kreml, den Freimaurern und der jdischen Hochfinanz gegen den nationalsozialistischen Staat Rnke spann. Die Situation begann fr Hfgen peinlich zu werden. Er beschlo, Nicoletta zu heiraten, um den unangenehmen Gerchten die Spitze abzubrechen. Der Ministerprsident war sehr zufrieden mit dieser Entscheidung seines schlauen Proteges. Er lie alle, die den Intendanten weiter zu verdchtigen wagen sollten, streng verwarnen. Wer gegen meine Freunde ist, der ist gegen mich, betonte drohend der Dicke. Wer die Existenz einer gewissen Negerin noch einmal erwhnte, hatte damit zu rechnen, es mit der schrecklichen Person des Fliegergenerals und mit seiner Geheimen Polizei zu tun zu kriegen. Im Theater wurde auf dem Schwarzen Brett, gleich beim Bhneneingang, ein Anschlag befestigt, auf dem zu lesen stand, da jeder, der ber das Privatleben oder die Vergangenheit des Herrn Intendanten irgendvelche Gerchte weitertrage oder sich auch nur anhre, eine staatsfeindliche Handlung begehe. brigens zitterten alle vor dem privaten Spionageapparat Hfgens. Unmglich, vor diesem gefhrlich schlauen Menschen irgend etwas geheimzuhalten, was ihn anging oder interessierte: er erfuhr alles, dank einer kleinen Armee von Spitzeln, die er aushielt. berall hatte er seine Kreaturen; die Gestapo konnte eiferschtig sein auf dieses perfekt organisierte System.
Selbst Csar von Muck wurde unruhig. Der Schpfer der Tannenberg-Tragdie hielt es sogar fr ratsam, eine Visite in Hendrik-Hall zu machen und im herzlichsten Schsisch eine Stunde mit dem Hausherrn zu verplaudern. Nicoletta gesellte sich zu den beiden Herren, denen Frau Bella selbst einen leckeren und leichten Imbi serviert hatte, und begann pltzlich, mit einer hohen, tckischen Stimme, von Negern zu sprechen. Herr von Muck verzog keine Miene, als die geschiedene Frau Marder versicherte, da sowohl Hendrik als auch sie selber geradezu einen Abscheu vor schwarzen Leuten empfnden. Es wird Hendrik bel, wenn er jemanden von dieser garstigen Rasse nur aus der Ferne sieht, erklrte sie und fixierte Csar unbarmherzig aus blanken, lustigen Augen. Schon der Geruch dieser Menschen ist ganz unertrglich, sprach sie herausfordernd. - Jaja, besttigte Herr von Muck. Das ist wahr: Neger stinken. Und pltzlich lachten sie alle drei lang und herzlich: der Intendant, der Dichter und das grelle Mdchen.