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Mephisto

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Mephisto
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Der Propagandaminister wandte ein, C�sar von Muck sei ein Freund des F�hrers, ein altbew�hrter Mitk�mpfer; es sei unm�glich, ihn einfach vor die T�re zu setzen. Der Fliegergeneral schlug munter vor, man solle den Autor des �Tannenberg�-Dramas zum Pr�sidenten der Dichterakademie machen - �Dort st�rt er niemanden� - und ihn zun�chst auf eine sch�ne Reise schicken.

Der Propagandaminister verlangte telefonisch vom F�hrer, der zur Erholung in den bayrischen Bergen,weilte, er m�sse ein Machtwort sprechen und es verhindern, da� man einen zwar talentierten und routinierten, moralisch aber denkbar schlecht qualifizierten Kom�dianten wie H�fgen zum ersten Theatermann des Reiches erhebe. - Der Ministerpr�sident hatte schon zwei l�ge vorher einen Boten in die bayrischen Alpen geschickt. Der F�hrer, der Entscheidungen gerne auswich, lie� antworten: Ihn interessiere der Fall nicht, er habe gr��ere und bedeutungsvollere Dinge im Kopf, die Herren Kameraden m�chten das gef�lligst unter sich ausmachen.

Die G�tter zankten sich. Aus der ganzen Angelegenheit war eine Macht- und Prestigefrage zwischen dem Propagandaminister und dem Ministerpr�sidenten, zwischen dem Hinkenden und dem Dicken geworden. Hendrik wartete ab - und wu�te kaum, welchen Ausgang er dem G�tterstreit w�nschen sollte. Einerseits reizte die Aussicht auf die Intendanz gewaltig seine Eitelkeit und Wirkungssucht; auf der anderen Seite gab es Bedenken. Wenn er einen hohen �ffentlichen Posten in diesem Staate bekleidete, identifizierte er sich ganz und f�r immer mit dem Regime: auf Gedeih und Verderben 'verband er das eigene Schicksal mit dem der blutbefleckten Abenteurer. Wollte er das? War dies seine Absicht gewesen? Gab es nicht Stimmen in seinem Herzen, die ihn vor solchem Schritt warnten? Die Stimmen des schlechten Gewissens, und mit ihnen die Stimmen der Angst�?

Die G�tter k�mpften, die Entscheidung fieclass="underline" der Dicke hatte gesiegt. Er befahl H�fgen zu sich und trug ihm in aller Form die Intendanz der Staatstheater an. Da der Schauspieler mehr verwirrt als entz�ckt schien und fast Best�rzung anstatt Enthusiasmus zeigte, wurde der Ministerpr�sident zornig.

�Ich habe meinen ganzen Einflu� f�r Sie eingesetzt! Machen Sie jetzt keine Geschichten, Mensch! - �brigens ist auch der F�hrer sehr daf�r, da� Sie Intendant werden�, log der General.

Hendrik z�gerte immer noch, teils wegen der inneren Stimmen, die nicht schweigen wollten, teils weil er es geno�, sich bitten zu lassen von der blutbefleckten Macht.,Sie brauchen mich', jubelte es in ihm. - Beinah war ich schon Emigrant, und jetzt bettelt der Gewaltige, ich solle ihm seine Theater vor der Pleite retten!'

Er bat sich vieiimdzwanzig Stunden Bedenkzeit aus. Der Dicke entlie� ihn murrend.

Nachts besprach Hendrik sich mit Nicoletta.

�Ich wei� nicht�, klagte er und schickte unter halbgesenkten Lidern kokette Juwelenblicke ins Leere. �Soll ich - soll ich nicht�? Es ist alles so gr��lich schwierig�� Er lie� den Kopf in den Nacken sinken und hielt das edle, �beranstrengte Gesicht der Decke zugewandt.

�Aber nat�rlich sollst du!� redete Nicoletta mit einer hohen, scharfen und s��en Stimme. �Du wei�t doch selbst ganz genau, da� du sollst - da� du mu�t. Dies ist - der Sieg, mein Liebling�, girrte sie, wobei sie nicht nur den Mund, sondern den ganzen K�rper schl�ngelte. �Es ist der Triumph! Ich habe immer gewu�t, da� er f�r dich kommen w�rde.�

Er fragte sie - immer noch den kalten, schimmernden Blick der Decke zugewandt -: �Wirst du mir helfen, Nicoletta?�

Sie kauerte vor ihm zwischen den Kissen des Lagers. W�hrend sie ihn aus ihren sch�nen, weiten Katzenaugen anstrahlte, antwortete sie, und formte jede Silbe wie eine Kostbarkeit: �Ich weide stolz auf dich sein.�

Am n�chsten Tag war leuchtend sch�nes Wetter; Hendrik beschlo�, zu Fu� von seiner Wohnung zum Palais des Ministerpr�sidenten zu gehen. Das ungew�hnliche Ereignis dieser ausf�hrlichen Promenade sollte den festlichen Charakter des Tages unterstreichen. Denn war der lag, an dem Hendrik H�fgen sein Talent, seinen Namen, seine Person ganz und gar der blutbefleckten Macht zur Verf�gung stellte, kein festlicher?

Nicoletta begleitete ihren Freund. Es war ein netter Spaziergang. Die Stimmung der beiden Lustwandelnden war zugleich gehoben und munter; leider wurde sie ein wenig getr�bt durch eine Begegnung, die Hendrik und Nicoletta unterwegs hatten.

In der N�he des Tiergartens erging sich eine alte Dame, die durch aufrechte Haltung und ein sch�nes, wei�es, hochm�tiges Gesicht imponierte. Zu einem perlgrauen Kost�m von etwas altmodischem, aber elegantem Schnitt trug sie einen dreieckigen Hut aus gl�nzendem schwarzem Material. Unter dem Hut kamen, an den Schl�fen, steif gedrehte, runde wei�e Locken zum Vorschein. Das Haupt der alten Dame glich dem eines Adligen aus dem 18. Jahrhundert. Sie ging sehr langsam, mit kleinen, aber sicheren Schritten. Um ihre gebrechliche, zarte, jedoch durch Energie gestraffte Figur war die melancholische W�rde versunkener Epochen, in denen die Menschen von sich wie von den anderen eine sch�nere und strengere Haltung verlangt hatten, als sie in unseren betriebsam aufgeregten, aber ziemlich hohlen und fahrl�ssigen, der totalen Entw�rdigung bedenklich zugeneigten Tagen �blich ist.

�Es ist die Generalin�, sagte Nicoletta ehrfurchtsvoll leise; dabei blieb sie stehen. Sie war etwas rot geworden. Auch Hendrik err�tete, w�hrend er seinen leichten grauen Hut zog und sich tief verneigte.

Die Generalin hob die Lorgnette, die ihr an einer langen Kette aus blauen Halbedelsteinen auf der Brust hing. Durch das Glas musterte sie, ausf�hrlich und gelassen, das junge Paar, welches nur noch einige Schritte von ihr entfernt stand. Das Gesicht der sch�nen Greisin blieb unbewegt. Sie erwiderte den Gru� des Schauspielers H�fgen und seiner Begleiterin nicht. War ihr bekannt, wohin diese beiden gingen - welchen Vertrag Hendrik, der mit Barbara verheiratet gewesen war, in einer Stunde unterschreiben w�rde? Vielleicht ahnte sie es, oder sie ahnte doch etwas von dieser Art. Sie wu�te, was sie von Hendrik und Nicoletta zu halten hatte. Sie verfolgte ihre Entwicklung, und sie war entschlossen, nichts mehr zu tun zu haben mit diesen beiden.

Die Lorgnette der Generalin sank leise klappernd herab. Die alte Dame wandte Hendrik und Nicoletta den R�cken. Sie entfernte sich von ihnen mit kleinen, etwas m�hsamen Schritten, denen Energie und eine stolze innere Haltung Festigkeit und selbst einen gewissen Elan verliehen.

X Die Drohung

Der Intendant war kahlk�pfig. Die letzten seidenweichen Str�hnen, welche die Natur ihm gelassen hatte, rasierte er sich ab. Seines edel gebildeten Sch�dels brauchte er sich nicht zu sch�men. Mit W�rde und Selbstbewu�tsein trug er das mephistophelische Haupt, in das der Herr Ministerpr�sident sich vergafft hatte. Im fahlen, etwas aufgeschwemmten Gesicht schimmerten die kalten Juwe-lenaugen so unwiderstehlich wie je. Der empfindliche Leidenszug an den Schl�fen r�hrte zu einem respektvollen Mitleid. Die Wangen begannen ein wenig schlaff zu werden, hingegen hatte das Kinn, mit der markanten Kerbe in der Mitte, seine herrische Sch�nheit behalten. Vor allem wenn der Intendant es hochreckte, wie dies seine Art war, wirkte es sowohl imponierend als reizend; neigte er indessen das Gesicht, so entstanden Falten am Hals, und es stellte sich heraus, da� er eigentlich ein Doppelkinn besa�.

Der Intendant war sch�n. Nur Personen, die so scharf blickten wie die alte Frau Generalin durch ihre Lorgnette, glaubten feststellen zu d�rfen, da� seine Sch�nheit nicht ganz echt, nicht ganz legitim und mehr eine Leistung des Willens war als eine Gabe der Natur. �Es verh�lt sich mit seinem Gesicht so �hnlich wie mit seinen H�nden�, behaupteten solche Boshaften und �berkritischen. �Die H�nde sind breit und h��lich, aber er wei� sie zu pr�sentieren, als w�ren sie spitz und gotisch.�

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