Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Der Propagandaminister wandte ein, Csar von Muck sei ein Freund des Fhrers, ein altbewhrter Mitkmpfer; es sei unmglich, ihn einfach vor die Tre zu setzen. Der Fliegergeneral schlug munter vor, man solle den Autor des Tannenberg-Dramas zum Prsidenten der Dichterakademie machen - Dort strt er niemanden - und ihn zunchst auf eine schne Reise schicken.
Der Propagandaminister verlangte telefonisch vom Fhrer, der zur Erholung in den bayrischen Bergen,weilte, er msse ein Machtwort sprechen und es verhindern, da man einen zwar talentierten und routinierten, moralisch aber denkbar schlecht qualifizierten Komdianten wie Hfgen zum ersten Theatermann des Reiches erhebe. - Der Ministerprsident hatte schon zwei lge vorher einen Boten in die bayrischen Alpen geschickt. Der Fhrer, der Entscheidungen gerne auswich, lie antworten: Ihn interessiere der Fall nicht, er habe grere und bedeutungsvollere Dinge im Kopf, die Herren Kameraden mchten das geflligst unter sich ausmachen.
Die Gtter zankten sich. Aus der ganzen Angelegenheit war eine Macht- und Prestigefrage zwischen dem Propagandaminister und dem Ministerprsidenten, zwischen dem Hinkenden und dem Dicken geworden. Hendrik wartete ab - und wute kaum, welchen Ausgang er dem Gtterstreit wnschen sollte. Einerseits reizte die Aussicht auf die Intendanz gewaltig seine Eitelkeit und Wirkungssucht; auf der anderen Seite gab es Bedenken. Wenn er einen hohen ffentlichen Posten in diesem Staate bekleidete, identifizierte er sich ganz und fr immer mit dem Regime: auf Gedeih und Verderben 'verband er das eigene Schicksal mit dem der blutbefleckten Abenteurer. Wollte er das? War dies seine Absicht gewesen? Gab es nicht Stimmen in seinem Herzen, die ihn vor solchem Schritt warnten? Die Stimmen des schlechten Gewissens, und mit ihnen die Stimmen der Angst?
Die Gtter kmpften, die Entscheidung fieclass="underline" der Dicke hatte gesiegt. Er befahl Hfgen zu sich und trug ihm in aller Form die Intendanz der Staatstheater an. Da der Schauspieler mehr verwirrt als entzckt schien und fast Bestrzung anstatt Enthusiasmus zeigte, wurde der Ministerprsident zornig.
Ich habe meinen ganzen Einflu fr Sie eingesetzt! Machen Sie jetzt keine Geschichten, Mensch! - brigens ist auch der Fhrer sehr dafr, da Sie Intendant werden, log der General.
Hendrik zgerte immer noch, teils wegen der inneren Stimmen, die nicht schweigen wollten, teils weil er es geno, sich bitten zu lassen von der blutbefleckten Macht.,Sie brauchen mich', jubelte es in ihm. - Beinah war ich schon Emigrant, und jetzt bettelt der Gewaltige, ich solle ihm seine Theater vor der Pleite retten!'
Er bat sich vieiimdzwanzig Stunden Bedenkzeit aus. Der Dicke entlie ihn murrend.
Nachts besprach Hendrik sich mit Nicoletta.
Ich wei nicht, klagte er und schickte unter halbgesenkten Lidern kokette Juwelenblicke ins Leere. Soll ich - soll ich nicht? Es ist alles so grlich schwierig Er lie den Kopf in den Nacken sinken und hielt das edle, beranstrengte Gesicht der Decke zugewandt.
Aber natrlich sollst du! redete Nicoletta mit einer hohen, scharfen und sen Stimme. Du weit doch selbst ganz genau, da du sollst - da du mut. Dies ist - der Sieg, mein Liebling, girrte sie, wobei sie nicht nur den Mund, sondern den ganzen Krper schlngelte. Es ist der Triumph! Ich habe immer gewut, da er fr dich kommen wrde.
Er fragte sie - immer noch den kalten, schimmernden Blick der Decke zugewandt -: Wirst du mir helfen, Nicoletta?
Sie kauerte vor ihm zwischen den Kissen des Lagers. Whrend sie ihn aus ihren schnen, weiten Katzenaugen anstrahlte, antwortete sie, und formte jede Silbe wie eine Kostbarkeit: Ich weide stolz auf dich sein.
Am nchsten Tag war leuchtend schnes Wetter; Hendrik beschlo, zu Fu von seiner Wohnung zum Palais des Ministerprsidenten zu gehen. Das ungewhnliche Ereignis dieser ausfhrlichen Promenade sollte den festlichen Charakter des Tages unterstreichen. Denn war der lag, an dem Hendrik Hfgen sein Talent, seinen Namen, seine Person ganz und gar der blutbefleckten Macht zur Verfgung stellte, kein festlicher?
Nicoletta begleitete ihren Freund. Es war ein netter Spaziergang. Die Stimmung der beiden Lustwandelnden war zugleich gehoben und munter; leider wurde sie ein wenig getrbt durch eine Begegnung, die Hendrik und Nicoletta unterwegs hatten.
In der Nhe des Tiergartens erging sich eine alte Dame, die durch aufrechte Haltung und ein schnes, weies, hochmtiges Gesicht imponierte. Zu einem perlgrauen Kostm von etwas altmodischem, aber elegantem Schnitt trug sie einen dreieckigen Hut aus glnzendem schwarzem Material. Unter dem Hut kamen, an den Schlfen, steif gedrehte, runde weie Locken zum Vorschein. Das Haupt der alten Dame glich dem eines Adligen aus dem 18. Jahrhundert. Sie ging sehr langsam, mit kleinen, aber sicheren Schritten. Um ihre gebrechliche, zarte, jedoch durch Energie gestraffte Figur war die melancholische Wrde versunkener Epochen, in denen die Menschen von sich wie von den anderen eine schnere und strengere Haltung verlangt hatten, als sie in unseren betriebsam aufgeregten, aber ziemlich hohlen und fahrlssigen, der totalen Entwrdigung bedenklich zugeneigten Tagen blich ist.
Es ist die Generalin, sagte Nicoletta ehrfurchtsvoll leise; dabei blieb sie stehen. Sie war etwas rot geworden. Auch Hendrik errtete, whrend er seinen leichten grauen Hut zog und sich tief verneigte.
Die Generalin hob die Lorgnette, die ihr an einer langen Kette aus blauen Halbedelsteinen auf der Brust hing. Durch das Glas musterte sie, ausfhrlich und gelassen, das junge Paar, welches nur noch einige Schritte von ihr entfernt stand. Das Gesicht der schnen Greisin blieb unbewegt. Sie erwiderte den Gru des Schauspielers Hfgen und seiner Begleiterin nicht. War ihr bekannt, wohin diese beiden gingen - welchen Vertrag Hendrik, der mit Barbara verheiratet gewesen war, in einer Stunde unterschreiben wrde? Vielleicht ahnte sie es, oder sie ahnte doch etwas von dieser Art. Sie wute, was sie von Hendrik und Nicoletta zu halten hatte. Sie verfolgte ihre Entwicklung, und sie war entschlossen, nichts mehr zu tun zu haben mit diesen beiden.
Die Lorgnette der Generalin sank leise klappernd herab. Die alte Dame wandte Hendrik und Nicoletta den Rcken. Sie entfernte sich von ihnen mit kleinen, etwas mhsamen Schritten, denen Energie und eine stolze innere Haltung Festigkeit und selbst einen gewissen Elan verliehen.
X Die Drohung
Der Intendant war kahlkpfig. Die letzten seidenweichen Strhnen, welche die Natur ihm gelassen hatte, rasierte er sich ab. Seines edel gebildeten Schdels brauchte er sich nicht zu schmen. Mit Wrde und Selbstbewutsein trug er das mephistophelische Haupt, in das der Herr Ministerprsident sich vergafft hatte. Im fahlen, etwas aufgeschwemmten Gesicht schimmerten die kalten Juwe-lenaugen so unwiderstehlich wie je. Der empfindliche Leidenszug an den Schlfen rhrte zu einem respektvollen Mitleid. Die Wangen begannen ein wenig schlaff zu werden, hingegen hatte das Kinn, mit der markanten Kerbe in der Mitte, seine herrische Schnheit behalten. Vor allem wenn der Intendant es hochreckte, wie dies seine Art war, wirkte es sowohl imponierend als reizend; neigte er indessen das Gesicht, so entstanden Falten am Hals, und es stellte sich heraus, da er eigentlich ein Doppelkinn besa.
Der Intendant war schn. Nur Personen, die so scharf blickten wie die alte Frau Generalin durch ihre Lorgnette, glaubten feststellen zu drfen, da seine Schnheit nicht ganz echt, nicht ganz legitim und mehr eine Leistung des Willens war als eine Gabe der Natur. Es verhlt sich mit seinem Gesicht so hnlich wie mit seinen Hnden, behaupteten solche Boshaften und berkritischen. Die Hnde sind breit und hlich, aber er wei sie zu prsentieren, als wren sie spitz und gotisch.