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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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»Überhaupt nicht«, antwortete Hai. Er beugte sich nieder, legte ihr einen Arm um die Schulter und ließ sie noch einmal hinsehen. »Es ist wie der Bart eines alten Mannes, lauter wirre weiße und rote Fäden.«

»Dann sind die Samenkörner die Flöhe im Bart«, meinte Dalitha starrköpfig und schauderte vor Widerwillen, während sie zusah, wie er die Zähne in das süße, saftige Fleisch hieb.

»Nein, das sind sie nicht. Es sind die Krümel von seinem Frühstück.«

»Amira, komm und schau dir das an!« rief das kleine Mädchen ihrer älteren Halbschwester zu. »Hai sagt, das Innere einer Feige sieht aus wie der Bart eines alten Mannes.«

»Wenn Hai das sagt, dann muß es stimmen. Er hat doch immer recht!« lachte Amira gutmütig, während sie Sari und ihrer Mutter half, den gelben Weidenkorb zu füllen, der unter dem Baum stand.

»Mach dich nur lustig!« erwiderte Hai und zog Amira spielerisch am Ohr.

»Hai ist immer so glücklich und so fröhlich, wenn er hier ist«, vertraute Sari Djamila an, während sie sich niederbeugten, um die gepflückten Feigen in den Korb zu legen. »So voller Lachen und Leichtigkeit. Wenn seine Studien ihm nicht eine solche Last auferlegten, er würde sicherlich mehr Zeit bei euch verbringen. Er nutzt ohnehin schon jede Gelegenheit, um der lähmenden Nüchternheit und Strenge unseres Hauses und den Launen Da'uds zu entfliehen.«

»Da'ud verhält sich dir und Hai gegenüber launisch? Das kann ich mir kaum vorstellen«, bemerkte Djamila mit einiger Überraschung, während sie sich den schweren Korb auf die starken, sonnengebräunten Unterarme hob.

»Die Zeit fordert ihren Tribut«, erwiderte Sari traurig. »Er leidet neuerdings an Gelenkschmerzen. Er sieht natürlich zu, daß er sich ausreichend bewegt, und beschränkt sich gewissenhaft auf leichte, wenig gewürzte Speisen. Er läßt sich auch ab und zu selbst zur Ader. Das scheint ihm einige Linderung zu verschaffen, doch schon bald kehren die Schmerzen zurück, besonders im Winter. Obwohl er Arzt ist, erträgt er Schmerzen nur schlecht, und er weigert sich, das Mittel anzuwenden, das er so oft anderen verschrieben hat, einen Umschlag aus Taubendung, glaube ich. Er sagt, er könne einfach den Geruch nicht ertragen. Du kennst ihn so gut wie ich und kannst dir sicher vorstellen, wie tapfer er seine Beschwerden vor der Außenwelt verbirgt. Hai und ich müssen den Großteil seines Unmuts ertragen, wenn er sich in der Abgeschiedenheit unseres Heims einmal gehen läßt. Hai ist geduldiger und mitfühlender, als man das von einem Jungen seines Alters erwarten würde, aber wie alle Kinder braucht er die Gesellschaft von Brüdern und Schwestern, die ihm zu Hause fehlt.«

»Er ist ein intelligenter, sensibler Junge. Vielleicht kommt er nur deshalb so gern hierher, weil er den kindlichen Wunsch hegt, uns dafür zu entschädigen, wie sein Vater uns behandelt hat? Er hat vielleicht sogar deine Mißbilligung gespürt und ist davon beeinflußt worden. Kinder bekommen oft mehr mit, als wir Erwachsenen meinen.«

»Ich weiß nicht. Wir haben nie darüber geredet. Später vielleicht, wenn er erwachsen ist. Ich möchte, daß er seinen Vater lieben und ehren lernt, was immer er auch in späteren Jahren über seine Untugenden herausfinden mag. Im Augenblick genießt er wahrscheinlich einfach nur die entspannte Atmosphäre in eurem Zuhause und die Gesellschaft der beiden lebhaften Mädchen.«

Djamila verfolgte das Thema nicht weiter. »Du weißt, daß Hai hier immer willkommen ist. Ich habe stets mein Bestes getan, damit hier sein zweites Zuhause ist, damit das Band zwischen ihm und seiner Halbschwester nie durchtrennt wird.«

»Das ist dir über alle Erwartungen gut gelungen. Er und Amira sind nicht nur beste Freunde, er scheint auch Dalitha, deine und Menahems Tochter, unter seine brüderlichen Fittiche genommen zu haben.«

»Ja, er ist von Anfang an unendlich lieb zu ihr gewesen. Aber komm, es ist Zeit, daß wir das festliche Mahl auftragen, das wir ihm anläßlich seiner Bar Mizwa versprochen haben. Und dann müssen wir ihm noch unser Geschenk überreichen.«

»Ein Geschenk ist doch nicht nötig. Da'ud hat dafür gesorgt, daß Amira ihm …«

»Nicht Da'ud, liebe Sari«, unterbrach Djamila sie, indem sie ihr fest die Hand auf den Unterarm legte. »Wir. Menahem, Dalitha, Amira und ich.«

»Was für eine Verrücktheit habt ihr euch wieder ausgedacht?«

»Keine Verrücktheit. Komm«, sagte Djamila und ging ihr voraus auf die andere Seite des Hauses. »Wir haben einen Teil unseres Gemüsegartens abgetrennt, mit dem Hai jetzt machen kann, was er möchte.«

Saris Augen wurden vor Rührung ganz feucht. »Wie passend«, murmelte sie.

»Genau, und zudem ist es ein Geschenk, das in unserer Macht steht. Menahem und ich haben oft bemerkt, wie eingehend er jede Pflanze untersucht, die ihm unter die Augen kommt – Blüten, Blätter, Wurzeln, alles. Dieses kleine Stückchen Erde wird es ihm möglich machen, Samen zu säen, zuzuschauen, wie sie wachsen, und seine Studien zu treiben, wohin ihn seine Neugier auch führen mag.«

Während Djamila sprach, blitzte vor Saris innerem Auge die Erinnerung an die Reihe von Pflanzen wieder auf, die in Da'uds Zimmer in seinem Elternhaus auf der Fensterbank gestanden hatte, zarte Pflänzchen, die er, in seinem Bemühen, sie ins Leben zurückzulocken, ihrer Obhut anvertraut hatte. Jetzt lebte sein jugendlicher Forschergeist in ihrem einzigen Sohn wieder auf. Für welche Zwecke würde Hai all das Wissen einsetzen, das er ansammelte? fragte sie sich. Würde er nur die Grenzen des menschlichen Wissens erweitern wollen wie Da'ud in jungen Jahren, oder würde er sich daran machen, das Los seiner Mitmenschen zu verbessern? Sie für ihren Teil hoffte, daß aus ihm der wahre Arzt würde, der sein Vater trotz seines großen Ruhmes nie gewesen war.

»Mehr konnte man von diesen Bauern auch nicht erwarten«, meinte Da'ud geringschätzig, als Sari ihm von Menahems und Djamilas schöner Geste berichtete.

»Ich finde es rührend, daß sie Hai bei seinem Studium der Pflanzen unterstützen wollen. Weißt du noch, mit welch selbstvergessenem Interesse du die Pflanzen betrachtet hast, die dir der Einsiedler damals hinterließ? Das gehört doch alles auch zu der umfassenden Bildung, die du für ihn vorsiehst, oder nicht?«

Da'ud antwortete mit einem übellaunigen Knurren. »Ich brauche keine Einmischung von dieser Seite.«

»Sie meinen es nur gut.«

»Mag schon sein.«

Hai errötete ob der Mißachtung seines Vaters für die Menschen, deren Warmherzigkeit und Schlichtheit er liebte, sagte aber aus Respekt kein Wort. Sari, die längst gelernt hatte, daß jegliche Diskussion überflüssig war, wenn ihr Mann in einer solchen Stimmung war, schwieg ebenfalls. Am folgenden Sabbat jedoch versuchte Da'ud alles wieder gutzumachen.

»Ich freue mich über dein Interesse an den verschiedenen Pflanzen«, sagte er zu Hai, als sie sich zum Abendessen niederließen. »Bei Gelegenheit, ehe meine Gelenke noch mehr schmerzen, müssen wir einmal zusammen zur Hütte des Einsiedlers reiten – wenn überhaupt noch etwas von ihr übrig ist –, und ich zeige dir, wo ich die Pflänzchen gefunden habe, die deine Mutter neulich erwähnte. Leider sind sie damals in dem harten Winter eingegangen, als du vier oder fünf Jahre alt warst. Unter den unzähligen Arten, die sich um die Hütte des Alten herum an unser Klima gewöhnten, war auch eine besondere Art von Aloe, deren Namen ich nicht kannte und von der er mir berichtete, daß sie überall im Orient für ihre Wunderkräfte berühmt war. Es waren beinahe seine letzten Worte. Er hat das Geheimnis ihrer Wunderwirkung mit ins Grab genommen.«

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