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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Im Gänsemarsch gehen wir hintereinanderher, Gepäck und Ausrüstung tragen wir vor uns her. Trotzdem ist es sehr beengt. Wir lassen das erste Apartment links liegen und kommen im zweiten wieder zum Vorschein. In einem der Schlafzimmer entdecken wir eine Tür mit der Aufschrift VERSORGUNG. Dahinter befindet sich der Raum mit dem Einstieg in den Schacht zum Tunnelsystem.

Während Messalla stirnrunzelnd auf die große runde Abdeckung blickt, kehrt er einen Augenblick lang in seine alte Pingelwelt zurück. »Deshalb will keiner die Mitteleinheit haben. Ständig kommen Arbeiter und ein zweites Bad gibt es auch nicht. Dafür ist die Miete aber beträchtlich niedriger.« Er bemerkt Finnicks amüsierten Gesichtsausdruck und fügt hinzu: »Ach, egal.«

Die Abdeckung lässt sich leicht entriegeln. Eine breite Leiter mit Gummiprofilen auf den Sprossen ermöglicht einen problemlosen Abstieg ins Innere der Stadt. Am Fuß der Leiter sammeln wir uns und warten, bis sich unsere Augen an die matten Lichtstreifen gewöhnt haben. Die Luft hier unten ist eine Mischung aus Chemikalien, Schimmel und Abwässern.

Pollux ist ganz blass, er schwitzt und muss sich an Castors Handgelenk festhalten. Als würde er gleich umkippen.

»Mein Bruder hat hier unten gearbeitet, nachdem er zum Avox wurde«, sagt Castor. Natürlich. Wer sonst würde ihnen diese nasskalten, übel riechenden Passagen instand halten, die auch noch mit Kapseln vermint sind? »Es hat fünf Jahre gedauert, bis wir ihn freikaufen konnten. In dieser Zeit hat er nicht ein Mal die Sonne gesehen.«

Unter günstigeren Umständen, an einem Tag mit weniger Schrecken und mehr Ruhe, wüsste sicher gleich einer die angemessenen Worte darauf. So aber stehen wir alle eine gute Weile da und suchen nach einer Antwort.

Schließlich wendet sich Peeta an Pollux. »Na, dann bist du soeben zu unserem wertvollsten Mitstreiter geworden.« Castor lacht und auch Pollux bringt ein Lächeln zustande.

Erst als wir die Hälfte des ersten Tunnels hinter uns haben, wird mir bewusst, was an dieser Antwort so bemerkenswert war. Peeta klang wie sein altes Ich, das stets die richtigen Worte fand, wenn es sonst niemand konnte. Ironisch, aufmunternd, ein bisschen lustig, aber nie auf Kosten anderer. Ich schaue mich rasch nach ihm um, wie er zwischen seinen Bewachern Gale und Jackson voranstapft, den Blick starr nach unten gerichtet, die Schultern vorgebeugt. Unheimlich mutlos. Doch einen Augenblick lang ist er wirklich hier gewesen.

Peeta hat recht. Pollux ist besser als zehn Holos. Es gibt hier ein einfaches Grundnetz aus breiten Tunneln, die den wichtigsten Haupt-und Querstraßen folgen und praktisch eine exakte Kopie des Straßenverlaufs über der Erde darstellen. Dieses Netz heißt Transfer, es kann von Kleinlastern befahren werden, die in der ganzen Stadt Waren anliefern. Tagsüber sind die vielen Kapseln deaktiviert, aber nachts ist es das reinste Minenfeld. Daneben gibt es Hunderte von weiteren Verbindungen, Versorgungsschächten, Gleisanlagen und Abwasserrohren, die das Ganze zu einem Labyrinth auf mehreren Ebenen machen. Pollux kennt sich hervorragend aus und warnt uns vor Gefahren, die für Ortsfremde katastrophal wären. Er sagt uns, in welchem Seitengang man Gasmasken braucht oder wo man auf Stromleitungen und die bibergroßen Ratten trifft. Er warnt uns vor dem in regelmäßigen Abständen hervorschießenden Wasser in den Kanälen, berechnet, wann die Avoxe Schichtwechsel haben, führt uns in feuchte, dunkle Rohre, um den fast lautlos vorbeifahrenden Frachtzügen auszuweichen. Vor allem aber weiß er, wo die Kameras sind. Außer im Transfer gibt es zwar nicht allzu viele an diesem finsteren, dunstigen Ort. Trotzdem gehen wir ihnen wohlweislich aus dem Weg.

Unter Pollux’ Führung kommen wir schnell voran, verglichen mit unserer Reise über der Erde sogar bemerkenswert schnell. Nach etwa sechs Stunden übermannt uns die Müdigkeit. Es ist drei Uhr morgens, ich gehe davon aus, dass es noch ein paar Stunden dauert, bevor das Fehlen unserer Leichen bemerkt wird. Schließlich müssen sie die Trümmer des ganzen Straßenzugs durchsuchen, bis sie Gewissheit haben, dass wir durch die Schächte entkommen sind, dann beginnt die Jagd.

Ich schlage eine Rast vor und keiner erhebt Einwände. Pollux findet einen kleinen, warmen Raum, in dem mit Hebeln und Messuhren bestückte Maschinen summen. Er hält die Finger hoch, um anzuzeigen, dass wir in vier Stunden wieder verschwunden sein müssen. Jackson teilt die Wachen ein, und da ich nicht zur ersten Schicht gehöre, quetsche ich mich zwischen Gale und Leeg 1 und bin sofort eingeschlafen.

Als Jackson mich wach rüttelt und sagt, dass ich jetzt mit der Wache dran bin, kommt es mir vor, als wären erst wenige Minuten vergangen. Es ist sechs Uhr, in einer Stunde müssen wir weiter. Jackson sagt, ich soll mir eine Dose nehmen und Pollux im Auge behalten, der darauf bestanden hat, die ganze Nacht aufwache zu sein. »Er kann hier unten sowieso nicht schlafen.« Ich hieve mich in einen Zustand relativer Aufmerksamkeit, esse eine Dose Kartoffel-Bohnen-Eintopf, setze mich an die Wand und schaue zur Tür. Pollux wirkt hellwach. Wahrscheinlich hat er die ganze Nacht lang noch einmal diese fünf Jahre des Eingesperrtseins durchlebt. Ich hole das Holo hervor, gebe unsere Netzkoordinaten ein und scanne die Tunnel. Wie erwartet, sind die Kapseln zum Zentrum hin immer dichter gestreut. Eine Weile klicken Pollux und ich auf dem Holo herum und schauen uns an, wo sich welche Fallen verbergen. Als mir langsam der Kopf schwirrt, reiche ich ihm das Gerät und lehne mich wieder gegen die Wand. Ich schaue auf die schlafenden Soldaten, Fernsehleute und Freunde und frage mich, wie viele von uns je die Sonne wiedersehen werden.

Plötzlich merke ich, dass Peeta, dessen Kopf gleich bei meinen Füßen liegt, wach ist. Ich wünschte, ich könnte seine Gedanken lesen, mich in sein Hirn einschleichen und das Gestrüpp aus Lügen entwirren. Aber ich begnüge mich mit etwas, das ich kann.

»Hast du schon gegessen?«, frage ich. Er schüttelt unmerklich den Kopf. Ich öffne eine Dose Hühnersuppe mit Reis und reiche sie ihm, behalte aber den Deckel, falls er sich womöglich die Pulsadern aufschneiden will. Er setzt sich auf, führt die Dose zum Mund und schüttet sich den Inhalt in den Hals, fast ohne zu kauen. Am Dosenboden spiegeln sich die Lämpchen der Maschinen, und da fällt mir etwas ein, das mir seit gestern im Unterbewusstsein herumschwirrt. »Peeta, als du gefragt hast, was mit Darius und Lavinia passiert ist, und Boggs antwortete, dass deine Erinnerung stimmt, da hast du doch gesagt, das hättest du dir schon gedacht. Weil da nichts Leuchtendes dran gewesen sei. Was hast du damit gemeint?«

»Ach, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll«, sagt er. »Anfangs war alles ein völliges Durcheinander. Mittlerweile kann ich manches wieder ordnen. Ich erkenne ein Muster. Die Erinnerungen, die durch das Jägerwespengift manipuliert wurden, sind irgendwie komisch. Als wären sie zu intensiv oder die Bilder wacklig. Weißt du noch, wie es sich anfühlte, als wir gestochen wurden, damals in der Arena?«

»Ja. Die Bäume erbebten. Ein bunter Riesenschmetterling tauchte auf. Und ich bin in eine Grube mit orangefarbenen Blasen gefallen. Leuchtende orangefarbene Blasen.«

»Genau. Aber im Zusammenhang mit Darius und Lavinia gab es nichts dergleichen. Deshalb glaube ich nicht, dass sie mir da schon das Gift injiziert hatten«, sagt er.

»Das ist doch ein gutes Zeichen, oder?«, sage ich. »Wenn du das auseinanderhalten kannst, dann kannst du doch feststellen, was wahr ist und was nicht.«

»Ja, und wenn ich Flügel hätte, könnte ich fliegen. Aber den Menschen wachsen keine Flügel«, sagt er. »Wahr oder nicht wahr?«

»Wahr«, erwidere ich. »Aber Menschen können auch ohne Flügel überleben.«

»Spotttölpel vielleicht.« Er isst die Suppe zu Ende und gibt mir die Dose zurück.

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