Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
In dem fluoreszierenden Licht sehen die Ringe unter seinen Augen aus wie Blutergüsse. »Es ist noch Zeit. Du solltest ein wenig schlafen.« Gehorsam legt er sich wieder hin und starrt auf die hin und her zuckende Nadel einer Messuhr. Langsam, wie bei einem verletzten Tier, strecke ich die Hand aus und streiche ihm eine Haarlocke aus der Stirn. Bei meiner Berührung erstarrt er, zuckt aber nicht zurück. Also streiche ich weiter sanft über sein Haar. Es ist das erste Mal seit der letzten Arena, dass ich ihn freiwillig anfasse.
»Du versuchst immer noch, mich zu beschützen. Wahr oder nicht wahr?«, flüstert er.
»Wahr«, antworte ich. Irgendwie verlangt das nach weiteren Erklärungen. »Das tun wir beide, du und ich. Einander beschützen.« Eine Minute später ist er eingeschlafen.
Kurz vor sieben wecken Pollux und ich die anderen. Alle gähnen und seufzen. Aber zwischen all den Aufwachgeräuschen schnappen meine Ohren noch ein anderes Geräusch auf. Eine Art Zischen. Vielleicht Dampf, der aus einem Rohr entweicht, oder das ferne Rauschen eines Zugs …
Ich gebiete den anderen zu schweigen, damit ich genauer hinhören kann. Da ist es, ein anhaltendes Zischen, ja, aber es ist nicht nur ein einzelner gedehnter Laut. Eher so, als ob viele Münder ausatmen und dabei Wörter bilden würden. Ein einziges Wort. Das durch die Tunnel hallt. Ein Wort. Ein Name. Immer und immer wieder.
»Katniss.«
Die Galgenfrist ist zu Ende. Offenbar hat Snow die ganze Nacht hindurch graben lassen. Sobald das Feuer gelöscht war. Sie haben Boggs’ verstümmelte Leiche gefunden und sich kurz in Sicherheit gewiegt, doch als die Stunden vergingen und sie keine weiteren Trophäen fanden, wurden sie langsam misstrauisch. Es dämmerte ihnen, dass sie hinters Licht geführt worden sind. Präsident Snow kann aber nicht zulassen, dass es so aussieht, als hätte man ihn zum Narren gehalten. Ob sie erst unsere Flucht ins zweite Apartment verfolgt oder gleich vermutet haben, dass wir in den Untergrund gegangen sind, spielt keine Rolle. Sie wissen jetzt, dass wir hier unten sind, und sie haben etwas von der Leine gelassen. Vermutlich eine Meute Mutationen, die darauf abgerichtet sind, mich zu finden.
»Katniss.« Die Stimme ist so nah, dass ich auffahre und hektisch nach der Quelle suche, mit gespanntem Bogen, auf der Suche nach einem Ziel. »Katniss.« Peetas Lippen bewegen sich kaum, aber kein Zweifel, der Laut kam von dort. Gerade als ich dachte, dass es ihm ein bisschen besser geht, als ich dachte, er könnte Stück für Stück wieder zu mir zurückkehren, da bekomme ich den Beweis geliefert, wie tief Snows Gift eingedrungen ist. »Katniss.« Peeta ist darauf programmiert, mit dem zischenden Refrain mitzugehen, sich an der Jagd zu beteiligen. Jetzt bewegt er sich. Ich habe keine Wahl. Ich richte meinen Pfeil auf seinen Kopf, um sein Hirn zu durchbohren. Er wird kaum etwas spüren. Plötzlich setzt er sich auf, mit schreckgeweiteten Augen, ganz außer Atem. »Katniss!« Er macht eine ruckartige Bewegung auf mich zu, scheint aber meinen Bogen und den abschussbereiten Pfeil nicht zu bemerken. »Katniss! Verschwinde von hier!«
Ich zögere. Seine Stimme klingt alarmiert, aber nicht wahnsinnig. »Warum? Woher kommt dieses Geräusch?«
»Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es dich töten soll«, sagt Peeta. »Lauf weg! Verschwinde! Mach schon!«
Nachdem ich den kurzen Moment der Verwirrung überwunden habe, komme ich zu dem Schluss, dass ich Peeta nicht töten muss. Ich entspanne die Bogensehne. Schaue in die besorgten Gesichter rings um mich. »Was immer es ist, es ist hinter mir her. Vielleicht sollten wir uns jetzt wirklich trennen.«
»Aber wir sind deine Leibwache«, sagt Jackson.
»Und dein Kamerateam«, fügt Cressida hinzu.
»Ich lasse dich nicht allein«, sagt Gale.
Ich betrachte das Team, das nur mit Kameras und Klemmbrettern bewaffnet ist, Finnick mit seinen zwei Gewehren und dem Dreizack. Ich schlage vor, dass er ein Gewehr Castor gibt, das leere Magazin in Peetas Gewehr durch ein geladenes ersetzt und damit Pollux bewaffnet. Gale und ich haben die Bogen, deshalb geben wir unsere Gewehre an Messalla und Cressida weiter. Wir können ihnen nur schnell zeigen, wie man zielt und den Abzug betätigt, aber im Nahkampf mag das genügen. Besser, als wehrlos zu sein. Jetzt ist Peeta der Einzige, der unbewaffnet ist. Aber einer, der zusammen mit einer Meute Mutationen meinen Namen flüstert, braucht sowieso keine Waffe.
Wir brechen auf und lassen nur unseren Geruch im Raum zurück. Im Moment gibt es keine Möglichkeit, ihn auszulöschen. Ich nehme an, gerade dadurch finden die zischenden Viecher unsere Fährte, sichtbare Spuren haben wir nämlich kaum hinterlassen. Wahrscheinlich ist der Geruchssinn der Mutationen äußerst fein, und vielleicht lassen sie sich von der Tatsache, dass wir durch ein Abwasserrohr gerobbt sind, ja ein bisschen aus dem Konzept bringen.
Ohne das Summen des Raums wird das Zischen deutlicher. So kann man auch besser einschätzen, wo die Mutationen sich befinden. Sie sind hinter uns, ein gutes Stück entfernt. Wahrscheinlich hat Snow angeordnet, sie in der Nähe der Stelle loszulassen, wo Boggs’ Leiche gefunden wurde. Theoretisch müssten wir einen ordentlichen Vorsprung haben, auch wenn sie mit Sicherheit viel schneller sind als wir. Ich muss an die wolfsähnlichen Kreaturen in der ersten Arena zurückdenken, an die Affen beim Jubel-Jubiläum und an all die Ungeheuer, die ich über die Jahre im Fernsehen miterlebt habe, und ich frage mich, welche Gestalt diese Mutationen haben mögen, aber ich kenne die Antwort schon: jene, von der Snow denkt, dass sie mir am meisten Angst einjagt.
Pollux und ich haben eine Route für die nächste Etappe unserer Reise ausgearbeitet, und da sie von dem Zischen wegführt, sehe ich keinen Grund, sie zu ändern. Wenn wir schnell genug sind, erreichen wir Snows Amtssitz vielleicht, bevor die Mutationen uns einholen. Aber vor lauter Eile werden wir auch nachlässig: ein Stiefel, der so unachtsam aufgesetzt wird, dass es platscht, das unbeabsichtigte Scheppern eines Gewehrs gegen ein Rohr, meine zu lauten Kommandos.
Durch ein Überlaufrohr und eine verwahrloste Gleisstrecke legen wir weitere drei Straßenzüge zurück. Da hören wir die Schreie. Heiser und kehlig hallen sie von den Tunnelwänden wider.
»Avoxe«, sagt Peeta sofort. »Genau so hat Darius geschrien, als er gefoltert wurde.«
»Die Mutationen müssen sie gefunden haben«, meint Cressida.
»Dann sind sie also nicht nur hinter Katniss her«, sagt Leeg 1.
»Vermutlich töten sie jeden. Und sie werden nicht aufhören, ehe sie Katniss erwischen«, sagt Gale. Nach dem, was er bei Beetee gelernt hat, hat er vermutlich recht.
Das alte Lied. Menschen müssen meinetwegen sterben. Freunde, Verbündete, Fremde, die mich nie gekannt haben - alle müssen für den Spotttölpel ihr Leben lassen. »Ich gehe allein weiter. Ich führe sie in die Irre. Das Holo gebe ich Jackson. Führt ihr den Auftrag zu Ende.«
»Da macht doch keiner mit!«, ruft Jackson empört.
»Wir vergeuden nur Zeit!«, sagt Finnick.
»Hört mal«, flüstert Peeta.
Die Schreie sind verstummt, und nun hallt erneut mein Name durch die Tunnel, alarmierend nahe. Unter uns und hinter uns jetzt. »Katniss.«
Ich stupse Pollux gegen die Schulter und wir rennen los. Eigentlich wollten wir auf eine tiefere Ebene, aber das können wir uns jetzt abschminken. Als wir zu den Stufen gelangen, die hinabführen, suchen Pollux und ich im Holo nach einer Alternative. Plötzlich muss ich würgen.
»Masken aufsetzen!«, befiehlt Jackson.
Aber wir brauchen keine Masken. Denn auch wenn alle die gleiche Luft einatmen, bin ich die Einzige, die sich übergeben muss, weil nur ich auf diesen Geruch reagiere. Er steigt aus dem Treppenhaus auf. Überlagert sogar den Abwassergestank. Rosen. Ich fange an zu zittern.
Um dem Geruch zu entkommen, trete ich zur Seite und taumele plötzlich hinaus auf den Transfer. Glatte, pastellfarben geflieste Straßen, genau wie die oben, nur von weißen Ziegelmauern begrenzt anstatt von Häusern. Eine Fahrbahn, auf der bequem Lieferfahrzeuge fahren können, ohne die Straßen im Kapitol zu verstopfen. Jetzt ist sie verlassen, bis auf uns. Ich reiße den Bogen hoch und sprenge mit einem Pfeil die erste Kapsel mitsamt dem darin befindlichen Nest fleischfressender Ratten in die Luft. Dann renne ich zur nächsten Kreuzung, obwohl ich weiß, dass ein falscher Schritt genügt, damit der Boden unter unseren Füßen nachgibt und wir einem Ding zum Opfer fallen, das mit FLEISCHWOLF beschriftet ist. Ich rufe den anderen zu, dass sie unbedingt bei mir bleiben sollen. Mein Plan ist, um die nächste Ecke zu biegen und dann den Fleischwolf auszulösen, doch da ist noch eine Kapsel - eine, die nicht verzeichnet ist.