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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Er seufzte tief. Aber er war schließlich nicht aus Abenteuerlust hier – jedenfalls nicht nur deshalb. Es ging darum, das zu retten, was er wirklich liebte: die Dunklen Wälder. Das Elfenvolk. Und, eingewoben in diese beiden Dinge, sein eigenes Leben, die Erinnerung an tausend wunderbare Augenblicke. Denn was ihn wirklich so mutig machte, war die Angst – die Angst, dass alles Schöne, was er bis jetzt erlebt und gesehen und gefühlt hatte, verschwand, wenn die Zeit der Elfen endete. Dann würde nicht nur er sterben, sondern auch alles, was er je gedacht und getan hatte.

»Wo hast du uns da bloß reingeritten«, kam ein Flüstern aus der Finsternis. »Kaveh ... ach! Ich hasse dich.«

Kaveh musste lächeln und fühlte, wie ihm ganz schwer zumute wurde. »Tut mir Leid«, murmelte er.

»Tut mir Leid, Cousin ...«

Als alle Gefährten schliefen – Fesco atmete laut, Scapa zuckte im Traum mit den Wimpern, Nill hatte sich fest eingerollt, die Elfen lagen wie Tote da und selbst Bruno schnarchte – war einer wach. Kröte kletterte aus Fescos Hemdkragen, witterte die kalte Luft und knirschte vor Nervosität mit den Schneidezähnen.

Dann hüpfte sie aus ihrem sicheren Versteck, schlug Fesco versehentlich mit der Schwanzspitze gegen die Nase, sodass er aufgrunzte, und trappelte über das Floß. Im Vorbeihuschen schnupperte sie das morsche Holz und die wuchernden Algen ab und stufte beides als ungenießbar ein – eine Kategorie, zu der in der Vorstellung einer Ratte nur die wenigsten Dinge zählen.

Bald hatte Krötes feine rosa Nase sie zum Ziel des nächtlichen Ausflugs geführt: dem Proviantbeutel von Arjas. Mit zuckenden Barthaaren kroch Kröte hinein und schüttelte sich vor Wonne, weil der fremde Essensduft so herrlich war. In den letzten Nächten hatte sie die getrockneten Fleischstreifen zu ihrer Lieblingsmahlzeit auserkoren. Und tagsüber, wenn Arjas seinen Zwillingsbruder anschrie und ihn ein gefräßiges Pickelreptil nannte, fuhr Kröte sich, sicher auf Fescos Schulter hockend, mit flinken Pfoten über die Schnauze und schleckte sich den letzten Rest der Köstlichkeit von den Krallen. Schließlich war Kröte von Haus aus eine Überlebenskünstlerin und Genießerin und als Diebin sogar noch geschickter als Fesco und der Herr der Füchse. Diesmal war sie gut gelaunt und wollte großzügig sein. Kröte verputzte ihren nächtlichen Festschmaus nicht gleich, sondern zog ihn aus dem Beutel. Sie würde ihn bis zum Morgen verstecken, nicht anrühren – nein, gewiss nicht – und dann Fesco schenken. Er schien nämlich ein bisschen kränklich.

Mit viel Mühe hatte Kröte es endlich geschafft, die Beute aus dem Rucksack zu ziehen. Rasch schnüffelte sie über den Fleischstreifen hinweg – wie herrlich er roch! – und betastete ihn, um sicherzugehen, dass noch alles dran war. Dann begann sie sich nervös den Rücken zu putzen, bis ihr einfiel, dass sie sich ja beeilen musste: Schließlich saß sie vor Nahrung, die noch nicht in Sicherheit war! Sie klemmte den Fleischstreifen zwischen die Zähne – die Liebe zu Fesco musste unendlich sein, dass sie in diesem Augenblick der Versuchung widerstand, den ganzen Streifen in drei Happen hinunterzuschlingen! Gerade wollte sie loslaufen, da ließ sie etwas innehalten.

Ohne den Fleischstreifen aus der Schnauze zu nehmen, spitzte Kröte die runden Ohren. War da nicht etwas? Ihre Nackenhaare sträubten sich blitzartig – und die Nackenhaare einer Ratte irrten sich nie! Sie ließ die Beute los. Ihr kleines Herz zog sich zusammen. Kröte stieß ein schrilles Fiepen aus, gerade in dem Augenblick, in dem die Gefährten aus dem Schlaf schraken.

Mareju erwachte, als etwas Kaltes, Glitschiges sein Handgelenk umschloss. Erschrocken hob er den Kopf. Kaum dass er sich bewegt hatte, ging ein Ruck durch seinen Arm, und etwas zerrte ihn vom Floß.

Mareju schrie, als sich dasselbe schleimige Etwas um seinen Hals wickelte, dann erstickte seine Stimme.

Die Gefährten waren sofort wach. Die Finsternis kreiste vor Kavehs Augen, doch er hatte sein Schwert bereits gezogen. »Mareju?«

Der Ritter strampelte und schlug krächzend um sich. Etwas zischte aus dem Wasser – Mareju zuckte zusammen, als sich ein strammes Seil um seine Brust schnürte. Nill, die direkt neben ihm gelegen hatte, sah als Erste die dunklen Schlingen, die Mareju ins Wasser zerrten.

Ohne nachzudenken sprang sie auf die Beine und klammerte sich um ihn. Die Schlingen spannten sich, Nill rutschte über das Holz. Allein würde sie ihn nicht halten können. Mit einem Satz stand Kaveh über ihnen und hackte mit dem Schwert durch die Luft. Mareju rang keuchend nach Atem, als sich die erste zerschlagene Schlinge von seiner Brust löste. Er zappelte mit den Armen und Beinen, bis Kaveh alle Schlingen zerschnitten hatte.

»Mareju!«, keuchte er, das Schwert noch mit beiden Händen umklammernd. Mareju wankte, dann kroch er japsend vor dem Wasser weg.

»Was, zum –« Nill stieß einen Schrei aus. Etwas schnellte auf sie zu. Schleimige, kalte Fesseln schlangen sich um ihre Arme und zogen sich straff.

Ruckartig wurde sie vorgezogen, direkt zum Wasser hin. Binnen eines Herzschlags hatte sich eine zweite Schlinge um ihren Fuß gewunden. Nill verlor das Gleichgewicht und fiel – als sie links und rechts zwei Arme auffingen. Irgendwo an ihrer Seite schrie eine Stimme, die sie entfernt als Kavehs erkannte.

»Das sind Algen!«

Kaum dass Kavehs Schwert die Schlingen an ihrer rechten Hand zerschlagen hatte, schlossen sich neue um ihren Oberarm, enger und fester als zuvor.

»Nill!«, schrie Scapa, der an ihrem linken Arm zerrte.

Nill glaubte in der Mitte zu zerreißen. An ihren Händen und ihrem Fuß, bald auch an ihrer Brust zog das glitschige Algengewächs, an ihrem linken Arm Scapa, am rechten Kaveh. Nun kamen auch die anderen Gefährten zu Hilfe, die Elfenritter zückten ihre Klingen und schlugen nach den fremdartigen Schlingen, aber für jeden der lebendigen Algenarme, den sie zerschnitten, schossen drei neue aus dem finsteren Wasser. Überall klebte das Gewächs, ringelte sich noch zusammen wie Würmer, wenn es zerhackt war, kroch ihnen in die Kleider, klammerte sich um ihre Knöchel und versuchte, sie mit eisernem Griff zu erwürgen.

Kaveh stieß einen wilden Fluch aus. Dann warf er sich direkt vor Nill und war innerhalb eines Augenblicks von den Fangarmen umschlossen. Nill spürte wie im Traum, dass die Schlingen sich von ihr lösten, um sich auf Kaveh zu stürzen. Es sog und schmatzte in der Dunkelheit. Der Prinz schlug mit dem Schwert um sich, verhedderte sich mit den Füßen im Algengewächs, und noch immer mit der Klinge nach den Fangarmen schlagend, stürzte er ins schäumende Wasser.

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