Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
Wenig später tauchte Kaveh drüben im Scheunentor auf. Er winkte ihnen zu.
Erijel drehte sich zu Nill um und ergriff seinen Bogen. »Lass uns jetzt gehen. Aber wir schleichen in einem Bogen durch das Dorf – gut möglich, dass die Grauen Krieger nur diese Stelle beobachten.« Er wies mit einem Kopfnicken zur Scheune hinüber, die durch ein Feld zerfallener Hütten und Schlammgruben von ihnen getrennt war.
Mit pochenden Herzen standen Nill und Erijel auf.
Erijel glitt an der Türöffnung vorüber und lehnte sich dahinter gegen die Mauer. Nichts regte sich. Es blieb vollkommen ruhig, nur das ferne Quaken eines Frosches echote durch die Dunstschwaden. Hintereinander liefen sie los.
Die Umgebung war grau wie ein Bleifeld. Ihre Schritte raschelten im feuchten, blassgelben Gras.
Augen schienen ihnen im Nacken zu brennen. Aber nichts geschah. Sie erreichten den Rand des Dorfes, als wären sie die letzten Überlebenden in einer ausgestorbenen Welt. Zu ihrer Rechten eröffneten sich die tiefen Sümpfe. Nun schlugen sie einen Bogen ein, um die Scheune von hinten zu erreichen – weit war es nicht mehr.
Nill ging ein bisschen schneller, um neben Erijel herlaufen zu können.
»Bevor wir wieder bei den anderen sind«, flüsterte sie, und Erijel sah sie verwundert an, »bevor wir wieder zurück sind, wollte ich dir sagen, dass ich froh bin.« Sie lächelte ihn an. »Ich bin froh, dass ich mich einen Gefährten von euch – von dir – nennen kann.« Sie wollte noch etwas hinzufügen, fand aber keine Worte und biss sich auf die Unterlippe.
Erijel lächelte. »Die Ehre ist auf unserer – auf meiner Seite.«
Was dann geschah, verschwamm in Nills Wahrnehmung. Aus den Nebeln hatten sich mehrere Gestalten gelöst. Ohne einen Laut hoben sie ihre Schwerter und stießen zu.
Nill schrie nicht. Dafür war keine Zeit. Mit einem Mal hatte Erijel die Arme fest um einen der Grauen Krieger geschlungen; im nächsten Augenblick sank der Fremde zu Boden und Erijel hielt sein Schwert in den Händen. Nill sah nicht den Grauen Krieger, den Erijels Schwert bis zum Griff durchbohrte; aber das Geräusch brannte sich in ihr Gedächtnis: das Geräusch der Klinge, das Geräusch der dumpf splitternden Knochen. Über die Lippen des Grauen Kriegers kam ein Keuchen. Und noch bevor er tot war, hatte Erijel die drei Krieger niedergestreckt.
»Lauf!«, schrie Erijel. Und beide rannten los.
Die Ruinen der Häuser, die Gräser, der Nebel – alles zerfiel rings um Nill. Plötzlich stand ein Grauer Krieger direkt vor ihnen. Nill stieß fast gegen Erijel, als er stehen blieb. Er holte zu einem Schwertstreich aus und der Krieger sackte in sich zusammen. Genau hinter ihm stand ein zweiter Scherge des Königs.
Aber nicht mit einem Schwert. Mit einem Bogen.
Erijel reagierte rasch. Er ließ das Schwert fallen, riss sich den Bogen von der Schulter, hatte einen Pfeil schon in der Hand – aber der Graue Krieger war schneller. Er spannte den Bogen und fixierte Nill.
Erijel machte einen Satz vor sie und legte seinen Pfeil auf. Ein Zischen ging durch die Luft. Dann schleuderte eine fremde Wucht Erijel gegen Nill und riss sie zu Boden.
Nill entfuhr ein erstickter Schrei, als sie den Pfeil sah – irgendwo in Erijels Schulter, seiner Brust oder seinem Bauch –
Ein zweites Mal zog der Graue Krieger vor ihnen die Bogensehne zurück. Nun würde er Nill treffen.
Mit heißen Fingern bekam sie Erijels Bogen zu fassen. Mit einem Mal lag ihr der Schaft eines Pfeils in der Hand, sie spannte die Sehne. Und es musste eine höhere Macht sein, die ihr jetzt Arme und Hände führte, denn sie selbst fühlte sich wie gelähmt und begriff nichts von dem, was ihr Körper tat. Ihr Pfeil sirrte los und durchbohrte die Brust des Grauen Kriegers. Sein eigener Pfeil schoss ebenfalls von der Bogensehne und pfiff in einem schwankenden Strudeln über Nill hinweg. Dann sackte der Krieger in sich zusammen und blieb reglos liegen.
»Erijel!« Der Bogen fiel ihr aus der Hand. Ihre Finger zitterten so sehr, dass sie kaum seine Arme berühren konnte. »Oh nein, nein, nein, nein!«
Er lag keuchend vor ihr auf dem Boden. Seine Hände fuhren über seinen zerrissenen Harnisch, erst die Fingerkuppen, dann auch die Handflächen färbten sich rot. Ein Gurgeln entrang sich seiner Kehle.
Blut rann aus seinem Mundwinkel. Nill wurde schwarz vor Augen. Dann hörte sie einen rauen Schrei hinter sich und Kaveh stürzte neben ihr ins Gras.
»Erijel!« Tränen schossen Kaveh in die Augen. Der Pfeil ragte mitten aus Erijels Brust.
»Cousin«, schluchzte er, »oh Geister, Nâdem ... hörst du mich?«
Erijels Hand schloss sich um Kavehs Arm. Mit fiebrigen Augen sah er zu ihm auf. Ein verzerrtes, kurzes Lächeln glitt ihm über die Lippen. »Bring mich weg hier, ja? Zu den anderen.«
Kaveh nickte und schob seine Arme unter Erijels Nacken und Kniekehlen. Der Ritter stöhnte auf, als Kaveh ihn hochhob.
»Warte – warte, ich helfe dir!«, rief Nill, aber Kaveh drehte sich schon um und ging alleine mit Erijel in den Armen zur Scheune zurück. Bei jedem Schritt schien er tiefer in die Knie zu sinken, aber er sah weder zu Nill noch zu Arjas und Mareju, die bleich vor Entsetzen auf sie zukamen.
Sie erreichten die Scheune. Scapa sprang auf, als er sie sah: Erijels Hand hatte sich um Kavehs Nacken geklammert und ihm blutige Spuren über Hals und Wange gezogen.
»Was ist passiert?«, stammelte Scapa.
Kaveh bettete Erijel so vorsichtig wie möglich auf einen Strohhaufen. »Nâdem«, flüsterte Kaveh seinem Cousin zu.
»Hörst du mich? Ich werde dir den Pfeil herausziehen. Bitte – bitte ...« Kavehs Stimme brach ab. Er schloss seine Hand um Erijels Nacken und kniete sich so tief neben ihn, dass der Pfeil auf seiner Kopfhöhe war. Mit zitternden Fingern umfasste er ihn, schluckte.
»Jetzt, Cousin ...«
Mit einem Ruck zog er.
Erijel schrie durch zusammengebissene Zähne.
Der Pfeil saß fest. Kaveh kniff die Augen zu, als könne er Erijels Leid so entgehen. Erijels Finger krallten sich um seinen Arm. Der Pfeil ragte nun schräg aus der Wunde.
»Erijel!« Kaveh legte die Stirn an die Brust seines Freundes, seine Hand krampfte sich um den Pfeil. »Es tut mir Leid!«, flüsterte Kaveh – und zog den Pfeil.
Diesmal erstarb Erijels Schrei in einem kehligen Laut. Er kniff die Augen zu und wölbte den Rücken, und als Kaveh den Pfeil in der Faust hielt, versank Erijel in tiefe Bewusstlosigkeit.
Keiner der Gefährten wagte sich in ihre Nähe, während Kaveh schweigend Mantel und Wams auszog und aus seinem Hemd breite Stoffstreifen riss. Sie schwiegen, als er den Stoff mit Wasser aus seinem Lederschlauch befeuchtete und damit über Erijels Wunde tupfte. Kaveh verband die Verletzung und wischte Erijel vorsichtig die Blutspuren vom Gesicht. Endlich kam Erijel zu sich. Seine Augenlider flatterten, er wandte den Kopf. Kaveh war dicht neben ihm und hielt seine Hand. Erijel atmete rasselnd. Rote Blasen stiegen ihm beim Ausatmen aus den Mundwinkeln. Sein Gesicht glänzte wie Kerzen wachs.
»Wie sieht es aus?«, flüsterte er, so leise wie ein Gräserwispern.
»Gut. Sehr gut«, log Kaveh. »Es ist keine schlimme Wunde. Morgen früh können wir aufbrechen. Morgen früh ... ja?«
Erijel machte einen Versuch, den Kopf zu heben, um den Verband an seiner Brust zu sehen, sank aber keuchend zurück. Mit geschlossenen Augen begann er zu weinen.
»Kaveh!« Seine Finger klammerten sich um seine Hand. »Ich will nicht sterben, Nâdem, lass mich nicht hier sterben! Nicht so ... will hier nicht krepieren.«
»Du stirbst doch nicht, Erijel!« Kaveh drückte seine kalten Hände. »Sag so etwas doch nicht! Nior haelsoyah, Erijel ...«