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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Scapa hielt die Klinge einen Augenblick lang drohend in ihre Richtung. Dann ließ er das Messer in den Boden fallen und drehte sich zu Fesco um. Und mit einem Ausruf (der übersetzt wahrscheinlich dasselbe bedeutete wie Ecneru und diesmal von Fesco verstanden wurde) sprang er ihm an den Hals und warf ihn so schwungvoll zu Boden, dass er selbst auf die Knie gehen musste.

»DU! FESCO, DU IDIOT!« Er schüttelte ihn am Kragen, bis auch er das Gleichgewicht verlor, Fesco sich von seinem Schreck erholte und ihn zur Seite stieß. Scapa griff erneut nach ihm. Einen Moment lang rollten die beiden Jungen schnaufend und schlagend über den Boden. Die Elfen traten näher und beobachteten den Ringkampf, bis Fesco Scapa den Umhang über den Kopf zog, sich auf diese Weise retten konnte und rückwärts auf die Beine kam. Wütend wickelte Scapa sich aus seinem Umhang und stand schwungvoll auf. Erst ballte er die Fäuste und machte einen großen Schritt, so als wolle er noch einmal auf Fesco losgehen. Aber dann verwarf er den Gedanken. Was nützte es jetzt, Fesco zu verprügeln?

Es änderte nichts mehr.

»Das wäre nie soweit gekommen, wenn du dich um dich selbst kümmern könntest!«, rief Fesco und zog sich sein Wams zurecht.

»Was?«, zischte Scapa.

Fesco schnaubte. »Du hast mich schon verstanden, Scapa! Du lebst so in deiner Welt vor dich hin und merkst gar nicht, was andere alles für dich tun! Wer war es denn, der die besten Diebe von Kesselstadt zu dir geführt hat? Wer hat ihnen eingebläut, dir auch wirklich immer den Anteil zu zahlen, der dir zusteht? Das war alles ich! Ich hab mich drum gekümmert, dass man dich achtet und fürchtet, so wie ich mich immer um alles kümmern musste!«

»Und wer«, schnaufte Scapa, »hat gesagt, dass du dich um DAS HIER kümmern musst?!«

»Falls du es nicht merkst, ich versuche dir immer zu HELFEN!«

»Du hilfst mir aber nicht! Du machst alles nur tausendmal schlimmer, kapiert?!«

Fescos Kinn begann zu beben. »Das ist dein Problem, Scapa. Das Schlechte im Leben siehst du haarscharf, aber, weißt du, das Gute, das andere dir tun, das erkennst du nie.« Damit drehte Fesco sich um und stapfte in die dunkle Scheune.

»Oho, das Gute?«, rief Scapa ihm nach. »Du meinst wohl, ich erkenne nicht das Gute darin, dass uns wegen dir die Grauen Krieger auf die Pelle rücken!« Er kniff die Lippen zusammen. »Wo willst du überhaupt hin?« Fesco ging nur noch schneller. »Ich suche Kröte – die weiß wenigstens, was Freundschaft bedeutet!«

»Oh, na toll«, knurrte Scapa. »Befreundet mit einer Ratte! Falls sie nicht weggelaufen ist.«

»Kröte!« Fesco stieß Gerümpel, Schutt und Heuhaufen herum. »Kröte! Wo steckst du?«

Missmutig drehte Scapa sich um. Die Elfen hatten sich auf dem Boden niedergelassen. Mit feindseligen Blicken beobachteten sie ihn.

»Was?«, bellte Scapa. Mit einer würdevollen Geste riss er sich den Umhang zurecht. Dann zog er seinen Dolch aus dem Boden, und mit einem leisen »Ihr könnt mir doch alle gestohlen bleiben!« verzog er sich in die nächstbeste Scheunenecke, wo er sich auf einen Heuhaufen fallen ließ.

Erijel und Nill, die auf der anderen Seite des Dorfes saßen, sahen sich verwirrt an. Was war da drüben nur los?

Erijel

Sie hatten ihre Waffen zur Seite gelegt und saßen mit gekreuzten Beinen auf dem Boden. Nill kaute auf ihrer Unterlippe. Sie hatte das Gefühl, Erijel noch nie aus solcher Nähe gesehen zu haben. Und tatsächlich hatte sie, das fiel ihr jetzt auf, während ihrer langen Reise mit ihm kaum ein Wort gewechselt.

»Wer hat da so geschrien?«, murmelte sie und spähte noch einmal zur niedrigen Scheune hinüber.

Aber die anderen waren nicht mehr zu sehen. »Das eine Mal ganz bestimmt Kaveh«, erwiderte Erijel. Fast stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht.

»Das Wort klang ziemlich nach ihm.«

»Welches denn?«

Erijel winkte mit der Hand ab. »Das erkläre ich dir ein anderes Mal. Das brauchst du erst, wenn du die restliche Elfensprache beherrschst.«

Nill hob neugierig die Augenbrauen, beschloss aber dann, das Thema zu wechseln. »Das vorhin hat sich wie ein Streit angehört. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert.«

Erijel zuckte mit den Schultern. »Solange sie schreien, ist ja noch alles in Ordnung. Wenn sie nichts mehr sagen, würde ich mir mehr Sorgen machen.«

Die beiden sahen sich beklommen an. Über dem Dorf draußen hing eine unheimliche Stille. Nill schluckte. »Sollten wir nicht rübergehen?«

Erijel schüttelte entschieden den Kopf. »Die Grauen Krieger warten nur darauf, dass wir herauskommen. Ich weiß nicht, wieso sie sich nicht zeigen, aber bestimmt sind sie nicht einfach gegangen.«

Nills Blick irrte zu den nebligen Sümpfen, die sie durch einen Riss in der Holzwand sehen konnte.

Nichts regte sich. Und doch lauerten hinter dem grauen Dunst Krieger – Augen, die sie gerade beobachteten ... Die Sumpfgräser rauschten im Wind.

Nill war, als höre sie darin Stimmen, verzerrte, klagende, traurige Stimmen ... Sie bekam eine Gänsehaut. »Sie haben Angst vor dem Dorf«, murmelte Nill abwesend. »Sie fürchten sich vor ihrer Vergangenheit.«

Erijel zog die Augenbrauen zusammen. »Was?«

Nill wandte den Blick von den Mooren ab und sah Erijel an. »Wenn sie das Dorf betreten, nun ja, dann sehen sie, wer sie eigentlich waren – und dann stehen sie plötzlich zwischen sich selbst und dem König. Plötzlich wissen sie wieder, woher sie gekommen sind und was es bedeutete, ein Moorelf zu sein. Wenn sie sich soweit erinnern, dann müssen sie den König hassen für das, was er ihnen angetan hat, und dann fürchten sie, zu Verrätern am König zu werden. Deshalb verdrängen sie lieber sich selbst. Und das nur«, fügte Nill mit einem traurigen Lächeln hinzu, »um sich selbst vor dem Tod zu retten. Es macht keinen Sinn, und doch ... fast alle Elfen machen mit.«

Erijel sah sie so intensiv an, dass Nill den Blick senkte.

»Das ist nur, was ich glaube ...« Sie zuckte mit den Schultern.

»Also, das ist eine interessante Erklärung.« Er beobachtete aufmerksam, wie sie ihre Haarspitzen einzwirbelte. »Ich glaube, du weiß mehr, als du denkst«, sagte er plötzlich und runzelte die Stirn, als überrasche ihn, dass Nill überrascht war. »Du bist klug. Und du lernst schnell. Wer weiß. Vielleicht lag Kaveh dieses Mal doch nicht falsch.«

Nill lächelte. »Und ich dachte, du kannst mich nicht leiden.«

»Mareju und Arjas und ich riskieren unser Leben für das, woran Kaveh glaubt.« Erijel schien plötzlich sehr müde. »Ich war nur skeptisch.«

Nill überlegte, ob Erijel wohl aus freien Stücken beschlossen hatte, Kaveh zu begleiten. Und weil sie zu keiner Antwort kam, fragte sie ihn: »Wolltest du denn hier sein?«

Erijel lächelte. Zum ersten Mal fiel Nill auf, wie warm seine Augen waren. Bestimmt war er, wenn man sein Vertrauen erst errungen hatte, ein unvergleichlicher Freund.

»Genau hier nicht unbedingt.« Er hob ein kleines Stöckchen auf und malte damit Muster auf dem Boden. »Aber ich bin so aufgewachsen – mit der Pflicht, auf Kaveh aufzupassen. Das habe ich nie gegen meinen Willen getan.« Er sah Nill freundlich an, dann senkte sich noch im selben Augenblick Sorge über sein Gesicht. Erijel schnipste das Stöckchen weg.

»Wir sollten bis heute Nacht warten. Wenn die Grauen Krieger dann noch nicht angreifen, gehen wir zu den anderen rüber. Und dann ... wir werden sehen.«

Langsam kam die Dämmerung. Als es dunkel wurde, bemerkte Nill es gar nicht mehr, denn sie saß mehr schlafend als wach gegen die Mauer gelehnt. Allein die Angst vor den Grauen Kriegern ließ sie immer wieder Erijels Kurzschwert ergreifen und sich aufsetzen. Als sich der Abend über die Marschen wälzte, legte Erijel die Finger auf seine Lippen und stieß ein helles Pfeifen aus. Es dauerte mehrere Herzschläge, ehe ein identisches Pfeifen von der Scheune auf der gegenüberliegenden Dorfseite antwortete.

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