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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Sie sagten das eine und meinten das andere, und wehe, man brachte ein kleines Wörtchen durcheinander!

Kaveh, der sich ihnen voran durch die Sümpfe kämpfte, blieb abrupt stehen. Direkt vor seinen Füßen lag etwas Glänzendes. Langsam kniete er nieder und hob den Gegenstand auf. Es war ein verbeulter Topf. Verwundert drehte er sich zu den anderen um und hielt den Topf hoch.

»Das ist ein Topf«, sagte Fesco überrascht.

Mareju warf ihm einen genervten Blick zu.

»Scharf erkannt.«

»Hier muss irgendwo ein Dorf sein.« Kaveh drehte den Topf in der Hand. Sein Blick schweifte durch die grauen Dunstschleier. Bruno schnüffelte in die Luft.

Dann schlug der Keiler einen Weg ein und die Gefährten folgten ihm.

Es dauerte nicht lange, da traten die ersten Umrisse aus den Morgennebeln. Hütten aus Lehm und Zweigen tauchten vor ihnen auf, die wie Erdhügel aus dem Boden ragten. Das Gras raschelte unter den Schritten der Gefährten. Kaveh warf den Topf zur Seite. Überall auf dem Boden lagen zerstörte Gegenstände: Tongefäße, Schalen, morscher Stoff, Holzfiguren. Es schien, als hätte ein Wirbelsturm das gesamte Dorf auf den Kopf gestellt und durchgeschüttelt. Einige Häuser waren zertrümmert, andere waren bis zum Boden niedergebrannt und ihre Überreste ragten aus den Gräsern wie verkohlte Rippen.

»Das waren die Grauen Krieger«, flüsterte Kaveh und seine Fäuste ballten sich.

Erijel trat hinter ihn. Er schüttelte langsam den Kopf. »Nein. Das waren nicht die Grauen Krieger. Die Grauen Krieger stammen aus diesem Dorf.«

Kaveh biss die Zähne zusammen. Er wollte die Grauen Krieger hassen für alles, alles, was sie taten; für ihre abscheulichen Morde, ihre Verfolgungsjagden, ihre Grausamkeit. Und doch waren sie selbst ihre hilflosesten Opfer.

Kaveh ging zwischen den zerfallenen und verlassenen Hütten hindurch, stieß mit den Füßen Tonscherben zur Seite und wirbelte graue Asche auf. Er blieb stehen, als er aus einer Morastpfütze einen bleichen Arm hervorragen sah.

Die Gefährten hielten sich den Ärmel vor die Nase. Der Verwesungsgeruch hing beißend über der Schlammgrube. Trotzdem kam Kaveh einen vorsichtigen Schritt näher und warf einen Blick auf die Leiche.

Teile der Schulter, des knochigen Rückens und ein paar Haarsträhnen schimmerten unter dem grünlichen Morast zu ihnen herauf. Die Leiche musste schon etwas länger da unten liegen.

»Henker und Galgenstrick«, murmelte Fesco und zog die Nase kraus. »Hier riecht’s strenger als in der Küche meiner Oma.«

Kaveh trat zurück und warf sich die langen Haarzöpfe über die Schulter. »Ich glaube –«

Plötzlich zischte etwas durch die Luft. Kaveh warf sich blindlings zu Boden. Ein Pfeil sirrte über ihm durch die Luft.

»Graue Krieger!«, rief Arjas und schon pfiff eine Pfeilsalve aus dem Himmel.

Nill fiel auf Knie und Hände. Ein Pfeil bohrte sich direkt vor ihr in die Erde, der Schaft vibrierte noch.

»Komm weg!« Eine Hand ergriff sie am Umhang und zerrte sie vorwärts. Erst als sie mit geducktem Kopf voranstolperte, erkannte sie Erijel vor sich. Wo waren die anderen? Rannten sie hinter ihr? Nill hörte nichts, nur ihren eigenen dröhnenden Herzschlag und das Zischen der Pfeile, die um Haaresbreite an ihr vorbeischössen. Erijel rannte auf eine Hütte zu, von der nur noch der Mauergrundriss geblieben war. Keuchend zog er Nill neben sich, und dann lehnten sich beide gegen die bröckelige Wand, um wegen ihrer weichen Knie nicht umzufallen.

Die Luft war erfüllt von flimmernden Geschossen.

Sie zischten über die Hütte hinweg und einer der Pfeile bohrte sich in die gegenüberliegende Mauer.

Nill schnappte nach Luft. Während sie noch den Pfeil anstarrte, drückte ihr Erijel sein Kurzschwert in die Hand. Erstaunt sah sie zu ihm auf.

»Wenn die Grauen Krieger kommen«, sagte er eindringlich, »dann zögere nicht. Zögere nicht!«

Und er schloss ihre klammen Finger um den Schwertgriff. Dann zog er sich selbst den Bogen von der Schulter, spannte die Sehne und legte einen Pfeil auf. Schweiß rann ihm an den Schläfen entlang, als er an den Rand der Mauer trat. Er spähte nach draußen. Noch immer hagelte es Pfeile.

Auf der gegenüberliegenden Seite standen Kaveh, die Ritter und Bruno mit den beiden Dieben in einer verfallenen Scheune. Die Elfen hatten ihre Bogen gespannt. Kaveh sah Nill und Erijel in der Hütte stehen und nickte seinem Cousin zu. Erijel nickte zurück. Sie würden kämpfen, wenn die Grauen Krieger kamen. Sie mussten kämpfen.

Doch die Grauen Krieger kamen nicht. Mehrere Augenblicke, die ihnen schrecklich lang vorkamen, standen die Gefährten bereit, während die Waffengriffe und Bogen in ihren Fäusten heiß und rutschig wurden. Aber niemand kam. Kein Angriff. Kein Kriegsgebrüll – obwohl das von den geisterhaften Grauen Kriegern auch nicht zu erwarten gewesen wäre.

Bald hielt der Pfeilregen inne. Eine erschreckende Stille senkte sich über das zerfallene Dorf.

Kaveh ließ die Bogensehne los und drehte sich zu den anderen um. »Woher wissen die Grauen Krieger, dass wir hier sind?«

»Weil du auf das Schild bei den Erhängten geschossen hast!« Plötzlich stieß Arjas seinen Bogen in die Erde. Seine Fäuste ballten sich. »Die haben deine Pfeile ja schwer übersehen können! Du hast ihnen sozusagen eine hübsche Nachricht hinterlassen!«

»Hör doch auf«, fuhr Mareju dazwischen. »El esy-or se wa-hdud nèr il-jit – ein See entsteht nicht nur durch Regen! Die Grauen Krieger folgen uns nicht erst seit den Marschen. Nein, es muss einen anderen Grund geben, weshalb sie uns auf den Fersen sind.«

Mareju warf einen blitzenden Blick in ihre Runde.

»Sie haben von unserem Vorhaben gehört. Sie haben uns doch schon die ganze Zeit verfolgt. Eine andere Erklärung als dass sie von unserem Plan wissen, gibt es nicht. Sie wussten es die ganze Zeit! Schon seit wir in Kesselstadt waren ...«

Schweigen trat zwischen sie. Und vielleicht war es nur das leise Luftschnappen, nur das – was die Blicke der Gefährten auf Fesco lenkte.

Scapa starrte ihm ins Gesicht. Fesco war ein ausgezeichneter Lügner. Bis Scapa in der Nähe war.

Und nun schien sein Blick ein glühendes Loch in Fescos Stirn zu brennen. »Oh nein, Fesco ...«

Fesco versuchte verzweifelt, Kröte nicht aus den Händen flutschen zu lassen, die bereits ein Donnerwetter witterte und sich schleunigst von Fesco entfernen wollte. Mit einem Quieken sprang sie ihm aus den Fingern und hoppelte in die Dunkelheit der Scheune. Fesco schnappte nach Luft. Verzweifelt sah er sich im Kreis der Gefährten um und entdeckte nichts als immer größer werdendes Entsetzen.

»Ich – ich wusste es ja nicht!«, rief er endlich.

»Scapa – ich dachte, die Elfen da wollen dir was antun!« Er wies mit bebendem Zeigefinger auf die Ritter und Kaveh. »Nachdem ich gehört hab, was sie vorhatten ... das mit dem Messer, das du geklaut hast ... verdammt noch mal, ich dachte, die wollen dir was tun.« Er fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. »Ich – ich dachte es wäre besser, sie den Grauen Kriegern zu melden und dir zu helfen, bevor sie dich finden ...«

Spätestens jetzt konnte Kaveh sich nicht mehr zurückhalten. Mit einem spitzen Schrei (genau gesagt schrie er »Ecneru!«) stürzte er sich auf den Dieb und traktierte ihn mit Faustschlägen, Fußtritten und Ohrfeigen. Mareju und Arjas kamen ihm dabei tatkräftig zur Hilfe und Bruno rannte aufgeregt um sie herum.

Erst als Scapa sich in das Knäuel der raufenden Jungen warf und sein Messer gegen die Elfen zückte, wichen Kaveh und seine Ritter mit roten Köpfen zurück.

»Verteidige ihn nicht!«, rief Kaveh wütend. »Der sharám verdient es nicht, verteidigt zu werden!«

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