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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Einige Augenblicke wartete Scapa auf eine Antwort. Als Maferis schwieg, wandte er sich fragend zu ihm um. Der Moorelf lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Er beobachtete Scapa reglos, während draußen der Wind um die Hütte pfiff. Das Knarren der Holzwände erfüllte die Stube. Maferis lächelte kaum merklich und deutete mit dem Zeigefinger in die Höhe. »Ja, der Wind. Höre nur, wie er heult. Wie er mit den rieselnden Schneeflocken spielt ...« Er stützte beide Ellbogen auf die Stuhllehnen und richtete die Handflächen gen Himmel. »Er sammelt sie und verwandelt sie in weiße Wogen, treibt sie unbarmherzig aufeinander zu. Wir Elfen und Menschen sind auch nicht mehr als Schneeflocken im Wind, weißt du. Das Leben reißt und zerrt uns in verschiedene Richtungen, manchmal zusammen, dann gegeneinander. Es scheint, wir sind für das Leben nicht mehr als ein lustiges Spiel.« Maferis lehnte sich zu Scapa vor, ein kleines Stück nur. »Du, mein Junge, scheinst mir ein besonderes Schneekorn zu sein. Der Wind wird dich hoch emportragen in den weißen Himmel, und du wirst ziellos durch die Straßen des Lebens irren, hin- und hergerissen zwischen Erde und Luft. Nur in den friedlichen Wiesen dazwischen wirst du niemals sein. Am Himmel wirst du wandeln, während die flirrenden Massen gegen dich wirbeln, in die andere Richtung, der Welt entgegen, die dir über dem Kopf zusammenstürzt ... Du wirst tanzen zu dem Lied des Windes, ob du willst oder nicht. Und doch kannst du etwas an der Richtung ändern, in der du dem Leben folgst, mein Junge. Höre, höre nur dem Wind zu ... lausche seinen Worten ... dann erkennst du den Weg, dem du folgen musst. Und dort, wo du deine Füße aufsetzt, wird das Schicksal der Welt geschrieben.«

Scapa bewegte keinen Muskel. Er versuchte den Blick des Moorelfs fest zu erwidern, doch es gelang ihm nicht; seine Wimpern zitterten. »Wieso prophezeist du ausgerechnet mir so ein Schicksal? Ich bin nicht so wichtig, wie du denkst. Nill hat vielleicht ein so großes Schicksal, aber ich ...«

»Nill?«, rief der Moorelf und verzog das entstellte Gesicht. »Nill, das Mädchen?« Dann lehnte er sich vor und packte Scapa so plötzlich am Handgelenk, dass der zusammenzuckte. »Es gibt einen Grund, warum die Welt von Männern geformt und geführt wird. Männer wie ich – wie du – wir leiten große Dinge. Und Frauen ...« Ein Zischen lag in der Stimme des Moorelfs. »Frauen, wenn sie bedeutsam sind, zerstören große Dinge!«

Scapa musterte Maferis kühl, obgleich er erschrocken war, weil soviel Hass in seiner Stimme schwang. »Das glaube ich nicht«, flüsterte Scapa.

»Ich glaube nicht, dass ich mehr bewirken kann und werde als Nill.«

Ungeduldig winkte der Moorelf ab. »Das wirst du sehen, Junge, so wie du zum rechten Zeitpunkt alles sehen wirst. Aber zweifele nicht an deinem Schicksal. Zukunft und Vergangenheit hängen bei dir so nah zusammen wie Himmel und Erde, Hass und Liebe. Dein Blut wird fließen, um die Welt zu ändern, so wie in deinem Traum. Vielleicht wird es nur in deinen Adern fließen, und du wirst leben; vielleicht fließt es aber auch in den Schnee ... Und vielleicht liegt die Entscheidung darüber bei dir allein. Wenn du beschließt, am Leben zu bleiben, mag das den Tod Tausender bedeuten. Wenn du stirbst, werden womöglich unzählige gerettet. Vielleicht auch anders herum, wer weiß ... Das ist dein Schicksal.«

Maferis erhob sich, die Hände auf dem Rücken verschränkt, nickte und ging in seine Kammer zurück. Er hatte es dem Jungen gesagt. Er hatte ihm seine Zukunft gedeutet, so wie er es seit seiner Ankunft geplant hatte. Seine Aufgabe war getan, und vielleicht nur für diese eine Nacht, diesen einen Augenblick, hatte alles in seinem Leben so kommen müssen, wie es gekommen war. Vielleicht war dieser Moment schon alles, was Maferis auf Erden bezwecken sollte; und der Gedanke fühlte sich sehr gut an.

Kein Elfenkönig würde er je werden. Kein Volk würde er führen und nie würde er die Welt verändern.

Aber doch hatte er seinen Teil zu allem beigetragen.

Der Junge mit den dunklen Augen würde die Geschehnisse der Welt für ihn mitbewegen. Der Junge, in den Maferis ein Stückchen seiner selbst gepflanzt hatte.

Der Junge, der Maferis war – denn was Maferis an Schmerz und Einsamkeit trug, das lebte auch im Inneren des Jungen. Und dieses Innere würde es sein, das die Welt zum Einsturz brachte. Und zum Erwachen.

Die Marschen

Maferis hatte sich in seiner Kammer eingesperrt, als die Gefährten am nächsten Morgen erwachten. Vor seiner Tür lag ein Proviantpaket für sie bereit. Der Einzige, den diese wortkarge Aufforderung zu gehen, nicht überraschte, war Scapa. Himmel und Erde ... Würde er tatsächlich zwischen Luft und Boden hin und herirren? Hatte er es nicht in seinem ganzen Leben schon getan? Er kam aus den tiefsten, schmutzigsten Winkeln Kesselstadts, die gewiss auch die tiefsten, schmutzigsten Winkel der Welt waren, er war ein Nichts, ein Niemand, ein Straßenjunge gewesen, und mit einem Schlag hatte er den Fuchsbau bewohnt, war der mächtigste Dieb von Kesselstadt geworden – und hatte mit Aranes Verschwinden alles Glück wieder verloren.

Aber was Maferis über sein Blut gesagt hatte – da lief Scapa ein Schauder über den Rücken. »Wir sollten gehen«, murmelte er und zog sich den Umhang über. »Fesco und ich sind wieder gesund.«

»Sollten wir nicht noch Maferis danken?«, fragte Nill und blickte ratlos zur verschlossenen Schlafzimmertür.

Scapa schüttelte den Kopf. »Das will er nicht. Wir müssen aufbrechen.« Und er hob den bereitgelegten Proviantbeutel auf. »Vielleicht kommt einer von uns irgendwann zurück und kann ihn besuchen.« Aber Scapa wusste, dass er es nicht sein würde. Für ihn gab es keinen Weg zurück.

»Auf Wiedersehen«, murmelte Nill dem Holz der Tür entgegen. »Und danke!«

Schweigend verließen sie die Hütte. Sobald Nill aus der Tür trat, brauste ihr ein eisiger Wind entgegen. Sie kniff die Augen zu und zog den Umhang enger um die Schultern. Kaum ein paar Schritte weiter hatten die flimmernden Flocken Maferis’ Haus verschluckt, und den Gefährten war, als hätten sie die vergangenen vier Tage nur geträumt.

Am Abend wurde der Schneefall schwächer. Sie suchten sich unter dichten Tannen Schutz und schliefen augenblicklich ein.

Morgens, als ein fades Licht den Schnee durchwirkte, zogen sie weiter. Das Scapa und Fesco wieder gesund waren, stimmte bei Weitem nicht. Noch immer hüstelten sie vor sich hin; aber sie waren doch wieder soweit bei Kräften, dass sie nicht das Vorankommen der anderen behinderten.

Als die Nacht anbrach, ging es endlich wieder bergab. Felsen brachen hier und dort durch die Schneedecken und boten den Gefährten einen trockenen Schlafplatz. Scapa verkroch sich in seinem Umhang und schloss die Augen. Er stellte sich das weite Dünenland vor, das Kesselstadt umgab. Er stellte sich vor, wie die trockene Sommerluft in der Ferne flimmerte. Er dachte an Tage in Kesselstadt, die so heiß gewesen waren, dass jeder Atemzug schwer wie durch ein Tuch ging, und daran, wie der Sandstaub in den Straßen aufgestiegen war, ohne dass ein Windzug wehte. Er dachte daran, wie er mit schweißverklebtem Nacken erwacht war, auf einer Schlafmatte in einem kleinen, heruntergekommenen Zimmer – erwacht durch den Lärm der Gassen und das Kitzeln blonder Locken, die auf seiner Schulter lagen. Und als Scapa in der Nacht im Schnee lag und einschlief, erwachte er hundertmal in Kesselstadt.

Die Welt des Schnees blieb mit ihren eisigen Berggipfeln hinter den Gefährten zurück. Nach einigen Tagen fanden sie sich im hohen, flüsternden Wald wieder. Sie wanderten durch das Mosaik der Schatten und Sonnenstrahlen und lauschten dem Rauschen des Laubes ... Es war unvorstellbar, dass hinter jedem Hang und Baum Graue Krieger lauern konnten.

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