Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Lan führte sie den Hügel hinunter und durch den Wald auf die Palisaden zu. Die Straße führte an einem halben Dutzend Bauernhöfen vorbei — keiner sehr nahe, und die Menschen, die dort ihre letzten Arbeiten verrichteten, schienen die Reisenden nicht zu bemerken — und endete an einem schweren Holztor, das mit breiten schwarzen Eisenriegeln verschlossen war, fest verschlossen, obwohl die Sonne noch nicht untergegangen war.
Lan ritt ganz nahe an die Palisade heran und zog an dem ausgefransten Seil, das neben dem Tor herunterhing. Auf der anderen Seite erklang eine Glocke. Unmittelbar darauf blickte ein verschrumpeltes Gesicht unter einer zerknautschten Stoffmütze mißtrauisch von oben auf sie herab. Es befand sich zwischen den abgesägten Enden zweier Pfähle, gute drei Spannen über ihren Köpfen.
»Was soll das heißen, eh? Es ist zu spät am Tag, um dieses Tor zu öffnen. Zu spät, sage ich. Reitet zum Weißbrückentor, wenn ihr... «
Moiraines Stute schritt ein Stück vor, so daß der Mann auf der Mauer sie klar erkennen konnte. Plötzlich verzogen sich seine Runzeln zu einem zahnlosen Lächeln, und er schien zwischen seiner Pflicht und dem, was er sagen wollte, zu schwanken. »Ich wußte nicht, daß Ihr es seid, Herrin. Wartet. Ich komme sofort hinunter. Ich komme, ich komme!«
Der Kopf verschwand nach unten, und Rand hörte gedämpfte Rufe, sie sollten bleiben, wo sie seien, er käme ja schon. Mit schrillem Quietschen, der vom geringen Gebrauch zeugte, schwang der rechte Torflügel langsam auf. Er verhielt in seiner Lage, als die Lücke gerade groß genug war, um ein Pferd durchzulassen, und dann steckte der Torwächter seinen Kopf durch, lächelte sie wieder zahnlos an und sprang flink aus dem Weg. Moiraine folgte Lan durch das Tor. Egwene kam gleich dahinter.
Rand ließ Wolke hinter Bela hertraben und fand sich in einer engen Straße wieder, die von hohen Holzzäunen und großen fensterlosen Lagerhäusern eingerahmt wurde, deren breite Türen schon zur Nacht geschlossen waren. Moiraine und Lan standen bereits bei dem Torwächter mit dem runzligen Gesicht und unterhielten sich mit ihm. Also stieg Rand auch ab.
Der kleine Mann, der einen oftmals geflickten Umhang und Mantel trug, hielt seine Stoffmütze zerknüllt in einer Hand und verbeugte sich jedesmal, wenn er sprach. Er betrachtete die anderen, die hinter Moiraine und Lan von den Pferden stiegen, und schüttelte den Kopf.
»Landpomeranzen.« Er grinste. »Aber, Frau Alys, sammelt Ihr jetzt Landpomeranzen mit Heu im Haar?« Dann erfaßte sein Blick Thom Merrilin. »Ihr seid kein Schafzüchter. Ich erinnere mich, daß ich Euch vor ein paar Tagen durchgelassen habe, tatsächlich. Haben denen da unten Eure Kunststückchen nicht gefallen, Gaukler?«
»Ich hoffe, Ihr erinnert Euch daran, daß Ihr vergessen sollt, uns jemals durchgelassen zu haben, Meister Avin«, sagte Lan und drückte dem Mann eine Münze in die freie Hand. »Und auch daß ihr uns wieder hereingelassen habt.«
»Das ist nicht nötig, Meister Andra. Nicht nötig. Ihr habt mir genug gegeben, als Ihr weggeritten seid. Genug.« Trotzdem ließ Avin die Münze so schnell verschwinden, als sei er auch ein Gaukler. »Ich hab niemanden nix erzählt und werd's auch nicht tun. Ganz besonders nicht den Weißmänteln«, endete er mit finsterem Blick. Er spitzte die Lippen, um auszuspucken, doch nach einem Blick auf Moiraine schluckte er statt dessen.
Rand riß die Augen auf, behielt aber den Mund geschlossen. Die anderen brachten das auch fertig, obwohl es Mat sehr schwer zu fallen schien. Kinder des Lichts, dachte Rand staunend. Die Geschichten, die Händler und Kaufleute und ihre Leibwächter über die Kinder erzählten, wechselten im Ausdruck von Bewunderung bis zum Haß, aber alle waren sich einig, daß die Kinder die Aes Sedai genauso haßten wie Schattenfreunde. Er fragte sich, ob dies bereits weitere Schwierigkeiten bedeutete.
»Die Kinder sind in Baerlon?« wollte Lan wissen.
»Aber sicher.« Der Torwächter nickte. »Kamen am gleichen Tag, als Ihr weggeritten seid, wenn ich mich richtig erinnere. Ist keiner hier, der sie leiden kann. Die meisten zeigen's natürlich nicht.«
»Haben sie gesagt, warum sie hier sind?« fragte Moiraine eindringlich.
»Warum sie hier sind?« Avin war so verblüfft, daß er seine Verbeugung diesmal vergaß. »Klar haben sie gesagt, warum... Oh, ich hab's vergessen. Ihr wart ja auf dem Land. Habt wahrscheinlich nur Schafgeblöke gehört. Sie sagen, sie sind wegen der Vorgänge in Ghealdan hier. Der Drache, wißt Ihr... Also, der halt, der sich Drache nennt. Sie sagen, der Bursche löst eine Menge Böses aus -schätze, das stimmt auch -, und sie sind hier, um das Feuer auszutreten, bloß daß er ja in Ghealdan ist und nicht hier. Bloß 'ne Ausrede, um sich in anderer Leute Sachen einzumischen, denke ich. Man hat schon den Drachenzahn auf ein paar Türen gesehen.« Diesmal spuckte er aus.
»Haben sie Euch viele Schwierigkeiten bereitet?« fragte Lan, und Avin schüttelte lebhaft den Kopf.
»Nicht, daß sie's nicht wollen, schätze ich, aber der Statthalter traut denen genausowenig wie ich. Er läßt nicht mehr als zehn oder so gleichzeitig in die Stadt, und sie sind mächtig sauer deswegen. Der Rest hat ein Lager ein Stück nördlich, hab ich gehört Wette, daß sich die Bauern dort umgucken müssen. Die paar, die reinkommen, stolzieren nur in diesen weißen Mänteln rum und gucken auf die ehrlichen Leute runter. Geh im Licht, sagen sie, und das ist ein Befehl. Hätte fast schon Schlägereien gegeben mit den Wagenfahrern und den Bergleuten und den Schmelzern und so, ja, und sogar mit der Wache, aber der Statthalter will Frieden, und deshalb ist nix passiert. Wenn sie das Böse jagen, meine ich, warum sind sie dann nicht oben in Saldaea? Ich hab gehört, daß dort oben was los ist. Oder unten in Ghealdan? Es hat drunten eine große Schlacht gegeben, sagt man. Eine richtig große.«
Moiraine atmete leise und betont ein. »Ich hatte gehört, daß Aes Sedai nach Ghealdan gingen.«
»Ja, sind sie.« Avin nickte wieder heftig. »Sie sind wirklich nach Ghealdan gegangen, und das hat die Schlacht ausgelöst, hab ich gehört. Man sagt, einige der Aes Sedai sind tot. Vielleicht auch alle. Ich weiß, daß manche Leute die Aes Sedai nicht mögen, aber ich frag Euch, wer sonst soll 'nen falschen Drachen aufhalten, eh? Und die verdammten Narren, die glauben, sie wären männliche Aes Sedai oder so was. Was ist mit denen? Klar sagen ein paar — aber nicht die Weißmäntel und ich auch nicht, aber eben manche Leute -, daß dieser Bursche wirklich der Wiedergeborene Drache ist. Ich hab gehört, daß er ein paar Sachen kann. Die Eine Macht benutzen. Tausende folgen ihm schon.«
»Sei kein Narr!« fauchte Lan, und Avins Gesicht nahm einen verletzten Ausdruck an.
»Ich sag nur, was ich gehört hab, oder? Nur was ich gehört hab, Meister Andra. Sie sagen — ein paar halt -, daß er mit seiner Armee nach Osten und Süden marschiert, auf Tear zu.« Seine Stimme klang bedeutungsschwanger. »Man sagt, er nennt sie das Drachenvolk.«
»Namen bedeuten wenig«, sagte Moiraine ruhig. Falls sie das Gehörte beunruhigte, ließ sie es sich nach außen hin nicht anmerken. »Du könntest deinen Maulesel Drachenvolk nennen, wenn es dir Spaß macht.«
»Unwahrscheinlich, Herrin.« Avin schmunzelte. »Nicht, wenn die Weißmäntel in der Gegend sind, sicherheitshalber. Ich glaube auch nicht, daß irgend jemand sonst den Namen gern hören würde. Ich weiß schon, was Ihr meint, aber... O nein, Herrin, nicht meinen Maulesel!«
»Zweifellos eine weise Entscheidung«, kommentierte Moiraine. »Jetzt müssen wir weiter.«
»Und macht Euch keine Sorgen, Herrin«, sagte Avin mit einer tiefen Verbeugung. »Ich hab niemanden gesehn.« Er lief zum Tor und schloß es mit schnellen ruckartigen Bewegungen. »Hab niemanden und nichts gesehn.« Das Tor schlug zu, und mit einem Seil zog er den Riegel herunter. »In Wirklichkeit, Herrin, ist dieses Tor schon tagelang nicht mehr geöffnet worden.«