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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Den jungen König hatte das Liebesabenteuer Alfonsos erschüttert. Bei all seinem Haß sah er in ihm noch immer den Spiegel des Rittertums, und Alfonsos rücksichtslose Leidenschaft schien ihm dafür ein neuer Beweis. Wie ein Lanzelot, ein Tristan alles für ihre Dame opferten, so setzte dieser Alfonso seinen Ritter- und Königsnamen aufs Spiel um der Frau willen, für die er entflammte. Daß diese Frau eine Jüdin war, gab dem Abenteuer sein besonderes, dunkles Geleuchte. Viele wilde Erzählungen gingen um von Rittern, die sich im Morgenland in moslemische Frauen verliebt hatten. Don Pedro spürte Schauder vor dem königlichen Vetter, der sein Christentum verleugnete und seine Seele verspielte, und gleichzeitig Bewunderung vor seinem Wagemut.

Von solchen Gefühlen hin und her gerissen, las er Doña Leonors Schreiben. Im Geist hörte er ihre Stimme, er sah die liebenswerte Dame vor sich, er fühlte tiefes Mitleid mit der edeln Frau, die gekettet war an den mit Tollheit geschlagenen, vom Teufel besessenen Alfonso. Sie war die Dame in Not, es war seine Pflicht, ihr beizustehen.

Überdies hatte auch ihn von Beginn des Kreuzzuges an seine Untätigkeit heiß gequält. Er hatte gerüstet, um über das moslemische Valencia herzufallen; ja, er hatte dem Emir von Valencia Gesandte geschickt, die, sich auf alte Verträge berufend, auf freche Art Tribut von ihm forderten, und Don Joseph Ibn Esra hatte schwere Mühe gehabt, die Beziehungen zu dem Emir wieder einzulenken. Der Minister mußte immer neue Listen anwenden, seinen ungebärdigen Herrn in dem »schimpflichen« Frieden festzuhalten.

Die Botschaft Doña Leonors fand also einen bereitwilligen Don Pedro. Aber er brachte es nicht über sich, nach Burgos zu kommen und als erster um Versöhnung zu bitten. In Burgos hatte man das vorhergesehen, und Doña Leonors Gesandter, der fromme und listenreiche Sekretär Don Luís, schlug einen Ausweg vor. Stand es in dieser schweren Zeit einem christlichen König nicht an, zum Santiago de Compostela zu wallfahren? Wenn Don Pedro auf einer solchen Pilgerfahrt über Burgos reist, wird Doña Leonor glücklich sein.

Don Pedro reiste über Burgos.

Befriedigt sah Doña Leonor, daß der junge Herr sie noch ebenso ritterlich verschwärmt bewunderte wie früher. Er sprach ein paar ungeschickte Worte über ihre Not. Sie wollte ihn nicht verstehen, verbarg aber nicht ihren Kummer. Ihn bedeutsam anschauend, meinte sie, wenn er durch eine Allianz mit Kastilien den hispanischen Reichen den Kreuzzug ermögliche, erweise er nicht nur aller Christenheit einen Dienst, sondern auch ihr, Leonor, persönlich; denn er befreie dadurch einen großen Fürsten und Herrn, dem sie sehr nahestehe, aus den Klauen der bösen Geister und helfe ihm, sein früheres, edles Selbst zu werden. Er saß befangen da, spielte mit seinem Handschuh, wußte nichts zu sagen. Sie begreife es, fuhr sie fort, wenn Don Pedro Bedenken trage, mit einem Manne, von dem er sich beleidigt glaube, ein Bündnis einzugehen. Aber vielleicht lasse sich Alfonso bewegen, Pedros Mißtrauen durch Taten zu zerstreuen.

Wie sie erwartete, fragte Don Pedro, was für Taten denn das sein könnten. Sie hatte sich aber einen Plan ausgedacht. Alfonso, meinte sie, könnte etwa die Lehenshoheit Aragons über den Baron de Castro anerkennen und, um seinen guten Willen zu beweisen, dem regierenden Baron Gutierre de Castro hohe Buße zahlen für den getöteten Bruder; vielleicht sogar ließe Alfonso sich dazu bewegen, dem Baron Gutierre das Castillo in Toledo zurückzugeben.

Sie rechnete damit, daß Alfonso unmöglich den Kreuzzug an der Verweigerung einer solchen Buße werde scheitern lassen; nahm er aber dem Jehuda das Castillo wieder fort, dann war bei der maßlosen Arroganz des Juden ein Bruch mit den Ibn Esras unvermeidlich.

Don Pedro war verwirrt. Ein solches Zugeständnis würde in der Tat viel Unrecht gutmachen. Er spürte auf sich die flehenden Augen der edeln Frau. Tief in ihn eingesenkt hatte sich ihre Andeutung, er tue ihr einen Ritter- und Minnedienst, wenn er Alfonso aus den Klauen der Teufelin befreie. Der Ernst und die Milde der süß und traurigen Königin bewegten ihn mächtig. Er küßte ihre Hand und sagte, er werde ihren Vorschlag in Freundschaft bedenken; kein schöneres Los könne er sich wünschen, als zu Felde zu ziehen für Christus und für sie, Doña Leonor. Nun Raquel in die Galiana zurückgekehrt war, liebte Don Alfonso sie mehr als je. Manchmal, wenn er ihr edles Gesicht sah, schämte er sich, daß er sie so gemein angefallen hatte; sie war eine Dame, sie war die Dame seines Herzens, und er hatte ihr Gewalt und Unehre angetan. Dann wieder verschaffte ihm gerade die Erinnerung, wie er sie damals gegen ihr verzweifeltes Wehren übermannt hatte, eine böse Lust. Er verspürte eine wüste Sehnsucht, sie von neuem zu demütigen, und wenn sie sich in der Umarmung tiefer vergaß als er, war ihm das ein grimmiger Sieg.

Bei alledem war er ihr dankbar, daß sie jener schlimmen Stunde mit keinem Wort und mit keiner kleinsten Geste gedachte. Gleich nach ihrer Rückkehr hatte sie ihn ängstlich gefragt, was das für eine Wunde an seiner Hand sei; denn die Narben der Risse und Schnitte, welche ihm das splitternde Glas der Mesusa beigebracht hatte, verheilten nur langsam. Er hatte ausweichend geantwortet, und es war ihm eine Erleichterung, daß sie nicht weitergefragt hatte; sie fragte auch nicht, warum die Zisternen des Rabbi Chanan zugeschüttet waren.

Es war nicht so, daß sie jene Stunde wirklich vergessen hätte. Aber wie sie es ersehnt und gefürchtet hatte, war es gekommen: der Schimpf war nicht mehr schimpflich, das Gemeine nicht mehr gemein in seiner leibhaften Gegenwart. Zuweilen sogar, in seiner Umarmung, sehnte sie sich nach dem verwilderten Gesicht, das der Alfonso jener wüsten Minuten getragen hatte.

Ihr Bestreben, ihn zu ändern, ihn aus einem Ritter zum Menschen zu machen, war eitel gewesen wie Wellenschlag gegen einen Felsen. Sie grämte sich nicht darum: sie liebte den Ritter. Sein sinnloses Heldentum, sein mageres, knochiges, holzgeschnittenes, männliches Gesicht, die Mischung von Eleganz und Brutalität erregte sie immer neu.

Von allen Büchern des Großen Buches liebte sie jetzt am meisten das Hohelied. Verse daraus ließ sie an der Wand ihres Schlafzimmers anbringen. »Unbesieglich wie der Tod ist die Liebe. Sie hält fest wie das Grab. Ihre Gluten sind wildes Feuer gleich Blitzen Jahves. Fluten löschen sie nicht, Ströme ersticken sie nicht.« Sie übersetzte Alfonso die Verse, er hörte zu, ernsten Gesichtes. Sie mußte ihm die Verse wiederholen, mußte ihm die hebräischen Worte sagen. »Das klingt nicht schlecht«, meinte er, »das ist gut.«

Seitdem sie ihm die arabische Rüstung geschenkt hatte, wußte er, daß sie den Krieger Alfonso liebte. Aber seine Eifersucht auf ihren Vater und den alten Musa ließ ihn spüren, daß ihr Verstand nach wie vor nicht anerkennen wollte, was an ihm gut und heldisch war. Beflissen, fast leidenschaftlich suchte er sich ihr zu erklären. Krieg war göttliches Gebot, der Ruhm des Kriegers das Höchste, was ein Mann erringen konnte. Erst im Kriege kam heraus, was an einem Manne, was an einem Volke gut war. Hatten nicht auch die Juden ihre Simson und Gideon gehabt, ihre David und Juda Makkabäus? Und wie sollte ein König herrschen ohne Krieg? Ein König brauchte treue Gefolgsmänner, sie erwarteten Lohn von ihm, und mit Recht. Er mußte also immer neues Land haben, um ihre Treue zu belohnen, und wo sollte er dieses Land hernehmen, wenn nicht vom Feind? Ein König ist von Gott eingesetzt, um Beute zu machen und sein Land zu mehren. Er, Alfonso, war maßvoll, er war nicht habgierig wie sein Schwiegervater Heinrich von Engelland oder der römische Kaiser Friedrich, er wollte nicht die ganze Welt erobern. Was jenseits der Pyrenäen lag, darauf verzichtete er. Er wollte nur Hispanien, aber das wollte er ganz, das christliche und das moslemische.

Verwegen und verhängnisvoll schien er Raquel. Lockung ging aus und ungeheure Drohung von diesem Abkömmling fränkischer und gotischer Barbaren, der überzeugt war, ihm habe und ihm allein Gott die Herrschaft über die Halbinsel bestimmt.

Er erzählte ihr von der großen, edeln Kunst der Kriegführung. Er hatte sie gründlich und genau erlernt, und wenn er auch bis jetzt kein Alexander oder Cäsar war, zum Feldherrn war er geboren. Er hatte es im Blut, wann man die leichten Reiter einsetzen mußte und wann die schweren, er konnte den Wert des Geländes mit dem ersten Blick abschätzen, er konnte wie kein Zweiter den rechten Hinterhalt finden, dem Gegner aufzulauern. Wenn er nicht immer gesiegt hatte, dann nur, weil ihm eine langweilige Feldherrntugend fehlte: die Geduld.

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