Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und ich dachte, du hättest deine Jahre in Frankreich im Kampf verbracht, nicht mit romantischen Eroberungen«, sagte ich schnippisch.
Zu meiner Überraschung lachte er. Bei diesem Geräusch wandte sich die Frau zu uns um. Ein strahlendes Lächeln erhellte ihr Gesicht, als sie Jamie aus der Menge ragen sah. Sie wandte sich um, als wollte sie in unsere Richtung kommen, wurde aber von einem Herrn abgelenkt, der mit einer Perücke und lavendelfarbenem Satin herausgeputzt war und ihr eine lästige Hand auf den zerbrechlichen Arm legte. Sie winkte Jamie in einer Geste bedauernder Koketterie mit dem Fächer zu, ehe sie ihrem neuen Begleiter ihre Aufmerksamkeit widmete.
»Was ist denn so komisch?«, fragte ich, als ich sah, dass er immer noch grinste, während er ihren sacht oszillierenden Spitzenröcken nachblickte.
Mit einem Schlag wurde er sich meiner Gegenwart wieder bewusst, und er lächelte mich an.
»Oh, nichts, Sassenach. Nur das, was du über das Kämpfen gesagt hast. Annalise de Marillac war der Grund für mein erstes – nun ja, mein einziges – Duell. Als ich achtzehn war.«
Mit etwas verträumter Stimme sah er dem Auf und Ab des glänzenden schwarzen Haars nach, das sich in der Menge entfernte, umgeben von Grüppchen weißer Perücken und gepuderter Schöpfe, in die hier und da eine rosa angehauchte Perücke etwas Abwechslung brachte.
»Ein Duell? Mit wem?«, fragte ich und sah mich argwöhnisch nach etwaigen männlichen Anhängseln des Porzellanpüppchens um, denen möglicherweise danach war, einen alten Streit erneut zu entfachen.
»Och, er ist nicht hier«, sagte Jamie, der meinen Blick auffing und korrekt interpretierte. »Er ist tot.«
»Du hast ihn umgebracht?« In meiner Aufregung sprach ich viel lauter als beabsichtigt. Da sich einige Köpfe in unserer Nähe neugierig nach uns umwandten, nahm mich Jamie beim Ellbogen und steuerte mich hastig auf die nächste Terrassentür zu.
»Pass auf deine Stimme auf, Sassenach«, sagte er, jedoch gelassen. »Nein, ich habe ihn nicht umgebracht. Hätte es gern getan«, fügte er reumütig hinzu, »habe es aber nicht. Er ist vor zwei Jahren an Diphtherie gestorben. Jared hat es mir erzählt.«
Er führte mich über einen der Gartenwege, beleuchtet von Bediensteten mit Laternen, die von der Terrasse bis zum Springbrunnen am Ende des Weges alle fünf Meter wie Poller an der Seite standen. Dort unten spien in der Mitte eines großen Wasserbassins vier Delfine Wasser über einen verärgert aussehenden Triton, der in der Mitte vergeblich seinen Dreizack nach ihnen schwang.
»Nun mach’s doch nicht so spannend«, drängte ich ihn, als wir außer Hörweite der Grüppchen auf der Terrasse waren. »Was ist passiert?«
»Nun denn, also schön«, sagte er resigniert. »Dir ist doch sicher aufgefallen, dass Annalise ziemlich hübsch ist?«
»Oh, tatsächlich? Jetzt, da du es erwähnst, könnte es sein, dass ich es auch sehe«, antwortete ich liebenswürdig und provozierte damit einen scharfen Blick, dem ein schiefes Lächeln folgte.
»Aye. Nun, ich war nicht der einzige junge Galan in Paris, der diese Ansicht teilte, und auch nicht der Einzige, der ihretwegen den Kopf verloren hat. War wie im Nebel unterwegs und bin über meine eigenen Füße gefallen. Habe auf der Straße gewartet, weil ich hoffte, ich würde sie aus dem Haus kommen und zu ihrer Kutsche gehen sehen. Habe sogar vergessen zu essen; Jared hat gesagt, mein Rock hat an mir gehangen wie an einer Vogelscheuche, und der Zustand meiner Haare hat die Ähnlichkeit noch verstärkt.« Seine Hand hob sich geistesabwesend an seinen Kopf und betastete den makellosen Flechtzopf, der umgeklappt und mit einem blauen Band befestigt in seinem Nacken lag.
»Vergessen zu essen? Himmel, dich hatte es aber erwischt«, stellte ich fest.
Er gluckste. »Oh, aye. Und es wurde noch schlimmer, als sie angefangen hat, Charles Gauloise schöne Augen zu machen. Versteh mich nicht falsch«, fügte er fairerweise hinzu, »sie hat jedem schöne Augen gemacht – das war nicht schlimm –, aber für meinen Geschmack hat sie ihn zu oft zu ihrem Partner beim Dinner erwählt und bei Empfängen zu viel mit ihm getanzt und … nun, um es kurz zu machen, Sassenach, eines Abends habe ich ihn auf der Terrasse ihres Vaters dabei erwischt, wie er sie im Mondschein geküsst hat, und ich habe ihn herausgefordert.«
Inzwischen hatte uns unser Spaziergang an den Springbrunnen geführt. Jamie blieb stehen, und wir setzten uns auf den Rand des Brunnens, so dass uns die Gischt der aufgeblasenen Delfinlippen nicht erreichen konnte. Jamie zog eine Hand durch das dunkle Wasser und hielt sie dann hoch, um zerstreut zuzusehen, wie ihm die silbernen Tropfen über die Finger liefen.
»In Paris war es damals illegal, sich zu duellieren – genau wie heute. Aber es gab gewisse Stellen; es gibt sie immer. Er durfte wählen, und er hat sich eine Stelle im Bois de Boulogne ausgesucht. Dicht bei der Straße der sieben Heiligen, jedoch durch eine Eichenwaldung abgeschirmt. Er durfte auch die Waffe wählen. Ich hatte Pistolen erwartet, doch er hat Schwerter gewählt.«
»Warum hat er das getan? Deine Reichweite muss doch viel größer gewesen sein als die seine.« Ich war zwar kein Experte, war aber gezwungenermaßen dabei, ein wenig über die Strategie und Taktik des Schwertkampfes zu lernen; Jamie und Murtagh nahmen es alle zwei, drei Tage miteinander auf, um nicht aus der Übung zu kommen, und bewegten sich mit klirrenden Schwertern kreuz und quer durch den Garten, zum ungebremsten Entzücken der Dienstboten, die – Männlein und Weiblein gleichermaßen – auf die Balkone hinauseilten, um zuzusehen.
»Warum er Kurzschwerter gewählt hat? Weil er verdammt gut damit umgehen konnte. Außerdem hat er vermutlich gedacht, dass ich ihn mit einer Pistole zufällig umbringen könnte, während er wusste, dass es mir beim Kampf mit der Klinge reichen würde, Blut zu sehen. Ich wollte ihn nämlich nicht umbringen«, erklärte er. »Ich wollte ihn nur erniedrigen. Und das wusste er auch. Ein Dummkopf war er nicht, unser Charles«, sagte er und schüttelte reumütig den Kopf.
Der Nebel des Springbrunnens ließ kleine Löckchen aus meiner Frisur entwischen, die sich um mein Gesicht legten. Ich strich eine Haarsträhne zurück und fragte: »Und hast du ihn erniedrigt?«
»Nun, zumindest habe ich ihn verwundet.« Es verwunderte mich, einen leisen Unterton der Genugtuung in seiner Stimme zu hören, und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. »Er hatte sein Handwerk bei LeJeune gelernt, einem der besten Fechtmeister in Frankreich«, erklärte Jamie. »Es war, als kämpfte man gegen einen verdammten Floh, und dann habe ich auch noch rechtshändig gegen ihn gekämpft.« Wieder schob er sich eine Hand durch das Haar, als überprüfte er die Befestigung.
»Mitten im Kampf hat sich mein Haar gelöst«, sagte er. »Der Lederriemen ist gerissen, und der Wind hat es mir in die Augen geweht, und alles, was ich sehen konnte, war der kleine Charles mit seinem weißen Hemd, der wie ein Fischlein hin und her flitzte. Und so habe ich ihn am Ende auch erwischt – wie man einen Fisch mit dem Dolch aufspießt.« Er prustete durch die Nase.
»Er hat gebrüllt wie am Spieß, obwohl ich wusste, dass ich ihm nur den Arm angeritzt hatte. Ich konnte mir endlich das Haar aus dem Gesicht schieben und habe an ihm vorbei zu Annalise geschaut, die am Rand der Lichtung stand, und ihre Augen waren so groß und dunkel wie das Wasserbecken hier.« Er wies mit dem Arm über die silbrig schwarze Oberfläche neben uns.
»Also habe ich mein Schwert in die Scheide gesteckt und mir das Haar glatt gestrichen und bin dagestanden – wahrscheinlich, weil ich halb erwartet habe, dass sie kommt und sich mir in die Arme wirft.«
»Hm«, sagte ich taktvoll. »Dann hat sie das also nicht getan?«
»Nun, damals habe ich ja auch noch nichts von Frauen verstanden, nicht wahr?«, sagte er. »Nein, sie ist natürlich angekommen und hat sich ihm in die Arme geworfen.« Er stieß einen tiefen schottischen Kehllaut voll Selbstironie und ironischem Abscheu aus. »Hat ihn einen Monat später geheiratet, habe ich gehört.«