Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Ich weiß nicht, wie man vorangeht. Ich schaue auf das Holo, damit es mir die Richtung weist. Es ist immer noch eingeschaltet, aber ich kann so wenig damit anfangen, dass es genauso gut ausgeschaltet sein könnte. Ich habe jetzt keine Zeit, auf die Knöpfe zu drücken und herumzuprobieren, wie es funktioniert. »Ich weiß nicht, wie man damit umgeht. Boggs hat gesagt, Sie würden mir helfen«, sage ich zu Jackson. »Er hat gesagt, ich könne auf Sie zählen.«
Jackson guckt finster, reißt mir das Holo aus der Hand und tippt ein Kommando ein. Eine Kreuzung erscheint. »Wenn wir hinten zur Küchentür hinausgehen, kommen wir auf einen kleinen Hof, dann zur Rückseite eines weiteren Eckgebäudes. Wir haben hier eine Übersicht über die vier Straßen, die sich an der Kreuzung treffen.« Ich versuche, mich zu orientieren, während ich auf die Abbildung der Kreuzung schaue, wo an allen Ecken Kapseln blinken. Und das sind nur die Kapseln, von denen Plutarch weiß. Das Holo hat nicht angezeigt, dass die Stelle, die wir gerade verlassen haben, vermint war, dass es einen schwarzen Geysir gab und dass das Netz aus Stacheldraht bestand. Außerdem könnten uns Friedenswächter in die Quere kommen, jetzt, da sie unseren Standort kennen. Ich beiße mir auf die Lippe, aller Augen sind auf mich gerichtet. »Setzt die Masken auf. Wir gehen raus, wie wir reingekommen sind.«
Heftiger Widerspruch. Ich versuche die anderen zu übertönen. »Wenn die Welle so stark war, hat sie vielleicht die anderen Kapseln auf unserem Weg ausgelöst und geschluckt.«
Die anderen denken nach. Pollux macht seinem Bruder Zeichen. »Vielleicht hat sie auch die Kameras unbrauchbar gemacht«, übersetzt Castor. »Die Linsen verschmutzt.«
Gale stellt einen Stiefel auf die Anrichte und untersucht den schwarzen Spritzer auf der Spitze. »Ätzend ist das Zeug nicht. Ich glaube, sie wollten uns entweder ersticken oder vergiften.«
»Wahrscheinlich unsere größte Chance«, sagt Leeg 1.
Die Masken werden aufgesetzt. Finnick setzt Peeta die Maske auf das reglose Gesicht. Cressida und Leeg 1 stützen den benebelten Messalla.
Ich warte darauf, dass sich jemand an die Spitze stellt, bis mir klar wird, dass das jetzt meine Aufgabe ist. Ich drücke gegen die Küchentür, die mühelos aufgeht. Eine zentimeterhohe Schicht des schwarzen Zeugs hat sich vom Wohnzimmer aus über zwei Drittel des Wegs bis zum Flur ausgebreitet. Als ich es vorsichtig mit der Stiefelspitze teste, stelle ich fest, dass es eine gelartige Konsistenz hat. Ich hebe den Fuß, da zieht es sich leicht und nimmt dann wieder die alte Form an. Ich mache drei Schritte in dem Gel und schaue mich um. Keine Fußspuren. Das ist das erste Gute, was heute passiert. Während ich das Wohnzimmer durchquere, wird das Gel etwas dicker. Vorsichtig mache ich die Haustür auf und erwarte, dass das Zeug literweise hereinströmt, aber auch draußen ist es fest.
Der zuvor orange-rosafarbene Straßenabschnitt sieht so aus, als hätte man ihn in schwarzen Lack getaucht und dann zum Trocknen ausgebreitet. Pflastersteine, Häuser, selbst die Dächer sind mit dem Gel bedeckt. Eine große Träne hängt über der Straße. Zwei Gebilde ragen aus der Träne heraus. Ein Gewehrlauf und eine menschliche Hand. Mitchell. Ich bleibe auf dem Gehweg stehen und starre hinauf, bis die ganze Gruppe bei mir ist.
»Wenn jemand zurückgehen will, aus welchem Grund auch immer, dann ist jetzt der richtige Moment«, sage ich. »Es wird keine Fragen geben und keine Vorwürfe.« Niemand scheint den Rückzug antreten zu wollen. Also marschiere ich weiter in das Kapital hinein, wir haben nicht viel Zeit. Hier ist das Gel höher, über zehn Zentimeter. Jedes Mal, wenn man den Fuß hebt, macht es ein saugendes Geräusch, aber wir hinterlassen immer noch keine Spuren.
Die Welle muss gewaltig gewesen sein, mehrere Straßenabschnitte vor uns sind betroffen. Ich trete ganz vorsichtig auf, aber ich glaube, dass ich recht hatte; es wurden weitere Kapseln ausgelöst. An einer Stelle ist die Straße mit toten goldenen Jägerwespen gesprenkelt. Bestimmt sind sie sofort in den Dämpfen umgekommen. Ein Stück weiter ist ein ganzer Wohnblock eingestürzt, ein großer Schutthaufen, bedeckt von Gel. An den Kreuzungen hebe ich die Hand, zum Zeichen für die anderen, dass sie warten sollen, dann renne ich los und prüfe die Lage. Doch offenbar hat die Welle die Kapseln besser entschärft, als jede Rebellentruppe es vermocht hätte.
Von der fünften Querstraße an lassen die Auswirkungen der Welle allmählich nach. Hier ist das Gel nur noch zwei Zentimeter hoch und an der nächsten Kreuzung sehe ich schon die babyblauen Dächer hindurchschimmern. Das Licht des Nachmittags schwindet langsam, wir müssen unbedingt einen Unterschlupf finden und das weitere Vorgehen planen. Ich entscheide mich für einen Wohnblock etwas weiter unten in der Straße. Homes bricht das Schloss auf und ich befehle den anderen hineinzugehen. Ich bleibe noch einen Moment vor der Tür stehen, schaue zu, wie die letzten Fußspuren verschwinden, dann gehe auch ich hinein und schließe die Tür.
In unsere Gewehre sind Taschenlampen eingebaut, die jetzt ein großes Wohnzimmer erleuchten. Die verspiegelten Wände reflektieren bei jeder Bewegung unsere Gesichter. Gale überprüft die Fenster, sie sind unbeschädigt, und er nimmt die Maske ab. »Hier geht es. Man kann es riechen, aber nicht so stark.«
Die Wohnung ist genauso geschnitten wie die erste, in die wir uns geflüchtet hatten. Wegen des Gels kommt von vorn kein Tageslicht herein, doch die Rollläden in der Küche lassen etwas hindurch. Vom Flur gehen zwei Schlafzimmer mit Bad ab. Eine gewundene Treppe führt vom Wohnzimmer hinauf in den ersten Stock, der aus einem offenen Raum besteht. Oben gibt es keine Fenster, doch das Licht brennt noch, vermutlich mussten die Leute die Wohnung überstürzt verlassen. Ein riesiger Fernseher, der schwach leuchtet, nimmt eine ganze Wand ein. Plüschsessel und -sofas sind locker im Raum verteilt. Dort versammeln wir uns, lassen uns in die Polster sinken, versuchen zu Atem zu kommen.
Jackson hält das Gewehr auf Peeta gerichtet, obwohl er immer noch bewusstlos und in Handschellen ist. Homes hat ihn auf einem tiefblauen Sofa abgelegt. Was soll ich bloß mit ihm machen? Und mit dem Team? Mit allen, wenn ich ehrlich sein soll, außer Gale und Finnick? Denn die beiden hätte ich schon gern dabei, wenn ich Snow ausfindig mache. Aber selbst wenn ich mit dem Holo umgehen könnte, würde es mich überfordern, zehn Leute auf angeblicher Geheimmission durchs Kapital zu führen. Hätte ich sie zurückschicken sollen, als es noch möglich war? Oder wäre das zu gefährlich gewesen? Für sie wie auch für mein Vorhaben? Vielleicht hätte ich nicht auf Boggs hören sollen, möglicherweise war er schon nicht mehr ganz bei sich. Vielleicht wäre es das Beste, wenn ich jetzt einfach die Wahrheit sage, aber dann würde Jackson das Kommando übernehmen und wir würden zurück zum Lager gehen. Und dort müsste ich Coin Rede und Antwort stehen.
Das Chaos, in das ich die anderen mit hineingezogen habe, wird meinem Kopf gerade zu viel, da lässt eine Reihe von Explosionen in der Ferne den Raum vibrieren.
»Das war ziemlich weit weg«, meint Jackson. »Bestimmt vier oder fünf Querstraßen weiter.«
»Wo wir Boggs zurückgelassen haben«, sagt Leeg 1.
Obwohl niemand den Fernseher berührt hat, flackert er plötzlich auf. Ein hoher Pfeifton erklingt und einige springen auf.
»Keine Panik!«, ruft Cressida. »Das ist nur eine Sondersendung. Alle Fernseher im Kapital schalten sich automatisch ein.«
Die Kameras zeigen uns, kurz nachdem Boggs von der Mine erwischt wurde. Ein Kommentator erzählt aus dem Off, was zu sehen ist, während wir versuchen, uns neu zu formieren und auf das schwarze Gel zu reagieren, und alles aus dem Ruder läuft. Wir schauen uns das Durcheinander an, das folgt, bis die Welle alles verdunkelt. Als Letztes sehen wir, wie Gale, allein auf der Straße, die Drahtseile zu durchschießen versucht, die Mitchell halten.
Der Kommentator nennt Gale, Finnick, Boggs, Peeta, Cressida und mich beim Namen.
»Keine Luftaufnahmen. Boggs hatte anscheinend recht, was ihre Hovercrafts angeht«, sagt Castor. Mir wäre das gar nicht aufgefallen, aber ein Kameramann merkt so etwas wahrscheinlich sofort.