Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Das verstehe ich nicht.«
»Du willst darin bestärkt werden, daß die Aes Sedai gut und rein sind und daß es diese gemeinen Männer aus den Legenden waren, die die Zerstörung der Welt verursachten, und nicht die Frauen. Nun, es waren zwar die Männer, doch sie waren keineswegs schlimmer als alle anderen Männer. Sie waren wahnsinnig, nicht böse. Die Aes Sedai, die du in Tar Valon antreffen wirst, sind menschlich und unterscheiden sich nicht von anderen Frauen, außer eben durch die Fähigkeiten, die uns von ihnen trennen. Sie sind tapfer und feige, stark und schwach, freundlich und grausam, warmherzig und kalt. Wenn du eine Aes Sedai wirst, dann bleibst du trotzdem diejenige, die du immer warst.«
Egwene atmete schwer. »Ich glaube, gerade davor hatte ich Angst: daß die Macht mich verändern würde. Das und die Trollocs. Und der Blasse. Und... Moiraine Sedai, im Namen des Lichts: Warum kamen die Trollocs nach Emondsfeld?«
Der Kopf der Aes Sedai drehte sich, und sie blickte in die Richtung von Rands Versteck. Die Luft blieb ihm weg. Ihre Augen waren genauso hart wie zu der Zeit, als sie sie bedroht hatte, und er hatte das Gefühl, ihr Blick könne die starken Äste des Lederblatts durchdringen. Licht, was wird sie tun, wenn sie mich hier als Lauscher findet?
Er bemühte sich, mit den tieferen Schatten hinter sich zu verschmelzen. Seine Augen waren auf die Frauen gerichtet, und so blieb er mit dem Fuß an einer Wurzel hängen. Er fing sich gerade noch, sonst wäre er in totes Unterholz getaumelt, und das hätte ihn mit einem Feuerwerk zerbrechender Zweige sofort verraten. Nach Luft schnappend kroch er auf allen vieren davon. Wie immer war es vor allem Glück, das es ihm ermöglichte, sich lautlos zu bewegen. Sein Herz schlug so stark, daß er fürchtete, es könne ihn verraten. Narr! Eine Aes Sedai belauschen!
Als er wieder dort war, wo die anderen schliefen, schlich er leise an seinen Platz zurück. Lan bewegte sich, als er sich auf den Boden legte. Der Behüter riß die Decke hoch, ließ sich dann aber mit einem Seufzer wieder zurückfallen. Er hatte sich im Schlaf nur umgedreht. Rand stieß einen Stoßseufzer aus.
Einen Augenblick später tauchte Moiraine aus der Nacht auf. Sie blieb stehen, als sie die schlummernden Gestalten sah. Das Mondlicht webte einen Strahlenkranz um sie. Rand schloß die Augen und atmete ganz gleichmäßig, während er angestrengt lauschte, ob sich Schritte näherten. Er hörte nichts. Als er die Augen wieder öffnete, war sie weg.
Als der Schlaf endlich kam, schwitzte er und hatte Träume, in denen alle Männer von Emondsfeld behaupteten, sie seien der Wiedergeborene Drache, und alle Frauen trugen blaue Edelsteine im Haar, die so aussahen wie der von Moiraine. Er versuchte danach nie mehr, Moiraine und Egwene zu belauschen.
Der sechste Tag ihrer quälend langsamen Reise brach an. Die blasse, kalte Sonne glitt auf die Baumwipfel zu, während eine Handvoll dünner Wolken hoch droben in Richtung Norden trieb. Der Wind erhob sich zu einer Bö, und Rand zog den Umhang wieder einmal leise schimpfend über die Schultern. Er fragte sich, ob sie wohl jemals Baerlon erreichen würden. Die Entfernung, die sie seit ihrer Flußüberquerung zurückgelegt hatten, war größer als von Taren-Fähre bis zum Weißen Fluß, doch Lan behauptete stets, es sei eine kurze Reise, kaum wert, eine solche genannt zu werden. Er fühlte sich verloren.
Lan erschien im Wald vor ihnen. Er kehrte von einem seiner Erkundungsritte zurück. Er straffte die Zügel und ließ sein Pferd langsam neben Moiraines Pferd herschreiten, während er den Kopf zu Moiraine hinüberneigte.
Rand schnitt eine Grimasse, aber er stellte keine Frage. Lan weigerte sich gewöhnlich, Fragen, die man ihm stellte, zu beantworten.
Von den anderen schien nur Egwene Lans Rückkehr bemerkt zu haben, und sie hielt sich mit Fragen ebenfalls zurück. Die Aes Sedai verhielt sich Egwene gegenüber vielleicht so, als sei das Mädchen für die Emondsfelder verantwortlich, doch wenn der Behüter seine Berichte ablieferte, hatte Egwene nichts zu sagen. Perrin trug Mats Bogen. Auch ihn umgab dieses gedankenschwere Schweigen, das sie alle mehr und mehr packte, je weiter sie sich von den Zwei Flüssen entfernten. Die langsame Gangart der Pferde gestattete es Mat, vor den kritischen Augen Thom Merrilins mit drei kleinen Steinen zu jonglieren. Denn der Gaukler hatte sie jeden Abend unterrichtet, genau wie Lan.
Lan beendete seinen Bericht, und Moiraine drehte sich im Sattel um und sah die hinter ihr Reitenden an. Rand bemühte sich, sich nicht zu verkrampfen, als ihr Blick über ihn glitt. Sah sie ihn einen Moment länger an als die anderen? Er wurde das unangenehme Gefühl nicht los, daß sie wußte, wer sie in der Dunkelheit jener Nacht belauscht hatte.
»He, Rand!« rief Mat. »Ich kann mit vieren jonglieren!« Rand winkte ihm zur Antwort zu, ohne sich umzudrehen. »Ich habe dir gesagt, daß ich noch vor dir vier schaffe. Ich — schau!«
Sie hatten die Spitze eines niedrigen Hügels erreicht, und unter ihnen, kaum eine Meile weit entfernt, hinter kahlen Bäumen und länger werdenden Schatten, lag Baerlon. Rand schnappte nach Luft, als er versuchte, zur gleichen Zeit zu lächeln und mit offenem Mund zu starren.
Eine Palisadenwand, beinahe drei Spannen hoch, umgab die Stadt. Hölzerne Wachtürme waren entlang der Palisade verteilt. Drinnen glitzerten mit Ziegeln und Platten gedeckte Dächer im Licht der sinkenden Sonne, und aus den Schornsteinen trieben federleichte Rauchwölkchen empor. Es waren Hunderte von Schornsteinen. Kein strohgedecktes Dach war zu sehen. Eine breite Straße führte nach Osten aus der Stadt hinaus und eine zweite nach Westen. Auf jeder waren zumindest ein Dutzend Wagen und doppelt so viele Ochsenkarren zu sehen, die auf die Palisade zu rollten. Um die Stadt herum verstreut lagen Bauernhöfe; die meisten im Norden, während nur wenige im Süden den Wald unterbrachen. Es ist größer als Emondsfeld und Wachhügel und Devenritt zusammen! Und vielleicht auch noch Taren-Fähre dazu.
»Das ist also eine Stadt«, hauchte Mat und beugte sich über den Hals seines Pferdes nach vorn, um genauer hinsehen zu können.
Perrin konnte nur den Kopf schütteln. »Wie können so viele Leute in einem Ort wohnen?«
Egwene blickte stumm hinüber. Thom Merrilin sah Mat an, rollte mit den Augen und pustete seine Schnurrbartenden hoch. »Stadt!« schnaubte er.
»Und du, Rand?« fragte Moiraine. »Was hältst du auf den ersten Blick von Baerlon?«
»Ich glaube, es ist ziemlich weit von zu Hause entfernt«, sagte er langsam, was ihm ein hartes Lachen von Mat einbrachte.
»Ihr müßt noch viel weiter gehen«, sagte Moiraine. »Viel weiter. Aber ihr habt keine andere Wahl, außer ihr wollt wegrennen und euch verstecken und wieder wegrennen, und das für den Rest eures Lebens. Und es würde ein kurzes Leben sein. Daran müßt ihr euch erinnern, wenn die Reise beschwerlich wird. Ihr habt keine andere Wahl.«
Rand, Mat und Perrin sahen sich an. Den Gesichtern der anderen nach zu schließen, dachten sie dasselbe wie Rand. Wie konnte sie so tun, als hätten sie je eine Wahl gehabt, nach allem, was sie vorher schon gesagt hatte? Die Aes Sedai hatte für sie entschieden.
Moiraine fuhr fort, als sei ihr nicht klar, was sie dachten. »Die Gefahr beginnt hier erneut. Seid vorsichtig, was ihr innerhalb dieser Mauern sagt. Und was am wichtigsten ist: Erwähnt keine Trollocs oder Halbmenschen und ähnliches. Ihr dürft nicht einmal an den Dunklen König denken. Einige Leute in Baerlon mögen die Aes Sedai noch weniger als die Emondsfelder, und es könnte dort sogar Schattenfreunde geben.« Egwene schnappte nach Luft, und Perrin fluchte vor sich hin. Mats Gesicht wurde blaß, doch Moiraine fuhr ganz ruhig fort. »Wir dürfen so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen.« Lan tauschte seinen zwischen Grau und Grüntönen wechselnden Umhang gegen einen normalen braunen aus, der allerdings ebenfalls sehr fein geschnitten und gewebt war. Sein farbverändernder Umhang verursachte eine dicke Beule in eine seiner Satteltaschen. »Hier verwenden wir unsere eigenen Namen nicht«, eröffnete ihnen Moiraine. »Man kennt mich hier als Alys, und Lan ist Andra. Merkt euch das. Gut. Wir sollten uns noch vor Anbruch der Nacht zwischen diesen Mauern befinden. Die Tore von Baerlon werden von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlossen.«