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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Oder einem ganz anderen Zweck...

Torian verscheuchte den Gedanken und konzentrierte sich wieder auf das Wenige, was ihm der Zauber des Tempels zu erkennen erlaubte.

Vereinzelt entdeckte er Menschen, doch obwohl die Entfernung nicht besonders groß war, blieben sie undeutliche Schemen, so daß er nicht feststellen konnte, ob es sich um Priester, Krieger oder sonstige Diener der Schwarzen handelte. Auch die Pflanzen, die hier und da auf kleinen Terrassen oder bizarr geformten Balkonen wuchsen, kamen ihm fremd vor, genauso unwirklich und falsch wie alles andere.

Nach einigen Minuten wandte er abrupt den Kopf und ging in die Höhle zurück. Unruhig schritt er unter dem gewaltigen Felsendom auf und ab und trat nach kurzer Zeit doch wieder auf die Plattform hinaus. Es war absurd: Auf der einen Seite erschien ihm allein der Gedanke, in den Tempel einzudringen, immer noch unvorstellbar ganz davon zu schweigen, Shyleen zu finden, sie zu befreien und mit ihr zu fliehen und bei alledem möglichst auch noch am Leben zu bleiben – und gleichzeitig fühlte er sich fast hypnotisch angezogen von diesem schwarzen Lavakoloß dort unten.

Torian fühlte sich hilflos. Der Anblick dieses finsteren Etwas machte ihm angst, und das auch aus ganz praktischen Gründen. Es war unmöglich, etwas zu planen, sich ihr weiteres Vorgehen irgendwie zurechtzulegen. Hätten sie es mit einem einfachen, offenen Tempelgebäude zu tun, wie es sie in Tremon zu Hunderten gab, hätte er keine Sekunde daran gezweifelt, es erstürmen zu können. Garth und er waren keine Anfänger. Selbst eine schwerbewachte Festung hätte ihn nicht so verunsichert wie dieses... Ding. Er hätte sich fast wohler gefühlt, hätten sie sich einer solchen gegenübergesehen. Festungen wurden von Menschen erbaut und von Menschen bewacht, und Menschen konnte man überlisten.

Hier aber versagte seine Erfahrung. Sie konnten gegen die Krieger und Priester kämpfen, aber nicht gegen die Macht der finsteren vorzeitlichen Götter, deren Magie bis hier herauf spürbar war. Das steinerne Monument war mehr als nur eine sonderbar geformte, tote Ansammlung von verschachtelten Gebäuden; weit mehr. Die Vergangenheit war an diesem Ort nicht tot, sondern hatte die Jahrtausende überdauert. Etwas von ihrer früheren Macht existierte in diesen Mauern weiter und erfüllte sie mit einer unbegreiflichen Form von... Leben?

Wenn sie in den Tempel eindrangen, hatten sie es nicht mehr nur mit menschlichen Gegnern zu tun; vielleicht überhaupt nicht. Ihr eigentlicher Gegner war das Erbe der Vergangenheit, das zu Stein erstarrte Böse, das ihre Anwesenheit entdecken und sich mit den ihm eigenen, unbegreiflichen Waffen gegen sie zur Wehr setzen würde.

Torian lächelte bitter, als er begriff, daß er schon längst angefangen hatte, über Magie und Zauberei als real existierende Dinge nachzudenken. Er leugnete beides noch immer, theoretisch jedenfalls. Aber spielte es eine Rolle, ob es nun wirkliche Zauberei war, die sie umbrachte, oder nur etwas, das mächtig und fremd genug war, dafür gehalten zu werden? Er glaubte jetzt zu verstehen, was die Macht der Schwarzen Magier und der anderen Diener Ch’tuons ausmachte. Sie waren vielleicht keine wirklichen Zauberer, und ihre einzige Kunst hieß möglicherweise Betrug und Illusion, aber sie beherrschten diese Kunst meisterhaft. Ihre Waffen waren nicht Schwert und Bogen, sondern Angst und Terror, und sie führten sie so meisterhaft wie er selbst sein Schwert.

Nur sehr viel gnadenloser.

Der Gott der Priester und Schwarzen Magier war nicht tot, zumindest nicht innerhalb dieses Tals. Er mochte sich von der übrigen Welt abgewendet und seine Macht verloren haben, aber er war längst nicht besiegt.

Länger als zwei Stunden stand er da und starrte in das Tal hinab, bis die Schatten endlich länger zu werden begannen, und die Sonne sank; viel früher als über der flachen Weite der Wüste. Es wurde rasch kühler, und Torian fror in seinem dünnen Umhang, denn der Wind war schneidend hier oben. Trotzdem wartete er noch eine Weile, bis er sich umwandte und in die Grotte zurückging. Garth brauchte jede Minute Ruhe, die er ihm gönnen konnte. Und er selbst geizte plötzlich mit jeder Sekunde, die er den Moment noch hinauszögern konnte, in dem sie aufbrachen.

Er bückte sich, schüttelte Garth grob an der Schulter und trat einen Schritt zurück, als der Dieb im Halbschlaf nach ihm schlug; wie nach einer Fliege, die er verscheuchen wollte.

»Es ist soweit«, sagte er knapp.

Garth blinzelte schlaftrunken zu ihm hinauf, dann schien er schlagartig wach zu werden. Ohne ein weiteres Wort stand er auf. Er reckte sich ausgiebig, hob Schwertgurt und Mantel auf, legte beides mit umständlichen, übertrieben langsamen Bewegungen an und nickte Torian zu. »Gehen wir.«

Torian hatte das Gefühl, noch etwas sagen zu müssen; aber dann erwiderte er nur stumm Garth’ Kopfnicken, hob sein eigenes Schwert auf und folgte dem Dieb.

Die Sonne war vollends untergegangen, als sie nebeneinander auf das Plateau hinaustraten. Trotzdem war es nicht vollkommen dunkel – Mond und Sterne spendeten genug Licht, daß sie zumindest ihre unmittelbare Umgebung erkennen konnten, während sie selbst in ihrer dunklen Kleidung so gut wie unsichtbar sein mußten. Wenigstens ein kleiner Vorteil, dachte Torian. Aber nicht einmal dessen war er sich wirklich sicher.

Torian ging voraus. Der Felssims war schmal, gerade breit genug, um mit den Füßen halbwegs sicheren Halt zu finden. Bei jedem Schritt tastete er den Boden vor sich mit den Fußspitzen ab. Immer wieder lagen kleine Steinchen im Weg, zu klein, um sie zu sehen, aber immerhin groß genug, ihn stolpern zu lassen, wenn er nicht achtgab. Ein einziger Fehltritt, und ihr Angriff auf den Tempel des Toten Gottes würde schneller zu Ende sein, als es ihnen lieb war... Dicht an die Felswand gepreßt und sich mit den Fingern an jedem Vorsprung festklammernd, balancierten sie über den Sims. Sie kamen nur langsam voran, und es war eine sehr kräftezehrende Art und Weise, sich zu bewegen. Torian war schon nach wenigen Augenblicken in Schweiß gebadet, und Garth’ Atemzüge hinter ihm klangen jetzt mühsamer und lauter. Er vermied es, in den Abgrund aus brodelnder Dunkelheit neben sich zu blicken. Er wußte, daß der Abgrund da war, und allein das war eigentlich schon mehr, als er wollte.

Mit quälender Langsamkeit näherten sie sich dem Tempelkomplex. In den meisten Gebäuden brannte mittlerweile Licht, und Torian sah jetzt, daß das Gebäude wirklich einem überdimensionalen Totenschädel nachgebildet war. Der Teil, in dem er bei Tageslicht die leeren Augenhöhlen zu erkennen geglaubt hatte, war besonders hell erleuchtet, so daß die Augen in dämonischem Feuer zu glühen schienen; die anderen Lichter dienten dazu, die Konturen der Fratze nachzuzeichnen. Unter normalen Umständen hätte er den Anblick schlichtweg lächerlich gefunden. Aber nichts in diesem entsetzlichen Tal war irgendwie normal. Und...

Er spürte, daß etwas geschah, aber er begriff nicht, was. Und als er es begriff, war es zu spät. Etwas Unsichtbares, Großes löste sich aus dem steinernen Labyrinth des Tempelkomplexes und flatterte zu ihnen herauf.

Sein Denken erlosch.

Es ging nicht schlagartig, sondern langsam, als sauge etwas seine Gedanken auf, um an ihrer Stelle nur Leere und ein fast angenehmes Gefühl der Taubheit zu hinterlassen. Und dann...

Die Felswand begann sich in irrsinnigem Tempo um ihn herum zu drehen. Gewaltige schwarze Pranken zuckten aus dem Gestein und schlugen auf ihn ein, um ihn in den Abgrund zu stoßen. Torian schrie auf. Mit aller Kraft krallte er sich an den Felsen und schloß die Augen. Er fiel.

Aber er schlug nicht auf.

Und im nächsten Moment war alles ganz anders. Vage durchfuhr ihn die Erinnerung an lotrecht abfallende Felswände und ein Tal, aber die Vision verschwand so schnell, wie sie gekommen war. Er befand sich auf einer sommerlichen Blumenwiese. Neben seinen Füßen plätscherte ein kristallklarer Bach, und er bückte sich, um seine Hände in das kühle Wasser zu tauchen. Tiefer und tiefer beugte er sich hinunter. Von irgendwoher drangen unverständliche Laute an sein Ohr, doch er ignorierte sie. Alles, was er noch wollte, war, von diesem köstlichen Wasser zu trinken. Er mußte davon trinken. Sein Leben hing davon ab.

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