Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ma chère Claire!«, rief sie aus und kaperte mich gnadenlos von Herrn Gerstmann. »Ihr kommt gerade rechtzeitig! Kommt, Ihr müsst für mich mit diesem dummen englischen Kind sprechen.«
Das »dumme englische Kind« war tatsächlich noch sehr jung; ein Mädchen, das nicht älter als fünfzehn war, mit dunklen, glänzenden Löckchen und Wangen, die vor Verlegenheit so rot waren, dass sie mich an eine Mohnblume erinnerte. Es waren dann auch ihre Wangen, die mich darauf brachten, wer sie war; das Mädchen, das ich im Garten von Versailles erspäht hatte, just vor Alexander Randalls bestürzendem Auftauchen.
»Madame Fraser ist ebenfalls Engländerin«, erklärte Louise dem Mädchen. »Sie wird Euch helfen, Euch zu Hause zu fühlen. Sie ist schüchtern«, erklärte Louise an mich gewandt, ohne auch nur Luft zu holen. »Sprecht mit ihr; überredet sie, mit uns zu singen. Man sagt mir, dass sie eine wundervolle Stimme hat. Nun denn, mes enfants, amüsiert euch gut!« Und mit einem wohlwollenden Schulterklopfen war sie fort, um am anderen Ende des Zimmers das Geschehen zu organisieren, lautstark das Kleid einer Nachzüglerin zu bewundern, den übergewichtigen jungen Mann zu tätscheln, der am Cembalo saß, und sich seine Löckchen um den Finger zu wickeln, während sie mit dem Duc di Castellotti sprach.
»Man wird schon müde, wenn man ihr nur zusieht, nicht wahr?«, sagte ich auf Englisch und lächelte dem Mädchen zu. Ein winziges Lächeln erschien auf ihren Lippen, und sie nickte kurz, sagte aber nichts. Ich vermutete, dass das alles sehr überwältigend für sie war; selbst mir wurde schwindelig von Louises Empfängen, und das kleine Mohnblumenmädchen musste ja fast noch die Schulbank drücken.
»Ich bin Claire Fraser«, sagte ich, »aber Louise hat ganz vergessen, mir Euren Namen zu sagen.« Ich hielt einladend inne, und wieder nickte sie kurz, antwortete aber nicht. Ihr Gesicht wurde röter und röter, und sie hatte die Lippen fest aufeinandergepresst und hielt die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt. Ich war ein wenig alarmiert über ihr Verhalten, doch schließlich rang sie sich zum Sprechen durch. Sie holte tief Luft und hob das Kinn wie ein Mensch, der im Begriff ist, auf das Schafott zu steigen.
»M-M-Mein-Name ist … M–M–M«, begann sie, und sofort verstand ich sowohl ihr Schweigen als auch ihre gequälte Schüchternheit. Sie schloss die Augen und biss sich heftig auf die Unterlippe, dann öffnete sie die Augen und versuchte es tapfer erneut. »M–M–Mary Hawkins«, brachte sie schließlich heraus. »Ich s-s-singe nicht«, fügte sie trotzig hinzu.
Mochte ich sie vorher interessant gefunden haben, so war ich jetzt fasziniert. Dies war also Silas Hawkins’ Nichte, die Tochter des Baronets, der es bestimmt war, die Verlobte des Vicomte Marigny zu werden! Eine beträchtliche Last männlicher Erwartungen für so ein junges Mädchen. Ich blickte mich nach dem Vicomte um, stellte aber erleichtert fest, dass er nicht zu sehen war.
»Keine Sorge«, sagte ich und stellte mich vor sie hin, um sie von der wogenden Menschenmenge abzuschirmen, die jetzt das Musikzimmer füllte. »Ihr braucht nicht zu reden, wenn Ihr nicht möchtet. Obwohl Ihr vielleicht doch versuchen solltet zu singen«, sagte ich, weil mir ein Gedanke kam. »Ich habe einmal einen Arzt gekannt, der darauf spezialisiert war, Stotterer zu behandeln; er hat gesagt, Menschen, die stottern, tun es nicht, wenn sie singen.«
Mary Hawkins bekam vor Erstaunen große Augen. Ich sah mich um und erspähte einen Alkoven, hinter dessen Vorhang sich eine gemütliche Bank verbarg.
»Hier«, sagte ich und nahm sie bei der Hand. »Hier könnt Ihr sitzen, dann braucht Ihr mit niemandem zu reden. Wenn Ihr singen möchtet, könnt Ihr herauskommen, wenn wir anfangen; wenn nicht, bleibt einfach dort, bis der Empfang vorüber ist.« Sie starrte mich eine Minute an, dann schenkte sie mir plötzlich ein blendendes Lächeln der Dankbarkeit und duckte sich in den Alkoven davon.
Ich blieb davor stehen, um zu verhindern, dass vorwitzige Dienstboten sie in ihrem Versteck fanden, und plauderte mit Passanten.
»Wie hübsch Ihr heute Abend ausseht, ma chère!« Es war Madame de Ramage, eine der Hofdamen der Königin – eine ältere, ehrwürdige Dame, die ein paar Mal zum Essen an der Rue Tremoulins gewesen war. Sie umarmte mich herzlich, dann wandte sie den Kopf, um sich zu vergewissern, dass wir unbeobachtet waren.
»Ich hatte gehofft, Euch hier zu sehen, meine Liebe«, sagte sie, während sie sich etwas dichter zu mir herüberbeugte und die Stimme senkte. »Ich wollte Euch raten, in Bezug auf den Comte St. Germain vorsichtig zu sein.«
Halb in ihre Blickrichtung gewandt, sah ich den Mann mit dem hageren Gesicht, den ich von den Docks in Le Havre kannte und der jetzt mit einer jüngeren, elegant gekleideten Frau am Arm das Musikzimmer betrat. Anscheinend hatte er mich nicht gesehen, und ich wandte mich hastig wieder Madame de Ramage zu.
»Was … hat er … ich meine …« Ich konnte spüren, wie ich noch tiefer errötete, aufgeschreckt durch das Erscheinen des sinistren Comte.
»Nun ja, er wurde dabei gehört, wie er von Euch gesprochen hat«, half mir Madame Ramage freundlich aus meiner Verwirrung. »Wie ich es verstehe, gab es in Le Havre ein kleines Problem?«
»Etwas in der Art«, sagte ich. »Alles, was ich getan habe, war, einen Fall von Pocken zu identifizieren, doch das führte zur Zerstörung seines Schiffs, und … er war nicht begeistert darüber«, schloss ich schwach.
»Ah, das war es also«, sagte Madame de Ramage mit zufriedener Miene. Die Geschichte sozusagen aus erster Hand zu kennen, bedeutete wahrscheinlich einen Vorteil beim Handel mit Gerüchten und Informationen, die die Währung des Pariser Gesellschaftslebens war.
»Er hat überall verbreitet, dass er Euch für eine Hexe hält«, sagte sie lächelnd und winkte einer Freundin am anderen Ende des Zimmers zu. »Eine schöne Geschichte! Oh, niemand glaubt sie«, versicherte sie mir. »Jeder weiß, dass, wenn hier jemand in solche Dinge verwickelt ist, es der Comte selber ist.«
»Tatsächlich?« Ich hätte sie gern gefragt, was genau sie damit meinte, doch just in diesem Moment tauchte Herr Gerstmann auf und klatschte in die Hände, als verscheuchte er eine Hühnerschar.
»Kommt, kommt, Mesdames!«, sagte er. »Wir sind vollzählig; der Gesang beginnt!«
Während sich der Chor hastig um das Cembalo sammelte, blickte ich noch einmal auf den Alkoven zurück, wo ich Mary Hawkins zurückgelassen hatte. Ich meinte, den Vorhang zucken zu sehen, doch ich war mir nicht sicher. Und als die Musik begann und sich die vereinten Stimmen erhoben, meinte ich, einen klaren, hohen Sopran aus der Richtung des Alkovens zu hören – doch auch da war ich mir nicht sicher.
»Sehr schön, Sassenach«, sagte Jamie, als ich wieder zu ihm stieß, vom Singen errötet und atemlos. Er grinste auf mich hinunter und klopfte mir auf die Schulter.
»Woher willst du das wissen?«, sagte ich und ließ mir von einem vorübergehenden Bediensteten ein Glas Punsch reichen. »Du kannst doch ein Lied gar nicht vom anderen unterscheiden.«
»Nun, auf jeden Fall warst du laut«, sagte er ungerührt. »Ich konnte jedes Wort hören.« Ich spürte, wie er neben mir sacht erstarrte, und drehte mich, um zu sehen, worauf – oder auf wen – sein Blick gefallen war.
Die Frau, die gerade eingetreten war, war so winzig, dass sie Jamie kaum bis zum Rippenbogen reichte; sie hatte Hände und Füße wie ein Püppchen und Augenbrauen wie geflochtenes Porzellan über tiefschwarzen Schlehenaugen. Sie näherte sich mit Schritten, die ihre eigene Leichtigkeit zu verspotten schienen, als tanzte sie ganz knapp über dem Boden daher.
»Da ist ja Annalise de Marillac«, sagte ich bewundernd. »Sieht sie nicht bezaubernd aus?«
»Oh, aye.« Etwas an seiner Stimme ließ mich scharf aufblicken. Die Oberkanten seiner Ohren waren in einen Hauch von Röte getaucht.