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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Es ist Zeit zum Aufbruch«, sagte Moiraine. Sie wandte sich Aldieb zu, und Rand schauderte erleichtert, als sei er einer Falle entkommen. Er fragte sich, ob er wirklich entkommen war.

Zwei Nächte später, als das Feuer schon verglimmte, leckte sich Mat die letzten Krümel Käse von den Fingern und sagte:

»Wißt ihr, ich glaube, wir haben sie endgültig abgeschüttelt.« Lan war in die Nacht hinausgegangen, um sich ein letztes Mal umzusehen. Moiraine und Egwene hatten sich zu einer ihrer Unterhaltungen zurückgezogen. Thom döste mit der Pfeife im Mund vor sich hin, und die jungen Männer hatten das Feuer ganz für sich allein.

Perrin stocherte gelangweilt mit einem Stock in der Glut herum und antwortete: »Wenn wir sie los sind, warum sucht Lan dann immer noch die Gegend ab?« Rand fielen schon fast die Augen zu. Er lag am Boden und drehte sich um, den Rücken dem Feuer zugewandt. »Wir haben sie an der Taren-Fähre abgehängt.« Mat legte sich zurück, verschränkte die Finger hinter dem Kopf und blickte zum monderhellten Himmel auf. »Falls sie wirklich uns gesucht haben.«

»Glaubst du, der Draghkar hat uns gejagt, weil wir ihm gefielen?« fragte Perrin.

»Wenn ihr mich fragt, hört auf, euch über Trollocs und ähnliches Gelichter Gedanken zu machen«, fuhr Mat fort, als habe Perrin nichts gesagt, »und fangt an, euch darauf zu freuen, die Welt sehen zu können. Wir sind jetzt dort draußen, wo die Geschichten herkommen. Was glaubt ihr — wie sieht eine richtige Stadt aus?«

»Wir reiten nach Baerlon«, sagte Rand schläfrig, aber Mat schnaubte nur.

»Baerlon ist schön und gut, aber ich habe die alte Karte von Meister al'Vere gesehen. Wenn wir Caemlyn erreichen und uns dann nach Süden wenden, führt uns die Straße nach Illian und noch weiter.«

»Was ist so besonders an Illian?« fragte Perrin gähnend.

»Zum einen«, antwortete Mat, »ist Illian nicht voll von Aes Se... «

Er schwieg, und Rand war plötzlich hellwach. Moiraine war zu früh zurückgekehrt. Egwene war bei ihr, aber alle Aufmerksamkeit galt der Aes Sedai, die am Rande des Feuerscheins zu sehen war. Mat lag auf dem Rücken, den Mund noch geöffnet, und glotzte sie an. Moiraines Augen spiegelten das Licht wie zwei dunkle glattpolierte Steine wider. Plötzlich fragte sich Rand, wie lange sie wohl schon dagestanden hatte.

»Die Jungen haben gerade...«, begann Thom, doch Moiraine fiel ihm ins Wort.

»Ein paar Tage Pause, und ihr seid bereit aufzugeben.« Ihre ruhige, gleichmäßige Stimme stand im scharfen Widerspruch zu ihren Augen. »Ein, zwei Tage Ruhe, und schon habt ihr die Winternacht vergessen.«

»Wir haben sie nicht vergessen«, sagte Perrin. »Es ist nur... « Sie erhob die Stimme immer noch nicht, verfuhr mit ihm aber wie mit dem Gaukler.

»Seid ihr alle dieser Meinung? Ihr wollt alle am liebsten nach Illian rennen und die Trollocs, Halbmenschen und Draghkar vergessen?« Sie musterte sie — dieser Steinglanz ihrer Augen und dazu der alltägliche Tonfall ihrer Stimme machten Rand nervös -, aber sie gab niemandem eine Gelegenheit, sich zu äußern. »Der Dunkle König ist hinter euch dreien her, hinter einem oder allen, und wenn ich euch wegrennen lasse, wie ihr wollt, dann bekommt er euch. Was auch immer der Dunkle König will, dem leiste ich Widerstand. Also hört mich an und erkennt die Wahrheit. Bevor ich euch dem Dunklen König überlasse, töte ich euch lieber.«

Es war ihre so beiläufig klingende Stimme, die Rand überzeugte. Die Aes Sedai würde genau das tun, was sie sagte, falls es sich als notwendig erwiese. Diese Nacht hatte er Schwierigkeiten, überhaupt zu schlafen, und er war nicht der einzige. Selbst der Gaukler begann erst zu schnarchen, als die letzten Kohlen schon lange verglüht waren. Ausnahmsweise bot ihnen Moiraine keine Hilfe an.

Diese abendlichen Gespräche Egwenes mit der Aes Sedai waren Rand ein Dorn im Auge. Immer wenn sie in der Dunkelheit verschwanden, sich von den anderen wegbegaben, um Ruhe vor ihnen zu haben, fragte er sich, worüber sie wohl sprachen und was sie taten. Was tat die Aes Sedai Egwene an?

Eines Nachts wartete er, bis sich die anderen alle zur Ruhe begeben hatten. Thom schnarchte, als wolle er eine Eiche fällen. Dann schlüpfte Rand davon, die Decke um sich gewickelt. Er wandte alle seine Erfahrungen im Auflauern von Kaninchen an. Er bewegte sich mit den Mondschatten, bis er am Fuß eines großen Lederblattbaums kauerte, der viele zähe, breite Blätter aufwies. Er war nah genug, um Moiraine und Egwene zu verstehen, die mit einer kleinen Laterne auf einem umgestürzten Baumstamm saßen.

»Frag«, sagte Moiraine gerade, »und wenn ich dir darauf antworten kann, werde ich es tun. Begreif aber, daß vieles für dich noch zu früh kommt, Dinge, die du nicht lernen kannst, bevor du nicht andere Dinge gelernt hast, die wiederum weitere Vorkenntnisse erfordern. Aber frag, was du willst.«

»Die Fünf Mächte«, sagte Egwene langsam, »Erde, Wind, Feuer, Wasser und Geist. Es scheint mir nicht gerecht, daß Männer Erde und Feuer am besten beherrschten. Warum sollten gerade sie die stärksten der Mächte für sich haben?«

Moiraine lachte. »Glaubst du das, Kind? Gibt es einen Felsen, der so hart ist, daß Wind und Wasser ihn nicht abtragen können, ein so starkes Feuer, daß es nicht mit Wasser gelöscht oder vom Wind ausgeblasen werden kann?«

Egwene schwieg eine Weile und bohrte mit dem Zeh im Waldboden. »Sie... sie waren diejenigen, welche... die versuchten, den Dunklen König und die Verlorenen zu befreien, nicht wahr? Die männlichen Aes Sedai?« Sie holte tief Luft und sprach schneller. »Die Frauen hatten nichts damit zu tun. Die Männer wurden wahnsinnig und zerstörten die Welt.«

»Du hast Angst«, sagte Moiraine ernst. »Wenn du in Emondsfeld geblieben wärst, wärst du nach einer Weile Seherin. Das war Nynaeves Plan, nicht wahr? Oder du hättest im Frauenzirkel gesessen und die Geschicke von Emondsfeld gelenkt, während der Gemeinderat dächte, er leite das Ganze. Und doch hast du das Unglaubliche getan.

Du hast Emondsfeld und die Zwei Flüsse verlassen auf der Suche nach Abenteuern. Du wolltest es, und gleichzeitig hast du Angst davor. Und du weigerst dich ganz entschieden, deiner Angst nachzugeben. Sonst hättest du mich nicht gefragt, wie eine Frau eine Aes Sedai werden kann. Du hättest eure Sitten und Gebräuche sonst nicht über Bord geworfen.«

»Nein«, protestierte Egwene, »ich habe keine Angst. Ich will eine Aes Sedai werden.«

»Besser für dich, wenn du Angst hättest, aber ich hoffe, du bleibst bei deiner Überzeugung. Wenige Frauen nur haben heutzutage die Fähigkeiten, Geweihte zu werden, und noch viel weniger wollen es.« Moiraines Stimme klang, als führe sie ein gedankenverlorenes Selbstgespräch. »Sicher waren es noch nie zuvor gleich zwei in einem Dorf. Das alte Blut fließt tatsächlich noch sehr stark im Land der Zwei Flüsse.«

Rand verlagerte sein Gewicht im Schatten, wo er kauerte. Ein Ästchen zerbrach unter seinem Fuß. Er erstarrte und hielt die Luft an. Er schwitzte, doch keine der beiden Frauen sah sich um.

»Zwei?« rief Egwene. »Wer denn noch? Ist es Kari? Kari Thane? Lara Ayellan?«

Moiraine schnalzte verärgert mit der Zunge und sagte dann ernst: »Du mußt vergessen, daß ich das gesagt habe. Ich fürchte, ihre Straße verläuft in einer anderen Richtung. Konzentrier dich auf deine eigenen Angelegenheiten. Es ist kein leichter Weg, den du erwählt hast.«

»Ich werde nicht umkehren«, sagte Egwene.

»Wie du meinst. Aber du suchst immer noch Rückendeckung, und die kann ich dir nicht geben, jedenfalls nicht so, wie du es willst.«

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