Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Mehrere Minuten lang blieb er reglos stehen und ließ seinen Blick über die Vorsprünge und Kanten der zernarbten Wände gleiten. Er war fast sicher, daß diese Höhle genauso künstlich angelegt war wie der Stollen, durch den sie gekommen waren. Der Gedanke, daß irgend jemand in der Lage wäre, dem Berg eine solche Höhle abzutrotzen, erfüllte ihn mit fast panischer Angst.
»Da hinten scheint so etwas wie ein Ausgang zu sein«, sagte Garth ungeduldig. Er deutete auf ein helles Oval am gegenüberliegenden Ende der Grotte. Die Fackel hatte er gelöscht.
Torian schüttelte seine Lähmung mühsam ab. Ihre Schritte hallten hohl von den Wänden und dem Kuppeldach wider, während sie die Höhle durchquerten. Voller Unbehagen sah er sich um. Er dachte jetzt nicht mehr an schwarze Würmer. Vielleicht war das, was diese Höhle in den Fels gebohrt (gefressen ?) hatte, schlimmer. Garth hatte sich nicht geirrt – der helle Fleck entpuppte sich als ein von Wind und Regen glattgeschmirgelter Torbogen, der aus dem Berg hinausführte. Dahinter lag eine kleine Plattform, gerade groß genug, daß sie zu zweit darauf stehen konnten.
Geblendet schloß Torian die Augen, als sie ins helle Sonnenlicht hinaustraten. Es dauerte eine Weile, bis sich seine Augen wieder umgestellt hatten.
Ein großer, rundum von Bergen eingeschlossener Talkessel mit fruchtbaren Wiesen und kleinen Waldflecken breitete sich unter ihnen aus, durch das silberne Band eines Flusses in zwei ungleichmäßige Hälften geteilt. Die Luft war still und warm. Irgendwo lärmten Vögel. Das Bild war sehr friedlich. Und doch...
Torian trat näher an die Kante der kleinen Felsplattform heran und warf einen Blick in die Tiefe.
Und plötzlich stockte ihm der Atem.
Unter ihnen lag das Ziel ihrer bizarren Wanderung: Der Tempel. Jedenfalls vermutete Torian, daß es sich bei dem monströsen Gebilde, das wie ein wucherndes Geschwür aus Stein aus dem Berg herauswuchs, um den Tempel handelte, eine schier unmöglich anmutende Konstruktion aus ineinander verschachtelten Gebäuden, Plattformen, verschlungenen Wegen, gepflasterten Plätzen, kleinen Gärten und gedrungenen, niedrigen Türmen, als hätte ein zorniger Riese auf die Felswand eingeschlagen, den Stein wie weichen Lehm geknetet, ihn zusammengestaucht und wieder auseinandergerissen, bis dieses bizarre Gebilde entstanden war.
Der Anblick erinnerte Torian an eine Grimasse, ein Dämonengesicht aus Fels, hundert Mannslängen hoch und aus Schwärze und geronnener Furcht geschaffen.
Vielleicht war es nicht einmal ein Zufall, daß die Form dieses entsetzlichen Bauwerkes wirklich an einen Totenschädel erinnerte. Der Tempel des Toten Gottes!
Es konnte keine passendere Bezeichnung für dieses monströse Gebilde geben. Dieser Tempel war das steingewordene Wort eines zornigen Gottes, der noch im Todeskampf die Welt der Lebenden verflucht hatte. Allein sein Anblick erfüllte Torian mit fast körperlichem Unbehagen.
Ohne ein weiteres Wort drehten sie sich um und gingen in den Berg zurück.
Es wurde nicht besser, auch nachdem sie wieder im Schutz der riesigen Grotte waren und er nur noch Garth und die kalten Felswände sah. Torian fühlte sich... benommen. Es dauerte Minuten, bis er wieder klar denken konnte. Etwas tief in seiner Seele war durcheinandergeraten beim Anblick des monströsen Dinges dort unten im Tal. Es fiel Torian schwer, sein inneres Gleichgewicht zurückzugewinnen, und es fiel ihm noch schwerer, den Anblick dieser schwarzen Scheußlichkeit aus Lava und Angst zu vergessen. Seine Gedanken bewegten sich im Kreis. Es war, als hätte der bloße Anblick dieses entsetzlichen Tempels etwas in ihm berührt, von dem er bisher noch gar nicht gewußt hatte, daß es existierte.
»Du hast es auch gespürt, nicht wahr?« fragte Garth plötzlich. Seine Stimme klang hohl. Die verwirrende Akustik des Felsendomes verzerrte sie und ließ die Furcht darin noch deutlicher werden. Aber als Torian ihn ansah, entdeckte er keine Furcht in seinem Blick. Nur Sorge. Als hätte er schon im voraus gewußt, was sie erwartete, und sich darauf eingestellt.
Torian nickte schwerfällig. »Ja.«
»Und du willst noch immer hinein.« Es war nicht einmal eine Frage, sondern nur eine Feststellung; wenn auch eine, die den Dieb mit tieferem Schrecken erfüllte, als er zuzugeben bereit war. Torian antwortete nicht. Auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubte, auch nur daran zu denken, dieses entsetzliche Etwas dort unten zu betreten – sie waren schon viel zu weit gegangen, um jetzt noch zurück zu können. Es gab auf diesem Weg kein Zurück. Er führte nur in eine Richtung.
»Wir müssen warten, bis es dunkel ist«, fuhr Garth fort, als er begriff, daß er keine Antwort bekommen würde. »Bei Tage haben wir überhaupt keine Chance.«
»Und bei Nacht?« murmelte Torian, allerdings so leise, daß Garth die Worte gar nicht hörte. Und eigentlich wollte er auch gar keine Antwort haben.
Der Tag verstrich nur langsam. Es dauerte nicht lange, bis Torian in einen leichten Schlummer fiel, aus dem Garth ihn erst lange nach Mittag weckte. Trotzdem hatte er das Gefühl, die Augen gerade erst geschlossen zu haben. In seinem Mund war ein trockener Geschmack nach Staub und Stein, und seine Augen brannten. Er fühlte sich müder als zuvor.
Trotzdem protestierte er mit keinem Wort, als Garth sich stumm auf dem Lager zusammenrollte, auf dem er bisher gelegen hatte, und ihm auf diese Weise zu verstehen gab, daß er die nächste Wache zu übernehmen hatte. Torian selbst hielt es für ziemlich sinnlos zu wachen – er glaubte kaum, daß es Patrouillen in diesen Bergen gab; die Gefahren, die vielleicht auf sie lauerten, mochten ganz anderer Art sein. Aber das behielt er lieber für sich. Er stand auf, ging eine Weile unschlüssig in der Grotte auf und ab – immer so, daß er noch in jenem kleinen Bereich natürlicher Helligkeit hinter dem Eingang blieb – trieb ein wenig Gymnastik, um die Taubheit aus seinen Gliedern und die üblen Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben. Es half nicht viel.
Schließlich trat er auf das Felsplateau hinaus und sah nachdenklich in das Tal hinab. Die Sonne war merklich tiefer gesunken, aber sonst hatte sich nichts verändert. Auch jetzt erfüllte ihn der Anblick des Tempels mit einer sonderbaren Mischung aus schierem Entsetzen einerseits und einer fast morbiden Faszination auf der anderen Seite. Aber diesmal war er zumindest auf den Anblick vorbereitet.
Er zwang sich, das bizarre Gebäude genauer in Augenschein zu nehmen.
Wie beim ersten Mal glaubte er etwas Finsteres, eigentlich Unsichtbares wahrzunehmen, das den steinernen Koloß einhüllte wie ein Vorhang aus Schwärze, der – absurd genug – beinahe unsichtbar war, trotzdem aber nachhaltig verhinderte, daß er Einzelheiten erkannte. Es war, dachte er verwirrt, als schlüge eine unsichtbare Hand seinen Blick beiseite, sobald er versuchte, sich auf ein Detail zu konzentrieren. Er nahm nur den Gesamteindruck wahr.
Aber das allein war schon schlimm genug. Die Gebäude mußten uralt sein, älter als alles, was er jemals gesehen hatte. Vielleicht waren sie nicht einmal von Menschen errichtet worden. An einigen Stellen glaubte er, Ähnlichkeiten mit der verworrenen Architektur Radors zu erkennen, dann wieder erschien er ihm völlig anders, mit nichts zu vergleichen, was er kannte. Es war durchaus möglich, dachte er, daß der Tempel schon den Alten – vielleicht sogar Wesen, die Caracon noch vor der Alten Rasse bevölkert hatten – als Opferstätte und als Ort für Gebete gedient hatte.