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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Jetzt erst fiel Scapa auf, dass es ein Moorelf sein musste.

Trotz der Brandnarben konnte man das einstige Gesicht erahnen, und seine Haut war blassgrau und an manchen Stellen seltsam grünlich von den Verbrennungen. Umso erstaunlicher war es, dass er die Sprache der Menschen beherrschte.

»Du wirst gesund«, fuhr der Moorelf mit rauer Stimme fort. »Du hast nur geträumt. Von Arane.«

Es war absurd, ihren Namen – Scapas tiefstes Geheimnis – aus dem Mund dieses Fremden zu hören. »Wer bist du?«, wiederholte Scapa mit festerer Stimme. »Und ich meine nicht nur deinen Namen.«

»Was ist schon ein Name, nicht wahr?«, flüsterte der Fremde verbittert. »Ein Name ist nichts und ein Titel hingegen alles.« Er tippte langsam mit der rechten Hand auf seine Stuhllehne. »Ich war ... ein Berater des Königs. Des wahren Königs der Moorelfen, des rechtmäßigen Trägers der Krone Elrysjar. Ich war sein höchster Seher und Prophet. Und Traumdeuter. Erzähl mir deinen Traum.«

Scapa war sprachlos angesichts der verrückten Behauptung dieses Maferis. Er schwieg, bis der Moorelf fortfuhr: »Ich war ein Seher und jetzt bin ich der Mann, dem du dein Leben zu verdanken hast, Menschenjunge! Reicht dir das als Erklärung?«

Einen Moment lang wusste Scapa nicht, was er erwidern sollte. Hatte ihm der Moorelf wirklich das Leben gerettet?

»Du bist verwirrt«, hob Maferis wieder an, mit Worten, die sich behutsam an Scapa heran zu tasten schienen. »Aber nicht wegen des Fiebers. Du hast etwas Bedeutsames geträumt, nicht wahr? Ich wusste, dass es etwas Bedeutsames sein muss. Ihr alle – du und deine Gefährten – ihr seid bedeutsam.«

Scapa starrte ihn finster an. Er mochte keine Schnüffler, ob sie ihn nun ins warme Haus geholt hatten oder nicht. »Ich kann mich nicht mehr an den Traum erinnern«, log er mit dem drohenden Unterton, der bis jetzt jeden zum Verstummen gebracht hatte. Nicht aber den Moorelf. »Ich glaube, du kannst dich noch an den Namen Arane erinnern.«

Nun reichte es! Scapa fasste instinktiv nach hinten, aber er trug weder den Gürtel, in dem sein Dolch steckte, noch Hemd oder Wams. Maferis schien das verunstaltete Gesicht zu einem dünnen Lächeln zu verziehen, als erkenne er Scapas Absicht.

»Wenn du diesen Namen noch einmal in den Mund nimmst«, zischte Scapa, »werde ich dir die Zunge herausreißen.«

Das Lächeln des Moorelfs verblasste. »Was? Ich ... ich habe dich vor dem Erfrieren bewahrt. Seit zwei Tagen pflege ich dich schon!«

Scapa sah ihn verächtlich an. »Du hast keine Ahnung, wer ich bin. Ich bin der Anführer der gefährlichsten Diebe Kesselstadts – mir gehört die Unterwelt. Man hat mir schon weitaus größere Dienste als zwei Tage Pflege erwiesen, ohne dass ich mich bedanken musste.«

»Und bestimmt hat man dich schon genauso gehasst wie verehrt«, erwiderte Maferis unbeeindruckt.

Ganz leicht lehnte er sich nun zu ihm vor. »Nur dass der Hass sich in deinen Alpträumen und deiner Seele eingenistet hat.«

»Du kennst mich nicht, Moorelf! Niemand kennt mich.«

»Oh doch, ich kenne dich.« Maferis erhob sich gemächlich und wandte sich einer Tür zu, die aus dem Zimmer führte. »Ich kenne Menschen wie dich. Ich kenne Kesselstadt. Menschen wie du sind aus Hass und Armut und Verlust geknetet worden wie feuchter Ton.«

Damit war der seltsame Moorelf hinter der Tür verschwunden. Scapa saß allein in dem fremden Bett. Draußen heulte der Wind.

Die Geschichte von Maferis, dem Seher des Königs, von Maferis, dem Geliebten der Xanye, und schließlich von Maferis, dem Verstoßenen, war eine traurige. Bei den Moorelfen war er schon früh ein verehrter Mann gewesen. Denn was Maferis auszeichnete, war eine Intelligenz, die die der alten Seher bei weitem übertraf. Beobachtete er einen beliebigen Elf, konnte er bis ins kleinste Detail erklären, was für eine Persönlichkeit dieser hatte; welche Ängste, welche Wünsche, welche Gedanken. Und daraus ließ sich für Maferis leicht schließen, wie seine Vergangenheit ausgesehen haben mochte. Er konnte regelrecht einen seelischen Steckbrief verfassen – und das alles nur durch Berechnung. Nur durch Beobachten, Kombinieren und Bewerten von Gesten, Tonfall, Blick. Seine Weissagungen waren eine Mathematik, die auf logischen Regeln basierte. Was Maferis aber nicht besaß, war ein übersinnliches Gespür. Er hatte weder prophetische Träume, noch konnte er aus Opfergaben lesen oder dem Wind ein geheimnisvolles Flüstern abhören, so wie man es von einem Elfendruiden eigentlich erwartete. Maferis’ Klugheit ruhte allein auf den kühlen Säulen des Verstandes.

Mit kühlem Verstand erlernte Maferis die Fähigkeiten der Druiden und Seher, ohne je etwas zu sehen, noch die Geister des Übersinnlichen zu spüren.

Trotzdem galt er bald als der größte Weise der Moorelfen, und er kam zum König, dem Träger der Krone Elrysjar, um ihm sein Wissen zu Diensten zu stellen. Bald bildete sich eine so innige Freundschaft zwischen den jungen Männern, dass der König jedem Rat des Druiden folgte.

Und Maferis, der zwar kein schöner, aber auch kein hässlicher Mann war, konnte mithilfe seines neu erworbenen Standes sogar eine Frau umgarnen: Xanye, die Schwester des Königs, die ihm für seine Ehrerbietung alle Bewunderung zurückgab, derer sie fähig war. Sie war die erste und letzte Elfe, der Maferis seine geheimen Ziele, seinen wahren Ehrgeiz anvertraute.

Denn was er wirklich wollte, das war etwas, das einem Elfenherz vollkommen fremd erschien – etwas, das viel eher einem Menschenverstand entsprungen wäre. Was Maferis wollte, das war die Krone Elrysjar. Und das ganze Elfenvolk, das ihm – ihm allein – huldigte. Je öfter er die schwarze Steinkrone an der Stirn seines Königs erblickte, desto stärker wurde seine Gier, desto brennender zerfraß ihn der Neid.

In einer kalten Herbstnacht verriet er Xanye sein Geheimnis. Er verriet, dass er keine Visionen hatte, dass er eigentlich kein Seher war und dass das, was er dem König erzählte, einzig und allein dem Vorhaben diente, einmal selbst die Krone zu tragen. Er wollte und würde den König so mit Weissagungen verblenden, dass er schließlich ihm, Maferis, die Krone übergab.

Xanye war mit Herz und Seele eine Elfe. Sie wusste, dass die Krone nur von erwählten Königen getragen werden durfte, denn vom guten Wesen des Königs hing das Schicksal aller Elfen ab. Niemals dürfte ein Betrüger die Krone an sich bringen, ob er nun klug war oder nicht, ob sie ihn liebte oder nicht.

Wenn ein Betrüger die Krone durch eine List an sich brächte, das wusste Xanye, dann wäre das Ende der Elfen gekommen. Und sie verriet Maferis an ihren Bruder.

Das war das jähe Ende seiner Ruhmeszeit. Seine Ziele und alles, was ihn im Leben vorangetrieben hatte, wurden mit einem Mal enttarnt und aus dem Dunkel seiner Gedanken gerissen. Als er dem König als Betrüger gegenüberstand, stürzte er auf ihn zu und wollte ihm die Krone vom Kopf reißen, genau so, wie er es schon in unzähligen Träumen getan hatte. Maferis wollte nach der Krone Elrysjar greifen, die sich so verlockend an des anderen Stirn schmiegte ... Da begann seine Haut Feuer zu fangen. Das Feuer des Kronenzaubers, es fraß sich tief in sein Gesicht, verätzte Stück für Stück das letzte Restchen seiner heuchlerischen Maske. Nur die glühende Sehnsucht nach der Krone konnte das Schutzfeuer Elrysjars nicht tilgen.

Verbrannt und entstellt wurde er aus den Reihen der Moorelfen verstoßen. Nach Kesselstadt solle er gehen, rief man ihm nach – zu den Menschen, zu deren Habgier er passte. Aber Maferis zog sich in die Kälte zurück, dorthin, wo er seine Feuernarben zu kühlen hoffte und vielleicht auch seine Machtgier ...

Womöglich war ihm das über die Jahre sogar gelungen, ohne dass er das langsame Sterben seines Inneren bemerkte. Womöglich dürstete ihn nun nicht mehr nach Einfluss und Herrschaft. Er war nur noch erfüllt von dumpfem Hass auf jene, die ihn verlockt und dann verraten hatten: die Krone Elrysjar ... und Xanye.

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