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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Xanye, der er vertraut hatte. Xanye, die ihn zerstört hatte.

Irgendwo in seinem Herzen hatte Maferis Frauen nie gemocht, auch wenn ihn eine von ihnen hatte erweichen können. Waren sie es nicht immer, die die Männer zu Fall brachten? Trugen sie nicht die Schuld daran, dass alle großen Pläne scheiterten? Sie allein, weil sie sich wie listige Schlangen an die Seite eines Mannes schlichen, um ihn heimlich zu vergiften; weil sie die Schwäche eines Mannes offenbarten wie ein Loch im eisernen Kettenhemd? Er wäre der König der Moorelfen geworden, wenn Xanye, die furchtsame, gutgläubige Xanye ihn nicht verraten hätte!

Xanye war schuld daran, dass sein Leben zerstört war und er nichts hatte erschaffen können. Und was hätte er als König alles geschaffen! Er hätte die Moorelfen verändert. Er hätte die Welt verändert. Er hätte die dümmlichen Traditionen begraben, zusammen mit dem Geisterglauben und den überholten Weisheiten! Er hätte etwas Anständiges getan, etwas Logisches, Sachliches.

Zuerst hätte er Städte errichtet, so wie die Menschen es taten. Denn nur in einer Gemeinschaft von Tausenden konnte sich eine richtige Gesellschaft formen, die das primitive Dorfleben, in dem man wie in einer großen Familie lebte, überwand. Nur in einer Stadt konnte es außerdem einen richtigen König geben, einen, der wirklich von Massen verehrt und wie ein Gott hinter verschlossenen Toren unsterblich wurde. Was nützte es schon, König zu sein, wenn man in denselben schmuddeligen Erdlöchern hauste wie jeder andere auch?

Maferis glaubte es am Wandel der Zeiten zu sehen: Nur die Völker überlebten, die sich in einer großen Masse zusammenschlossen, in der alle aufeinander eintrampelten und sich gegenseitig begruben, um nicht im Strom des Lebens zu ertrinken. Das taten die Menschen, und siehe da: Sie waren den Elfen trotz ihrer beschränkten Sinne überlegen und waren dabei, sich die ganze Welt anzueignen. Das taten auch die Ratten, und siehe da: Sie hatten sich in jedem Winkel der Erde angesiedelt, wo es ein bisschen Dreck und Dunkelheit gab. Ihre Art würde die Jahrtausende überstehen. Nur die Elfen, die sich an ihre Traditionen klammerten und freiwillig auf einen Platz in der Welt verzichteten, bloß weil sie das hässlich fanden – sie würden in ihren kleinen Dörfchen untergehen, wenn die Menschen über sie hereinbrachen gleich einer gigantischen Flut. In den vierzehn Jahren der Einsamkeit hatte Maferis dennoch zu glauben begonnen, dass das einstige Verlangen nach der Krone in ihm gestorben war. Es schien, als habe er mit seiner Vergangenheit Frieden geschlossen. Bis jetzt ... Denn in der Nacht war Maferis nicht zufällig in den Schnee hinausgegangen. Er verließ sein Kaminfeuer so selten wie möglich und bestimmt nicht, um irgendwelche fremden Wanderer vor dem Erfrieren zu bewahren. Nein, er hatte es gespürt: die Anwesenheit von etwas, das wie die Krone Elrysjar war. Als ob ein Schatten der Krone in der Nähe wäre. Etwas, das aus demselben Stein geschlagen war wie sie.

Es war verrückt! Jetzt, da er als Verstoßener lebte, hatte Maferis plötzlich seherische Fähigkeiten! Und noch dazu hatten sie sich als wahr erwiesen. Denn die fremden Gefährten, die er in sein Haus gebracht hatte, mussten etwas mit der Krone zu tun haben.

Ganz sicher. Etwas ging von dem Mädchen mit den grünlichen Haaren aus, das Maferis so stark an die Krone erinnerte wie ein alter Duft aus der Vergangenheit.

Aber da war auch der Menschenjunge mit den finsteren Augen – ihn mochte Maferis sofort, denn ganz offensichtlich hausten auch in ihm Hass und Trauer.

Den Jungen musste er im Auge behalten. Ein merkwürdiges Gefühl verriet Maferis, dass der Junge ein bedeutsames Schicksal erfüllen musste. Ein Schicksal, das irgendwie mit der Krone – der herrlichen, magischen, noch immer lockenden Krone – zu tun hatte.

Ein besonderes Schneekorn

Seit drei Tagen gewährte Maferis den Gefährten Unterkunft. Sie teilten sein winziges Hüttchen, das nur drei Zimmer umfasste: eine Küchenstube, ein Schlafzimmer und eine Vorratskammer. In der Vorratskammer, in der Maferis Wolfspelze ausgebreitet hatte, schliefen die Elfenritter, Nill und Bruno. Für Scapa und Fesco, die beide noch genesen mussten, waren zwei Strohpritschen in die Küche gebracht worden, denn hier war ein Kamin, der die Stube in das wärmste Zimmer der Hütte verwandelte.

Trotz des Zusammenlebens auf engstem Raum wusste Nill nach den drei Tagen noch immer nicht mehr über den geheimnisvollen Moorelf, als dass er ein verbranntes Gesicht hatte, sehr lange schon als Verstoßener in der Einsamkeit lebte – denn daraus machte er keinen Hehl – und dass er sehr, sehr wortkarg war. Nill hatte das Gefühl, dass Maferis sie nicht besonders gut leiden konnte. Er starrte sie manchmal finster an, und wenn sie seinen Blick bemerkte, wandte er sich wie gelangweilt ab. Mit Kaveh und den Rittern sprach er gelegentlich in der Elfensprache, aber sein breiter Moorelfenakzent erschwerte es ihnen, sich zu verstehen. Abgesehen davon schien es – jedenfalls aus Maferis’ Sicht – nicht viel zu bereden zu geben. Ihn interessierte nicht sonderlich, was sie in den verschneiten Gebirgen zu suchen hatten, wo ihr Reiseziel lag und weshalb zwei Menschen, vier Freie Elfen, ein Mischlingsmädchen und ein Wildschwein sich zusammentaten.

Erst war Nill sehr misstrauisch und dachte wie die Elfenritter öfters daran, dass Maferis ein Spion sein könnte. Aber er verließ die Hütte nie und schien auch sonst so desinteressiert an der Welt jenseits seines Hauses, dass sich dieser Verdacht rasch erübrigte.

Schließlich glaubte Nill, dass Maferis ihnen allein deshalb half, weil er nichts anderes zu tun hatte. Und wäre sie selbst so einsam gewesen, sie hätte gewiss dasselbe getan.

Um Scapa kümmerte sich Maferis sehr sorgsam.

Er legte ihm kühle Kompressen auf die Stirn, während Scapa in Fieberträumen sprach, und kochte ihm heiße Brühen, als er wieder zu sich kam. Obwohl er auch mit Scapa kaum ein Wort wechselte, schien er den Menschenjungen doch zu mögen – oder wenigstens etwas interessanter zu finden als die anderen.

Nill und die Elfen verbrachten langweilige Stunden in der Vorratskammer, während Fesco und Scapa wieder zu Kräften kamen. Die meiste Zeit über betrachteten sie die Landkarte, verfolgten mit dem Zeigefinger den Weg, der ihnen noch bevorstand, versuchten gegen das Gefühl der Verlorenheit anzukämpfen, das sie beim Betrachten der wirren Tintenstriche überkam, und hingen ihren eigenen Ängsten und Befürchtungen nach.

Was, wenn der Turm des Königs doch nicht bei den Eisenminen an der Küste stand? Was, wenn sie in die vollkommen falsche Richtung aufbrachen? Sie würden ohne Proviant verloren sein in den unendlichen Weiten der Marschen und Sümpfe!

Um einander von den nagenden Sorgen abzulenken, versuchten die Elfen Nill ein paar Wörter in ihrer Sprache beizubringen. »Medaj« – das bedeutete Bruder, Freund oder Schwester – und »Soyel«, was wohlgesonnen oder freundschaftlich hieß, waren einfache Wörter, die Nill sich gut merken konnte und auch nicht schlecht aussprach. Doch die Elfensprache war voller Redewendungen, die nur dann Sinn machten, wenn man mit der gesamten Elfenkultur vertraut war. »Enyersol mobedd arev yen Nir« etwa war ein Segen, der ein langes, gesundes Leben wünschte – aber wörtlich übersetzt bedeutete es nichts anderes als: »Eine gelbe Honigwabe sei dein Leben.« Denn Honigwaben waren im Volk der Elfen ein Zeichen der Gesundheit und Unendlichkeit. Solcherlei Redensarten brachte Nill immer wieder durcheinander, obgleich sie die Worte selbst nicht vergaß. So sagte sie beispielsweise zu Kaveh: »Du bist ein glücklicher Käfer mit Geist.« Wobei sie eigentlich meinte: »Dein Geist fliegt wie der schillernde Käfer«, was eine nette Redewendung von Erijel war, Kaveh an seine kopflose Verträumtheit zu erinnern.

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