Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #5
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin». Краткое содержание книги:
»He, altes Mädchen«, sagte ich und versuchte, fröhlich zu klingen. »Ich weiß, du bist müde, aber du musst mir noch einen letzten großen Gefallen tun.«
Ich beugte mich vor und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
Nachdem Mrs O’Leary per Schattenreise verschwunden war, ging ich zu Annabeth ins Foyer. Auf dem Weg zum Fahrstuhl sahen wir Grover, der neben einem fetten verwundeten Satyrn kniete.
»Leneus!«, sagte ich.
Der alte Satyr sah schrecklich aus. Seine Lippen waren blau. Ein zerbrochener Speer steckte in seinem Bauch und seine bepelzten Ziegenbeine waren in einem schmerzhaften Winkel abgeknickt.
Er versuchte, uns anzusehen, aber ich glaube nicht, dass er uns erkennen konnte.
»Grover?«, murmelte er.
»Ich bin hier, Leneus.« Grover kämpfte trotz der schrecklichen Dinge, die Leneus über ihn gesagt hatte, mit den Tränen.
»Haben wir … gesiegt?«
»Äh … ja«, log Grover. »Das haben wir dir zu verdanken, Leneus. Du hast den Feind in die Flucht geschlagen.«
»Hab ich dir ja gesagt«, murmelte der alte Satyr. »Geborener Anführer. Geborener …«
Er schloss zum letzten Mal die Augen.
Grover schluckte. Er legte Leneus die Hand auf die Stirn und sprach einen uralten Segen. Der Körper des alten Satyrn löste sich auf, bis nur noch ein winziger Setzling in einem Häuflein frischer Erde übrig war.
»Ein Lorbeerbusch«, sagte Grover voller Bewunderung. »Was hat der alte Bock für ein Glück.«
Er hob den Setzling auf. »Ich … ich sollte ihn einpflanzen. Auf dem Olymp, im Garten.«
»Da wollten wir auch gerade hin«, sagte ich. »Komm doch einfach mit.«
Unterhaltungsmusik ertönte, während der Fahrstuhl nach oben fuhr. Ich dachte an meinen ersten Besuch auf dem Olymp, damals, mit zwölf Jahren. Annabeth und Grover waren nicht dabei gewesen. Ich war froh, dass sie jetzt mit mir zusammen waren. Ich hatte das Gefühl, dass das hier unser letztes gemeinsames Abenteuer sein könnte.
»Percy«, sagte Annabeth leise. »Du hast Recht gehabt, was Luke angeht.« Das waren ihre ersten Worte seit Silena Beauregards Tod. Sie starrte die Fahrstuhlanzeige an, auf der die magischen Nummern aufleuchteten: 400, 450, 500.
Grover und ich wechselten einen Blick.
»Annabeth«, sagte ich. »Es tut mir leid …«
»Du hast ja versucht, es mir zu sagen.« Ihre Stimme zitterte. »Luke taugt nichts. Ich wollte es nicht glauben, bis … bis ich gehört habe, wie er Silena ausgenutzt hat. Jetzt weiß ich es. Ich hoffe, du bist zufrieden.«
»Wieso sollte ich deshalb zufrieden sein?«
Sie legte den Kopf an die Fahrstuhlwand und wich meinem Blick aus.
Grover wiegte den Lorbeersetzling in seinen Händen. »Egal wie … es ist jedenfalls gut, wieder zusammen zu sein. Zu streiten. Fast zu sterben. Die Angst zu besiegen. Ach, sieh an. Da wären wir.«
Die Türen öffneten sich und wir betraten die Luftbrücke.
»Deprimierend« ist sonst keine passende Beschreibung für den Olymp, aber genau so sah er jetzt aus. In den Kohlenpfannen brannten keine Feuer. Die Fenster waren dunkel, die Straßen verlassen und die Türen mit Brettern vernagelt. Die einzige Bewegung war in den zu Lazaretten umgewandelten Parks zu sehen.
Will Solace und die andere Apollo-Leute liefen umher und kümmerten sich um die Verletzten. Najaden und Dryaden versuchten zu helfen, indem sie Zauberlieder sangen, um Wunden zu heilen und Gift auszutreiben.
Während Grover den Lorbeersetzling einpflanzte, gingen Annabeth und ich umher, um die Verwundeten aufzumuntern. Ich kam an einem Satyrn mit einem gebrochenen Bein, einem von Kopf bis Fuß verbundenen Halbgott und einem Leichnam unter dem goldenen Leichentuch der Apollo-Hütte vorbei. Ich wusste nicht, wer darunter lag. Ich wollte es auch nicht wissen.
Mein Herz war bleischwer, aber wir versuchten, aufmunternde Dinge zu sagen.
»Du wirst in null Komma nichts wieder gegen Titanen kämpfen«, sagte ich einem Camper.
»Du siehst großartig aus«, sagte Annabeth zu einem anderen.
»Leneus hat sich in einen Busch verwandelt«, erzählte Grover einem stöhnenden Satyrn.
Ich fand Pollux, den Sohn des Dionysos. Er lehnte an einem Baum und hatte den Arm gebrochen, ansonsten war er unversehrt.
»Aber mit der anderen Hand kann ich noch immer kämpfen«, sagte er und knirschte mit den Zähnen.
»Nein«, sagte ich. »Du hast genug getan. Du bleibst jetzt hier und hilfst den Verwundeten.«
»Aber …«
»Versprich mir, dass dir nichts passiert«, sagte ich. »Okay? Mir zuliebe.«
Er runzelte verwirrt die Stirn, wir waren schließlich nicht gerade dicke Kumpel oder so. Aber ich wollte ihm auch nicht sagen, dass das eine Bitte seines Dads war, das würde ihn nur in Verlegenheit stürzen. Endlich versprach er es, und als er sich hinsetzte, konnte ich sehen, dass er doch irgendwie erleichtert war.
Annabeth, Grover und ich gingen weiter auf den Palast zu. Den würde auch Kronos ansteuern. Sowie er das Fahrstuhlproblem gelöst hätte – und das würde er zweifellos irgendwie schaffen –, würde er den Thronsaal zerstören, das Zentrum der Göttermacht.
Ächzend öffneten sich die Bronzetüren. Unsere Schritte hallten auf dem Marmorboden wider. Die Sternbilder blinkten kühl an der Decke der riesigen Halle und das Herdfeuer war nur noch ein trübes rotes Schwelen. Hestia, als kleines Mädchen in braunem Gewand, hockte zitternd daneben. Der Ophiotaurus schwamm traurig in seinem Wasserbecken und stieß ein halbherziges Muhen aus, als er mich entdeckte.
Im Licht der Glut warfen die Thronsessel boshaft aussehende Schatten, wie zupackende Hände.
Am Fuße von Zeus’ Thron, den Blick nach oben zu den Sternen gerichtet, stand Rachel Elizabeth Dare. Sie hielt ein griechisches Tongefäß in der Hand.
»Rachel?«, fragte ich. »Äh, was willst du denn damit?«
Sie schaute mich an, als ob sie soeben aus einem Traum auftauchte. »Das habe ich gefunden. Das ist der Krug der Pandora, oder?«
Ihre Augen leuchteten mehr als sonst und mir drängte sich eine furchtbare Erinnerung an schimmelige Sandwiches und verkokelte Plätzchen auf.
»Bitte, stell den Krug weg«, sagte ich.
»Ich kann die Hoffnung darin sehen.« Rachel fuhr mit den Fingern über das Keramikmuster. »So zerbrechlich.«
»Rachel!«
Meine Stimme schien sie in die Wirklichkeit zurückzureißen. Sie hielt mir den Krug hin und ich nahm ihn an mich. Der Ton fühlte sich eiskalt an.
»Grover«, murmelte Annabeth. »Wir sehen uns mal im Palast um. Vielleicht finden wir noch irgendwo griechisches Feuer oder ein paar Hephaistos-Fallen.«
»Aber …«
Annabeth versetzte ihm einen Rippenstoß.
»Alles klar«, wimmerte er. »Ich schwärme für Fallen!«
Sie zog ihn aus dem Thronsaal.
Am Feuer kauerte Hestia sich in ihren Gewändern zusammen und wiegte sich hin und her.
»Komm«, sagte ich zu Rachel. »Ich möchte dir jemanden vorstellen.«
Wir setzten uns neben die Göttin.
»Göttin Hestia«, sagte ich.
»Hallo, Percy Jackson«, murmelte die Göttin. »Es wird kälter. Schwerer, das Feuer am Leben zu erhalten.«
»Ich weiß«, sagte ich. »Die Titanen rücken näher.«
Hestia schaute Rachel an. »Hallo, meine Liebe. Endlich bist du an unseren Herd gekommen.«
Rachel blinzelte. »Du hast mich erwartet?«
Hestia streckte die Hände aus und die Kohlen glühten. Ich sah Bilder im Feuer: meine Mutter, Paul und ich zu Thanksgiving an unserem Küchentisch; meine Freunde und ich am Lagerfeuer im Camp Half-Blood, wie wir sangen und Marshmallows rösteten. Rachel und ich, die in Pauls Prius den Strand entlangfuhren.
Ich wusste nicht, ob Rachel dieselben Bilder sah, aber ihre Schultern entspannten sich. Die Wärme des Feuers schien auf sie überzugreifen.
»Um deinen Platz am Herd einnehmen zu können«, sagte Hestia zu ihr, »darfst du dich nicht ablenken lassen. Nur dann kannst du überleben.«