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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Rachel nickte. »Ich … ich verstehe.«

»Warte«, sagte ich. »Wovon redet sie da?«

Rachel holte zitternd Atem. »Percy, als ich hergekommen bin … ich dachte, es wäre deinetwegen. Aber das stimmte nicht. Du und ich …« Sie schüttelte den Kopf.

»Moment mal, bin ich neuerdings eine Ablenkung? Liegt das daran, dass ich nicht der Heros oder sowas bin?«

»Ich bin nicht sicher, ob ich das in Worte fassen kann«, sagte sie. »Ich habe mich zu dir hingezogen gefühlt, weil du … weil du mir die Tür zu alldem hier geöffnet hast.« Sie zeigte auf den Thronsaal. »Ich musste meine wahre Gabe erkennen. Aber du und ich, wir gehören nicht zusammen. Unsere Schicksale sind nicht miteinander verwoben. Ich glaube, im tiefsten Herzen hast du das immer gewusst.«

Ich starrte sie an. Ich war vielleicht nicht gerade der Blitzmerker, wenn es um Mädchen ging, aber ich war ziemlich sicher, dass Rachel gerade mit mir Schluss gemacht hatte, was ganz schön mies war, wo wir doch noch nicht mal zusammen gewesen waren.

»Also …«, sagte ich. »›Danke dafür, dass du mich auf den Olymp gebracht hast. Bis demnächst mal.‹ Wolltest du mir das sagen?«

Rachel starrte ins Feuer.

»Percy Jackson«, sagte Hestia. »Rachel hat dir alles gesagt, was sie weiß. Ihr Augenblick wird kommen, aber deine Entscheidung muss erst gefällt werden. Bist du bereit?«

Ich hätte gern geschrien, nein, ich sei alles andere als bereit.

Ich sah hinüber zum Krug der Pandora und verspürte zum ersten Mal das Bedürfnis, ihn zu öffnen. Hoffnung kam mir im Moment ziemlich unnütz vor. So viele von meinen Freunden waren tot. Rachel hatte mich fallen lassen. Annabeth war sauer auf mich. Meine Eltern schliefen irgendwo unten auf der Straße, während eine Monsterarmee das Gebäude umstellte. Dem Olymp drohte der Untergang und ich hatte so viele grausame Taten der Götter gesehen: Zeus hatte Maria di Angelo vernichtet, Hades das letzte Orakel verflucht, Hermes Luke den Rücken gekehrt, obwohl er gewusst hatte, dass sich sein Sohn dann auf die Seite des Bösen schlagen würde.

Ergib dich, flüsterte Prometheus’ Stimme in mein Ohr. Sonst wird dein Zuhause zerstört. Dein kostbares Camp wird brennen.

Dann sah ich Hestia an. Ihre Augen leuchteten warm. Ich dachte an die Bilder, die ich in ihrem Feuer gesehen hatte – meine Freunde, meine Familie, alle, die mir wichtig waren.

Und mir fiel etwas ein, das Chris Rodriguez gesagt hatte: Es hat keinen Sinn, das Camp zu verteidigen, wenn ihr alle umkommt. Alle unsere Freunde sind hier. Und Nico, der sich seinem Vater Hades widersetzt hatte: Wenn der Olymp fällt, hatte er gesagt, dann spielt die Sicherheit deines Palasts keine Rolle mehr.

Ich hörte Schritte. Annabeth und Grover kehrten in den Thronsaal zurück und blieben stehen, als sie uns sahen. Ich machte vermutlich gerade ein ziemlich seltsames Gesicht.

»Percy?« Annabeth hörte sich nicht mehr wütend an – nur besorgt. »Sollen wir, äh, wieder gehen?«

Plötzlich hatte ich ein Gefühl, als ob mir jemand eine Stahlinjektion gegeben hätte. Ich wusste plötzlich, was ich zu tun hatte.

Ich sah Rachel an. »Du machst doch keine Dummheiten, oder? Ich meine … du hast doch mit Chiron gesprochen?«

Sie brachte ein müdes Lächeln zustande. »Du hast Angst, ich könnte eine Dummheit begehen?«

»Ich meine nur … kommst du zurecht?«

»Weiß ich nicht«, gab sie zu. »Das kommt wohl darauf an, ob du es schaffst, die Welt zu retten, du Held.«

Ich griff zum Krug der Pandora. Der Geist der Hoffnung flatterte darin umher und versuchte, das kalte Gefäß anzuwärmen.

»Hestia«, sagte ich. »Ich bringe dir dies als Opfer dar.«

Die Göttin legte den Kopf schief. »Ich bin die Geringste unter den Göttern. Warum willst du mir das hier anvertrauen?«

»Du bist die letzte olympische Göttin«, sagte ich. »Und die wichtigste.«

»Und warum ist das so, Percy Jackson?«

»Weil Hoffnung am besten am heimischen Herd überlebt«, sagte ich. »Pass für mich auf sie auf, dann gerate ich nicht in Versuchung, noch einmal aufzugeben.«

Die Göttin lächelte. Sie nahm den Krug in ihre Hände und er glühte auf. Das Feuer im Herd wurde ein wenig heller.

»Gut gemacht, Percy Jackson«, sagte sie. »Mögen die Götter mit dir sein.«

»Das werden wir gleich feststellen.« Ich sah Annabeth und Grover an. »Dann los, Leute.«

Ich marschierte auf den Thron meines Vaters zu.

Der Sitz des Poseidon war rechts neben dem von Zeus, aber bei weitem nicht so prachtvoll. Der vorgeformte schwarze Ledersitz war auf einem Drehgestell angebracht, mit zwei Eisenringen an der Seite, um eine Angelrute hineinzustellen (oder einen Dreizack). Eigentlich sah er aus wie ein Stuhl auf einem Hochseeboot, auf dem man sitzt, wenn man Haie oder Marline oder Seemonster jagen will.

Götter sind in ihrer natürlichen Gestalt an die sieben Meter hoch, deshalb konnte ich die Kante des Sitzes gerade noch erreichen, wenn ich die Arme ausstreckte.

»Helft mir hoch«, sagte ich zu Annabeth und Grover.

»Spinnst du?«, fragte Annabeth.

»Wahrscheinlich«, gab ich zu.

»Percy«, sagte Grover. »Die Götter finden es wirklich nicht so toll, wenn Leute sich auf ihren Thron setzen. Ich meine, nicht toll im Sinne von Du-bist-gleich-ein-Häuflein-Asche-wenn-du-nicht-runtergehst

»Ich muss seine Aufmerksamkeit erregen«, sagte ich. »Und das geht nur so.«

Sie wechselten besorgte Blicke.

»Okay«, sagte Annabeth. »Das hier wird seine Aufmerksamkeit erregen.«

Sie falteten die Hände zu einer Räuberleiter zusammen und schoben mich dann auf den Thron. Ich kam mir vor wie ein Baby, als meine Füße so hoch über dem Boden baumelten. Ich sah mir die restlichen düsteren, leeren Throne an und konnte mir vorstellen, was es wohl für ein Gefühl wäre, im Olympischen Rat zu sitzen – so viel Macht und so viel Streit; immer elf weitere Götter, die sich durchsetzen wollten. Da würde ich auch Paranoia kriegen und nur noch auf meine Interessen achten, vor allem, wenn ich Poseidon wäre. Sobald ich auf seinem Thron saß, hatte ich das Gefühl, alle Ozeane unter meinem Befehl zu haben – unermessliche Kubikmeter Meer, die vor Kraft und Geheimnissen nur so kochten. Warum sollte Poseidon auf irgendwen hören? Warum sollte er nicht der Größte der zwölf sein?

Dann schüttelte ich den Kopf. Konzentrier dich.

Der Thron dröhnte. Eine Welle aus sturmstarkem Zorn brach in meine Gedanken:

WER WAGT ES …?

Die Stimme verstummte plötzlich. Der Zorn schwand etwas, was gut war, denn schon diese drei Wörter hätten mein Gehirn fast in Fetzen gerissen.

Percy! Die Stimme meines Vaters war noch immer wütend, aber jetzt hatte er sich unter Kontrolle. Was – genau – hast du auf meinem Thron zu suchen?

»Tut mir leid, Vater«, sagte ich. »Ich musste mit dir reden.«

Das war sehr riskant, sogar für dich. Wenn ich vor dem Zuschlagen nicht hingeschaut hätte, wärst du jetzt eine Pfütze aus Seewasser.

»Tut mir leid«, sagte ich noch einmal. »Hör mal, die Lage hier oben ist ganz schön übel.«

Ich erzählte ihm, wie es stand. Dann schilderte ich ihm meinen Plan.

Er schwieg sehr lange.

Percy, was du da verlangst, ist unmöglich. Mein Palast …

»Dad, Kronos hat die Armee ganz bewusst gegen dich ausgesandt. Er will dich von den anderen Göttern abspalten, weil er weiß, dass du die Waagschale zum Kippen bringen könntest.«

Das mag wohl so sein, aber er greift mein Zuhause an.

»Ich bin in deinem Zuhause«, sagte ich. »Auf dem Olymp.«

Der Boden bebte. Eine Welle aus Zorn spülte durch mein Bewusstsein. Ich glaubte schon, zu weit gegangen zu sein, aber dann hörte das Beben auf. Im Hintergrund meiner geistigen Verbindung hörte ich unterseeische Explosionen und Schlachtrufe: Zyklopen brüllten, Meermänner schrien.

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