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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Ich zog sie hoch und wir lagen zitternd auf den Steinen. Ich merkte erst, dass wir die Arme umeinander geschlungen hatten, als Annabeth plötzlich erstarrte.

»Äh, danke«, murmelte sie.

Ich wollte sagen, »nicht der Rede wert«, aber es klang eher wie »äh, ja«.

»Los, weiter!« Grover zog an meiner Schulter. Annabeth und ich lösten uns voneinander und rannten über die Himmelsbrücke, während sich mehr und mehr Steine auflösten und im leeren Raum verschwanden. Wir hatten gerade den Fuß des Berges erreicht, als der letzte Teil einstürzte.

Annabeth schaute zum Fahrstuhl zurück, der jetzt nicht mehr zu erreichen war – polierte Metalltüren, die allein in der Luft hingen, sechshundert Stock oberhalb von Manhattan.

»Wir sitzen fest«, sagte sie. »Ganz allein.«

»Mäh-hä-hä«, sagte Grover. »Die Verbindung zwischen dem Olymp und Amerika löst sich auf. Wenn sie verschwindet …«

»Diesmal werden die Götter in kein anderes Land weiterziehen«, sagte Thalia. »Das wird das Ende des Olymps sein. Das endgültige Ende.«

Wir rannten durch die Straßen. Häuser brannten, Statuen waren umgestürzt, Bäume in den Parks waren zu Splittern zerlegt. Es sah aus, als hätte irgendwer die Stadt mit einer riesigen Hacke angegriffen.

»Kronos’ Sense«, sagte ich.

Wir folgten dem verschlungenen Weg zum Palast der Götter. In meiner Erinnerung war es nicht so weit gewesen – vielleicht ließ Kronos die Zeit langsamer vergehen, vielleicht hielt mich aber auch nur die Angst zurück. Der gesamte Berggipfel war eine Trümmerlandschaft – so viele prachtvolle Gebäude und Gärten waren verschwunden.

Ein paar zweitrangige Götter und Naturgeister hatten versucht, Kronos aufzuhalten. Ihre Überreste lagen überall auf der Straße herum: Rüstungen, Kleiderfetzen, zerbrochene Schwerter und Speere.

Irgendwo vor uns brüllte Kronos’ Stimme: »Stein um Stein! Das war mein Versprechen! STEIN UM STEIN EINREISSEN!«

Ein weiter Marmortempel mit goldener Kuppel explodierte. Die Kuppel flog in die Luft wie der Deckel einer Teekanne und zersprang in eine Milliarde Stücke, dann regneten Scherben auf die Stadt hinab.

»Das war ein Schrein der Artemis«, knurrte Thalia. »Dafür wird er bezahlen.«

Wir rannten unter dem Marmorbogen mit den riesigen Statuen von Zeus und Hera hindurch, als der gesamte Berg stöhnte und hin und her schaukelte wie ein Schiff im Sturm.

»Achtung!«, schrie Grover. Der Bogen stürzte ein und ich schaute gerade rechtzeitig hoch, um zu sehen, wie eine zwanzig Tonnen schwere verärgerte Hera über uns zusammenbrach. Annabeth und ich wären fast plattgemacht worden, aber Thalia versetzte uns von hinten einen Stoß und wir landeten gerade so eben außerhalb der Gefahrenzone.

»Thalia!«, schrie Grover.

Als der Staub sich verzogen hatte und der Berg sich nicht mehr bewegte, war sie zwar noch am Leben, aber ihre Beine waren unter der Statue eingeklemmt.

Wir versuchten verzweifelt, die Statue anzuheben, doch dafür wären mehrere Zyklopen nötig gewesen. Als wir Thalia herausziehen wollten, schrie sie vor Schmerz auf.

»Da hab ich all diese Schlachten überlebt«, knurrte sie. »Und dann wirft ein blödes Stück Stein mich um!«

»Das war Hera«, sagte Annabeth wütend. »Die hat es schon das ganze Jahr auf mich abgesehen. Ihre Statue hätte mich umgebracht, wenn du mich nicht weggestoßen hättest.«

Thalia schnitt eine Grimasse. »Was soll’s, steht hier nicht rum. Ich komm schon zurecht. Los!«

Wir wollten sie nicht verlassen, aber ich konnte Kronos lachen hören, während er sich der Halle der Götter näherte. Weitere Gebäude gingen in die Luft.

»Wir kommen zurück«, versprach ich.

»Ich warte so lange hier«, stöhnte Thalia.

Ein Feuerball explodierte am Berghang, gleich in der Nähe der Palasttore.

»Wir müssen rennen«, sagte ich.

»Ich nehme an, du meinst nicht, wegrennen«, murmelte Grover hoffnungsvoll.

Ich lief auf den Palast zu, dicht gefolgt von Annabeth.

»Das hab ich befürchtet«, seufzte Grover und klapperte hinter uns her.

Die Palasttüren waren groß genug, um ein Kreuzfahrtschiff durchzulassen, aber sie waren aus den Angeln gerissen und zerschlagen worden, als wögen sie nichts. Kronos stand mitten im Thronsaal, er hatte die Arme ausgebreitet und starrte die Sternendecke an. Sein Lachen hallte noch lauter wider als in den Tiefen des Tartarus.

»Endlich!«, brüllte er. »Der Olympische Rat – so stolz und mächtig. Welchen Sitz der Macht soll ich als Erstes zerstören?«

Ethan Nakamura stand neben ihm und versuchte, der Sense seines Herrn auszuweichen. Das Herdfeuer war fast verloschen, nur wenige Kohlen glühten noch tief unten in der Asche. Hestia und Rachel waren nirgendwo zu sehen. Ich hoffte, dass Rachel unversehrt war, aber ich hatte so viel Zerstörung gesehen, dass ich nicht weiter daran denken wollte. Der Ophiotaurus schwamm in der Ecke des Saals in seinem Wasserbecken und blieb klugerweise ganz stumm, aber es würde nicht lange dauern, bis Kronos ihn entdeckte.

Annabeth, Grover und ich traten ins Fackellicht. Ethan sah uns als Erster.

»Majestät«, warnte er.

Kronos fuhr herum und lächelte durch Lukes Gesicht. Abgesehen von den goldenen Augen sah er aus wie vor vier Jahren, als er mich in der Hermes-Hütte willkommen geheißen hatte. Annabeth stieß eine Art Schluchzen aus, als ob jemand ihr einen Stoß versetzt hätte.

»Soll ich dich als Ersten vernichten, Jackson?«, fragte Kronos. »Ist das deine Entscheidung – mit mir zu kämpfen und zu sterben, statt dich zu unterwerfen? Weissagungen enden niemals gut, weißt du?«

»Luke würde mit dem Schwert kämpfen«, sagte ich. »Aber ich vermute, Ihr seid nicht so gut wie er.«

Kronos lachte höhnisch. Seine Sense nahm eine andere Gestalt an und plötzlich hielt er Lukes alte Waffe in der Hand, Rückenbeißer, mit einer Schneide, die halb aus Stahl und halb aus himmlischer Bronze geschmiedet war.

Neben mir hellte sich Annabeths Gesicht auf, als ob ihr plötzlich eine Idee gekommen wäre. »Percy, die Klinge!« Sie zog ihr Messer. »Seine Seele wird von verfluchter Klinge gefällt.«

Ich begriff nicht, warum sie mich gerade jetzt an diese Zeile aus der Weissagung erinnerte. Es war nicht gerade toll für meine Kampfmoral, aber ehe ich etwas sagen konnte, hob Kronos sein Schwert.

»Warte!«, schrie Annabeth.

Kronos jagte wie ein Wirbelwind auf mich zu.

Meine Instinkte übernahmen das Kommando. Ich wich aus, schlug zu und rollte zur Seite, aber ich hatte das Gefühl, gegen hundert Schwertkämpfer antreten zu müssen. Ethan stahl sich beiseite und versuchte, hinter mich zu gelangen, aber Annabeth fing ihn ab. Sie begannen zu kämpfen, aber ich konnte mich nicht darum kümmern. Ich registrierte vage, dass Grover auf seiner Rohrflöte spielte. Der Klang erfüllte mich mit Wärme und Mut – mit Gedanken an Sonnenschein und einen blauen Himmel und eine friedliche Welt irgendwo weit entfernt vom Krieg.

Kronos trieb mich zum Thron des Hephaistos – eine Art riesiger bronzener Fernsehsessel mit silbernen Scharnieren. Kronos schlug zu und ich schaffte es, auf den Sitz zu springen. Der Thron zitterte und die geheimen Mechanismen brummten. Verteidigungsmodus, warnten sie. Verteidigungsmodus.

Das konnte nicht gut sein. Ich sprang über Kronos’ Kopf hinweg, als der Thron in alle Richtungen elektrische Strahlen abgab. Einer traf Kronos im Gesicht und Strom jagte durch seinen Körper nach unten und durch sein Schwert wieder hoch.

»ARG!« Er fiel auf die Knie und ließ Rückenbeißer fallen.

Annabeth sah ihre Chance. Sie trat Ethan beiseite und griff Kronos an. »Luke, hör zu!«

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