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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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»Alles klar«, knurrte ich. »Dann redet mal schön.«

Ich trottete auf das Empire State Building zu. Als ich mich umschaute, waren Rachel und Chiron in ein ernstes Gespräch vertieft, als ob sie eine Beerdigung planten.

Im Foyer fand ich ein leeres Bett und ließ mich hineinfallen, überzeugt, dass ich nie im Leben schlafen würde. Gleich darauf fielen mir die Augen zu.

In meinem Traum befand ich mich wieder im Garten des Hades. Der Herr der Toten rannte hin und her und hielt sich die Ohren zu, während Nico hinter ihm herlief und mit den Händen fuchtelte.

»Du musst!«, forderte Nico.

Hinter den beiden am Frühstückstisch saßen Demeter und Persephone. Beide Göttinnen wirkten gelangweilt. Demeter schüttete Getreideflocken in vier große Schalen. Persephone veränderte durch Zauberkraft das Blumenarrangement auf dem Tisch und ließ die roten Blüten zuerst gelb und dann bunt getupft werden.

»Ich muss gar nichts!« Hades’ Augen loderten. »Ich bin ein Gott!«

»Vater«, sagte Nico. »Wenn der Olymp fällt, dann spielt die Sicherheit deines Palasts keine Rolle mehr. Auch du wirst dann verschwinden.«

»Ich bin kein Olympier«, knurrte Hades. »Meine Familie hat das sehr deutlich gemacht.«

»Bist du wohl«, sagte Nico. »Ob dir das nun passt oder nicht.«

»Du hast doch gesehen, was sie deiner Mutter angetan haben«, sagte Hades. »Zeus hat sie umgebracht. Und ich soll denen helfen? Die haben doch nichts Besseres verdient!«

Persephone seufzte. Sie ließ die Finger über den Tisch wandern und verwandelte zerstreut das Besteck in Rosen. »Könnten wir bitte nicht über diese Frau sprechen?«

»Weißt du, was diesem Knaben helfen würde?«, fragte Demeter nachdenklich. »Ein Aufenthalt auf einem Bauernhof.«

Persephone verdrehte die Augen. »Mutter …«

»Sechs Monate hinter dem Pflug. Sehr gut für die charakterliche Entwicklung.«

Nico trat vor seinen Vater und zwang Hades, ihm ins Gesicht zu blicken. »Meine Mutter wusste, wie wichtig Familie ist. Deshalb wollte sie uns nicht verlassen. Du kannst deine Verwandten nicht einfach im Stich lassen, bloß weil sie etwas Schreckliches getan haben. Du hast ihnen auch schreckliche Dinge angetan.«

»Maria ist tot!«, erinnerte Hades ihn.

»Du kannst dich nicht einfach von den anderen Göttern lossagen!«

»Das habe ich schon vor Tausenden von Jahren getan.«

»Und geht es dir deshalb besser?«, fragte Nico. »Hat es dir geholfen, dass du das Orakel verflucht hast? Groll zu hegen, ist ein großer Fehler. Bianca hat mich davor gewarnt, und sie hatte Recht.«

»Das gilt für Halbgötter! Ich bin unsterblich, allmächtig! Ich würde den anderen Göttern nicht einmal helfen, wenn sie mich anflehten, wenn Percy Jackson mich anflehte …«

»Du bist ebenso ein Ausgestoßener wie ich!«, schrie Nico. »Hör auf, deshalb sauer zu sein, und mach dich ein einziges Mal nützlich. Nur dann werden sie dich respektieren!«

Hades’ Handfläche füllte sich mit schwarzem Feuer.

»Mach schon!«, sagte Nico. »Lass mich in Rauch aufgehen. Das erwarten die anderen Götter doch ohnehin von dir. Zeig ihnen, dass sie Recht haben.«

»Ja, bitte«, sagte Demeter klagend. »Mach, dass er den Mund hält.«

Persephone seufzte. »Ach, ich weiß nicht. Ich würde lieber in diesem Krieg kämpfen, als noch eine Schale Müsli zu essen. Das ist langweilig.«

Hades brüllte vor Wut auf. Sein Feuerball traf einen silbernen Baum gleich neben Nico und ließ ihn zu einer Pfütze aus flüssigem Metall zerschmelzen.

Und mein Traum änderte sich.

Ich stand vor dem Gebäude der Vereinten Nationen, etwa anderthalb Kilometer nordöstlich des Empire State Building. Die Titanenarmee hatte ihr Lager um den UN-Komplex aufgeschlagen. An ihren Fahnenstangen hingen entsetzliche Trophäen – Helme und Rüstungsteile der geschlagenen Camper. Überall auf der First Avenue wetzten Riesen ihre Äxte. Telchinen reparierten in behelfsmäßigen Schmieden ihre Rüstungen.

Kronos selbst schritt am anderen Ende der Plaza hin und her und schwenkte so ausladend seine Sense, dass seine Dracaenae-Wache ein Stück hinter ihm blieb. Ethan Nakamura und Prometheus standen in der Nähe, aber außer Reichweite. Ethan machte sich an seinen Schildriemen zu schaffen, Prometheus dagegen sah in seinem Smoking so ruhig und gelassen aus wie immer.

»Ich hasse diese Gegend«, knurrte Kronos. »Die Vereinten Nationen. Als ob die Menschheit sich je vereinen könnte. Erinnert mich daran, dass ich dieses Gebäude abreißen lasse, sowie wir den Olymp zerstört haben.«

»Ja, Majestät.« Prometheus lächelte, als ob er sich über den Zorn seines Herrn amüsierte. »Sollen wir auch die Ställe im Central Park einreißen? Ich weiß doch, wie sehr Ihr Euch über Pferde ärgern könnt.«

»Mach dich nicht lustig über mich, Prometheus. Diese verdammten Zentauren werden noch bereuen, dass sie sich eingemischt haben. Ich werde sie an Höllenhunde verfüttern, und ich fange mit meinem Sohn an – diesem Schwächling Chiron.«

Prometheus zuckte mit den Schultern. »Dieser Schwächling hat mit seinen Pfeilen eine ganze Legion Telchinen vernichtet.«

Kronos schwenkte seine Sense und fällte damit eine Fahnenstange. Die brasilianische Flagge fiel auf die Armee und zerfetzte eine Dracaena.

»Wir werden sie vernichten«, brüllte Kronos. »Es ist Zeit, den Drakon loszulassen. Nakamura, das übernimmst du.«

»J-ja, Majestät. Bei Sonnenuntergang?«

»Nein«, sagte Kronos. »Sofort. Die Verteidiger des Olymps sind böse verwundet. Sie rechnen nicht mit einem baldigen Angriff. Und wir wissen, dass sie diesen Drakon nicht besiegen können.«

Ethan wirkte verwirrt. »Majestät?«

»Schon gut, Nakamura. Tu einfach, was ich dir sage. Wenn Typhon New York erreicht, will ich den Olymp in Trümmern liegen sehen. Wir werden die Götter endgültig vernichten!«

»Aber Majestät«, sagte Ethan. »Euer Regenerationsprozess.«

Kronos richtete den Zeigefinger auf Ethan und der Halbgott erstarrte.

»Hast du den Eindruck«, zischte Kronos, »dass ich Regeneration brauche?«

Ethan gab keine Antwort. Was auch nicht so ganz einfach ist, wenn man in der Zeit feststeckt.

Kronos schnippte mit den Fingern und Ethan brach zusammen.

»Bald«, knurrte der Titan, »wird diese Gestalt unnötig sein. Ich werde mich so kurz vor dem Sieg nicht mehr ausruhen. Und jetzt los mit dir!«

Ethan rannte davon.

»Das ist gefährlich, Majestät«, warnte Prometheus. »Ihr solltet nichts übereilen.«

»Übereilen? Nachdem ich dreitausend Jahre in den Tiefen des Tartarus geschmachtet habe, nennst du das übereilen? Ich werde Percy Jackson in tausend Stücke zerhacken.«

»Dreimal seid Ihr gegen ihn angetreten«, sagte Prometheus. »Dabei habt Ihr immer behauptet, es sei unter der Würde eines Titanen, gegen einen schnöden Sterblichen zu kämpfen. Ich frage mich, ob Euer sterblicher Wirt Euch beeinflusst und Eure Urteilskraft schwächt.«

Kronos richtete seine goldenen Augen auf den anderen Titanen. »Willst du mich als schwach bezeichnen?«

»Nein, Majestät. Ich wollte nur …«

»Ist deine Loyalität vielleicht geteilt?«, fragte Kronos. »Vielleicht hast du Sehnsucht nach deinen alten Freunden, den Göttern? Würdest du dich ihnen gern anschließen?«

Prometheus erbleichte. »Ich habe unbedacht gesprochen, Majestät. Eure Befehle werden sofort ausgeführt.« Er drehte sich zu den Armeen um und brüllte: »MACHT EUCH BEREIT ZUR SCHLACHT!«

Nun kam Bewegung in die Kämpfer.

Irgendwo hinter dem UN-Komplex ließ ein wütendes Gebrüll die Stadt erbeben – der Schrei eines erwachenden Drachen. Der Lärm war so entsetzlich, dass er mich aufweckte, und mir wurde klar, dass ich ihn über einen Kilometer weit hören konnte.

Grover trat neben mich und machte ein nervöses Gesicht. »Was war das?«

»Sie kommen«, antwortete ich. »Jetzt haben wir ein Problem.«

Der Hephaistos-Hütte war das griechische Feuer ausgegangen. Die Apollo-Hütte und die Jägerinnen hatten fast keine Pfeile mehr. Die meisten von uns hatten schon so viel Nektar und Ambrosia konsumiert, dass wir nicht wagten, noch mehr zu nehmen.

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