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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Es waren nur noch sechzehn Leute aus dem Camp überhaupt kampfbereit, fünfzehn Jägerinnen und ein halbes Dutzend Satyrn. Der Rest hatte sich auf den Olymp geflüchtet. Die Partyponys versuchten, ihre Reihen zu schließen, aber sie taumelten und kicherten und stanken allesamt nach Malzbier. Die Texaner stießen mit denen aus Colorado zusammen. Die Gruppe aus Missouri stritt mit Illinois. Die Gefahr, dass sie am Ende alle gegeneinander antreten würden statt gegen den Feind, war ziemlich groß.

Chiron kam mit Rachel auf dem Rücken angetrabt. Ich war für einen Moment eifersüchtig, weil Chiron nur ganz selten irgendwen auf sich reiten ließ und Sterbliche schon gar nicht.

»Deine Freundin hier verfügt über einige brauchbare Erkenntnisse, Percy«, sagte er.

Rachel errötete. »Nur ein paar Dinge, die ich vor meinem inneren Auge gesehen habe.«

»Einen Drakon«, sagte Chiron. »Einen lydischen Drakon, um genau zu sein. Die älteste und gefährlichste Art.«

Ich starrte sie an. »Woher weißt du das?«

»Da bin ich nicht sicher«, gab Rachel zu. »Aber dieser Drakon hat ein besonderes Schicksal. Er wird von einem Kind des Ares getötet werden.«

Annabeth schlug die Arme übereinander. »Woher willst du das denn wissen?«

»Ich habe es eben gesehen. Ich kann es nicht erklären.«

»Na, hoffen wir, dass du dich irrst«, sagte ich. »Uns sind die Kinder des Ares nämlich gerade ausgegangen …« Mir kam ein entsetzlicher Gedanke und ich stieß auf Altgriechisch einen Fluch aus.

»Was ist los?«, fragte Annabeth.

»Der Spion«, sagte ich zu ihr. »Kronos hat gesagt, wir wissen, dass sie diesen Drakon nicht besiegen können. Der Spion hält ihn auf dem Laufenden, Kronos weiß, dass die Ares-Hütte nicht bei uns ist. Also hat er sich ein Monster ausgesucht, das wir nicht töten können.«

Thalia runzelte die Stirn. »Wenn mir dein Spion je über den Weg läuft, dann wird ihm das sehr leidtun. Vielleicht könnten wir noch einen Boten ins Camp schicken …«

»Das habe ich schon«, sagte Chiron. »Blackjack ist unterwegs. Aber wenn nicht mal Silena Clarisse überreden konnte, dann wird Blackjack wohl kaum …«

Ein Gebrüll ließ den Boden beben. Es schien aus nächster Nähe zu kommen.

»Rachel«, sagte ich. »Geh rein.«

»Ich will hier bleiben.«

Ein Schatten schob sich vor die Sonne. Auf der anderen Straßenseite rutschte der Drakon an einem Wolkenkratzer herunter. Er brüllte und tausend Fenster zersprangen.

»Wenn ich es mir genauer überlege«, sagte Rachel kleinlaut, »dann gehe ich doch lieber rein.«

Ich sollte das vielleicht erklären: Es gibt Drachen, und es gibt Drakonen.

Drakonen sind etliche Jahrtausende älter als Drachen und sehr viel größer. Sie sehen aus wie riesige Schlangen. Die meisten haben keine Flügel und speien kein Feuer (einige tun es aber doch). Alle sind giftig und wahnsinnig stark und ihre Schuppen sind härter als Titan. Ihre Augen können dich lähmen: nicht die Du-wirst-zu-Stein-Lähmung der Medusa, sondern die Hilfe-diese-Riesenschlange-will-mich-verschlingen-Lähmung, die genauso übel ist.

Wir hatten im Camp Unterricht im Kampf gegen Drakonen, aber natürlich kann man sich schlecht darauf vorbereiten, wie eine siebzig Meter lange Schlange, die so dick ist wie ein Schulbus, an einem Haus herunterrutscht, ihre gelben Augen wie Suchscheinwerfer leuchten und ihr Maul voller rasierklingenscharfer Zähne ist, mit denen sie einen Elefanten zerkauen könnte.

Fast hatte ich Sehnsucht nach dem fliegenden Schwein.

Inzwischen rückte die feindliche Armee über die Fifth Avenue vor. Wir hatten uns alle Mühe gegeben, zur Sicherheit der Sterblichen die Autos beiseitezuschieben, aber das machte den Vormarsch für unsere Feinde nur noch leichter. Die Partyponys peitschten nervös mit den Schwänzen. Chiron galoppierte vor ihnen hin und her und rief ihnen zu, sie sollten standhalten und an Sieg und Malzbier denken, aber ich fürchtete, dass sie jeden Moment in Panik geraten und die Flucht ergreifen würden.

»Ich übernehme den Drakon.« Meine Stimme schlug zu ängstlichem Quietschen um. Ich rief lauter: »ICH ÜBERNEHME DEN DRAKON! Alle anderen, haltet die Front gegen den Feind!«

Annabeth stand neben mir. Sie hatte ihren Eulenhelm tief ins Gesicht gezogen, aber ich konnte sehen, dass ihre Augen rot waren.

»Hilfst du mir?«, fragte ich.

»Das tu ich doch immer«, sagte sie unglücklich. »Meinen Freunden helfen.«

Ich kam mir vor wie ein Vollidiot. Ich hätte sie gern beiseitegenommen und ihr klargemacht, dass ich Rachel nicht hergebeten hatte, dass es nicht meine Idee gewesen war, aber wir hatten keine Zeit.

»Mach dich unsichtbar«, sagte ich. »Such nach den schwachen Stellen in seiner Rüstung, während ich ihn ablenke. Aber sei vorsichtig.«

Ich stieß einen Pfiff aus. »Mrs O’Leary, bei Fuß!«

»WUUUFFFF!« Mein Höllenhund sprang über eine Reihe von Zentauren und verpasste mir einen Kuss, der verdächtig nach Peperoni-Pizza schmeckte.

Ich zog mein Schwert und wir gingen auf das Monster los.

Der Drakon war drei Stock über uns und schlängelte sich seitwärts am Gebäude entlang, während er unsere Truppen musterte. Wo immer er hinschaute, erstarrten die Zentauren vor Angst.

Vom Norden her traf die feindliche Armee auf die Partyponys und unsere Front brach auf. Der Drakon griff an und verschlang drei kalifornische Zentauren auf einmal, ehe ich auch nur in seine Nähe gelangen konnte.

Mrs O’Leary schoss durch die Luft – ein tödlicher schwarzer Pfeil mit Zähnen und Klauen. Normalerweise ist ein Höllenhund im Sprung ein grauenhafter Anblick, aber neben dem Drakon sah Mrs O’Leary aus wie ein Kuscheltier.

Ihre Krallen rutschten wirkungslos an den Schuppen des Drakons ab. Sie biss dem Monster in die Kehle, kam aber nicht durch den Panzer. Immerhin riss ihr Gewicht den Drakon vom Gebäude. Er fuchtelte verwirrt mit den Krallen und knallte auf den Boden, wo Höllenhund und Drache miteinander rangen. Der Drakon versuchte, Mrs O’Leary zu beißen, aber sie war zu dicht vor seinem Schlund. Gift spritzte in alle Richtungen und ließ Zentauren und gar nicht wenige Monster zu Staub zerschmelzen, aber Mrs O’Leary wickelte sich um den Kopf des Drachen und kratzte und biss.

»JAAAH!« Ich rammte Springflut tief ins linke Auge des Monsters. Der Scheinwerfer erlosch. Der Drakon zischte und machte sich bereit zum Sprung, aber ich rollte zur Seite.

Der Drakon biss ein swimmingpoolgroßes Stück aus dem Straßenpflaster. Er wandte mir sein heiles Auge zu und ich starrte seine Zähne an, um nicht gelähmt zu werden. Mrs O’Leary gab sich alle Mühe, ihn abzulenken. Sie sprang auf den Kopf des Drachen und kratzte und knurrte wie eine sehr wütende schwarze Perücke.

Ansonsten lief die Schlacht nicht gut. Die Zentauren waren unter dem Angriff der Riesen und Dämonen in Panik ausgebrochen. Hier und dort tauchte im Kampfgewühl ein orangefarbenes Camp-T-Shirt auf, verschwand aber rasch wieder. Pfeile zischten. Feuer explodierte in Wellen über beiden Armeen, aber der Kampf verlegte sich immer weiter über die Straße auf den Eingang des Empire State Building zu. Wir verloren an Boden.

Plötzlich tauchte Annabeth auf dem Rücken des Drakon auf. Ihre Tarnkappe war ihr vom Kopf gerutscht, als sie ihr Bronzemesser in einen Spalt zwischen den Schuppen des Lindwurms bohrte.

Der Drakon brüllte auf. Er drehte sich um sich selbst und warf Annabeth ab.

Ich erreichte sie, als sie gerade auf den Boden auftraf, und zerrte sie weg, während der Drache ausholte und einen Laternenpfahl zerbrach, wo eben noch Annabeth gewesen war.

»Danke«, sagte sie.

»Ich habe doch gesagt, du sollst vorsichtig sein.«

»RUNTER!«

Jetzt konnte sie zur Abwechslung mich retten. Sie warf mich zu Boden, als die Monsterzähne sich über meinem Kopf schlossen. Mrs O’Leary sprang ins Gesicht des Drakon, um ihn abzulenken, und wir rollten uns beiseite.

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