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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Der erste Bauernhof, den er sah — ein großes Holzhaus mit einer hohen Scheune und spitzen strohgedeckten Giebeldächern (aus einem gemauerten Schornstein drang eine Rauchwolke) -, erschreckte ihn deshalb einigermaßen.

»Es ist nicht anders als zu Hause«, sagte Perrin, der finster zu den fernen Gebäuden hinüberblickte. Menschen bewegten sich im Hof. Sie hatten die Reisenden noch nicht entdeckt.

»Natürlich ist es anders«, sagte Mat. »Wir sind einfach noch nicht nahe genug.«

»Ich sage euch, es ist nicht anders«, beharrte Perrin.

»Doch! Wir sind schließlich nördlich des Taren.«

»Ruhig, ihr beiden!« grollte Lan. »Wir wollen nicht gesehen werden, ja? Hier entlang!« Er wandte sich Richtung Westen, um den Hof durch die Bäume herum zu umgehen.

Beim Zurückschauen dachte Rand, daß er Perrin recht geben mußte. Der Hof sah ziemlich gleich aus wie alle in der Gegend um Emondsfeld. Da war ein kleiner Junge, der Wasser aus dem Brunnen schöpfte, und ältere Jungen hüteten Schafe hinter einem Lattenzaun. Es gab sogar einen Trockenschuppen für Tabak. Aber Mat hatte auch recht. Wir befinden uns nördlich des Taren. Es muß einfach anders sein.

Sie machten immer Rast, wenn es noch hell war, um einen Platz auszusuchen, der einen leichten Abhang aufwies, damit das Wasser abfließen konnte, und sie vor dem Wind schützte, der nur selten ganz einschlief. Meist änderte er lediglich die Richtung. Ihr Lagerfeuer war immer klein und so geschickt versteckt, daß man es auf wenige Schritte Entfernung nicht mehr sehen konnte. Sobald der Tee gekocht war, wurden die Flammen gelöscht und die Kohlen vergraben.

Beim ersten Halt, bevor die Sonne sank, begann Lan damit, die Jungen im Umgang mit ihren Waffen zu unterweisen. Er nahm als erstes den Bogen. Nachdem er beobachtet hatte, wie Mat drei Pfeile in einem männerkopfgroßen Ziel auf dem gespaltenen Stumpf eines toten Lederblattbaums landete — auf hundert Schritt Entfernung -, nahm er die anderen an die Reihe. Perrin wiederholte Mats Leistung, und Rand, der die Flamme und das Nichts in sich beschwor und damit die leere Ruhe, die den Bogen zu einem Teil seiner selbst werden ließ, brachte seine drei Pfeile so eng nebeneinander ins Ziel, daß sich die Spitzen beinahe berührten. Mat schlug ihm gratulierend auf die Schulter.

»Wenn ihr jetzt alle einen Bogen hättet«, sagte der Behüter trocken, als er ihr Grinsen sah, »und wenn die Trollocs so nett wären, euch so weit vom Leib zu bleiben, daß ihr den Pfeil abschießen könntet... « Das Grinsen verging den Freunden sogleich. »Wir werden sehen, was ich euch beibringen kann, falls sie einmal zu nahe kommen.«

Er zeigte Perrin den Gebrauch einer Streitaxt mit großer Schneide; wenn man eine Axt gegen jemanden erhob, der selbst bewaffnet war, war das nicht mit Holzhacken oder einem probeweisen Axtschwingen zu vergleichen. Er ließ den großen Schmiedlehrling eine Reihe von Übungen durchführen — blockieren, parieren und zuschlagen -, und dann wiederholte er diese Prozedur mit Rand und seinem Schwert. Nicht das wilde Herumspringen und Zuschlagen, das Rand im Sinn hatte, wenn er über den Gebrauch der Waffe nachdachte, sondern flüssige Bewegung, bei der eine in die andere überging wie bei einem Tanz.

»Es genügt nicht, die Klinge zu bewegen«, erklärte Lan, »auch wenn einige das glauben. Der Verstand ist ein Teil des Ganzen, ein wesentlicher Teil. Leere deinen Verstand, Schafhirte, leere ihn von Haß oder Angst, von allem. Brenne alles weg. Ihr anderen, hört mir auch zu. Ihr könnt das genauso mit der Axt oder dem Bogen, mit einem Speer oder Stock oder sogar mit euren leeren Händen anwenden.«

Rand starrte ihn an. »Die Flamme und das Nichts«, sagte er erstaunt. »Das meint Ihr doch, nicht wahr? Mein Vater hat mich das gelehrt.«

Der Behüter blickte ihn undurchdringlich an. »Halte das Schwert, wie ich es dir gezeigt habe, Schafhirte. Ich kann in einer Stunde aus einem plattfüßigen Dorfbewohner keinen Schwertmeister machen, aber vielleicht kann ich dich davor bewahren, dir den eigenen Fuß abzuschneiden.«

Rand seufzte und hielt das Schwert aufrecht mit beiden Händen vor sich. Moiraine beobachtete alles ohne äußere Gefühlsregung, aber am nächsten Abend bat sie Lan, er solle den Unterricht fortsetzen.

Zum Abendbrot gab es stets das gleiche wie am Mittag oder zum Frühstück: Fladenbrot, Käse und Trockenfleisch, nur daß sie am Abend heißen Tee statt Wasser tranken, um das Essen hinunterzuspülen. Am Abend unterhielt Thom die Gesellschaft. Lan verbot dem Gaukler zwar nicht Harfe oder Flöte zu spielen — nicht nötig, das ganze Land aufzuwecken, meinte er -, aber Thom jonglierte und erzählte Geschichten. ›Mara und die drei närrischen Könige‹ oder eine der vielen hundert Erzählungen über Anla, die weise Ratgeberin, oder mit Ruhm und Abenteuern erfüllte Geschichten wie ›Die Wilde Jagd nach dem Horn‹, doch immer mit einem glücklichen Ausgang und einer freudigen Heimkehr.

Wenn das Land um sie herum auch friedlich war, keine Trollocs zwischen den Bäumen erschienen, kein Draghkar unter den Wolken, so brachten sie es doch fertig, ihre Angst immer dann wieder zu schüren, wenn sie gerade am Erlöschen war.

Da war beispielsweise jener Morgen, an dem Egwene aufwachte und anfing, ihren Zopf zu lösen. Rand beobachtete sie aus den Augenwinkeln, während er seine Decken einrollte. Jeden Abend, wenn das Feuer gelöscht wurde, zogen sich alle in ihre Decken zurück, bis auf Egwene und die Aes Sedai. Immer setzten sich die beiden Frauen abseits von den anderen hin und unterhielten sich ein oder zwei Stunden lang. Sie legten sich hin, wenn die anderen längst schliefen. Egwene kämmte ihr Haar aus -hundertmal zog sie den Kamm durch, zählte Rand -, während er Wolke sattelte und seine Satteltaschen und Bettrolle hinter dem Sattel festschnallte. Dann steckte sie den Kamm weg, schob ihr loses Haar über die Schulter nach hinten und zog die Kapuze des Umhangs darüber.

Überrascht fragte er: »Was tust du da?« Sie blickte ihn von der Seite an, ohne zu antworten. Ihm wurde klar, daß er sie zum ersten Mal seit zwei Tagen angesprochen hatte, seit dem Abend in der Baumhöhle am Ufer des Taren, aber er ließ sich davon nicht aufhalten. »Dein ganzes Leben lang hast du darauf gewartet, dein Haar endlich als Zopf tragen zu dürfen, und jetzt gibst du ihn auf?

Warum? Weil sie auch keinen Zopf trägt?«

»Aes Sedai tragen ihr Haar nicht als Zopf«, sagte sie einfach. »Jedenfalls nicht, solange sie das nicht wollen.«

»Du bist keine Aes Sedai. Du bist Egwene al'Vere aus Emondsfeld, und die Frauen dort bekäme jetzt einen Anfall, wenn sie dich so sähen.«

»Der Frauenzirkel geht dich nichts an, Rand al'Thor. Und ich werde eine Aes Sedai, sobald wir Tar Valon erreichen.«

Er schnaubte. »Sobald wir Tar Valon erreichen. Warum? Licht, sag mir warum! Du bist doch keine Schattenfreundin.«

»Denkst du, daß Moiraine zu den Schattenfreunden gehört? Glaubst du das wirklich?« Sie drehte sich mit geballten Fäusten zu ihm um, und es sah so aus, als wolle sie ihn schlagen. »Nachdem sie das Dorf gerettet hat? Nachdem sie deinen Vater gerettet hat?«

»Ich weiß nicht, wie sie ist, aber wie auch immer — das sagt nichts über die anderen Aes Sedai aus. Die Geschichten... «

»Werde erwachsen, Rand! Vergiß die Geschichten, und gebrauch deine Augen!«

»Mit meinen Augen habe ich gesehen, wie sie die Fähre versenkte. Oder willst du das leugnen? Wenn du erst mal Flausen im Kopf hast, gibst du nicht mehr nach, selbst wenn dir jemand beweist, daß du auf dem Wasser zu gehen versuchst. Wenn du keine so vom Licht geblendete Närrin wärst, würdest du bemerken...!«

»Versucht ihr zwei, alle Leute innerhalb von zehn Meilen aufzuwecken?« fragte der Behüter.

Rand stand mit offenem Mund da und wollte noch etwas hinzuzufügen, da fiel ihm auf, daß er geschrien hatte. Sie hatten beide geschrien.

Egwenes Gesicht lief bis zu den Augenbrauen scharlachrot an. Sie drehte sich mit einem halblauten »Männer!« ab, das sowohl dem Behüter wie auch ihm zu gelten schien. Ahnungsvoll sah sich Rand im Lager um. Alle sahen ihn an, nicht nur der Behüter. Mat und Perrin waren ganz blaß. Thom wirkte so angespannt, als wolle er gleich wegrennen oder kämpfen. Moiraine. Das Gesicht der Aes Sedai war ausdruckslos, doch ihr Blick schien sich in seinen Kopf zu bohren. Verzweifelt versuchte er, sich daran zu erinnern, was er über Aes Sedai und Schattenfreunde gesagt hatte.

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