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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Ah ja. Genau dort. Nun, das hat die Besitzerin dieser Flasche auch getan.«

Ohne das Lächeln von der Blondine abzuwenden, öffnete er die Parfumflasche und schwenkte sie sacht unter seiner Nase.

»Was ist es denn, Herr Professor? Arpège?« Nicht so schüchtern, diese Studentin; dunkelhaarig wie Frank, mit grauen Augen, die ihn mehr als nur ein wenig anflirteten.

Er schloss die Augen und atmete tief ein, so dass sich seine Nasenlöcher über der Flasche weiteten.

»Nein. Es ist L’Heure Bleu. Mein Lieblingsduft.«

Er wandte sich wieder dem Tisch zu, und das Haar fiel ihm in die Stirn, während er konzentriert die Hand über der Miniaturenreihe schweben ließ.

»Und dann gibt es noch eine ganz besondere Art von Gegenständen – Porträts. Einerseits Kunst, gleichzeitig das beste Bild, das wir von den Menschen selbst haben. Doch wie real sind sie für uns?«

Er hob ein kleines Oval und hielt es so, dass die Teilnehmer es sehen konnten, während er das kleine, mit Gummikleber fixierte Etikett auf der Rückseite las.

»Eine Dame, von Nathaniel Plimer, signiert und 1786 datiert, mit braunem, hoch aufgetürmtem Lockenhaar, einem rosa Kleid und einer Chemise mit Rüschenkragen, Wolken und Himmel im Hintergrund.« Er hielt ein quadratisches Bild daneben.

»Ein Herr, von Horace Hone, mit Monogramm signiert und 1780 datiert, mit gepudertem Haar en queue, in braunem Rock, blauer Weste, mit Batistkragen und einem Orden, vermutlich dem Ehrenwertesten Orden von Bath.«

Die Miniatur zeigte einen Mann mit einem runden Gesicht, der den rosigen Mund zu der formellen Pose so vieler Porträts des achtzehnten Jahrhunderts gespitzt hatte.

»Die Künstler kennen wir«, sagte er und legte das Porträt hin. »Sie haben ihr Werk signiert oder durch ihre Technik und ihre Modelle Hinweise auf ihre Identität hinterlassen. Aber die Menschen, die sie gemalt haben? Wir sehen sie, und doch wissen wir nichts über sie. Die seltsamen Frisuren, die ungewohnten Kleider – sie erscheinen einem nicht wie Menschen, die man selbst kennen könnte, nicht wahr? Und so viele Künstler haben sie auf eine Weise gemalt, die alle Gesichter gleich aussehen lässt; die meisten haben bleiche Puddinggesichter, viel mehr lässt sich nicht über sie sagen. Hier und dort prägt sich eines ein …« Seine Hand schwebte über den aufgereihten Bildern, dann wählte er ein anderes Oval aus.

»Ein Herr …«

Er hielt die Miniatur hoch, und Jamies blaue Augen leuchteten den Betrachtern unter seinem feurigen Haarschopf entgegen, ausnahmsweise gekämmt, geflochten und mit einem Band zu ungewohnter Förmlichkeit zusammengebunden. Sein messerscharfer Nasenrücken ragte kühn aus seiner spitzenbesetzten Halsbinde, und sein breiter Mund schien im Begriff, etwas zu sagen, sein Mundwinkel halb verzogen.

»Aber sie waren einmal echte Menschen«, sagte Franks Stimme beharrlich. »Sie haben im Großen und Ganzen die gleichen Dinge getan wie Sie – lässt man einmal Einzelheiten wie Kinobesuche oder Autobahnfahrten außen vor«, beifälliges Kichern unter den Studenten, »aber sie haben für ihre Kinder gesorgt; sie haben ihre Ehemänner, ihre Frauen geliebt … nun, zumindest manchmal …« Mehr Gelächter.

»Eine Dame«, sagte er leise und wiegte das letzte Porträt einen Moment lang schützend in seiner Hand. »Mit herrlichem braunen Lockenhaar, das ihr auf die Schultern fällt, und einer Halskette aus Perlen. Undatiert. Künstler unbekannt.«

Es war ein Spiegel, keine Miniatur. Meine Wangen waren errötet, und meine Lippen bebten, als Frank mir mit dem Finger sacht über das Kinn fuhr, über meinen geschwungenen Hals. Die Tränen stiegen mir in die Augen und ergossen sich über meine Wangen, als ich seine Stimme hörte, die ihren Vortrag fortsetzte, nachdem er die Miniatur hingelegt hatte, und ich blickte zu den Holzbalken der Decke auf.

»Undatiert. Unbekannt. Doch einst … einst war sie real.«

Ich bekam kaum noch Luft und dachte zuerst, dass mich das Glas über der Miniatur erdrückte. Doch das Material, das gegen meine Nase drückte, war weich und feucht, und ich wandte den Kopf ab und erwachte mit dem tränennassen Leinenkissen unter meiner Wange. Jamies Hand lag groß und warm auf meiner Schulter und schüttelte mich sacht.

»Schsch, Kleine. Schsch! Du träumst nur – ich bin hier.«

Ich wandte mein Gesicht in die Wärme seiner nackten Schulter und spürte den Film aus Tränen zwischen Wange und Haut. Ich klammerte mich fest an seinen Körper, und die kleinen Nachtgeräusche des Hauses in Paris drangen mir langsam in die Ohren und holten mich zurück in das Leben, das das meine war.

»Es tut mir leid«, flüsterte ich. »Ich habe geträumt von … von …«

Er tätschelte meinen Rücken und suchte unter dem Kissen nach einem Taschentuch.

»Ich weiß. Du hast seinen Namen gerufen.« Er klang resigniert.

Ich legte meinen Kopf an seine Schulter zurück. Er roch warm und zerknittert, und sein eigener Schlafgeruch vermischte sich mit dem Geruch der daunengefüllten Bettdecke und der sauberen Leinenlaken.

»Es tut mir leid«, sagte ich erneut.

Er prustete kurz, nicht ganz ein Lachen.

»Nun, ich will nicht sagen, dass ich nicht furchtbar eifersüchtig auf den Mann bin«, sagte er reumütig, »denn das bin ich. Aber ich kann ihm deine Träume kaum verübeln. Oder deine Tränen.« Sein Finger zeichnete sanft die feuchte Spur auf meiner Wange nach, dann tupfte er sie mit dem Taschentuch fort.

»Nicht?«

Er lächelte schief im Halbdunkel.

»Nein. Du hast ihn geliebt. Ich kann es keinem von euch vorwerfen, dass du um ihn trauerst. Und es tröstet mich zu wissen …« Er zögerte, und ich hob die Hand, um ihm das zerzauste Haar aus dem Gesicht zu streichen.

»Was zu wissen?«

»Dass du auch um mich so trauern würdest, wenn es nötig wird«, sagte er leise.

Ich presste mein Gesicht fest an seine Brust, so dass meine Worte gedämpft wurden.

»Ich werde nicht um dich trauern, weil es nicht nötig sein wird. Ich werde dich nicht verlieren, das werde ich nicht!« Mir kam ein Gedanke, und ich blickte zu ihm auf. Seine Bartstoppeln malten sich als Schatten auf seinem Gesicht ab.

»Du hast doch keine Angst, dass ich zurückgehen würde, oder? Du meinst doch nicht, weil ich … an Frank denke …«

»Nein.« Seine Stimme kam schnell und sanft, seine Antwort so rasch wie seine besitzergreifende Umarmung.

»Nein«, wiederholte er noch sanfter. »Wir sind aneinandergebunden, du und ich, und nichts auf dieser Welt soll mich von dir trennen.« Seine große Hand erhob sich, um mir das Haar zu streicheln. »Erinnerst du dich an den Bluteid, den ich dir bei unserer Hochzeit geschworen habe?«

»Ja, ich glaube schon. Du bist Blut von meinem Blut und Bein von meinem Bein …«

»Zwei werden eins, mein Körper sei dein«, fuhr er fort. »Aye, und ich habe diesen Schwur gehalten, Sassenach, genau wie du.« Er drehte mich ein wenig, und seine Hand legte sich sanft über die kleine Wölbung meines Bauches.

»Blut von meinem Blut«, flüsterte er, »und Bein von meinem Bein. Du trägst mich in dir, Claire, und du kannst mich nicht mehr verlassen, ganz gleich, was geschieht. Du bist mein, immer, ob du willst oder nicht. Mein, und ich lasse dich nicht gehen.«

Ich legte meine Hand über die seine und presste sie an mich.

»Nein«, sagte ich leise, »genauso wenig, wie du mich verlassen kannst.«

»Nein«, sagte er mit einem angedeuteten Lächeln. »Denn das Ende des Schwurs habe ich auch gehalten.« Er legte beide Hände um mich und senkte den Kopf auf meine Schulter, so dass ich den warmen Atem seiner Worte in meinem Ohr spüren konnte, als er in die Dunkelheit flüsterte.

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