Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Ich werde dir eine Fährte suchen«, sagte Vas.
»Nein!« sagte Luet. Nafai sah sie verblüfft an — sie hatte bislang gar nichts gesagt. »Nafai wird es allein versuchen. Er und die Überseele. So muß es sein.« Dann sah sie ruhig und eindringlich zu ihm auf.
Sie weiß etwas, dachte Nafai. Dann erinnerte er sich an die Gedanken, die ihm an diesem Morgen auf dem Berg gekommen waren — daß Vas ihn umbringen wollte, den Absturz verursacht hatte. Hatte die Überseele zu ihr deutlich gesprochen? Waren meine Ängste berechtigt? Will sie mich deshalb allein losschicken?
»Also brichst du morgen früh auf?« fragte Volemak.
»Nein«, sagte Nafai. »Heute noch. Ich hoffe, den Bogen noch heute fertigstellen zu können, damit ich den morgigen Tag für die Jagd habe. Schließlich könnten meine ersten Schüsse ja weit daneben gehen.«
»Das ist doch lächerlich«, sagte Meb. »Für wen hält Nafai sich? Für einen der Helden von Pjiretsiss?«
»Ich halte mich für denjenigen, der diese Expedition nicht scheitern läßt!« rief Nafai. »Und wenn ich mich nicht von einem zerstörten Pulsator aufhalten lasse, kannst du den Schnodder in deiner Nase wetten, daß ich mich auch von dir nicht aufhalten lassen werde.«
Meb sah ihn an und lachte. »Ich nehme die Wette an, Njef, mein lieber kleiner Bruder. Und der Schnodder in meiner Nase sagt, daß du es nicht schaffen wirst.«
»Abgemacht.«
»Aber wir haben noch nicht ausgemacht, was du mir gibst, wenn du scheiterst.«
»Das spielt keine Rolle«, sagte Nafai. »Ich werde nicht scheitern.«
»Aber wenn du scheiterst … dann bist du mein persönlicher Diener.«
Viele der Gruppe reagierten mit Hohn auf seine Worte. »Schnodder gegen Knechtschaft«, sagte Eiadh verächtlich. »Genau das habe ich von dir erwartet, Meb.«
»Er muß die Wette ja nicht annehmen«, sagte Meb.
»Begrenze die Zeit«, erwiderte Nafai. »Sagen wir — einen Monat.«
»Ein Jahr. Ein Jahr, in dem du tust, was ich dir befehle.«
»Das ist widerlich«, sagte Volemak. »Ich verbiete es.«
»Du hast bereits zugestimmt, Nafai«, sagte Mebbekew. »Wenn du jetzt einen Rückzieher machst, stehst du als Eidbrecher vor uns.«
»Du kannst entscheiden, was ich bin, wenn ich dir das Fleisch vor die Füße lege, Meb, und ein Eidbrecher werde ich nicht sein, soviel steht fest.«
Und so wurde es abgemacht. Nafai blieb bis zum morgigen Sonnenuntergang Zeit, Fleisch zu beschaffen.
Er verließ sie, eilte ins Küchenzelt und nahm sich, was er brauchte — Zwieback, getrocknete Melonen und Trockenfleisch. Dann lief er zur Quelle, um seine Feldflasche aufzufüllen. Da er sein Messer bei sich trug, war das alles, was er brauchte.
Luet holte ihn dort ein, als er neben dem Teich kniete und die Flasche ins Wasser tauchte, um sie zu füllen.
»Wo ist Schveja?« fragte er.
»Bei Schuja«, antwortete sie. »Ich wollte mit dir sprechen. Statt dessen hatten wir diese … Versammlung.«
»Und ich wollte auch mit dir sprechen«, sagte er. »Aber die Dinge sind uns aus der Kontrolle geraten, und jetzt haben wir keine Zeit mehr.«
»Hoffentlich hast du noch Zeit, um das hier zu nehmen«, sagte sie.
In ihrer Hand lag eine Rolle Zwirn.
»Wie ich gehört habe, funktioniert ein Bogen nicht ohne eine Sehne«, sagte sie. »Und die Überseele sagt, daß dieser Zwirn dafür am besten geeignet ist.«
»Du hast sie gefragt?«
»Sie schien der Ansicht zu sein, du wolltest ohne den Faden loslaufen, und das hättest du ziemlich schnell bedauert.«
»Das hätte ich, ja.« Er nahm die Rolle und steckte sie ein. Dann beugte er sich zu ihr hinab und küßte sie. »Du gibst immer auf mich acht.«
»Wenn ich kann«, sagte sie. »Nafai, als du weg warst, hat die Überseele mit mir gesprochen. Sehr deutlich.«
»Und?«
»War Vas in deiner Nähe, als du gestürzt bist?«
»Ja.«
»Hätte er den Sturz herbeiführen können? Zum Beispiel, indem er deinem Fuß einen Stoß gab?«
Nafai erinnerte sich augenblicklich an diesen schrecklichen Moment, als er auf dem Felsen ins Rutschen gekommen war. Sein Fuß war nach innen geglitten, auf den anderen zu. Hätte der Fuß nicht einfach hinabrutschen müssen, wenn lediglich die Reibung nicht mehr stark genug gewesen wäre?
»Ja«, sagte Nafai. »Die Überseele hat versucht, mich zu warnen, aber …«
»Aber du hast gedacht, es wäre deine eigene Furcht, und sie ignoriert.«
Nafai nickte. Sie wußte, wie die Stimme der Überseele sich anhörte — wie die eigenen Gedanken, wie die eigenen Ängste.
»Ihr Männer!« sägte sie. »Habt immer Angst davor, Angst zu haben. Wißt ihr nicht, daß Angst das wichtigste Werkzeug ist, mit dem die Evolution eine Spezies am Leben hält? Und doch ignoriert ihr sie, als wolltet ihr sterben.«
»Na ja, ich komme nicht dagegen an, was die Testosterone mit mir machen. Wenn ich keine hätte, würde es dir auch nicht so sehr gefallen, mit mir verheiratet zu sein.«
Sie lächelte. Aber das Lächeln währte nicht lange. »Die Überseele hat mir noch etwas gesagt«, fuhr sie fort. »Vas hat vor …«
Doch in diesem Augenblick kamen Obring und Kokor hinüber geschlendert:. »Hast du es dir anders überlegt, kleiner Bruder?« fragte Kokor.
»Wenn ich mir etwas überlege, dann auch richtig«, sagte Nafai.
»Ich wollte dir nur viel Glück wünschen«, sagte Kokor. »Ich hoffe wirklich, daß du einen schäbigen kleinen Hasen nach Hause bringst. Denn stell dir mal vor, du würdest keinen mitbringen … dann müßten wir in eine Stadt ziehen und gebratenes Fleisch essen, und das wäre doch einfach schrecklich, meinst du nicht auch?«
»Irgendwie habe ich den Eindruck, daß dein Herz nicht hinter deinen freundlichen Worten steht«, sagte Nafai.
»Wäre ich der Ansicht, du hättest auch nur den Hauch einer Chance«, sagte Obring, »würde ich dir den Arm brechen.«
»Wenn jemand wie du mir den Arm brechen könnte«, sagte Nafai, »hätte ich wirklich keine Chance.«
»Bitte«, sagte Luet. »Haben wir nicht schon genug Schwierigkeiten? «
»Freundliche kleine Friedensstifterin«, sagte Kokor. »Du siehst zwar nicht gut aus, aber vielleicht wirst du ja in Würde alt.«
Nafai kam nicht dagegen an. Kokors Beleidigungen waren so kindisch, ähnelten so sehr dem, was unter Schulkindern als Klugheit durchging, daß er unwillkürlich lachen mußte.
Kokor gefiel dies nicht besonders. »Lache, soviel du willst«, sagte sie. »Aber ich kann mich wieder zu Wohlstand singen, und Mutter hat in Basilika noch immer einen Haushalt, den ich erben kann. Was kann dein Vater dir hinterlassen? Und was für einen Haushalt wird deine kleine Waisenfrau in Basilika für dich gründen?«
Luet trat vor und sah Kokor an. Nafai bemerkte zum erstenmal, daß sie etwa gleich groß waren, was bedeutete, daß Luet im vergangenen Jahr gewachsen war. Sie ist wirklich noch ein Kind, dachte er.
»Koja«, sagte Luet. »Du vergißt, mit wem du sprichst. Du glaubst vielleicht, Nafai sei lediglich dein jüngerer Bruder. Doch in Zukunft wirst du dich hoffentlich daran erinnern, daß er der Gatte der Wasserseherin ist.«
»Und was für eine Rolle spielt das hier schon?« antwortete Kokor trotzig.
»Hier gar keine. Aber falls wir nach Basilika zurückkehren, liebe Koja, frage ich mich, wie deine Karriere verlaufen würde, wenn alle wissen, daß du der Feind der Wasserseherin bist.«
Kokor erbleichte. »Das würdest du nicht tun.«
»Nein«, sagte Luet. »Das würde ich nicht tun. Ich habe meinen Einfluß nie auf diese Weise eingesetzt. Und außerdem kehren wir nicht nach Basilika zurück.«