Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Und doch waren sie nun hier — auf Vas’ Initiative zusammengekommen. Und es hatte den Anschein, daß die Dinge sich jetzt etwas besserten und Obring vielleicht einmal bei etwas beteiligt wurde, das diese elende Gruppe durchführte, die so sehr von Volemaks und Rasas Kindern beherrscht wurde.
»Es ist an der Zeit, dieser dummen Expedition ein Ende zu bereiten, meint ihr nicht auch?« sagte Vas.
Obring lachte verbittert auf. »Das hat man schon einmal versucht, und da hat Nafai einen seiner kleinen Zaubertricks abgezogen.«
»Einige von uns haben nur den richtigen Augenblick abgewartet«, sagte Vas. »Aber das ist jetzt die letzte Chance — die letzte vernünftige zumindest. Dorava ist von hier aus deutlich zu sehen. Wir brauchen keinen Elemak, der uns dorthin führt. Gestern habe ich einen Weg den Berg hinab gefunden. Es ist nicht einfach, aber wir können es schaffen.«
»Wir?«
»Du, Sevet und ich.«
Obring sah zu ihrem Baby hinüber, Vasnja, das auf dem Bett schlief. »Ein Baby mitnehmen? Mitten in der Nacht?«
»Der Mond scheint, und ich kenne den Weg«, sagte Vas. »Und wir nehmen das Baby nicht mit.«
»Ihr nehmt das …«
»Komm mir doch nicht dumm, Obring — denke ein wenig nach. Wir wollen uns nicht von der Gruppe trennen, wir wollen, daß die ganze Gruppe die Expedition aufgibt. Wir tun dies nicht für uns, wir tun dies für sie, um sie vor sich selbst zu retten — vor den absurden Plänen der Überseele. Wir gehen nach Dorova, damit sie uns folgen müssen. Wir können keine Kinder mitnehmen, weil sie uns aufhalten und unter der Reise leiden würden. Also lassen wir sie zurück. Dann müssen sie Sevet und mir Vasnja bringen, und dir Kokor und Krassja. Aber sie werden den langen Weg nehmen, also wird den Kindern nichts passieren.«
»Das ist … irgendwie logisch«, sagte Obring.
»Wie nett von dir, es einzugestehen«, sagte Vas.
»Wenn Nafai also ohne Fleisch zurückkehrt, brechen wir in dieser Nacht auf?«
»Bist du wirklich so dumm zu glauben, daß sie sich an die Vereinbarung halten werden?« sagte Vas. »Nein, sie werden eine andere Entschuldigung finden, um die Expedition fortzusetzen — und bringen unsere Kinder in Gefahr und führen uns immer weiter von der letzten Hoffnung auf ein anständiges Leben fort. Nein, Brija, mein Freund, wir warten auf nichts. Wir zwingen sie zum Handeln, bevor Nafai und die Überseele einen weiteren Trick abziehen können.«
»Und … wann brechen wir auf? Nach dem Abendessen?«
»Sie würden es bemerken, uns folgen und sofort aufhalten«, sagte Vas. »Also melde ich mich heute abend für die Spätwache, und du meldest dich für die letzte Wache. Eine Weile, nachdem ich meine Wache angetreten habe, wecke ich Sevet und kratze dann an deinem Zelt. Kokor wird glauben, du stehst lediglich auf, um deine Wache anzutreten, und sofort wieder einschlafen. Der Mond spendet uns Licht. Wir werden schon Stunden unterwegs sein, bevor jemand uns vermißt.«
Obring nickte. »Klingt gut.« Dann sah er Sevet an. Ihr Gesichtsausdruck war so undurchdringlich wie eh und je. Er wollte diese Maske durchdringen, und wenn es nur ein wenig war. Daher sagte er: »Aber werden deine Titten nicht wund, wenn du das Baby zurückläßt, obwohl du es eigentlich stillen müßtest?«
»Huschidh produziert genug Milch für vier Babies«, sagte Sevet. »Dazu wurde sie geboren.«
Ihre Worte waren kaum freundlich, aber immerhin hatte sie etwas gesagt. »Ich bin dabei«, sagte Obring.
Doch dann kam ihm ein Gedanke. Ein Zweifel, der Vas’ Motiv betraf. »Aber warum ich?«
»Weil du keiner von ihnen bist«, sagte er. »Dir ist die Überseele gleichgültig, du haßt dieses Leben und du läßt dich nicht von irgendwelchen törichten Vorstellungen über Familientreue beeindrucken. Wen sonst könnte ich mitnehmen? Gingen Sevet und ich allein, würden sie sich vielleicht entschließen, unser Baby zu behalten und die Reise fortzusetzen. Wir brauchen jemanden, der uns begleitet und eine weitere Familie auseinanderreißt, und wen außer dir gibt es da? Die einzigen anderen, die in Frage kämen, wären entweder Zdorab und Schedemei, und die haben keine Kinder und würden uns nichts nützen, oder Huschidh und Luet, und die stehen dicker mit der Überseele als sonst jemand. Ach ja, und Dol natürlich, aber die ist — Gott allein weiß, warum — Mebbekew dermaßen zugetan und außerdem ein so feiges Faultier, daß sie sowieso nicht mitgehen würde und wir sie auch gar nicht dabeihaben wollen. Und damit bleibst nur du übrig, Obring. Und glaube mir, ich frage dich nur, weil du mir nicht ganz so widerwärtig bist wie Dolja.«
Das war ein Motiv, dem Obring Glauben schenken konnte. »Ja, ich bin dabei«, sagte er.
Schedemei wartete, bis sie sah, daß Zdorab zu Volemaks Zelt ging. Er wollte sich natürlich den Index borgen — da das Kochen dieser Tage verboten war, hatte er viel Zeit für seine Studien. Also entschuldigte sie sich bei den anderen Frauen, die mit ihr Wäsche wuschen, und bat Huschidh, ihre und Zdorabs Sachen von den Sträuchern zu nehmen, wenn sie trocken waren. Als Zdorab durch die Zelttür trat, den Index im sicheren Griff unter dem Arm, wartete Schedemei auf ihn.
»Willst du allein sein?« fragte Zdorab.
»Ich wollte mit dir sprechen«, sagte Schedemei.
Zdorab setzte sich und stellte den Index beiseite, damit sie nicht annahm, er könne es kaum abwarten, ihn zu benutzen — obwohl sie natürlich wußte, daß es genauso war.
»Dorova ist unsere letzte Chance«, sagte Schedemei. »Um in die Zivilisation zurückzukehren.«
Zdorab nickte — keine Zustimmung, nur ein Zeichen, daß er verstand.
»Zodja, wir gehören nicht hierher«, sagte sie. »Wir sind nicht Teil dieser Gruppe. Für dich bedeutet es ein Leben der endlosen Knechtschaft, für mich eins, in dem all meine Arbeit verschwendet ist. Wir haben ein Jahr lang mitgemacht — wir haben ihnen gut gedient. Du hast Nafai geschworen, ihn zu begleiten, weil er dich nicht nach Basilika zurückkehren lassen konnte. Hättest du Alarm geschlagen, hätten die Soldaten ihn gefaßt. Nun, dazu wird es jetzt wohl kaum noch kommen, meinst du nicht auch?«
»Ich bleibe nicht wegen meines Eides hier, Schedja.«
»Ich weiß«, sagte sie und brach dann in Tränen aus, obwohl sie es unbedingt hatte vermeiden wollen.
»Glaubst du, ich würde nicht sehen, wie du hier leidest?« sagte er. »Wir dachten, es würde reichen, daß wir heiraten, aber dem war nicht so. Du willst zu ihnen gehören, und das kannst du nicht, solange du kein Kind hast.«
Es machte sie wütend, daß er so ruhig dozierte — er hatte sie beobachtet und war zu einem Schluß gekommen, worin ihr »Problem« bestand, doch er irrte sich. Oder er hatte zumindest nur halbwegs recht. »Es geht nicht darum, daß ich zu ihnen gehören will«, sagte sie wütend. »Es geht um mein Leben. Hier bin ich niemand — ich bin keine Wissenschaftlerin, ich bin keine Mutter, ich bin nicht einmal dir eine gute Dienerin, ich kann die Tiefen des Index nicht sondieren, weil ich die Stimme nicht so deutlich höre. Ich ertappe mich dabei, wie ich deine Weisheit verbreite, wenn ich mich mit anderen unterhalte, weil niemand die Dinge, die ich weiß, auch nur ansatzweise versteht — und wenn ich die anderen mit ihren Babies sehe, will ich selbst eins haben. Ich bin versessen auf eins, nicht, damit ich wie sie sein kann, sondern weil ich zum Netz des Lebens gehören will. Ich will meine Gene weitergeben, ich will ein Kind aufwachsen sehen, das ein Gesicht hat, das zur Hälfte das meine ist. Kannst du das nicht verstehen? Ich bin nicht wie du, was Fortpflanzung betrifft, behindert, ich bin von meiner biologischen Identität abgeschnitten, weil ich hier in dieser Gruppe gefangen bin, und wenn ich nicht herauskomme, werde ich sterben und keine Rolle auf der Welt gespielt haben.«