Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Nein, sagte er sich, so darf ich nicht denken, oder ich werde nie wieder zu etwas zu gebrauchen sein. Ich habe solche Felsvorsprünge schon hundertmal bewältigt. Sie sind nichts. Sie sind kein Problem. Und es würde mir helfen, wenn ich zur Felswand sehe und nicht zum Abgrund, der zum Meer hinabführt.
Er drehte sich um und trat vorsichtig den Felsvorsprung entlang, drückte sich dabei aber fester gegen die Klippe, als er es früher getan hätte. Aber sein Selbstvertrauen wuchs mit jedem Schritt, den er tat.
Als er die Biegung umrundete, sah er, daß der Vorsprung dort auslief — aber jetzt waren es nur noch zwei Meter von diesem Vorsprung bis zum nächsten über ihm, und von dort aus konnte er problemlos zu der Stelle hinaufklettern, die Vas und er kaum eine Stunde zuvor entlanggegangen waren. »Vas!« rief er. Er ging weiter, bis er direkt unter dem anderen Vorsprung stand. Er konnte ihn fast erreichen, wenn er die Arme ausstreckte, aber er konnte sich nirgendwo festhalten, und die Kante zerbröckelte bereits und wirkte nicht besonders zuverlässig. Es war sicherer, wenn Vas ihm half. »Vas, ich bin hier! Ich brauche dich!«
Aber er hörte nichts von Vas. Und dann erinnerte er sich an den Gedanken, der ihm gekommen war, als er den gefährlich glatten Felsen überqueren wollte: Geh nicht weiter! Vas will dich töten.
Hatte es sich dabei vielleicht um eine Warnung von der Überseele gehandelt?
Absurd?
Nafai wartete nicht auf Vas’ Antwort. Statt dessen streckte er die Arme so weit aus, wie er nur konnte, und grub die Finger dann in den lockeren, grasbewachsenen Boden. Er glitt mehrmals aus, doch indem er stetig krabbelte und immer wieder die Finger in den Boden grub, bekam er die Schultern über den Rand des Vorsprungs, und dann war es relativ einfach, ein Bein hinaufzuschwingen und sich in Sicherheit zu ziehen. Er rollte sich auf den Rücken und blieb einen Augenblick lang liegen, vor Erleichterung keuchend. Er konnte kaum glauben, daß er so kurz nach dem Sturz etwas so Gefährliches getan hatte — hätte er den Halt verloren, während er auf den oberen Vorsprung kletterte, hätte der untere ihn wohl kaum aufgefangen. Er hatte den Tod riskiert — aber er hatte es geschafft.
Nun tauchte Vas auf. »Ah«, sagte er. »Du bist schon oben. Komm, hier entlang! Wir kehren auf dem gleichen Weg zurück.«
»Ich muß den Pulsator suchen.«
»Er wird zerbrochen und nutzlos sein«, sagte Vas. »So einen tiefen Fall kann er nicht überstanden haben.«
»Ich kann nicht zurückgehen und einfach sagen, daß ich den Pulsator nicht mehr habe«, erwiderte Nafai. »Daß ich ihn verloren habe. Er ist da unten, und selbst, wenn er in vierzig Stücke zerbrochen ist, werde ich diese Einzelteile nach Hause bringen.«
»Macht es einen Unterschied, ob du den Pulsator verloren oder zerbrochen hast?« fragte Vas.
»Ja«, sagte Nafai. »Ich zeige ihnen lieber die Überreste, als daß sie sich ewig fragen, ob ich ihn, wenn ich nur richtig nachgesehen hätte, nicht doch noch gefunden hätte. Begreifst du nicht, daß es um den Fleischvorrat unserer Familien geht?«
»Doch, das begreife ich«, sagte Vas. »Und nachdem du es jetzt so ausgedrückt hast, ist mir natürlich klar, daß wir nach ihm suchen müssen. Komm, hier entlang — hier führt ein Pfad hinab.«
»Ich weiß«, sagte Nafai. »Direkt zum Meer.«
»Ach ja?« fragte Vas.
»Dort hinab, und dann nach links — siehst du?«
»Oh, jetzt sehe ich es auch.«
Nafai schämte sich, daß er den Weg zum Meer entdeckt, Vas aber nicht einmal daran gedacht hatte.
Doch statt zum Meer zu gehen, kletterten sie zu dem Unterholz hinab, in das der Pulsator gefallen sein mußte. Sie fanden ihn schon nach kurzer Suche: Er in der Mitte durchgebrochen. Mehrere kleine Bestandteile lagen hier und da in den Büschen verstreut, und einige würden sie wahrscheinlich niemals finden. Es bestand nicht die geringste Hoffnung, den Pulsator reparieren zu können.
Dennoch steckte Nafai alle Einzelteile, ob nun groß oder klein, in den Tragriemen, den er eigens für den Pulsator angefertigt hatte, und band ihn zu. Dann machten er und Vas sich wieder an den langen Aufstieg. Nafai schlug vor, daß Vas voranging, da dieser sich den Weg besser eingeprägt hatte, und Vas erklärte sich sofort einverstanden. Nafai ließ nicht die leiseste Andeutung fallen, er wolle nicht, daß Vas hinter ihm ging, wo er ihn nicht im Auge behalten konnte.
Überseele, war das eine Warnung von dir?
Er bekam keine Antwort, zumindest keine direkte. Statt dessen stellte sich bei ihm der klare Gedanke ein, er solle nach der Rückkehr zum Lager mit Luet sprechen. Und das hätte er sowieso getan, besonders nach einem Erlebnis wie diesem, bei dem er dem Tod so nahe gewesen war. Und so vermutete er, daß es sein eigener Gedanke gewesen war und die Überseele gar nicht zu ihm gesprochen hatte.
7
Der Bogen
Der Verlust des Pulsators war ein solcher Schlag, daß weder Volemak noch Elemak versuchten, die Ruhe zu bewahren. Zumindest versuchten sie es erst, als die Situation fast schon außer Kontrolle geraten war. Da lagen die Bruchstücke des Pulsators auf einem Tuch, und neben ihnen die beiden vom Wasser beschädigten Waffen, die Elemak gerettet hatten. Zdorab saß vor ihnen, den Index auf dem Schoß, und las die Ziffern der beschädigten Teile vor. Fast alle anderen standen da — nur wenig waren ruhig genug, um zu sitzen — und warteten, sahen zu, schritten auf und ab und murmelten leise vor sich hin, während Zdorab herauszufinden versuchte, ob man mit den Einzelteilen der Waffe noch etwas anfangen konnte.
»Es ist sinnlos«, sagte er schließlich. »Selbst wenn wir alle Teile hätten, fehlt es uns an den notwendigen Werkzeugen, und um die herzustellen, müßten wir fünfzig Jahre lang die nötigen Technologien entwickeln.«
»Was hatte die Überseele doch für einen brillanten Plan«, sagte Elemak. »Sie hielt die gesamte Menschheit auf einem niedrigen technologischen Niveau — auf einem so niedrigen, daß wir zwar Pulsatoren herstellen können, aber nicht wissen, wie sie funktionieren, und sie auch nicht reparieren können, wenn sie kaputtgehen.«
»Das war nicht der Plan der Überseele«, sagte Issib.
»Ist das noch wichtig?« sagte Mebbekew. »Jetzt werden wir hier draußen sterben.«
Dol brach in Tränen aus, und diesmal schien es sich um echte zu handeln.
»Es tut mir leid«, sagte Nafai.
»Sicher doch, und wir alle freuen uns, daß du Gewissensbisse hast«, sagte Elemak. »Was hast du überhaupt an so einem gefährlichen Ort zu suchen gehabt? Du hattest den einzigen Pulsator, der uns noch geblieben war, und was hast du mit ihm gemacht?«
»Wir haben das Tier verfolgt«, sagte Nafai.
»Und wenn es von der Klippe gesprungen wäre, wärest du hinterher gesprungen?« fragte Volemak.
Nafai war wie am Boden zerstört, daß Vater es Elemak gleichtat und ihn heftig kritisierte. Und Elemak selbst war keineswegs schon damit fertig. »Ich will es mal klar und deutlich ausdrücken, mein lieber kleiner Bruder: Hättest du eine Entscheidung treffen können, ob du oder der Pulsator auf dem Felsvorsprung landen oder in die Tiefe stürzen, wäre es für alle besser gewesen, wenn der Pulsator gerettet worden wäre.«
Diese Ungerechtigkeit war fast unerträglich. »Nicht ich habe die ersten drei Pulsatoren verloren.«
»Aber nachdem wir sie verloren hatten, blieb uns ja noch einer, und die Lage war nicht ganz so ernst«, sagte Vater. »Du hast gewußt, daß es unsere letzte Waffe war, und bist trotzdem solch ein Risiko eingegangen.«
»Das reicht«, sagte Rasa. »Wir alle, auch Nafai, sind uns einig, daß es ein schrecklicher Fehler war, den Pulsator einem Risiko auszusetzen. Doch nun ist er kaputt, und er kann nicht repariert werden, und wir sind nun an diesem fremden Ort und wissen nicht, wie wir Tiere erlegen können, um Fleisch zu bekommen. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, was wir jetzt tun können, statt die Schuld auf Nafais Schultern zu legen.«