Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Aber er wirkt so ruhig.
›Er kann sehr kalt sein.‹
Und was jetzt? Was nun, Überseele?
›Ich werde ihn beobachten …‹
Das hast du schon die ganze Zeit über getan, und trotzdem hast du uns nie auch nur den geringsten Hinweis gegeben. Du hast gewußt, was Vas vorhatte. Huschidh hat sogar die starke Verbindung zwischen ihm und Sevet und Obring gesehen, und du hast ihr nie gesagt, was sie zu bedeuten hat.
›So wurde ich programmiert. Um zu beobachten. Ich darf mich erst einmischen, wenn meine Pläne gefährdet werden. Wer wäre noch frei, würde ich jeden schlechten Menschen davon abhalten, schlechte Dinge zu tun? Wie könnten die Menschen dann noch Menschen sein? Also lasse ich sie ihre Pläne schmieden und beobachte sie. Oftmals überlegen sie es sich anders, ohne daß es meiner Einmischung bedarf.‹
Hättest du Vas nicht aufhalten können, indem du ihn dumm und vergeßlich machst?
›Ich habe es dir doch gesagt. Er hat eine starke Konzentrationsfähigkeit‹
Was nun? Was nun?
›Ich werde ihn beobachten.‹
Hast du es Volemak gesagt?
›Ich habe es dir gesagt.‹
Soll ich es jemandem sagen?
›Vas wird es abstreiten. Nafai weiß nicht einmal, daß er das Opfer eines Möchtegern-Mörders war. Ich habe es dir gesagt, weil ich nicht vorherzusagen wage, was Vas nun tun wird.‹
Und was kann ich tun?
›Du bist der Mensch. Du bist diejenige, die Dinge denken kann, die deine Programmierung überschreiten.‹
Nein, ich glaube dir nicht. Ich glaube dir nicht, daß du keinen Plan hast.
›Sollte ich einen Plan haben, gehört dazu, daß du deine eigenen Entscheidungen triffst.‹
Huschidh. Ich muß es meiner Schwester sagen.
›Sollte ich einen Plan haben, gehört dazu, daß du deine eigenen Entscheidungen triffst.«
Soll das heißen, ich darf mich nicht mit Huschidh beraten, weil es dann nicht mehr meine Entscheidung wäre? Oder heißt es, das Gespräch mit Huschidh ist eine der Entscheidungen, die ich treffen muß?
›Sollte ich einen Plan haben, gehört dazu, daß du deine eigenen Entscheidungen über deine Entscheidungen triffst.‹
Und dann fühlte sie, daß sie wieder allein war; die Überseele sprach nicht mehr mit ihr.
Die Kleider lagen neben dem Bach im Gras, bis auf Schvejas Gewand, das sie gerade gewaschen hatte; dies hielt sie noch immer in den Bach, und ihre Hände waren mittlerweile eiskalt, weil sie sie während des gesamten Gesprächs mit der Überseele nicht bewegt hatte.
Ich muß mit Huschidh sprechen. Das ist also die erste Entscheidung, die ich treffe. Ich werde mit Huschidh und Issib sprechen.
Doch zuerst muß ich diese Kleider waschen. Sonst merken die anderen, daß etwas nicht in Ordnung ist. Ich glaube, das ist die richtige Entscheidung — die anderen sollen nicht merken, daß etwas nicht stimmt, zumindest jetzt noch nicht.
Schließlich ist Nafai in Ordnung. Zumindest ist Nafai nicht tot. Aber Vas ist in seinem Herzen ein Mörder. Und Obring und Sevet droht Gefahr von ihm. Ganz zu schweigen von Nafai, sollte Vas jemals befürchten, Nafai könne ihn vielleicht durchschaut haben. Ganz zu schweigen von mir, wenn Vas klar wird, daß ich es ebenfalls weiß.
Wieso hat die Überseele es nur so weit kommen lassen? Ist sie nicht für all das hier verantwortlich? Weiß sie nicht, daß sie schreckliche Menschen mit auf diese Reise genommen hat? Wie konnte sie nur zulassen, daß wir so viele Monate lang mit einem Mörder reisen und lagern; über ein Jahr lang, und wer weiß, wie lange die Reise noch dauern wird?
Natürlich, weil sie gehofft hat, er würde sich doch nicht zu einem Mord entschließen. Weil sie allen Menschen erlauben muß, Menschen zu sein, sogar jetzt. Besonders jetzt.
Aber nicht, wenn es darauf hinausläuft, meinen Gatten zu töten. Das geht zu weit, Überseele. Du bist ein zu großes Risiko eingegangen.. Wäre er gestorben, hätte ich dir nie verziehen. Ich hätte mich geweigert, dir weiterhin zu dienen.
Von der Überseele kam keine Antwort. Sie kam statt dessen aus ihrem eigenen Herzen: Es kann jederzeit zum Tod eines Individuums kommen. Es ist nicht die Aufgabe der Überseele, dies zu verhindern. Die Überseele hat die Aufgabe, den Tod einer ganzen Welt zu verhindern.
Nafai lag benommen im Gras. Da die Klippe sich vorwölbte, war der Felsvorsprung von oben nicht sichtbar gewesen. Nachdem er den Felsen ein paar Meter hinabgerutscht war, war er nur fünf oder sechs Meter tief gestürzt. Das hatte ihm die Luft aus den Lungen getrieben und ihn das Bewußtsein verlieren lassen. Doch bis auf eine Prellung der Hüfte, auf der er gelandet war, war er unverletzt. Wäre der Felsvorsprung nicht gewesen, wäre er hundert Meter oder noch tiefer abgestürzt und mit Sicherheit gestorben.
Ich kann nicht fassen, daß ich es überlebt habe. Ich hätte nie versuchen sollen, das Tier aus dieser Position zu töten. Ich war dumm. Es war richtig, Angst zu haben. Ich hätte auf meine Angst hören sollen. Wir hätten das Tier zwar verloren, aber wir können jederzeit eine andere Beute aufspüren und töten. Wir können aber nicht einen anderen Vater für Schveja finden, einen anderen Gatten für Luet, einen anderen Jäger, der für andere Aufgaben nicht gebraucht wird.
Oder einen anderen Pulsator.
Er sah sich um und stellte fest, daß die Waffe nicht auf dem Felsvorsprung lag. Er konnte sie nirgendwo sehen. Er mußte sie bei seinem Sturz losgelassen haben, und sie mußte irgendwo aufgeprallt sein. Aber wo war sie?
Er kroch zum Rand des Simses und sah hinüber. Unter ihm ging es bis auf ein paar kleine Felsvorsprünge steil hinab — wenn der Pulsator auf diese gestürzt war, war er abgeprallt und noch tiefer gefallen. Der Pulsator mußte also auf dem Grund der Schlucht liegen, doch von hier oben aus konnte Nafai ihn nicht sehen — er lag im Gebüsch. Oder in jenen Baumgipfeln?
»Nafai!« Vas rief nach ihm.
»Ich bin hier!« rief Nafai.
»Gott sei Dank! Bist du verletzt?«
»Nein«, sagte Nafai. »Aber ich liege auf einem Felsvorsprung. Ich glaube, ein begehbarer Pfad führt nach Süden. Ich bin etwa zehn Meter unter dir. Kannst du auch nach Süden gehen? Vielleicht brauche ich deine Hilfe. Unter mir geht es steil bergab, und es ist unmöglich, zu dir hinaufzuklettern.«
»Hast du den Pulsator?« fragte Vas.
Natürlich mußte er sich nach der Waffe erkundigen. Nafai lief vor Scham rot an. »Nein, ich muß ihn bei meinem Sturz fallen gelassen haben«, sagte er. »Wenn du ihn da oben nirgendwo siehst, muß er auf dem Grund der Schlucht liegen.«
»Hier ist er nicht — du hattest ihn in der Hand, als du gefallen bist.«
»Dann liegt er unten. Geh in südliche Richtung«, sagte Nafai.
Doch er mußte feststellen, daß es einfacher war, darüber zu sprechen, am Rand eines Abgrundes entlang zu gehen, als es tatsächlich zu tun. Er hatte sich bei dem Sturz nicht ernsthaft verletzt, doch der Schreck hatte etwas in ihm bewirkt — er konnte sich kaum aufrappeln aus Angst vor dem steil abfallenden Rand, aus Angst vor dem Sturz.
Ich bin nicht gefallen, weil ich das Gleichgewicht verloren habe, dachte Nafai. Ich bin gefallen, weil schlicht und einfach die Reibung nicht ausreichte, um mir auf dieser gefährlichen Stelle Halt zu geben. Bei diesem Felsvorsprung ist es etwas ganz anderes. Hier kann ich sicher stehen.
Also stand er auf, den Rücken den Felsen zugewandt, atmete tief durch und sagte sich, er müsse sich jetzt nur noch in Bewegung setzen, in südliche Richtung über den Felsvorsprung, um die Ecke, weil dort vielleicht ein Weg nach oben führte. Doch je mehr er sich dies sagte, desto mehr konzentrierte sein Blick sich auf den nicht einmal einen Meter von seinen Füßen entfernten Abgrund jenseits des Felsvorsprungs. Wenn ich mich nur ein wenig vorbeuge, werde ich fallen. Und wenn ich jetzt falle, werde ich hundert Meter tief stürzen.