Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Als sie mit ihrer leidenschaftlichen Rede fertig war, herrschte tiefe Stille in ihrem Zelt. Was denkt er? Was hält er von mir? Ich weiß, ich habe ihn verletzt — ich habe ihm gesagt, ich würde die Ehe mit ihm hassen, was gar nicht stimmt, weil er ein wahrer Freund ist — wem sonst könnte ich je mein Herz so ausschütten, wenn nicht ihm?
»Ich hätte nichts sagen sollen«, flüsterte sie. »Aber ich habe die Lichter der Stadt gesehen, und ich dachte — wir beide könnten in eine Welt zurückkehren, die uns schätzt.«
»Diese Welt hat mich auch nicht mehr geschätzt als die andere«, sagte Zdorab. »Und vergiß nicht — wie könnte ich jemals den Index aufgeben?«
Begriff er denn nicht, was sie vorschlug? »Nimm ihn mit«, sagte sie. »Wir können den Index nehmen und um die Bucht eilen. Wir haben keine Kinder, die uns aufhalten. Sie können uns nicht einholen. Mit dem Index hast du ebensoviel Wissen zu verkaufen wie ich — wir können uns den Weg aus Dorova zurück in die weite Welt im Norden kaufen, bevor sie diese Karawane in Bewegung setzen können, um uns zu jagen. Sie brauchen den Index nicht — siehst du denn nicht, wie Luet und Nafai und Volemak und Huschidh ohne die Hilfe des Index mit der Überseele sprechen?«
»Sie brauchen ihn in Wirklichkeit nicht, und deshalb sind wir in Wirklichkeit keine Diebe, wenn wir ihn mitnehmen.«
»Doch, natürlich sind wir Diebe«, sagte Schedemei. »Aber Diebe, die anderen stehlen, was diese in Wirklichkeit gar nicht brauchen, können mit ihrem Verbrechen etwas leichter leben als Diebe, die den Armen das Brot vom Mund wegstehlen.«
»Ich weiß nicht, ob die Größe eines Verbrechens entscheidend ist, ob der Verbrecher damit leben kann«, sagte Zdorab. »Ich glaube, es liegt an der natürlichen Güte der Person, die das Verbrechen begeht. Mörder leben mit ihren Morden oft leichter als ehrliche Menschen mit einer kleinen Lüge.«
»Und du bist so ehrlich …«
»Ja, das bin ich«, sagte Zdorab. »Und du auch.«
»Für uns beide ist jeder Tag, den wir mit dieser Gruppe verbringen, eine Lüge.« Es war schrecklich, dies zu sagen, und doch war sie so verzweifelt auf eine Veränderung aus, auf irgendeine, daß sie ihm alles an den Kopf schleuderte, was ihr in den Sinn kam.
»Ist dem so? Ist es eine sehr große Lüge?« Zdorab schien weniger verletzt als … nachdenklich zu sein. »Huschidh hat mir neulich gesagt, du und ich, wir beide hätten mit die engsten Verbindungen in dieser Karawane. Wir sprechen über alles. Wir haben gewaltigen Respekt voreinander. Wir lieben einander — das hat sie gesehen, und ich glaube ihr. Es stimmt doch, oder?«
»Ja«, flüsterte Schedemei.
»Was also ist die Lüge? Die Lüge ist, daß ich bei der Fortpflanzung dein Partner bin. Das ist alles. Und wenn diese Lüge zur Wahrheit würde und du ein Kind in deinem Bauch hättest, wärst du wieder heil, nicht wahr? Die Lüge würde nicht mehr an deinem Herzen zerren, weil du dann wärst, was du jetzt nur zu sein scheinst: eine Ehefrau und ein Teil dieses Netzes des Lebens.«
Sie betrachtete sein Gesicht und suchte Spott darauf, fand aber keinen. »Bist du dazu imstande?«
»Ich weiß es nicht. Es hat mich nie so sehr interessiert, daß ich es versucht hätte, und ich hätte sowieso keine bereitwillige Partnerin dafür gehabt. Aber wenn ich in meiner Phantasie kleine Befriedigungen finden kann, müßte ich auch dazu imstande sein — schließlich mache ich ja meiner liebsten Freundin ein Geschenk der Liebe. Nicht, weil ich es begehre, sondern weil sie es so sehr verlangt.«
»Aus Mitleid«, sagte sie.
»Aus Liebe«, sagte er. »Mehr Liebe, als diese anderen Männer empfinden, die Nacht für Nacht ihre Frauen bespringen aus einem Drang heraus, der nicht tiefer geht als das Verlangen, sich zu kratzen oder die Blase zu entleeren.«
Sie hatte nie in Betracht gezogen, was er ihr gerade angeboten hatte — für sie ein Kind zu zeugen. War seine Neigung nicht sein Schicksal?
»Zeigt die Liebe nicht ihr Gesicht«, fuhr er fort, »wenn sie die Bedürfnisse des geliebten Partners befriedigt, einzig und allein um dieses Partners willen? Welcher dieser Gatten kann das schon für sich beanspruchen?«
»Aber … stößt der Körper einer Frau euch nicht ab?«
»Einige vielleicht. Die meisten jedoch stehen ihm einfach … gleichgültig gegenüber. Wie ein ›normaler‹ Mann einem anderen gegenüber. Aber ich kann dir verraten, was du tun mußt, um meine Begierde zu wecken; und wenn du mir diese … Treulosigkeit verzeihst, kann ich vielleicht an Partner aus meiner Vergangenheit denken, um dir ein Kind zu schenken.«
»Aber, Zdorab … ich will nicht, daß du mir ein Kind schenkst«, sagte sie. Sie wußte nicht genau, wie sie es erklären sollte, da dieser Gedanke ihr gerade erst gekommen war, doch die Worte kamen klar und deutlich über ihre Lippen. »Ich will, daß wir ein Kind haben.«
»Ja«, sagte er. »Das ist auch meine Absicht. Ich werde unserem Kind ein Vater sein — das muß ich nicht vortäuschen. Meine Vorliebe ist ja keineswegs erblich. Wenn wir einen Sohn bekommen, muß er nicht unbedingt … wie ich sein.«
»Ach, Zodja«, sagte sie, »weißt du nicht, daß ich mir wünsche, unsere Söhne wären in vielerlei Hinsicht genau wie du?«
»Söhne?« sagte er. »Versuche nicht, Fische zu fangen, bevor du am Meer bist, meine liebe Schedja. Wir wissen nicht, ob uns dies ein einziges Mal gelingt, geschweige denn so oft, wie es nötig ist, daß du tatsächlich ein Kind empfängst. Vielleicht ist es ja für uns beide so schrecklich, daß wir es nie wieder versuchen wollen.«
»Aber du wirst es einmal versuchen?«
»Ich werde es versuchen, bis wir Erfolg haben oder du mir sagst, daß wir den Versuch beenden sollen.« Er beugte sich zu ihr und küßte sie auf die Wange. »Am schwersten wird dabei für mich sein, daß ich dich in meinem Herzen für meine liebste Schwester halte. Mit dir zu schlafen, kommt mir vielleicht wie Inzest vor.«
»Ach, versuche, nicht so zu empfinden«, sagte sie. »Mit diesem Problem müssen wir uns nur befassen, wenn sich ein Kind von Luet in ein Kind von Huschidh verliebt — doppelte Vettern ersten Grades! Du und ich, wir sind genetisch weit entfernt voneinander.«
»Und uns doch so nah«, sagte er. »Hilf mir, dies für dich zu tun. Wenn es uns gelingt, wird es uns so viel Freude bringen . Doch welche Freude könnte es uns je bringen, wenn wir davonlaufen, uns von unseren Freunden davonstehlen, uns trennen, der Überseele trotzen? Nein, das ist die beste Möglichkeit, Schedja. Bleib bei mir!«
Nafai fand das Holz problemlos — die Überseele wußte genau, welche Vegetation in dieser Gegend wuchs und welche Hölzer die Bogenmacher anderer Städte und Kulturen benutzten. Die Überseele konnte Nafais Händen allerdings keine Geschicklichkeit eingeben. Nicht, daß Nafai unnatürlich unbeholfen gewesen wäre. Aber er hatte nie mit Holz gearbeitet oder mit Messern, abgesehen vom Ausnehmen und Zerlegen von Wild. So ruinierte er zwei fast fertiggestellte Bogen. Inzwischen brach der Abend herein, und der Bogen verursachte ihm solche Probleme, daß er noch keinen einzigen Pfeil hergestellt hatte.
Du kannst nicht in einer Stunde lernen, wozu andere ein ganzes Leben brauchen.
Sprach die Überseele in seinem Verstand, als dieser Gedanke kam? Oder war es die Stimme der Verzweiflung?
Nafai saß mutlos auf einem flachen Stein. Das dritte Stück Bogenholz lag auf seinen Knien, und in der Hand hielt er ein eben erst gewetztes und scharfes Messer. Aber er wußte kaum mehr darüber, wie man Holz bearbeitete, als am Anfang — er hatte lediglich einen Katalog von Möglichkeiten erstellt, wie Messer abgleiten und Holz beschädigen konnten oder wie Holz an den falschen Stellen oder im falschen Winkel zersplitterte. Er war nicht mehr so frustriert gewesen, seit die Überseele ihm Vaters Traum eingegeben und ihn fast in den Wahnsinn getrieben hatte.