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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Vas fand in der Tat kurz darauf eine kleine Spur. Nafai hatte schon lange aufgegeben, all die Dinge sehen zu wollen, die Vas sah — wie so oft wäre er nicht einmal darauf gekommen, daß es sich um die Spur eines Tieres handelte. Nafai folgte Vas einfach und hielt die Augen nach Raubtieren offen, die vielleicht zum Schluß kommen konnten, daß Menschen entweder eine Bedrohung oder aber eine Mahlzeit waren. Die Spur des Tieres führte immer tiefer den Hang hinab, und irgendwann am Morgen konnte Nafai eine einfache und leichte Strecke zum Ufer ausmachen. Aus Gründen, auf die er nicht besonders stolz war, wollte er diesen Pfad hinabgehen und zumindest die Füße im Wasser der Dorova-Bucht baden. Aber Vas schlug diesen Weg nicht ein, sondern führte sie statt dessen eine zunehmend steilere und gefährlichere Klippe entlang.

Warum sollte ein Tier diesen Weg wählen? fragte Nafai sich. Um was für ein Tier handelte es sich? Aber natürlich sagte er nichts; es war eine Sache des Stolzes, während der Jagd völliges Schweigen zu bewahren.

Gerade, als sie die gefährlichste Stelle des Weges erreicht hatten, an der sie ohne den geringsten Halt eine glatte Felsoberfläche überqueren mußten und nur die Reibung verhinderte, daß sie fünfzig Meter oder tiefer hinabstürzten, blieb Vas stehen und deutete auf die andere Seite des Felsens. Das waren schlechte Nachrichten. Es bedeutete, daß Nafai den Felsen mit gezogenem und schußbereitem Pulsator überqueren mußte — mehr noch, daß er von diesem Hang aus zielen und schießen mußte.

Doch nachdem sie schon so viel Zeit investiert hatten, konnten sie nicht einfach aufhören und von vorn anfangen, nur weil sie auf eine Schwierigkeit gestoßen waren.

Und in diesem Augenblick kam ihm der Gedanke: Geh nicht weiter. Vas will dich töten.

Das ist dumm, dachte Nafai. Es ist eine Sache, vor dem Abhang Angst zu haben — ich bin nur ein Mensch. Aber wenn Vas mich töten wollte? Sobald ich ihm über den Vorsprung folge, braucht er nur einmal zusammenzucken und mir einen kleinen Stoß geben.

Geh keinen Schritt weiter.

Und die Familie bekommt kein Fleisch, weil ich plötzlich Bammel kriege? Kommt nicht in Frage.

Nafai schluckte seine Furcht herunter und ging weiter. Er krümmte den Körper ein wenig, um die Füße so stark wie möglich zu belasten und demzufolge mit den Sohlen seiner Kletterstiefel die Stärkstmögliche Reibung zu erzielen. Doch er spürte, daß sie trotzdem zu sehr nachgaben — dieses Teilstück war wirklich sehr gefährlich, und es war fast unmöglich, von hier aus zu schießen.

Er erreichte die Stelle, von der aus er die gesamte Fläche überblicken konnte, die ihm zuvor verborgen gewesen war, blieb stehen und hielt nach dem Tier Ausschau, sah es aber nicht. So etwas war öfter der Fall — besonders, wenn sie schweigend jagten. Vas hatte ihn vielleicht zu einem Tier mit guter natürlicher Tarnung geführt, und wenn es sie dann bemerkte, sah oder roch, erstarrte es und wurde fast völlig unsichtbar. Manchmal dauerte es eine Weile, bis das Tier sich bewegte und Nafai es sah. Es handelte sich also wieder um eins dieser Wartespiele. Nafai war es zwar nicht angenehm, daß er auf diesem glatten Felsen ausharren mußte, doch er war nun gut sichtbar, und wenn er jetzt weiterging, würde das Tier davonlaufen, und sie mußten von vorn anfangen.

Er bewegte vorsichtig die Hände, so daß sein gesamtes Gewicht auf den Beinen und der Hand ohne Pulsator lag. Dann hob er die Waffe, um auf alles zielen zu können, was sich auf dem Berg vor ihm bewegte. War das Tier in jenem Gebüsch? Vielleicht hinter einem Felsen, dessen Deckung es jeden Augenblick verlassen würde.

Es war nicht einfach, ruhig auf diesem glatten Felsen zu stehen. Nafai war stark und hatte schon öfter lange regungslos ausgeharrt, aber noch nie in solch einer Körperstellung. Schweiß tropfte seine Stirn hinab. Da er mit Staub von seinem Gesicht vermischt war, würde er gnadenlos brennen, sollte er ihm in die Augen geraten. Doch er konnte ihn nicht abwischen, ohne das Tier zu verjagen.

Ein Tier, das ich noch nicht einmal gesehen habe.

Vergiß das Tier! Verlasse sofort diesen Felsen!

Nein, so schwach bin ich nicht. Ich brauche die Nahrung für meine Familie — ich werde nicht umkehren und sagen, daß es heute kein Fleisch gibt, weil ich Angst hatte, ruhig auf einem Felsen zu stehen.

Er hörte, daß Vas sich hinter ihm bewegte. Das war dumm — warum tat er das?

Um mich zu töten.

Warum konnte er diese Vorstellung nicht abschütteln? Nein, Vas kam zu ihm, weil er gemerkt hatte, daß Nafai das Tier noch nicht ausgemacht hatte, und es ihm zeigen wollte. Aber wie wollte er das zustande bringen? Nafai konnte sich nicht zu ihm umdrehen, und Vas kam nicht an ihm vorbei.

O nein. Vas würde mit ihm sprechen.

»Es ist zu gefährlich«, sagte Vas. »Du wirst ausrutschen.«

Und während er dies sagte, ließ die Reibung, die Nafais rechten Fuß an Ort und Stelle hielt, plötzlich nach. Der Fuß glitt nach innen, er konnte die abrupte Bewegung nicht mit dem linken Fuß ausgleichen und kam ins Rutschen. Es mußte in Wirklichkeit sehr schnell gegangen sein, aber ihm kam es wie eine Ewigkeit vor; er versuchte, sich mit der Hand und mit dem Griff des Pulsators irgendwo festzuhalten, doch beide glitten einfach so über den Felsen und verlangsamten seinen Sturz kaum. Und dann wurde der Felsen steiler, und er rutschte nicht mehr, er fiel. Er fiel hinab und wußte, daß er sterben würde.

»Nafai!« schrie Vas. »Nafai!«

Luet war am Bach und wusch Kleidung, als plötzlich ein klarer Gedanke in ihren Verstand kam: ›Er ist nicht tot.‹

Nicht tot? Wer ist nicht tot? Warum sollte er tot sein?

›Nafai ist nicht tot. Er wird nach Hause kommen.‹

Sie wußte sofort, daß die Überseele zu ihr sprach, sie beruhigte. Aber sie wollte sich nicht beruhigen lassen. Es erleichterte sie zwar, daß Nafai in Ordnung war, aber nun mußte sie wissen, verlangte sie zu erfahren, was geschehen war.

›Er ist gestürzte Wie ist er gestürzt?

›Er ist von einem Felsen abgeglitten.‹

Nafai ist trittsicher. Warum ist er abgeglitten? Was verschweigst du mir?

›Ich habe beobachtet, wie Vas zu Sevet und Obring steht. Ununterbrochen beobachtet. Er hat Mord in seinem Herzen‹

Hat Vas etwas mit Nafais Sturz zu tun?

›Erst, als sie den glatten Felsen betraten, erkannte ich den Plan in seinem Kopf. Er hat bereits die ersten drei Pulsatoren zerstört. Ich wußte, daß er auch den letzten vernichten will, habe mir aber keine Sorgen gemacht, weil es Alternativen gab. Ich habe erst im letzten Augenblick in seinem Verstand gesehen, daß er den vierten Pulsator vernichten wollte, indem er Nafai an einen gefährlichen Ort führt, um ihm dort einen Stoß zu geben, damit er fällt.‹

Du hast diesen Plan vorher nicht in seinem Kopf gesehen?

›Als sie den Berg hinabgingen, dachte er die ganze Zeit über an einen Weg zum Meer. Wie er zur Bucht hinab kommt, um nach Dorova zu gehen. Nur daran dachte er, während er Nafai hinter einer Beute herführte, die es gar nicht gab. Vas hat eine beträchtliche Konzentrationsfähigkeit. Er hat bis zum letzten Augenblick an nichts anderes als den Weg zum Meer gedacht.‹

Hast du Nafai nicht gewarnt?

›Er hat mich gehört, aber nicht begriffen, daß es meine Stimme war. Er dachte, es wäre seine eigene Furcht, und kämpfte gegen sie an.‹

Also ist Vas ein Mörder.

›Vas ist, was er ist. Er wird alles tun, um sich dafür zu rächen, daß Obring und Sevet ihn in Basilika betrogen haben.‹

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