Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Mm. Wusstest du, dass er für Sandringham arbeitet?«
Ich schüttelte den Kopf. »Ich wusste – weiß – nichts über ihn außer seinem Namen und der Tatsache, dass er Geistlicher ist. F-Frank hat sich nicht besonders für ihn interessiert, weil er kein direkter Vorfahr von ihm war.« Das leise Beben meiner Stimme, als ich Franks Namen aussprach, verriet mich.
Jamie stellte seine kleine Zinnflasche hin und kam auf mich zu. Er bückte sich bedachtsam, hob mich hoch und wiegte mich an seiner Brust. Der Duft der Gärten von Versailles stieg scharf und frisch aus seinen Hemdfalten auf. Er küsste mich auf den Scheitel und wandte sich dem Bett zu.
»Leg den Kopf an mich, Claire«, sagte er leise. »Es war für uns beide ein langer Tag.«
Eigentlich hatte ich Angst gehabt, dass die Begegnung mit Alexander Randall bei Jamie Träume auslösen würde. Es geschah zwar nicht oft, aber hin und wieder spürte ich ihn an meiner Seite erwachen, angespannt wie im plötzlichen Kampf. Dann sprang er aus dem Bett und verbrachte die Nacht am Fenster, als böte es ihm einen Rückzugsort, während er jeden Trostversuch und jede Annäherung zurückwies. Und am Morgen waren Jack Randall und die anderen Dämonen der dunklen Stunden wieder in ihre Kiste zurückgedrängt, verschlossen und verriegelt durch Jamies eiserne Willenskraft, und alles war wieder gut.
Doch diesmal schlief Jamie schnell ein, und die Anspannungen des Tages verflüchtigten sich aus seinem Gesicht. Es war glatt und friedvoll, als ich die Kerze ausblies.
Es war herrlich, reglos dazuliegen, während die Wärme rings um meine kalten Gliedmaßen zunahm und sich die tausend kleinen Schmerzen in Rücken, Hals und Knien in der Losgelassenheit des nahenden Schlafes verloren. Doch in meinem Kopf, der jetzt nicht länger wachen musste, spielte sich diese Szene vor dem Palast tausendmal von vorne ab – ein flüchtig erspähter dunkelhaariger Kopf mit hoher Stirn, enganliegenden Ohren und einem fein gemeißelten Kinn … jenes erste, brutale Aufblitzen irrtümlichen Erkennens, das meinem Herzen einen Stoß des Glücks und der Angst versetzte. Frank, hatte ich gedacht. Frank. Und es war Franks Gesicht, das ich sah, als ich in den Schlaf sank.
Es war einer der Vorlesungsräume an der Londoner Universität; alte Holzdecke und moderne Fußböden, von unruhigen Füßen zerkratztes Linoleum. Die Sitze waren die alten, glatten Bänke; neue Sitze waren für die Naturwissenschaften reserviert. Für Geschichte reichte auch sechzig Jahre altes, narbiges Holz; das Thema war schließlich unverrückbar und würde sich nicht mehr ändern – warum sollte seine Umgebung das tun?
»Liebhaberstücke«, sagte Franks Stimme, »und Alltagsgegenstände.« Seine langen Finger berührten den Rand eines silbernen Kerzenhalters, und die Sonne, die durch das Fenster kam, glitzerte auf dem Metall auf, als sei seine Berührung elektrisch.
Die Gegenstände, allesamt Leihgaben aus den Sammlungen des Britischen Museums, standen an der Tischkante aufgereiht, so dass die Studenten in der ersten Reihe die winzigen Risse im vergilbten Elfenbein einer Dose für Spielsteine sehen konnten, die aus Frankreich stammte, und die Tabakflecken vergangener Tage, die die Enden der weißen Tonpfeife braun färbten. Eine goldverzierte englische Parfumflasche, ein bronzener Tintenbehälter mit Reliefdeckel, ein gesprungener Hornlöffel und eine kleine Marmoruhr, auf der zwei trinkende Schwäne saßen.
Und hinter der Reihe der Gegenstände lag eine Reihe gemalter Miniaturen flach auf dem Tisch, die Gesichtszüge unsichtbar unter dem Licht, das von ihren Oberflächen reflektiert wurde.
Franks dunkelhaariger Kopf beugte sich konzentriert über die Gegenstände. Die Nachmittagssonne erhaschte einen verirrten rötlichen Glanz in seinem Haar. Er ergriff die Tonpfeife und legte sie in seine Hand wie eine Eierschale.
»Für manche Perioden der Geschichte«, sagte er, »haben wir die Geschichte selbst; die schriftlichen Augenzeugenberichte der Menschen, die damals gelebt haben. Für andere haben wir nur die Gegenstände, die uns zeigen, wie die Menschen gelebt haben.«
Er hob die Pfeife an den Mund, legte die Lippen um den Stiel und blies mit komisch hochgezogenen Augenbrauen die Wangen auf. Aus der Zuhörerschaft stieg unterdrücktes Kichern auf, und er lächelte und legte die Pfeife wieder hin.
»Die Kunst und die Liebhaberstücke«, er ließ die Hand über die schillernde Ansammlung schweifen, »das ist es, was wir am häufigsten sehen, die Schmuckstücke einer Gesellschaft. Und warum auch nicht?« Sein Blick heftete sich auf einen intelligent aussehenden braunhaarigen Jungen. Der Trick eines professionellen Referenten, sich einen Zuhörer herauszupicken und ihn anzusprechen, als wäre man mit ihm allein. Im nächsten Moment zu einem anderen überzuwechseln. Und jeder Anwesende wird sich persönlich angesprochen fühlen.
»Es sind schließlich hübsche Dinge.« Eine Berührung seines Fingers versetzte die Schwäne auf der Uhr in eine Drehbewegung, und ihre geschwungenen Hälse folgten einander in stattlicher Haltung. »Wert, sie aufzuheben. Aber wer würde einen alten, geflickten Topflappen verwahren oder einen abgenutzten Autoreifen?« Eine hübsche Blondine mit einer Brille diesmal, die mit einem Lächeln und einem leisen Kichern reagierte.
»Aber es sind die Alltagsgegenstände, die in keinem Dokument notiert sind, die man benutzt, verbraucht und wegwirft, ohne sich Gedanken darüber zu machen, die uns sagen, wie die einfachen Leute gelebt haben. Die Vielzahl dieser Pfeifen zum Beispiel, sagen uns etwas darüber, wie oft und welche Sorte Tabak welche Gesellschaftsklassen geraucht haben, von ganz oben«, sein Finger tippte auf den Deckel einer emaillierten Schnupftabakdose, »bis ganz unten.« Der Finger wanderte weiter zu dem langen, geraden Pfeifenstiel und strich mit vertraulicher Zuneigung darüber hinweg.
Jetzt eine Frau in den mittleren Jahren, die eifrig mitschrieb, um jedes Wort mitzubekommen, und kaum merkte, dass sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Die Fältchen rings um Franks lächelnde Haselaugen vertieften sich.
»Sie brauchen nicht alles mitzuschreiben, Miss Smith«, zog er sie auf. »Der Vortrag dauert eine Stunde – so lange hält Ihr Stift nicht.«
Die Frau wurde rot und ließ den Stift fallen, lächelte aber schüchtern als Reaktion auf das freundliche Grinsen in Franks schmalem, dunklem Gesicht. Jetzt hatte er sie, alle waren angesteckt von seiner freundlichen Wärme, ihre Aufmerksamkeit gefesselt von den kleinen Blitzen aus Glitzer und Gold. Jetzt würden sie ihm folgen, ohne Klagen, unermüdlich, über den Pfad der Logik in die Dickichte der Diskussion. Ein Hauch von Anspannung wich aus seinem Nacken, als er spürte, dass sich die Studenten ganz auf ihn konzentrierten.
»Der beste Zeuge der Geschichte ist der Mann – oder die Frau«, ein Nicken in Richtung der hübschen Blondine, »der sie erlebt hat, nicht wahr?« Er lächelte und ergriff den gesprungenen Hornlöffel. »Nun, vielleicht. Es ist schließlich nur menschlich, die Dinge ins beste Licht zu rücken, wenn man weiß, dass jemand lesen wird, was man geschrieben hat. Die Leute neigen dazu, sich auf Dinge zu konzentrieren, die sie für wichtig halten, und oft genug glätten sie ihren Text für die Allgemeinheit ein wenig. Man findet nur selten einen Pepys, der die Einzelheiten einer königlichen Prozession mit demselben Interesse notiert wie die Häufigkeit, mit der er nachts gezwungen ist, sein Nachtgeschirr zu benutzen.«
Diesmal lachten alle, und er entspannte sich und lehnte sich lässig an den Tisch, während er mit dem Löffel gestikulierte.
»Genauso sind die schönen Gegenstände, die kunstvoll gefertigten Dinge die, die am häufigsten erhalten bleiben. Aber die Nachttöpfe und die Löffel und die billigen Tonpfeifen können uns viel mehr über die Menschen erzählen, die sie benutzt haben. Und was waren das für Menschen? Manchmal stellen wir uns historische Personen irgendwie anders vor, als wir selbst es sind, manchmal halbwegs mythologisch. Doch irgendwann hat jemand hiermit gespielt«, der schlanke Finger strich über die Steindose, »eine Dame hat das hier benutzt«, tippte gegen die Parfumflasche, »um sich Parfum hinter die Ohren zu tupfen, auf die Handgelenke … Wo tragen die Damen sonst noch Parfum auf?« Unvermittelt hob er den Kopf und lächelte die rundliche Blondine in der ersten Reihe an, die kichernd errötete und sich schüchtern just oberhalb des Vs ihrer Bluse berührte.