Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)
- Автор: Престон Дуглас, Чайлд Линкольн
- Серия: Ein Fall für Special Agent Pendergast #17
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:
Letzteres war Harriman neu. »Außer Landes fliehen? Nach Laos?«
»Ja. Ihre Wohnung wurde per Gerichtsbeschluss durchsucht, sämtliche Dokumente und Computer wurden beschlagnahmt. Die haben alles gefunden, Mr. Harriman, mitsamt dem Online-Ticket. Die Beweise sind eindeutig.«
Greenbaums Stimme hatte einen betrübten, ja sogar vorwurfsvollen Tonfall angenommen, als wunderte er sich darüber, dass Harriman so dumm sein konnte.
Harriman stöhnte auf, legte den Kopf in beide Hände. »Schauen Sie, das ist alles ein abgekartetes Spiel. Eine Falle, um mich zu erpressen. Ozmian hat das alles aus der Luft gegriffen. Für ihn arbeiten die besten Hacker der Welt, und die haben die ganze Sache inszeniert! Ich habe Ihnen von meinen Treffen mit Ozmian erzählt, davon, wie er mir gedroht hat. Es muss Aufzeichnungen geben, dass ich mich in dem Gebäude aufgehalten habe, nicht einmal, sondern zweimal.«
»Mr. Ozmian gibt zwar zu, dass Sie sich in dem Gebäude aufgehalten haben, behauptet jedoch, dass Sie nach weiteren Informationen über seine Tochter für einen neuen Artikel gesucht hätten.«
»Er hat mir das aus reiner Rache angetan, wegen der Artikel, die ich über seine Tochter geschrieben habe! Der Mann hat mir eine SMS geschickt, unmittelbar nachdem ich das Gebäude verlassen hatte, in der er mir mitteilte, was er getan hat und warum.«
Der Anwalt nickte. »Sie beziehen sich, nehme ich an, auf den Text, der weder auf Ihrem Handy noch andernorts gefunden werden konnte.«
»Er muss irgendwo sein!«
»Da stimme ich Ihnen zu. Das ist aber gerade das Problem. Meiner Erfahrung nach – und zweifellos auch der Staatsanwaltschaft – löschen sich Texte nicht einfach selbst. Es bleibt immer irgendwo eine Spur übrig.«
Harriman sackte in sich zusammen. »Hören Sie, Mr. Greenbaum, ich habe Sie beauftragt, damit Sie mich verteidigen. Nicht damit Sie diese ganzen gefälschten Beweise für meine Schuld aufzählen!«
»Zunächst einmaclass="underline" Bitte nennen Sie mich Lenny. Denn ich fürchte, wir werden sehr lange zusammenarbeiten müssen.« Er legte die Ellbogen auf den Tisch, beugte sich vor und sagte teilnahmsvolclass="underline" »Bryce, ich werde Sie bis zum Letzten verteidigen. Ich bin der Beste im Geschäft, darum haben Sie mich ja auch eingestellt. Aber wir müssen uns den Tatsachen stellen. Der Staatsanwalt hat überwältigende Beweise auf seiner Seite. Wenn wir darauf bestehen, vor Gericht zu ziehen, werden Sie verurteilt, und man wird Sie mit Klagen überziehen. Die einzige Chance, die Sie haben – die einzige – besteht darin, sich schuldig zu bekennen.«
»Sie halten mich für schuldig, nicht wahr?«
»Lassen Sie mich ausreden.« Greenbaum holte tief Luft. »Ich habe mit dem Staatsanwalt gesprochen, und angesichts der Umstände ist er geneigt, Milde walten zu lassen. Sie sind nicht vorbestraft und haben bislang ein aufrechtes, gesetzestreues Leben geführt. Obendrein sind Sie ein bekannter Reporter, der in diesem jüngsten Fall der Öffentlichkeit einen Dienst erwiesen hat. Daher könnte er bereit sein, das Ganze für eine einmalige Verirrung zu halten, wenn auch eine ungeheuerliche. Schließlich ist der Diebstahl von Geldanlagen aus einer wohltätigen Stiftung für Krebspatienten, die ins Leben gerufen wurde unter dem Vorwand, einer verstorbenen Freundin zu gedenken …« Er verstummte.
Harriman schluckte. »Milde? Wie milde?«
»Darüber wird noch entschieden – wenn Sie mir die Befugnis erteilen, zu verhandeln. Fest steht, dass nichts von dem abgezogenen Geld tatsächlich ausgegeben worden ist und Sie nicht außer Landes geflohen sind. Was den Vorsatz betrifft, den Anklagepunkt könnte ich vermutlich zurückweisen. Wenn Sie sich schuldig bekennen, kriegen Sie, würde ich sagen, nicht mehr als – na ja, zwei Jahre, höchstens drei.«
Harriman stöhnte erneut auf, legte den Kopf abermals in seine Hände. Es gab kein anderes Wort dafür: Das hier war in der Tat ein echter Albtraum – ein Albtraum, aus dem er, so wie es jetzt aussah, für mindestens ein paar Jahre nicht erwachen würde.
50
Mehrere Kilometer nördlich des Manhattan Detention Center stand Marsden Swope neben einer mitten auf dem Great Lawn ausgebreiteten Plane. Er wartete aufgeregt und erwartungsvoll, hinzu kam ein Gefühl der Demut. Gleichzeitig begannen Menschen von den Fußwegen, aus den Baumgruppen und den Alleen zu erscheinen – langsam, zögernd, als spürten sie den Ernst des Anlasses – und über die große Rasenfläche zu gehen, um sich schweigend um ihn zu versammeln. Einige Fußgänger, die in der kalten Januarluft ihren Zielen entgegeneilten, verlangsamten ihre Schritte und schauten sich die bunt zusammengewürfelte und wachsende Menschenmenge an. Doch die Aufmerksamkeit der Behörden hatte man bislang noch nicht erregt.
Swope wusste zwar, dass seine Nachricht ganz unterschiedliche Menschen erreicht hatte, einen echten Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft, aber dass sie so unterschiedlich sein würden, hatte er sich nicht vorgestellt. Menschen aller Altersgruppen, Rassen, Konfessionen und Einkommensgruppen umringten ihn jetzt in einem größer werdenden Kreis. Menschen, die Businessanzüge trugen, verschiedene Kopfbedeckungen, Smokings, Saris, Baseball-Outfits, Kaftans, Hawaiihemden, Straßengangklamotten – es kamen mehr und mehr. Aber genau dies hatte er sich so leidenschaftlich erhofft: dass die Einprozenter und die Neunundneunzigprozenter in ihrer Zurückweisung des Reichtums zusammenkommen würden.
»Dem Herrn sei gedankt«, flüsterte Swope bei sich. »Dem Herrn sei gedankt.«
Jetzt war die Zeit gekommen, den Scheiterhaufen zu entfachen. Das würde so schnell über die Bühne gehen, dass die Cops keine Zeit hätten, die Aktion zu stoppen oder sich durch die Menge zu drängeln, um das Feuer zu löschen.
In der Mitte einer kreisrunden Lichtung, die bereits drei bis fünf Meter tief von den Pilgern umringt war, reckte sich Swope zu voller Größe. Mit einer Geste, die sowohl dramatisch als auch demütig erschien, warf er seinen Umhang von sich und präsentierte ein Kleidungsstück, das er an vielen Abenden mit großer Akribie genäht hatte: ein Büßerhemd aus dem gröbsten Tierhaar, das er sich hatte beschaffen können. Als Nächstes ergriff er die Plane und riss sie weg, sodass ein großes weißes X zum Vorschein kam, das er auf den Rasen gesprüht hatte. Daneben lagen zwei Kanister mit Brennspiritus.
»Ihr Menschen!«, rief er. »Ihr Kinder des leibhaftigen, lebendigen Gottes! Wir – Arm und Reich, aus dem ganzen Land – haben uns hier zu einem einzigen Zweck versammelt: um zusammenzukommen und uns von den Besitztümern des Prunks und des Hochmuts loszusagen, die Gott so hassenswert sind, vom Reichtum, von dem Jesus so unmissverständlich sagt, dass er unseren Eintritt ins Himmelreich verhindert. Lasset uns nun feierlich schwören, dass wir uns dieser Symbole der Habgier entledigen und unsere Herzen läutern. An diesem Ort, zu dieser Zeit wollen wir nun dem Fegefeuer der Eitelkeiten ein symbolisches Opfer darbringen – als unser Versprechen, von nun an bis ans Ende unserer Tage ein Leben in Einfachheit zu führen!«
Jetzt hob er die Kanister an und trat von dem auf den Rasen gesprühten Kreuz zurück, bis er in der vordersten Reihe des Kreises stand. Er griff in die Hosentasche seiner zerschlissenen Jeans und holte ein Schreibgerät hervor – einen goldenen Füllfederhalter, den ihm sein Vater, den er seit zehn Jahren weder gesehen noch gesprochen hatte, zum Abschluss seines Studiums am Jesuiten-Kolleg geschenkt hatte. Er hielt den Füllfederhalter so, dass alle ihn sehen konnten und die kostbaren Metallintarsien in den Strahlen der untergehenden Sonne funkelten. Anschließend warf er ihn mitten auf das aufgesprühte Kreuz.
»Und nun folgt alle, die ihr den Weg der Gnade gehen wollt«, intonierte er, »meinem Beispiel!«
Eine leichte Bewegung ging durch die Menschenmenge, ähnlich einem Schauer freudiger Erwartung. Darauf folgte ein Moment des Stillstands. Und dann wurden unglaubliche Mengen an Gegenständen aus dem umgebenden Kreis geworfen und landeten auf der vom Kreuz markierten Rasenfläche: Designer-Handtaschen, Kleidungsstücke, Schmuck, Armbanduhren, Autoschlüssel, Bündel von Inhaberschuldverschreibungen, Ziplock-Beutel mit Drogen und Marihuana, Packen Hundertdollarscheine, Ratgeber über Diäten und »So werden Sie schnell reich«-Pläne. Dazu kamen einige überraschende Dinge: ein mit Brillanten besetzter Dildo, eine elektrische Gitarre mit einem wunderschönen Korpus sowie eine Smith-&-Wesson-Handfeuerwaffe. Zahllose andere Sachen, die jeder Beschreibung spotteten, wurden auf den schnell wachsenden Stapel gelegt oder geworfen. Der Haufen des Plunders, Tands und leeren Luxus wurde immer höher, darunter eine wirklich erstaunliche Anzahl von Damenschuhen – überwiegend hochhackige Pumps.