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Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)

Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die kaum einen Schritt weiterkommen und nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.
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Es blieb nur noch eines zu tun: D’Agosta kontaktieren. Dafür konnte er sein reguläres Handy verwenden, nur für diesen einen Anruf, und ihn banal halten. Er scrollte in dem Verzeichnis mit den Kontakten, fand D’Agostas Nummer und wählte. Es war zwar noch nicht mal halb sieben, doch der Anruf wurde beim ersten Klingeln entgegengenommen. Und die Stimme am anderen Ende der Leitung klang überhaupt nicht schläfrig.

»Ja?«

Longstreet fiel auf, dass sich der Mann nicht identifizierte. »Lieutenant?«

»Ja.«

»Wissen Sie, wer ich bin?«

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie der sind, den unser gemeinsamer Bekannter ›H‹ nennt.«

»Korrekt. Bitte halten Sie Ihre Antworten so kurz wie möglich. Hat er Sie kontaktiert?«

»Ja.«

»Und einen Ort vorgeschlagen, an dem wir beide uns einfinden sollen?«

»Keinen Ort. Er hat mir nur gesagt, dass ich einen Anruf von Ihnen erwarten soll – dringend und vertraulich.«

»Gut. Wir treffen uns um zwölf vor Ihrer, äh, Firmenzentrale.«

»Okay.«

»Absolut vertraulich.«

»Habe verstanden.«

Die Leitung war unterbrochen.

Longstreet legte das Handy beiseite. Obwohl er in seiner langen Berufslaufbahn zahlreiche verdeckte Ermittlungen geleitet hatte, konnte er nicht anders – er verspürte doch eine gewisse innere Erregung. Nachdem er jahrelang große Kommandoeinheiten befehligt hatte, erschien ihm eine kleine, taktische Operation wie diese wie eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Dieser Pendergast – er war immer für eine Überraschung gut. Er hatte das Ganze äußerst gut gemanagt. Dennoch, die Beteiligung des Lieutenants würde entscheidend sein, da es sich hier auch um eine Ermittlung des NYPD handelte.

Longstreet ging zu Bett, jedoch nicht in der Hoffnung, schlafen zu können – das war jetzt nicht mehr möglich –, sondern um einen klaren Kopf zu bekommen und um sich auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Schon bald würde es Mittag sein, und dann würde die Ermittlung in ihre letzte Phase eintreten: den Zugriff. Er hoffte inständig, dass diese albtraumhafte Reihe von Serienmorden damit endlich beendet wäre.

Er schloss die Augen, während das Licht des heraufdämmernden Morgens die Schlafzimmervorhänge erhellte.

49

Bryce Harriman wurde vom bewaffneten Justizvollzugsbeamten erst durch die kahlen Gänge des Manhattan Detention Complex geführt und dann in einen winzigen Raum mit einem am Fußboden festgeschraubten Tisch, zwei Stühlen, einer Wanduhr und einer Deckenlampe – beides mit einem Drahtgitter abgeschirmt. Der Raum hatte keine Fenster, nur wegen der Uhr wusste Harriman, dass es 20.45 Uhr war.

»Da wären wir«, sagte der Beamte.

Harriman zögerte und blickte die beiden muskelbepackten, glatzköpfigen Kerle an, die bereits in der Zelle saßen und ihn musterten, als würden sie ein Stück medium gebratenes Roastbeef in Augenschein nehmen.

»Machen Sie schon, rein mit Ihnen!« Der Wachmann versetzte Harriman einen leichten Stoß. Er betrat die Zelle; die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, scheppernd wurde der Riegel vorgelegt.

Er schlurfte in die Zelle und nahm Platz. Wenigstens trug er keine Fußfesseln mehr, aber der orangefarbene Overall war steif und scheuerte auf der Haut. Die vergangenen Stunden waren in einer fürchterlichen Verschwommenheit an ihm vorbeigezogen. Die Festnahme, die Fahrt in einem Streifenwagen zur örtlichen Polizeistation, das Warten, die Anklageverlesung wegen Unterschlagung, anschließend die deprimierend kurze Fahrt zu dem nur ein paar Häuserblocks entfernten Gefängnis – das Ganze spielte sich so schnell ab, dass er kaum verarbeiten konnte, was passiert war. Es war wie ein Albtraum, aus dem man nicht erwachte.

Kaum war der Justizbeamte gegangen, kam einer der bulligen Typen herüber, pflanzte sich richtig nah vor Harriman auf und starrte auf ihn herunter.

Schließlich hob Harriman, der nicht wusste, was er tun sollte, die Arme. »Was ist denn?«

»Das ist mein Platz.«

Behände sprang Harriman auf, der Mann setzte sich. Zwei Sitzplätze, drei Männer. Keine Pritsche. Es würde ein langer Tag werden.

Während er auf dem Boden saß, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, und dem Gelärme und Geschrei der Mitgefangenen rauf und runter im Zellenblock lauschte, sah er die Fehler, die er gemacht hatte, wie in einer blöden Fernsehshow vor seinem inneren Auge paradieren. Er war geblendet gewesen von seinem übermäßigen Selbstbewusstsein, verstärkt durch seine neu errungene Berühmtheit, und hatte Anton Ozmian auf verhängnisvolle Weise unterschätzt.

Sein erster Fehler, auf den Ozmian sich bemüht hatte hinzuweisen, hatte darin bestanden, die naheliegende Frage zu übersehen: Warum hatte Ozmian den Priester überhaupt zusammengeschlagen? Wieso gab es keine Konsequenzen? Das war ein solch ungeheuerlicher Angriff gewesen, ausgeführt vor der versammelten Kirchengemeinde, dass seine Reporter-Alarmglocken hätten schrillen müssen.

Sein zweiter Fehler war taktischer Natur gewesen: Ozmian den Artikel vor der Veröffentlichung zu zeigen. Das hatte nicht nur sein Vorhaben verraten, sondern Ozmian auch Zeit zum Reagieren gegeben. Er machte sich bittere Vorwürfe, denn er erinnerte sich nur allzu gut daran, wie Ozmians rechte Hand zu Beginn ihres Treffens für einige Minuten den Raum verlassen hatte – und dann, zweifellos, nachdem sie die Lügengeschichte in Gang gesetzt hatte, zurückgekehrt war. Anschließend hatten sie ihn in dem Büro festgehalten, indem sie mit ihm redeten, während die Falle zuschnappte. Als er schließlich das DigiFlood-Gebäude verlassen hatte, ganz beseelt von seinem Erfolg, war er bereits weg vom Fenster. Und während abermals eine Welle der Frustration und Scham über ihm zusammenschlug, fiel ihm ein, was Ozmian zu ihm gesagt hatte: In meinem Unternehmen arbeiten viele sehr gute Programmierer, und die haben einen ganz famosen digitalen Diebstahl begangen, der auf Sie zurückverweist. Und Sie verfügen weder über die Kenntnisse noch die Mittel, diesen ungeschehen zu machen. Das hatte sich als nur allzu wahr erwiesen. In einem der wenigen Telefonate, die Harriman hatte tätigen dürfen, hatte er seinem Chefredakteur mitgeteilt, was ihm zugestoßen war, auf welche Art man ihm etwas angehängt hatte und dass er eine wahnsinnig gute Geschichte über Ozmian schreiben werde, die alles erklären würde. Petowski hatte darauf reagiert, indem er ihn einen Lügner nannte und auflegte.

Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, tatsächlich aber waren erst sechs Stunden vergangen, als seine beiden Zellengenossen, die ihn zum Glück ignorierten, aus der Gefängniszelle herausgeholt wurden. Dann kam er an die Reihe. Ein Vollzugsbeamter schloss die Tür auf und führte ihn den Gang entlang zu einem sehr kleinen Raum mit Stühlen und einem Tisch. Ihm wurde gesagt, er solle sich setzen. Kurz darauf erschien ein Mann, der einen gut geschnittenen Anzug und blank polierte Schuhe trug, die beim Gehen quietschten. Er hatte ein heiteres, fast engelsgleiches Gesicht. Das war Leonard Greenbaum, der Anwalt, den Harriman engagiert hatte – kein Pflichtanwalt, sondern ein erfahrener und gewiefter Strafverteidiger, der teuerste, den Harriman sich – angesichts des Umstands, dass die meisten seiner Vermögenswerte inzwischen eingefroren waren – leisten konnte. Greenbaum nickte kurz zum Gruß, legte seine schwere Lederaktentasche auf den Tisch, nahm Harriman gegenüber Platz, klappte seine Aktentasche auf, holte einen Stapel Papiere heraus und breitete sie vor ihm aus.

»Ich will es kurz machen, Mr. Harriman«, sagte er und sah dabei die Unterlagen durch. »Schließlich gibt es an diesem Punkt wirklich nicht viel zu sagen. Zuerst die schlechte Nachricht. Die Staatsanwaltschaft hat einen wasserdichten Fall gegen Sie. Der Papierbeweis ist ganz leicht zu führen. Ihr liegen Dokumente vor, dass Sie ein Konto auf den Cayman-Inseln eröffnet haben, nebst einem Video, wie Sie die Bank betreten, die haben Unterlagen, wie Sie sämtliche Geldanlagen der Stiftung heimlich überwiesen haben, außerdem ist man im Besitz von Hinweisen, wonach Sie vorhaben, übermorgen mit einem One-way-Flugticket nach Laos außer Landes zu fliehen.«

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